Quartalsbericht: Ostschweizer Wirtschaft weiter mit Aufwind

Die Ostschweizer Wirtschaft hat im zweiten Quartal weiter an Boden gut gemacht. Die Geschäftslage in der Ostschweiz wird von den Unternehmen deutlich besser eingeschätzt als noch vor drei Monaten. Die Wirtschaft in der Ostschweiz läuft auf Hochtouren. 

Dies zeigt sich auch darin, dass der Geschäftslageindikator auf einem Mehrjahreshoch notiert. Auch die Stimmung bei den Unternehmen und der Kundschaft ist so gut wie schon lange nicht mehr. Zudem hat der Aufschwung im letzten Quartal an Breite gewonnen. Während die Bauunternehmen ihre Geschäftslage bereits letztes Quartal sehr positiv bewertet hatten, hat sich die Einschätzung der Unternehmen aus der Industrie und dem Detailhandel in den vergangenen drei Monaten nochmals deutlich verbessert. Nicht alle Unternehmen und Branchen können jedoch gleichermassen vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren. Dies zeigt sich beispielsweise in der Industrie. Während nach wie vor jedes dritte Unternehmen eine ungenügende Nachfrage als Hemmnis für die Geschäftstätigkeit angibt, beklagen bereits rund ein Fünftel der Betriebe einen Engpass bei den technischen Kapazitäten.

Arbeitsmarkt profitiert vom Aufschwung

Die positive Entwicklung der Ostschweizer Wirtschaft bringt auch eine Entspannung am Arbeitsmarkt mit sich. Die Arbeitslosenquote ist zuletzt erneut gesunken. Aktuell befindet sich die Arbeitslosigkeit ungefähr im 10-Jahres-Durchschnitt. Das Vorkrisenniveau hat sie allerdings noch nicht wieder erreicht. Besonders profitieren von der positiven konjunkturellen Entwicklung konnte die junge Generation. So liegt die Arbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder unter der Arbeitslosenquote aller anderen Altersgruppen. Wenig von der konjunkturellen Erholung profitieren konnten hingegen die über 50-Jährigen. In dieser Alterskategorie ist die Arbeitslosenquote seit dem Corona-bedingten Anstieg nur wenig gesunken. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs ist auch der Fachkräftemangel wieder in den Fokus der Betriebe gerückt. Zunehmend berichten Unternehmen, insbesondere im Bausektor, dass ihnen der Mangel an Arbeitskräften die Geschäftstätigkeit erschwert. Auch in der Industrie ist ein Mangel an Arbeitskräften wieder vermehrt ein Thema. Keiner der drei Sektoren beurteilt die Beschäftigtenzahl aktuell noch als zu hoch. Dies zeigt, dass es sich für die Unternehmen gelohnt hat, auf grössere Kündigungswellen zu verzichten und die temporäre Durststrecke mittels Kurzarbeit zu überbrücken.

Noch keine Entspannung bei den Preisen

Weiterhin rechnen die Unternehmen in der Ostschweiz aufgrund von Lieferproblemen und der Rohstoffknappheit mit steigenden Preisen. So erwartet etwa eine klare Mehrheit der Industriebetriebe in den nächsten drei Monaten steigende Einkaufspreise. Diese werden sie teilweise mittels höherer Verkaufspreise an die Kundschaft weitergeben. Allerdings werden nicht alle Unternehmen die Preisanstiege im Einkauf vollständig weitergeben können, weshalb diese teilweise auch deren Margen belasten werden. Auch das Baugewerbe und der Detailhandel sind von den steigenden Rohstoffpreisen betroffen. Zusätzlich anheizen könnten die Liefersituation lokale Einschränkungen aufgrund der Delta-Variante des Corona-Virus, beispielsweise in China. Bei den Preisanstiegen dürfte es sich jedoch weiterhin um einen temporären Effekt handeln. Sobald die Nachholeffekte nachlassen, die Lager der Betriebe aufgefüllt sind und die internationalen Lieferketten wieder intakt sind, dürften sich die Preise wieder einpendeln. Auch Investitionen, welche Unternehmen aktuell tätigen, um ihre Kapazitäten auszubauen, dürften zur Stabilisation der Preise beitragen.

Gute Aussichten für das zweite Halbjahr

Die Unternehmen aller drei Sektoren blicken positiv in die Zukunft und erwarten für das zweite Halbjahr eine weitere Verbesserung der Geschäftslage. Neben der guten Auftragslage und der Binnennachfrage dürfte auch die Auslandsnachfrage ein wichtiger Treiber für den optimistischen Ausblick sein. Die Industrieunternehmen beurteilen den Bestand an Auslandaufträgen bereits als positiv und rechnen in den nächsten drei Monaten mit einer weiteren Zunahme der Exportaufträgen. Nachdem die Wirtschaft in den USA bereits Anfang des Jahres wieder Fahrt aufgenommen hat, hat sich zuletzt auch die konjunkturelle Lage in Europa deutlich verbessert. Dies dürfte auch der Ostschweizer Exportwirtschaft zusätzliche Unterstützung bieten. Mit fortschreitender Impfkampagne sowie weiteren Lockerungen dürfte die konjunkturelle Erholung weiter voranschreiten.

Ihr nächster Schritt

Abonnieren Sie die Konjunkturumfrage als Newsletter, um per E-Mail immer auf dem neusten Stand zur Ostschweizer Konjunktur zu sein.

Konjunkturboard Ostschweiz Logo

Das Konjunkturboard ist ein Fachgremium von versierten und erfahrenen Ostschweizer Ökonomen. Quartalsweise wird die konjunkturelle Entwicklung in der Kernregion Ostschweiz vertieft analysiert und eine Einschätzung zur aktuellen Verfassung der Ostschweizer Wirtschaft entwickelt.

Informationen zum Konjunkturboard