Gesundheitssektor in der Schweiz: Roche-Türme in Basel

Der Aufstieg des Schweizer Gesundheitssektors

Mit dem Zuzug von Sandoz und Galderma in den Schweizer Leitindex SMI hat die Dominanz des Gesundheitssektors weiter zugenommen. Gleichzeitig bringen die beiden Neuzugänge mit ihren unterschiedlichen Geschäftsmodellen zusätzliche Vielfalt in die Portfolios von Anlegerinnen und Anlegern.

Der Schweizer Leitindex hat mit der jüngsten Indexanpassung gewichtigen Zuwachs erhalten. Mit Sandoz und Galderma sind im September zwei weitere Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich in den SMI aufgestiegen. Sie ersetzen Swisscom und Kühne + Nagel, die, gemessen am Börsenwert, nicht mehr zu den 20 grössten Schweizer Unternehmen gehören. Sandoz ist nach dem Augenheilkunde-Unternehmen Alcon bereits das zweite von Novartis ausgegliederte Unternehmen, das innert weniger Jahre den Sprung in den prestigeträchtigen Leitindex geschafft hat. Galderma war einst eine Tochtergesellschaft von Nestlé und ist seit 2024 an der Schweizer Börse kotiert.

Gesundheitssektor gewinnt an Gewicht

Durch die beiden Neuzugänge hat der Gesundheitssektor im Swiss Market Index weiter an Bedeutung gewonnen. Neben den Pharmagrössen Novartis und Roche zählen auch Alcon und der Pharmazulieferer Lonza zu den Branchenvertretern. Insgesamt entfallen inzwischen mehr als 40 % der Marktkapitalisierung auf Pharma- und Gesundheitswerte. Das Gewicht der Banken und Versicherungen ist mit einem Anteil von rund 20 % etwa halb so hoch. Der Konsumgüterbereich mit Nestlé kommt auf knapp 14 %, der Industriesektor auf rund 10 %. Das hohe Gewicht des Gesundheitssektors ist ein Abbild der Schweizer Wirtschaftsentwicklung. Dies zeigt sich in der Exportstatistik: Pharmazeutische Produkte und Medizintechnikprodukte machen rund 44 % der gesamten Schweizer Exporte aus. Gemessen am Bruttoinlandprodukt, erwirtschaftete der Bereich 2025 unter Einbezug von Zulieferern und indirekten Effekten rund 12 % der gesamten Wirtschaftsleistung.

Neuzugänge sorgen für mehr Vielfalt

Trotz ihrer Zugehörigkeit zum Gesundheitssektor unterscheiden sich Sandoz und Galderma deutlich von den bisherigen Branchenvertretern im SMI. Sandoz konzentriert sich auf Nachahmermedikamente und hebt sich damit klar von Novartis und Roche ab. Diese entwickeln primär patentgeschützte Wirkstoffe und Therapien. Sandoz profitiert im Generika- und Biosimilarbereich davon, dass zahlreiche umsatzstarke Medikamente in den nächsten Jahren ihren Patentschutz verlieren. Galderma ist mit seinen Ästhetik- und Hautpflegeprodukten primär auf den globalen Schönheitsmarkt ausgerichtet. Nur knapp 30 % des Umsatzes entfallen auf Medikamente. Entsprechend wird die Geschäftsentwicklung beim Dermatologiekonzern wesentlich von Faktoren wie der Einkommensentwicklung und dem Schönheitsbewusstsein der Konsumenten beeinflusst.

Pharma- und Medizintechnik als Rückgrat der Schweizer Exportindustrie

Quelle: Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, eigene Darstellung, Stand: 2025 (gerundete Werte)

Mehr als Pharma: die Vielfalt des Schweizer Gesundheitssektors

Seit ihrer Entstehung in der Basler Chemieindustrie hat sich die Gesundheitsbranche zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Schweiz entwickelt. Neben den grossen Aushängeschildern Novartis und Roche ist ein vielfältiger und finanzkräftiger Wirtschaftskosmos entstanden, der erfolgreiche Zuliefererkonzerne, Medizintechnikunternehmen und Biotechnologiefirmen umfasst.

