Illustration für die Konjunkturumfrage der SGKB zur Ostschweizer Wirtschaft

Ostschweizer Wirtschaft weiter in guter Verfassung – kommt die wirtschaftliche Abkühlung?

Die Ostschweizer Wirtschaft präsentiert sich weiterhin in guter und stabiler Verfassung. Die erwartete Abkühlung der Wirtschaft ist trotz schwacher Daten aus dem Ausland bislang noch nicht eingetreten. Kommt der wirtschaftliche Rückgang überhaupt?

Die wirtschaftliche Situation ist bei den Ostschweizer Unternehmen weiter gut und zeigt, im Gegensatz zur Gesamtschweiz und dem nahen Ausland, vorerst kaum Bremsspuren. Die konjunkturelle Entwicklung in der Ostschweiz präsentiert sich trotz Lieferschwierigkeiten, steigender Preise und dem Fach- und Arbeitskräftemangel weiter in überraschend stabiler Verfassung. Einzig stark vernetzte und international exponierte Branchen wie der Grosshandel und die Industrie erwarten eine Abnahme der Nachfrage in den kommenden Monaten. Die konjunkturelle Entwicklung in der Gesamtschweiz zeigt sich hingegen deutlich schwächer als in der Ostschweiz. Gesamtschweizerisch ist die Abkühlung bereits ersichtlich, wenn auch noch auf hohem Niveau. Die Notenbanken werden weiter an der Zinsschraube drehen, um die wirtschaftliche Entwicklung zu bremsen. Entsprechend wird die Abkühlung unweigerlich auch in der Ostschweiz ankommen.

Baugewerbe und Detailhändler weiter gut unterwegs

Trotz der historisch tiefen Konsumentenstimmung zeigen sich die Detailhandelsumsätze in der Gesamtschweiz robust und nahmen im September deutlich zu. Die weiterhin hohe Jobsicherheit dürfte eine gewichtige Stütze dabei sein. Zudem gleicht sich durch die hohe Inflation im nahen Ausland das Preisniveau zunehmend an. Dies macht den Einkaufstourismus weniger attraktiv und ist eine zusätzliche Stütze, insbesondere für den Ostschweizer Detailhandel. Auch die Bauwirtschaft scheint vorerst dem weniger attraktiv werdenden Zinsumfeld zu trotzen. Viele Unternehmen haben ihre Bücher noch auf mehrere Quartale hinaus voll und sind entsprechend ausgelastet. Bei den Bauunternehmen ist es in erster Linie der Mangel an Arbeitskräften und nicht der Mangel an Arbeit das Hauptproblem.

Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung halten an

Obwohl diverse Sektoren im dritten Quartal Personal aufbauen konnten, schätzen nach wie vor alle Sektoren mit Ausnahme der Industrie ihre Beschäftigtenzahl zu tief ein. Am stärksten betroffen ist das Baugewerbe und der Dienstleistungssektor, wo über die Hälfte der befragten Unternehmen angeben, dass ein Mangel an Arbeitskräften ihre Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Die tiefe Arbeitslosigkeit hat aber auch positive Effekte. So ist die Geschäftslage im Detailhandel und im Gastgewerbe weiter gut, trotz rekordschlechter Konsumentenstimmung. Die gute Lage am Arbeitsmarkt dürfte massgeblich dazu beitragen haben, dass trotz unsicherer Wirtschaftslage und Inflation nur wenige ihren Konsum reduzieren. 

Preisdruck nimmt weiter zu

Alle Branchen erwarten im Schlussquartal weitere Preissteigerungen. Besonders gross ist der Preisdruck in der Industrie, im Grosshandel und im Gastgewerbe, wo die Mehrheit der befragten Unternehmen mit weiter steigenden Preisen rechnet. Ein Grossteil der betroffenen Unternehmen plant, die höheren Kosten für Vorleistungen zumindest teilweise über höhere Verkaufspreise an die Kundschaft weiterzugeben. Trotzdem werden die höheren Kosten bei einigen Unternehmen die Margen belasten. Die Produzentenpreise stiegen im Oktober um 4.9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Konsumentenpreise sind im selben Zeitraum um 3.0 % gestiegen. Damit hat sich die Dynamik sowohl bei den Konsumenten- als auch bei den Produzentenpreisen zuletzt leicht abgeschwächt.

Lieferprobleme noch nicht gelöst

Nach wie vor haben die Unternehmen Probleme, Rohmaterialien und Vorprodukte zu beschaffen. Zuletzt haben die Lieferengpässe aufgrund der nachlassenden globalen Güternachfrage zwar leicht abgenommen. Trotzdem sind international vernetzte Branchen, wie beispielsweise die Elektronik- und Elektrotechnikindustrie sowie der Maschinen- und Fahrzeugbau, weiterhin in hohem Masse von einem Mangel an Vorprodukten betroffen. Die sich abzeichnende Abkühlung dürfte in den nächsten Monaten zur weiteren Entspannung der Lieferketten beitragen. Die Unternehmen haben sich teilweise an die längeren Lieferfristen angepasst. So haben beispielsweise die Unternehmen im Detailhandel oder im Grosshandel ihre Lagerbestände erhöht. 

Ausblick ist unsicher

Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den Sektoren. Der Grosshandel und die Industrie rechnen aufgrund der wirtschaftlichen Abkühlung im relevanten Ausland mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. Auch das Baugewerbe erwartet eher eine negative Entwicklung. Dahingegen ist die Finanz- und Versicherungsbranche weiterhin optimistisch. Auch das Gastgewerbe und die übrige Dienstleistungsbranche erwarten eine leichte Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden Monaten. Im Detailhandel führt das anstehende Weihnachtsgeschäft ebenfalls dazu, dass die Unternehmen eher positiv auf die kommenden Monate blicken. Insgesamt dürfte die Zinsentwicklung, sowie die Abkühlung im Ausland zu einer schwächeren Wirtschaftsdynamik führen. Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten ist, dass die Stromversorgung gewährleistet ist. 

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Das Konjunkturboard ist ein Fachgremium von versierten und erfahrenen Ostschweizer Ökonomen. Quartalsweise wird die konjunkturelle Entwicklung in der Kernregion Ostschweiz vertieft analysiert und eine Einschätzung zur aktuellen Verfassung der Ostschweizer Wirtschaft entwickelt.

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