Regionale Wirtschaft hält sich gut

In den letzten Monaten sind die Konjunkturprognosen nach unten korrigiert worden. Nichts desto trotz zeigt sich die regionale Konjunktur standhaft. Steigende Ausfuhren, eine starke Bauwirtschaft und eine leichte Aufhellung im Detailhandel stützen die Entwicklung in der Region St.Gallen-Appenzell.

Unbeständige Weltkonjunktur

Gingen die Konjunkturexperten noch im Herbst von einem Wachstum im Euroraum von 1.8 % aus, wurden diese Erwartungen in der Zwischenzeit auf 0.8 % reduziert. Die Stimmung in der Euro-Wirtschaft hat sich im April zum zehnten Mal in Folge verschlechtert und ist auf den tiefsten Wert sein zweieinhalb Jahren gesunken. Davon lassen sich die Konsumenten allerdings nicht beirren. Ihr Kaufverhalten hängt stark von der Lage am Arbeitsmarkt ab und die Arbeitslosigkeit (7.7 %) ist auf den tiefsten Stand seit 2008 gesunken. Das BIP in der Eurozone ist im ersten Quartal um überraschende 0.4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Die Konjunktur im Euroraum bleibt aber fragil. Davon zeugen die tiefen Investitionen und die nachlassenden Exporte.

Die US-Wirtschaft hat im ersten Quartal an Fahrt gewonnen. Mit 3,6 % ist die Arbeitslosenquote im April auf den tiefsten Stand seit Dezember 1969 gefallen. Die Stimmung der Konsumenten hellte sich im April deutlich auf und der Konsum der Verbraucher ist so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Beunruhigend wirken hingegen die stagnierenden privaten Investitionen.

Die Wirtschaft Chinas zeigt zu Jahresbeginn eine hohe Widerstandsfähigkeit, auch wenn sich die Stimmung in der Industrie verschlechtert hat.

Exporte drehen ins Plus

Die Ausfuhren der Region St.Gallen-Appenzell schwächelten im 4. Quartal 2018, vermochten aber in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 ins Plus zu drehen. Dabei haben vor allem die Lieferungen in die USA zum Wachstum beigetragen, während sie in unsere Nachbarländer und nach Asien geschrumpft sind.

Die Exporte aus dem Kanton St.Gallen legten um 3 % zu, während sie aus Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden rückläufig waren. Rückenwind verliehen die Exporte aus den Regionen See-Gaster, Rheintal, Rorschach und St.Gallen. Gegenwind kam vor allem aus den Regionen Werdenberg und Wil.

Von den Schwergewichten im Exportportfolio der Region St.Gallen-Appenzell entwickelten sich die Präzisionsinstrumente besonders erfreulich, aber auch Nahrungs- und Genussmittel sowie Chemie und Pharma legten kräftig zu. Am anderen Ende der Skale stehen die Metalle, die Kunststoffe und die Warengruppe Maschinen /Apparate /Elektrotechnik.

Industrie auf unsicheren Pfaden

Im Rückblick hat sich die Industrie in der Region St.Gallen-Appenzell erstaunlich gut entwickelt. Dazu beigetragen hat ein Anstieg der Exporte. Dennoch stellt ein zunehmender Anteil eine gewisse Nachfrageschwäche auf den Märkten fest. Zudem hat sich bei einem Fünftel der Umfrageteilnehmer die Ertragslage verschlechtert.

In der Maschinenindustrie erhöhte sich der Leidensdruck, vorab weil die Exporte unter dem Stand der Vorperiode liegen. Auch für die Metallindustrie verliefen die Geschäfte in den ersten Monaten 2019 eher enttäuschend. In der Elektrotechnik konnte der Abwärtstrend gestoppt werden und die Wende zum Besseren steht bevor. Die Chemie- und Kunststoffbranche beurteilt die aktuelle Geschäftslage und den Auftragsbestand als zufriedenstellend bis gut. In der Druck- und Verlagsindustrie bleibt die Lage fragil und die Textilindustrie kämpft gegen den Abschwung.

Blauer Himmel in der Bauwirtschaft

Die Bauwirtschaft ist schwungvoll in den Frühling gestartet und bleibt zuversichtlich. Dabei wird allerdings die Lücke zwischen dem Bauhauptgewerbe und dem Ausbaugewerbe zunehmend grösser. So haben sich die Geschäfte im Bauhauptgewerbe stabilisiert und der Angebotsüberschuss auf dem Wohnungsmarkt hat auch die Aussichten eingetrübt. Hingegen präsentiert sich die Konjunktur im Baunebengewerbe beinahe wolkenlos und die Prognosen bleiben optimistisch.

Wachsende Zuversicht im Detailhandel

In den letzten Monaten hat sich die Geschäftslage bei den regionalen Detailhändlern etwas verbessert und die Ertragslage stabilisiert. Trotz der leicht schwächeren Konsumentenstimmung bleibt der Detailhandel zuversichtlich, wird doch in den kommenden Monaten ein Umsatzwachstum und eine Verbesserung des Geschäftsganges erwartet.

Regionaler Konjunkturindex sinkt leicht

Der Konjunkturindex für die Region St.Gallen-Appenzell ist im April gegenüber dem Vormonat und dem Vorquartal leicht gesunken. Die Beurteilung des Geschäftsganges fällt zwar besser aus, aber die Umsatzerwartungen für die kommenden Monate haben sich etwas verschlechtert. Dabei spielt die Auslandnachfrage die entscheidende Rolle.


Im Mai 2019
Peter Eisenhut