Der Blick auf die sechs im SMI enthaltenen Gesundheitswerte verdeutlicht die Bedeutung der grössten Schweizer Pharma- und Gesundheitsunternehmen für die heimische Wirtschaft. Nicht berücksichtigt wird dabei der Erfolg der vielen klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen. Von den 200 grössten Unternehmen im breiter aufgestellten Swiss Performance Index lassen sich 38 direkt dem Gesundheitssektor zuordnen. Zum erweiterten Kreis gehören auch zahlreiche spezialisierte Medizintechnik- und Biotechnologieunternehmen. Dazu kommen mehrere hundert nicht kotierte Unternehmen sowie viele ausländische Pharma- und Biotechnologieunternehmen, die ebenfalls über Niederlassungen und Produktionsstandorte in der Schweiz verfügen.

Basel als Wiege der Pharmaindustrie

Die Basis für den heutigen Erfolg liegt in der chemischen Industrie Basels. Unternemen wie Ciba-Geigy, Kern & Sandoz und F. Hoffmann-La Roche legten den Grundstein für die heutigen Pharmakonzerne Novartis und Roche. Ursprünglichals Farb- und Rohstoffproduzenten für die Textilund Seidenindustrie ausgerichtet, stiegen Ciba-Geigy und Kern & Sandoz Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmend in die Medikamentenentwicklung ein. F. Hoffmann- La Roche konzentrierte sich bereits seit der Gründung im Jahr 1896 auf die Medikamentenentwicklung. Durch den Zusammenschluss von Sandoz und Ciba-Geigy entstand schliesslich 1996 der Pharmakonzern Novartis. Parallel dazu hat sich Roche als familiengeführtes Unternehmen zum grossen Gegenspieler am Rheinknie entwickelt. Beide haben sich früh im wichtigsten Pharmamarkt USA etabliert und gehören heute zu den profitabelsten und innovationsstärksten Pharmakonzernen der Welt.

Ökosystem aus Zulieferern und Biotech

Im Umfeld der erfolgreichen Basler Chemie- und Pharmakonzerne, aus denen auch Grosskonzerne wie Syngenta und Givaudan hervorgegangen sind, hat sich ein umfangreiches Netzwerk von Zulieferern entwickelt. Im Bereich der Auftragsfertiger, die vor allem Wirkstoffe für die Pharma- und Biotechnologieindustrie produzieren und abfüllen, beheimatet die Schweiz mit Lonza und Siegfried zwei der weltweit grössten Unternehmen. Dazu kommen spezialisierte Konzerne wie Bachem, das dank den boomenden Abnehmmedikamenten im Peptidbereich zu den Marktführern gehört, oder Dottikon ES als aufstrebendes Unternehmen im Bereich der Exklusivwirkstoffe und Veredelungschemikalien. Zahlreich vertreten sind zudem Biotechnologieunternehmen, die innovative Therapien und Wirkstoffe entwickeln. Sie profitieren von einem Innovationscluster aus etablierten Pharmaunternehmen, führenden Universitäten und vorteilhaften Standortfaktoren wie qualifizierten Arbeitskräften und attraktiven steuerlichen Rahmenbedingungen.

Von der Uhrmacherkunst zu Medtech

Ein weiterer Unternehmenszweig, der sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor mit globaler Ausstrahlung entwickelt hat, ist die Medizintechnikbranche. Als Basis für ihren Aufstieg gilt die traditionelle Uhrenindustrie im Jura. Mit ihrer Präzision und Mechanik schuf sie die Grundlage für die Entwicklung und Herstellung hochpräziser medizinischer Geräte, Implantate und Werkzeuge. Ähnlich wie der Pharmabereich profitiert die Branche vom starken Forschungsstandort und der engen Zusammenarbeit mit Forschern und Spitälern. Mit Alcon, Straumann und Sonova haben heute drei globale Marktführer aus den Bereichen Augenheilkunde, Zahnimplantate und Hörgeräte ihre Wurzeln bzw. bedeutende Standorte in der Schweiz. Ergänzt werden sie durch erfolgreiche mittelkapitalisierte Unternehmen wie Ypsomed, Tecan, Medacta, Medartis oder Skan. Dazu kommt ein weitverzweigtes Netzwerk spezialisierter Zuliefererunternehmen aus dem KMU-Bereich, die ebenfalls zum Erfolg der Branche beitragen.

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