Industrie mit viel Schwung

Das Wachstum in den USA ist breit abgestützt und in Europa entwickelt sich die Konjunktur solide. Vor allem dank den Impulsen aus den Euroländern hat unsere regionale Industrie weiter an Dynamik gewonnen. Die aktuellen Handelsstreitigkeiten und die steigenden Zinsen in den USA haben die Wachstumserwartungen allerdings etwas gedämpft. Die globale Konjunkturentwicklung und der -ausblick für die Weltwirtschaft bleiben positiv. In der Bauwirtschaft laufen die Geschäfte nach wie vor gut. Im Detailhandel hingegen schlummern die Wachstumskräfte weiterhin.

Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone hat in jüngster Zeit etwas an Kraft verloren. Die Aufwertung des Euros dürfte die Exporte gedämpft haben und die Streiks in einigen Ländern schmälerten die Expansion des Bruttoinlandproduktes zusätzlich. Mit 8.5 Prozent verharrt die Erwerbslosenquote auf dem niedrigsten Stand seit mehr als neun Jahren. Die Aussichten für die kommenden Monate bleiben intakt, so dass insbesondere in Deutschland der Arbeitsmarkt zunehmend austrocknet und entsprechende Lohnerhöhungen anstehen. Der Inflationsdruck dürfte deshalb in Zukunft steigen. Die US-Konjunktur läuft weiterhin gut und Asien bleibt die Weltregion mit den höchsten Zuwachsraten. Unsicherheiten für die Weltkonjunktur gehen von einem drohenden Handelsstreit und einer weltweiten Straffung der Geldpolitik mit anziehenden Zinsen aus.

Industrie in voller Fahrt

Die Schweizer Industrie profitiert von der robusten Weltwirtschaft und von der Abschwächung des Frankens. Im ersten Quartal sind die Exporte der regionalen Wirtschaft um 2.8 % gewachsen. Für dieses Wachstum waren die Länder der Eurozone mit einem satten Plus von knapp 14 % verantwortlich. Der erstarkte Euro hat die Wettbewerbsposition der Ostschweizer Exporteure gestärkt. Die Ausfuhren in die Länder ausserhalb des Euroraumes sanken hingegen insgesamt um beinahe 7 %. Obwohl in den letzten Quartalen in die Erweiterung der technischen Kapazitäten investiert wurde, sehen sich eine wachsende Anzahl von Industriefirmen mit Produktionsengpässen konfrontiert. Im Maschinenbau ist die Auslastung der Maschinen auf ein Niveau von rund 97 % gestiegen, was Produktionsengpässe, Preissteigerungen und /oder zusätzlichen Ausrüstungsinvestitionen zur Folge haben wird. Im konjunkturellen Aufwind befinden sich auch die Metallindustrie, die Kunststoff- und Chemiebranche und die Elektrotechnik. Selbst in der arg gebeutelten Textil- und Bekleidungsindustrie ist der Aufschwung Realität geworden. Nur in der Papier-, Druck- und Verlagsindustrie harzt die konjunkturelle Entwicklung nach wie vor. Immerhin hat der Abwärtstrend etwas an Kraft verloren und die Aussichten werden leicht besser bewertet.

Gute Geschäftsentwicklung im Bau

Das Baugewerbe ist mit der Entwicklung des Geschäftsganges zufrieden. Die grundsätzlich gute Beurteilung der Baunachfrage kontrastiert mit einer Verschlechterung der Ertragssituation. Der Hochbau sieht sich mit zunehmenden Leerwohnungsbeständen konfrontiert, die ein Überangebot signalisieren und die Investoren zur Vorsicht mahnen. Ein Rückgang der Nachfrage im Wohnungsbau wird den Preisdruck verstärken und nicht zu einer Entspannung der Ertragslage beitragen. Im Ausbaugewerbe laufen die Geschäfte noch besser als in den anderen Teilbranchen der Bauwirtschaft sie werden sich weiter verbessern. Die Nachfrage im Ausbaugewerbe folgt derjenigen im Hochbau mit einer Verzögerung von zwei bis vier Quartalen.

Wenig Dynamik im Detailhandel

Weder das günstige konjunkturelle Umfeld, noch die Abschwächung des Frankens, dank welcher sich das Preisverhältnis zugunsten der Schweiz verschoben hat, noch die anhaltend überdurchschnittlich gute Konsumentenstimmung vermochten die Wachstumskräfte im Detailhandel zu entfachen. Gemäss Bundesamt für Statistik sind die Detailhandelsumsätze im Februar und März gesunken. In unserer Region hat sich die Geschäftslage zwar leicht verbessert, aber die Kundenfrequenz liegt nach wie vor unter dem Vorjahresniveau. Nichts desto trotz rechnen die regionalen Detaillisten im kommenden Quartal mit steigenden Umsätzen und gehen davon aus, dass sich die Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten aufhellen wird.

Konjunkturindex etwas schwächer

Nachdem der Konjunkturindex für die regionale Wirtschaft zu Beginn des Jahres wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht hatte, ist er im April gesunken. Dieser Rückgang ist auf die etwas weniger rosige Einschätzung der zukünftigen Entwicklung in der Industrie zurückzuführen. Dazu beigetragen haben dürften die aufkommenden protektionistischen Bedrohungen und die Angst vor steigenden Zinsen. Die Teilindizes in der Bauwirtschaft und im Detailhandel haben sich hingegen leicht verbessert.

Im Mai 2018
Peter Eisenhut