Schwieriges Umfeld hinterlässt seine Spuren
Die Ostschweizer Industrie blickt einmal mehr auf ein turbulentes erstes Halbjahr zurück. Nach einem vielversprechenden Start hatten sich die Aussichten mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs wieder eingetrübt.
Bis heute belasten die davon ausgehende globale Unsicherheit und das damit verbundene, schlechte Investitionsklima die Ostschweizer Exportwirtschaft. Je nach Branche und Unternehmen gibt es auch Berichte über angespannte Lieferketten. Hinzu kommt die weiterhin nur schwache wirtschaftliche Dynamik in Deutschland. Die deutsche Industrie hat sich zwar auf tiefem Niveau stabilisiert. Etwaige Zeichen eines Aufschwungs konzentrieren sich aber immer noch stark auf rüstungsnahe Bereiche und sind noch nicht selbsttragend. In der für Ostschweizer Zulieferfirmen wichtigen Automobilindustrie bleibt die Lage durchzogen.
In diesem schwierigen Umfeld zeigt der Ostschweizer Industriesektor einmal mehr eine aussergewöhnliche Widerstandsfähigkeit. Gewisse Unterstützung gibt es dabei auch von der Währungsseite: Der Schweizer Franken hat sich seit Ausbruch des Iran-Kriegs nicht zusätzlich aufgewertet. Trotzdem hinterlässt die Situation ihre Spuren. Insbesondere Firmen aus der MEM-Industrie berichten weiterhin über einen zu tiefen Auftragsbestand. Besonders gross ist die Lücke in der Metallindustrie. In dieser Teilbranche berichteten im Juli mehr als die Hälfte der befragten Firmen über zu wenig Aufträge. In der Elektroindustrie sind es rund 40%. Zu Beginn des zweiten Halbjahres wurden zwar auch leichte Verbesserungen bei der Geschäftslage vermeldet. Dieser Aufschwung muss sich aber erst noch bestätigen. Das Umfeld dürfte anspruchsvoll bleiben. Mit einem breit abgestützten Aufschwung ist daher nicht zu rechnen.
Ende Juli gab es erneut Bewegung im US-Zollregime, nachdem der vorher temporär gültige Globalzollsatz von 10% ausgelaufen war. Die neuen Zölle von 12.5% – offiziell begründet mit fehlenden Massnahmen gegen Zwangsarbeit – bewegen sich im erwarteten Bereich. Positiv ist dabei die «All-in-Klausel», womit bereits bestehende Zölle angerechnet werden. Dies führt dazu, dass die Zölle für viele MEM-Produkte im Vergleich zu Anfang Jahr leicht sinken. Negativer zu bewerten ist die Differenz zur Konkurrenz aus der EU. Auf deren Exporte wird nur ein Zollsatz von 10% erhoben. Für die Ostschweizer Unternehmen stellen die Zölle per se eine Belastung dar. Ebenso wichtig ist aber die damit verbundene Unsicherheit. Diese ist mit dem jüngsten Entscheid aus Washington nur wenig gesunken. Aus aktuell laufenden Untersuchungen im Bereich Industrielle Überkapazitäten könnten weitere Zölle folgen. Nach einem turbulenten ersten Halbjahr könnte für die Ostschweizer Industrie also auch die zweite Jahreshälfte weitere Überraschungen mit sich bringen.
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