Die Macht des US-Dollars
Der schwache Dollar prägte das Währungsjahr 2025. Das Auftreten der neuen US-Regierung hinsichtlich Zollpolitik und Unabhängigkeit der Notenbank verunsicherte die Märkte und setzte die Währung unter Druck. Doch ist damit auch seine Stellung als globale Leitwährung gefährdet? Ein Blick auf die zentralen Facetten des Greenbacks.
Zusammenfassung
Ist die Stellung des US-Dollars als globale Leitwährung gefährdet?
- Der US‑Dollar verlor 2025 deutlich an Wert, bleibt aber trotz politischer Unsicherheiten die zentrale globale Leitwährung. Seine Dominanz stützt sich auf die enorme Grösse und Liquidität der US‑Finanzmärkte.
- Zentralbanken diversifizieren ihre Reserven zwar stärker und erhöhen den Goldanteil, doch der Dollar bleibt mit 57 % der wichtigste Reservewährungsanteil.
- Im Devisenhandel ist der US-Dollar an 88 % aller Transaktionen beteiligt, weit vor Euro und Renminbi. Auch in dieser Hinsicht ist kein klarer Konkurrent ersichtlich.
Die Ausgangslage
Die Verluste des US-Dollars im Jahr 2025 waren markant. Er verlor zum Schweizer Franken 15 % und zum Euro mehr als 13 %. Vor diesem Hintergrund wurde auch immer wieder die zukünftige Rolle des Greenbacks als globale Leitwährung angezweifelt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt aber: Der US-Dollar bleibt zentral und sein Fundament als Leitwährung stabil.
Die Grösse der US-Finanzmärkte
Die globale Bedeutung des US-Dollars basiert unter anderem auf der Grösse der amerikanischen Finanzmärkte. Deren Dominanz ist ungebrochen. Im Jahr 2025 entfiel rund die Hälfte der weltweiten Börsenkapitalisierung auf die US-Aktienmärkte. Damit sind sie mehr als dreimal so gross wie die Pendants aus Europa und etwa viermal so gross wie die chinesischen Aktienmärkte. Auch bei den Anleihen ist die Dominanz gross: Rund 40 % der weltweit ausstehenden Obligationen sind in den USA emittiert. Zudem zählen US-Staatsanleihen zu den liquidesten Finanzinstrumenten der Welt und können in sehr grossen Volumen gehandelt werden. Die US-Märkte sind riesig, offen und liquid. All dies macht sie attraktiv – sowohl für kapitalsuchende Unternehmen als auch für Investorinnen und Investoren.
Zentralbanken: Goldanteil an Reserven gestiegen
Der Goldanteil an den Währungsreserven der Zentralbanken ist in den letzten fünf Jahren von 13 % auf 23 % gestiegen. Vor allem Notenbanken in Schwellenländern haben ihre Reserven stärker diversifiziert und Gold gekauft. Bei der Schweizerischen Nationalbank liegt der Anteil wegen der hohen Devisenbestände bei nur rund 8 %.
Die Stellung als wichtigste Reservewährung
Auch bei den Devisenreserven spielt der US-Dollar eine zentrale Rolle. Sein Anteil an den bekannten Reserven der Zentralbanken beträgt rund 57 %. Zwar nimmt der Dollaranteil schon seit längerem leicht ab, ein klarer Konkurrent zeichnet sich aber nicht ab. Der zweitplatzierte Euro hat in den letzten Jahren selbst Anteile verloren, und der Anteil des chinesischen Renminbis bleibt marginal. Die Zentralbanken haben ihre Reserven zwar in den vergangenen Jahren etwas stärker diversifiziert, andere Währungen erfüllen die Voraussetzungen für den Status einer Reservewährung jedoch nicht. Entweder sind ihre Märkte zu klein und zu wenig liquide, das Vertrauen in das jeweilige Land ist zu gering, oder die Währung ist nicht frei handelbar bzw. nicht stabil genug. Der US-Dollar wird hingegen von der wirtschaftlichen Macht der USA und der Liquidität ihrer Finanzmärkte gestützt.
Der Greenback prägt den Devisenhandel
Auch im Devisenhandel führt kein Weg am US-Dollar vorbei. Gemäss einer Erhebung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist dieser an rund 88 % aller Transaktionen am globalen Devisenmarkt beteiligt. Dieser Anteil hat sich über die Jahre kaum verändert. Auch in dieser Hinsicht ist kein klarer Konkurrent ersichtlich. Der Anteil des Euros hat seit seiner Einführung Anfang der 2000er-Jahre tendenziell abgenommen. Der Renminbi hat, gestützt von der chinesischen Wirtschaftsmacht in den letzten Jahren, zwar an Bedeutung gewonnen, spielt mit einem Anteil von
8 % aber weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Der US-Dollar bleibt zentral. Gerade bei Transaktionen zwischen weniger liquiden Währungen dient er meist als Zwischenwährung.
US-Dollar bleibt die globale Leitwährung
In der modernen Wirtschaftsgeschichte gab es bislang nur einmal einen Wechsel der globalen Leitwährung. Vor rund einem Jahrhundert löste der US-Dollar das britische Pfund ab. Zwar haben einige Länder in der jüngeren Vergangenheit zaghafte Initiativen lanciert, um die eigene Wirtschaft stärker vom US-Dollar zu emanzipieren. Trotz angekratztem Vertrauen in den Dollar zeichnet sich aber keine Wachablösung ab. Dies auch aus einem Mangel an Alternativen. Der Euro bietet sich gerade auch für Zentralbanken zwar als Alternative mit einem liquiden Kapitalmarkt an, die europäische Gemeinschaftswährung bleibt aber anfällig. Die strukturellen Unterschiede der verschiedenen Euroländer sind gross und die Interessen vielfältig. Der japanische Yen bietet auch keine Alternative. Japans Wirtschaft spielt international nur eine begrenzte Rolle, und der Yen wird vergleichsweise wenig genutzt. China ist eine wirtschaftliche Macht. Kapitalverkehrskontrollen und staatliche Eingriffe verhindern jedoch weiterhin eine breite internationale Nutzung der Währung, was sich so rasch nicht ändern dürfte.
Globale Leitwährung bringt USA Vorteile
Der Herausgeber einer globalen Leitwährung ist in einer privilegierten Position. Die Rolle des Dollars als zentrale Anlage-, Transaktions- und Reservewährung sorgt für eine strukturell erhöhte Nachfrage. Davon profitieren insbesondere US-Staatsanleihen. Als liquide Anlageform dienen sie als «Parkplatz» für Devisenreserven. Der US-Staat profitiert dadurch von günstigeren Refinanzierungsbedingungen und einem Zinsvorteil. Dies ist ein Grund, warum die USA hohe Staatsschulden anhäufen konnten, ohne dass die Zinsen bislang deutlich gestiegen sind.
Daniel Wachter
8021 Zürich
Roman Elbel
8021 Zürich