Erholung der regionalen Wirtschaft gebremst

Nach einem harzigen Start in das Jahr 2020 ist die Wirtschaft im zweiten Quartal Corona bedingt eingebrochen. In den Sommermonaten setzte eine Erholung ein, die nun durch die zweite Welle des Virus wieder gebremst wird.

2020 wird für die Welt, die Schweiz und die Ostschweiz zu einem historischen Rezessionsjahr. Gemäss den aktuellen Prognosen dürfte das Welt-BIP um rund 4.5 Prozent zurück gehen. Die Wirtschaft im Euroraum wird um 7 bis 8 Prozent schrumpfen. In der Schweiz ist ein BIP-Rückgang zwischen 4 und 5 Prozent zu erwarten. Die US-Wirtschaft dürfte mit einen Wachstumseinbruch von rund 4 Prozent glimpflich davonkommen. Chinas Wirtschaft scheint die Corona-Pandemie weitgehend hinter sich gelassen zu haben und eine V-förmige wirtschaftliche Erholung könnte zur Realität werden.

Konjunkturindex steigt dank besserer Geschäftslage

Der Konjunkturindex für St.Gallen-Appenzell hat den Tiefstand (-27) im April durchschritten und ist bis Ende Oktober wieder bei Null angelangt. Dazu beigetragen hat die bessere Beurteilung der Geschäftslage. «Besser» heisst nicht «gut», denn in der Industrie liegt der Geschäftslagenindikator noch immer im negativen Bereich, hat sich aber von den Tiefstständen entfernt. Die erfreulichen Aussichten im Sommer wurden im Oktober wieder gebremst. In der Bauwirtschaft konnte sich der Konjunkturindex im positiven Bereich halten, während das Vorzeichen im Detailhandel nach einem starken Taucher im Frühling wieder ins Plus gewechselt hat.

Investitionsschwäche

Weil die aktuelle Krise vorwiegend auf eine Investitionsschwäche zurückzuführen ist, stehen die Maschinen-, Elektro- und Metallbranchen besonders unter Druck. Dabei konnte sich die Metallindustrie dem sich ausbreitenden Investitionsstopp zwar nicht entziehen, vermochte aber die Kapazitätsauslastung zu stabilisieren und die Exporte im dritten Quartal gegenüber der Vorperiode zu steigern. Die chemisch-pharmazeutische Industrie hat nur teilweise unter der Krise gelitten und blickt zuversichtlich auf die kommenden Monate. In der Papier-, Druck- und Verlagsindustrie sowie die Textilindustrie hat sich die Talfahrt fortgesetzt. Wenig angenehm fällt die Prognose der Industriebetriebe für den Arbeitsmarkt aus, wird doch in den kommenden Monaten mit einem Rückgang der Beschäftigung gerechnet.

Bauwirtschaft pariert die Corona-Krise

Die Corona-Krise hinterlässt auch Spuren im Schweizer Bausektor. Die regionale Bauwirtschaft navigiert erfolgreicher durch die Krise und bleibt zuversichtlich. So fällt der Rückgang der Bautätigkeit in der Region St.Gallen-Appenzell deutlich geringer aus als im Schweizerischen Durchschnitt. Zu verdanken ist dies insbesondere dem Ausbaugewerbe, in welchem mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer die aktuelle Geschäftslage als gut beurteilt und auch keine Abkühlung in den kommenden Monaten erwartet. Im Bauhauptgewerbe laufen die Geschäfte hingegen nicht mehr so gut wie in den Vorquartalen. Es wird mit einem Rückgang der Bautätigkeit und einem weiteren Preisdruck gerechnet.

Detailhandel auf dem Vormarsch

Der Detailhandel hat sich nach dem Lockdown im Frühling positiv entwickelt und die Umsatzverluste mehr als kompensiert. Die Stimmung im Detailhandel ist befriedigend bis gut, auch wenn die zweite Corona-Welle erneut für Verunsicherung sorgt. Vor allem auf der Seite der Konsumenten herrscht Skepsis vor. Die Konsumentenstimmung liegt unter dem langfristigen Mittelwert, unter anderem weil die Lage am Arbeitsmarkt sehr ungünstig eingeschätzt wird. Nichtsdestotrotz rechnen die Detailhändler in den kommenden Monaten mit einem kleinen Umsatzwachstum.

Statements

Kein Ende der Negativzinsen in Sicht

Die Nationalbank betont regelmässig, wie wichtig die Negativzinsen für die Schwächung des Frankens sind. An dieser Haltung wird sie noch lange festhalten. Unterstützung erhält sie von der amerikanischen Zentralbank Fed. Diese hat erklärt, dass sie bis mindesten Ende 2023 am aktuellen Zins von 0 Prozent festhalten will. «Ohne Zinserhöhung in den USA wird die Nationalbank ihrerseits die Zinsen nicht anheben», sagt René Walser.

René Walser, Leiter Privat und Geschäftskunden, St.Galler Kantonalbank

Stabilisierung auf hohem Niveau

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes bleibt massgeblich durch die behördlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie bestimmt. Die Anträge auf Kurzarbeitsentschädigung und die Zahl der Stellensuchenden haben sich im Herbst auf einem hohen Niveau stabilisiert. Dagegen ist die Zahl der Massenentlassungen vergleichsweise tief geblieben. «Vorausgesetzt, dass keine neuen, einschneidenden Eingriffe ins Wirtschaftsleben vorgenommen werden, dürfte die weitere Entwicklung saisonalen Mustern folgen», sagt Karin Jung.

Karin Jung, Leiterin Amt für Wirtschaft und Arbeit, Kanton St.Gallen

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