21. September 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht

Muss uns eine Inflation von über 1% im Herbst Sorgen machen?

Die Inflation steigt. Die Schweizerische Nationalbank ist deshalb aber nicht automatisch unter Zugzwang.

Im Fokus

Während die Inflation in den USA und im Euroraum zuletzt über 3% lag, bleibt die Schweiz mit einer Teuerungsrate von 0.8% eine Ausnahme. In den kommenden Monaten dürfte die Inflation in der Schweiz allerdings ebenfalls steigen und im Herbst wieder über 1% klettern. Das kann leicht als neue Teuerungswelle interpretiert werden. Ein wesentlicher Teil des Anstiegs ist jedoch statistischer Natur.

Die tiefe Vergleichsbasis treibt die Inflation nach oben

Der Grund liegt in der tiefen Vergleichsbasis aus dem vergangenen Jahr. Im Herbst 2025 war die Inflation in der Schweiz praktisch bei null angekommen. Zwischen Oktober und Dezember lag die Jahresteuerung zwischen 0.0% und 0.1%. Diese tiefen Werte bilden nun die Vergleichsbasis für den kommenden Herbst. Der Mechanismus dahinter ist einfach. Die Jahresteuerung misst nicht das absolute Preisniveau, sondern den Abstand zum Preisniveau von vor zwölf Monaten. War dieses Vorjahresniveau sehr tief, genügt bereits eine moderate Preisentwicklung, damit die ausgewiesene Teuerungsrate steigt. Mit anderen Worten: Selbst wenn die Preise nun weitgehend stabil bleiben, steigt die Jahresinflation deshalb weiter an.

Der Preisdruck nimmt zu, bleibt aber moderat

Der jüngste Anstieg der Inflationsrate ist allerdings nicht rein statistisch. Die Inflation lag im August mit 0.8% über den Erwartungen. Höhere Energiepreise und der zuletzt schwächere Franken, der Importe verteuert, haben den kurzfristigen Preisdruck verstärkt. Damit hat auch der allgemeine Preisdruck etwas zugenommen. Entscheidend ist, ob er sich verbreitert. Solange die höheren Kosten nicht verstärkt auf Dienstleistungen, Löhne und andere binnenwirtschaftliche Preise übergreifen, bleibt das Risiko einer nachhaltigen neuen Teuerungswelle begrenzt. Die Schweiz befindet sich damit weiterhin in einer deutlich komfortableren Ausgangslage als viele andere Industrieländer.

Die SNB gerät nicht automatisch unter Zugzwang

Am kommenden Donnerstag veröffentlicht die SNB im Rahmen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung eine aktualisierte Inflationsprognose. Bereits im Juni rechnete die Nationalbank mit einer leichten Zunahme der Inflation über die kommenden Quartale, bevor sich die Rate im Verlauf von 2027 wieder zurückbildet. Der mittelfristige Inflationsdruck wurde damals als praktisch unverändert beurteilt. In der neuen Prognose dürfte der Anstieg gegen Jahresende deutlicher hervortreten. Das wäre jedoch nicht automatisch als Beginn einer neuen Teuerungsphase zu interpretieren. Ein wesentlicher Teil davon wäre weiterhin dem Basiseffekt aus dem Herbst 2025 geschuldet.

Für die SNB ist deshalb weniger entscheidend, wie hoch einzelne Monatswerte ausfallen. Wichtiger ist, ob der zugrunde liegende Preisdruck nachhaltig zunimmt und sich breitere Zweitrundeneffekte zeigen. Die Finanzmärkte rechnen zwar im ersten Halbjahr 2027 mit einer Leitzinserhöhung. Ein vorübergehender Inflationsanstieg, der wesentlich durch Basiseffekte geprägt ist, wäre für sich allein jedoch noch kein Grund für einen geldpolitischen Kurswechsel. Entscheidend bleibt, ob sich der Preisdruck verbreitert und verstetigt. Dafür gibt es momentan jedoch noch keine belastbaren Anzeichen.

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.18%, S&P 500: +0.17%, Nasdaq: +0.39%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -1.37%, DAX: -1.60%, SMI: -1.15%

Die Aktienmärkte stehen in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite belasten hohe Energiepreise, Inflationsängste und steigende Zinsen, auf der anderen Seite stützen eine robuste Konjunktur, kräftiges Gewinnwachstum, der KI-Investitionszyklus und eine breite Marktbeteiligung. Der S&P 500 verlor letzte Woche 0.08%. Die europäischen Aktien sanken 1.41%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 0.31% abschloss.

Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Energiepreise erneut nach oben und rückt die Inflationsrisiken zurück in den Fokus. Noch sind die Zweitrundeneffekte moderat, doch je länger die Preise erhöht bleiben, desto grösser wird die Gefahr, dass sich der Druck ausbreitet. Die Notenbanken bleiben deshalb vorsichtig, weitere Zinserhöhungen sind möglich. Zugleich sorgen hohe Staatsdefizite für Volatilität am langen Ende der Zinskurve. Die Aktienmärkte zeigen sich trotz allem robust. Die Weltwirtschaft wächst weiter, das Gewinnwachstum überzeugt, und der KI-Investitionszyklus liefert Impulse. Getragen wird die Aufwärtsbewegung zudem von einer breiten Marktbasis, was stabilisierend wirkt.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 5.00%; DE: 3.52%; CH: 0.58%

Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen ist im Zuge höherer Inflationserwartungen, steigender Staatsdefizite und höherer Ölpreise in den vergangenen Tagen über 5% gestiegen und erreichte den höchsten Stand seit 2007. Nach der Zinserhöhung der Fed vom vergangenen Mittwoch legte der Renditeanstieg nur eine kurze Pause ein und am Freitag kletterten die Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks wieder in die Höhe.

Währungen

Euro in Franken: 0.944
US-Dollar in Franken: 0.822
Euro in US-Dollar: 1.149

Der Schweizer Franken wertete sich zum Wochenschluss gegenüber US-Dollar und Euro leicht auf. Die Devisenmärkte bleiben dabei vor allem von den Erwartungen weiterer Leitzinserhöhungen in den USA und im Euroraum geprägt.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 103.87 pro Fass
Goldpreis: USD 4'378.63 pro Unze

Der Ölpreis hat am Freitag leicht nachgeben, notiert aber weiterhin oberhalb der Marke von 100 US-Dollar pro Fass. Die wichtige Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien soll ihren Betrieb innerhalb weniger Tage wieder aufnehmen können. Trotzdem werden im kommenden Monat wichtige Rohöllieferungen nach Europa ausfallen.

Der Goldpreis erholte sich auf rund 4’350 US-Dollar je Unze. Unterstützung kam von sinkenden Ölpreisen und nachlassenden Inflationssorgen, die den Zinsdruck etwas mildern. Gleichzeitig bleiben die Zuflüsse in Gold-ETFs hoch und unterstreichen die anhaltende Nachfrage nach dem Edelmetall.

Wirtschaft und Konjunktur

Es wurden letzten Freitag keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe veröffentlicht.

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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