Goldenes Emblem in Form des US-Dollar-Zeichens: Titelbild des Anlagemagazins /sicht herausgegeben von der St. Galler Kantonalbank, Ausgabe April 2026 zum Thema "Die Macht des US-Dollars"

Die Macht des US-Dollars

Der schwache Dollar prägte das Währungsjahr 2025. Das Auftreten der neuen US-Regierung hinsichtlich Zollpolitik und Unabhängigkeit der Notenbank verunsicherte die Märkte und setzte die Währung unter Druck. Doch ist damit auch seine Stellung als globale Leitwährung gefährdet? Ein Blick auf die zentralen Facetten des Greenbacks.

Die Ausgangslage

Die Verluste des US-Dollars im Jahr 2025 waren markant. Er verlor zum Schweizer Franken 15 % und zum Euro mehr als 13 %. Vor diesem Hintergrund wurde auch immer wieder die zukünftige Rolle des Greenbacks als globale Leitwährung angezweifelt. Ein Blick auf die Zahlen zeigt aber: Der US-Dollar bleibt zentral und sein Fundament als Leitwährung stabil.

Die Grösse der US-Finanzmärkte

Die globale Bedeutung des US-Dollars basiert unter anderem auf der Grösse der amerikanischen Finanzmärkte. Deren Dominanz ist ungebrochen. Im Jahr 2025 entfiel rund die Hälfte der weltweiten Börsenkapitalisierung auf die US-Aktienmärkte. Damit sind sie mehr als dreimal so gross wie die Pendants aus Europa und etwa viermal so gross wie die chinesischen Aktienmärkte. Auch bei den Anleihen ist die Dominanz gross: Rund 40 % der weltweit ausstehenden Obligationen sind in den USA emittiert. Zudem zählen US-Staatsanleihen zu den liquidesten Finanzinstrumenten der Welt und können in sehr grossen Volumen gehandelt werden. Die US-Märkte sind riesig, offen und liquid. All dies macht sie attraktiv – sowohl für kapitalsuchende Unternehmen als auch für Investorinnen und Investoren.

Die Stellung als wichtigste Reservewährung

Auch bei den Devisenreserven spielt der US-Dollar eine zentrale Rolle. Sein Anteil an den bekannten Reserven der Zentralbanken beträgt rund 57 %. Zwar nimmt der Dollaranteil schon seit längerem leicht ab, ein klarer Konkurrent zeichnet sich aber nicht ab. Der zweitplatzierte Euro hat in den letzten Jahren selbst Anteile verloren, und der Anteil des chinesischen Renminbis bleibt marginal. Die Zentralbanken haben ihre Reserven zwar in den vergangenen Jahren etwas stärker diversifiziert, andere Währungen erfüllen die Voraussetzungen für den Status einer Reservewährung jedoch nicht. Entweder sind ihre Märkte zu klein und zu wenig liquide, das Vertrauen in das jeweilige Land ist zu gering, oder die Währung ist nicht frei handelbar bzw. nicht stabil genug. Der US-Dollar wird hingegen von der wirtschaftlichen Macht der USA und der Liquidität ihrer Finanzmärkte gestützt.

Der Greenback prägt den Devisenhandel

Auch im Devisenhandel führt kein Weg am US-Dollar vorbei. Gemäss einer Erhebung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist dieser an rund 88 % aller Transaktionen am globalen Devisenmarkt beteiligt. Dieser Anteil hat sich über die Jahre kaum verändert. Auch in dieser Hinsicht ist kein klarer Konkurrent ersichtlich. Der Anteil des Euros hat seit seiner Einführung Anfang der 2000er-Jahre tendenziell abgenommen. Der Renminbi hat, gestützt von der chinesischen Wirtschaftsmacht in den letzten Jahren, zwar an Bedeutung gewonnen, spielt mit einem Anteil von
8 % aber weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Der US-Dollar bleibt zentral. Gerade bei Transaktionen zwischen weniger liquiden Währungen dient er meist als Zwischenwährung.

US-Dollar bleibt die globale Leitwährung

In der modernen Wirtschaftsgeschichte gab es bislang nur einmal einen Wechsel der globalen Leitwährung. Vor rund einem Jahrhundert löste der US-Dollar das britische Pfund ab. Zwar haben einige Länder in der jüngeren Vergangenheit zaghafte Initiativen lanciert, um die eigene Wirtschaft stärker vom US-Dollar zu emanzipieren. Trotz angekratztem Vertrauen in den Dollar zeichnet sich aber keine Wachablösung ab. Dies auch aus einem Mangel an Alternativen. Der Euro bietet sich gerade auch für Zentralbanken zwar als Alternative mit einem liquiden Kapitalmarkt an, die europäische Gemeinschaftswährung bleibt aber anfällig. Die strukturellen Unterschiede der verschiedenen Euroländer sind gross und die Interessen vielfältig. Der japanische Yen bietet auch keine Alternative. Japans Wirtschaft spielt international nur eine begrenzte Rolle, und der Yen wird vergleichsweise wenig genutzt. China ist eine wirtschaftliche Macht. Kapitalverkehrskontrollen und staatliche Eingriffe verhindern jedoch weiterhin eine breite internationale Nutzung der Währung, was sich so rasch nicht ändern dürfte.

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Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
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