Der Aufschwung ist da!

Die Weltwirtschaft erlebt derzeit einen kräftigen und synchronen Aufschwung. Dank diesem Rückenwind hat die Ostschweizer Industrie zu Beginn des neuen Jahres nochmals einen Gang zugelegt. Im Baugewerbe läuft der Konjunkturmotor rund. Im Detailhandel ist die Geschäftslage unbefriedigend, aber der Ausblick bleibt zuversichtlich.

Der US-Konjunkturmotor brummt, die Wirtschaft im Euro-Raum wächst dynamisch und auch in den grossen Schwellenländern stellt sich die Entwicklung positiv dar. Die USA haben ein politisch turbulentes Jahr hinter sich, aus volkswirtschaftlicher Perspektive war es aber ein gutes Jahr. So ist die US-Wirtschaft mit viel Rückenwind ins neue Jahr gestartet. Die Steuerreform wird der Konjunktur im 2018 zusätzliche Impulse verleihen. In der Eurozone war das Wachstum im 2017 so stark wie letztmals vor dem Ausbruch der Eurokrise. Für das Jahr 2018 wird ein BIP-Wachstum von rund 2.5% erwartet. Die Wirtschaft in Grossbritannien hat seit der Brexit-Abstimmung einen Dämpfer erhalten, ist aber weit von einer Rezession entfernt. China ist im letzten Jahr mit knapp 7% solide gewachsen. Für 2018 wird sich das Tempo auf etwas verlangsamen, prognostiziert wird ein BIP-Zuwachs von 6%. In Japan sind die Exporte die Stütze des Aufschwungs und die Konjunktur in Russland gewinnt an Dynamik.

Aufkeimende Zins- und Inflationssorgen

In den letzten Wochen sind die Börsen in Aufruhr geraten. Zum ersten Mal seit der Finanzkrise fürchten sich die Finanzmärkte vor Inflation. Der Auslöser dafür war das überraschend starke Wachstum der Löhne in den USA. Damit kamen Zweifel an den Versprechungen der Zentralbanken auf, dass sie sich mit der Normalisierung der Geldpolitik viel Zeit lassen werden. Zieht die Teuerung wirklich an, zwingt das die Zentralbanken ihre Geldpolitik schneller zu straffen und die Zinsen früher anzuheben als geplant.

St. Gallen mit Exportrekord

Die Wachstumsstütze der regionalen Wirtschaft waren im letzten Quartal einmal mehr die Exporte. Noch nie wurden so viele Güter aus dem Kanton St. Gallen exportiert wie im Jahr 2017. Die Exporte der anderen Ostschweizer Kantone bleiben unter dem Wert von 2008. Begünstigt durch die Erstarkung des Euro legten im 2017 die Ausfuhren der Ostschweiz in die Länder der Eurozone um 8% zu. In den «Rest der Welt» nahmen die Exporte um 3.2% zu. Angetrieben durch die Nachfrage aus der ganzen Welt hat sich das Produktionsniveau der Industriebetriebe in der Region St. Gallen-Appenzell erhöht.  Als dessen Folge ist die Auslastung der Maschinenkapazitäten im Januar 2018 auf 88% angestiegen. Diese überdurchschnittlich hohe Auslastung wiederspiegelt die gute Konjunkturlage und wird in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen führen. Besonders erfreulich ist die Wende bei der Ertragssituation. Im Januar melden 30% der Industriefirmen eine Verbesserung der Ertragslage. Die Maschinenindustrie ist im Höhenflug, in der Metallindustrie hellt sich die Stimmung auf, die Elektrotechnik gibt Gas, die Kunststoff- und Chemiebranche erwartet einen heissen Frühling, in der Textilindustrie hat die Wende zum Besseren eingesetzt, ausschliesslich im grafischen Gewerbe hält die konjunkturelle Flaute an.

Stabilität in der Bauwirtschaft

Insgesamt läuft der Konjunkturmotor in der Bauwirtschaft rund. Allerdings zeigen sich Differenzen in den Subbranchen. So haben die Geschäfte im Bauhauptgewerbe etwas nachgelassen. Vor allem dem Tiefbau fehlt der Wind in den Segeln. Die Hochbaufirmen sind zwar eher zufrieden mit der Bautätigkeit, machen sich aber Sorgen über den zunehmenden Leerbestand an Mietwohnungen und eine damit verbundene Abflachung bei den Neubauten. Im Ausbaugewerbe ist die Stimmung hingegen nach wie vor gut. Sowohl die Geschäftslage als auch der Auftragsbestand werden beinahe unisono als befriedigend bis gut beurteilt und auch die Aussichten sind in Takt. Die Baubranche insgesamt erwartet, dass sich die Bautätigkeit in den kommenden Monaten auf dem aktuellen Stand wird halten können.

Detailhandel auf dem Prüfstand

Im 4. Quartal 2017 sind die kalenderbereinigten Detailhandelsumsätze der Schweiz leicht gestiegen. Im gesamten 2017 sind sie aber zum dritten Mal in Folge gesunken. In der längerfristigen Perspektive liegen die nominellen Umsätze rund 5% unter dem Stand des Jahres 2010. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen mag es nicht zu erstaunen, dass die regionalen Detailhändler mit der Geschäftslage unzufrieden sind. Nicht nur der Einkaufstourismus sondern auch die zunehmende Digitalisierung rütteln die Branche kräftig durch. Der stärker gewordene Euro scheint den regionalen Detailhändlern Mut zu geben, jedenfalls erwarten sie in den kommenden Monaten eine Aufhellung der Geschäftslage.

Konjunkturindex auf 10-Jahres-Hoch

Der Konjunkturindex für die regionale Wirtschaft ist im Januar rasant angestiegen und erreicht wieder das Vorkrisen-Niveau. Für den Sprung nach oben sorgte die Industrie, in der die aktuellen Geschäfte rund laufen und am Horizont kaum Wolken zu erkennen sind. Der Teilindex in der Bauwirtschaft hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Auch im Detailhandel ist eine Seitwärtsbewegung auszumachen, allerdings auf tiefem Niveau.

 

Im Februar 2018
Peter Eisenhut