Dividenden: verlässliche und ertragreiche Ernte
Während draussen die Natur zu neuem Leben erwacht, beginnt an den Finanzmärkten bereits die Zeit der Ernte. Im Frühling schütten viele Unternehmen ihre Dividenden aus und beteiligen Aktionärinnen und Aktionäre am Erfolg des vergangenen Jahres. Dividendenaktien sind aber mehr als nur eine saisonale Freude, sie leisten langfristig einen wichtigen Beitrag zur Rendite.
Die Dividendensaison hat begonnen und viele Aktionärinnen und Aktionäre von Schweizer Unternehmen dürfen sich auch dieses Jahr über attraktive Ausschüttungen freuen. Dennoch wird die Bedeutung von Dividenden häufig unterschätzt. Dabei können sie, insbesondere wenn sie konsequent reinvestiert werden, langfristig zu einem zentralen Renditetreiber werden.
Wie gross ihr Effekt ist, zeigt ein Blick auf den Swiss Performance Index (SPI). Wer vor zehn Jahren in den SPI investierte, erzielte inklusive jeweils reinvestierter Dividenden eine mehr als doppelt so hohe Rendite wie ohne Dividenden. Damit wird deutlich: Dividenden sind weit mehr als ein netter Zustupf, sondern ein starker Renditetreiber. Gerade in einem dividendenstarken Markt wie der Schweiz spielt dieser Effekt eine besonders wichtige Rolle.
Dividenden als Stabilisator in bewegten Zeiten
Dividendenaktien verbinden zwei Vorteile: Sie ermöglichen die Partizipation am Aktienmarkt und liefern regelmässige Erträge. Gerade in unsicheren Marktphasen spielensie ihre Stärken aus. Dividenden schwanken in der Regel deutlich weniger stark als Aktienkurse. Da Kürzungen amMarkt meist negativ aufgenommen werden, passen Unternehmen ihre Ausschüttungspolitik nur vorsichtig an. Viele Firmen streben eine stabile oder sogar steigende Dividende an. In volatilen Phasen, wenn Kurse unter Druck geraten, wirken Dividenden wie ein Puffer gegen Marktschwankungen.
Dividendenstarker Schweizer Aktienmarkt
Die Höhe der Dividenden unterscheidet sich regional deutlich. Der Schweizer Aktienmarkt zählt traditionell zu den dividendenstärksten weltweit. Ein Grund dafür ist die Zusammensetzung des Marktes: In der Schweiz gibt es viele etablierte Unternehmen aus defensiven Sektoren wie Gesundheit, Nahrungsmittel oder Finanzen. Diese Geschäftsmodelle generieren über Konjunkturzyklen hinweg stabile Geldflüsse und ermöglichen verlässliche Ausschüttungen – selbst in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten. Zu den bekannten Dividendenzahlern in der Schweiz zählen etwa Roche, Novartis, Nestlé und Zurich Insurance. In den USA präsentiert sich ein anderes Bild. Der Markt ist stärker von Wachstumsunternehmen und Technologiekonzernen geprägt. Diese investieren ihre Gewinne häufiger in die Unternehmensexpansion statt sie in Form von Dividenden an ihre Aktionärinnen und Aktionäre auszuschütten.
Dividenden als Obligationen-Alternative?
Seit vergangenem Juni liegt der SNB-Leitzins bei 0%. Entsprechend bescheiden fallen die Renditen vieler festverzinslicher Anlagen aus – Schweizer-Franken-Obligationen sorgen derzeit kaum für Begeisterung. In diesem Umfeld rücken Dividendenaktien stärker in den Fokus. Wie Obligationen liefern sie regelmässige Ausschüttungen. Im Gegensatz zu Anleihen profitieren sie jedoch tendenziell von einem tiefen Zinsniveau: Sinkende Finanzierungskosten unterstützen die Unternehmensgewinne, dadurch gewinnen Aktien im Vergleich zu Obligationen an relativer Attraktivität. Für Anlegerinnen und Anleger mit Fokus auf wiederkehrende Erträge können Dividendenaktien daher eine interessante Ergänzung sein, insbesondere im aktuellen Tiefzinsumfeld.
Wichtig bleibt jedoch der Risikounterschied: Während Obligationen am Laufzeitende im Normalfall zu 100 % zurückbezahlt werden, unterliegen Aktienkurse teilweise erheblichen Schwankungen. Dividendenaktien eignen sich deshalb nur als Alternative, wenn Kursrisiken getragen werden können. Ein langer Anlagehorizont hilft, Marktschwankungen auszugleichen.
Warum schütten Unternehmen Dividenden aus?
Mit einer Dividende beteiligen Unternehmen ihre Aktionärinnen und Aktionäre am erwirtschafteten Gewinn. Gleichzeitig senden sie ein Signal an den Kapitalmarkt: Wer regelmässig ausschüttet, demonstriert Ertragskraft und finanzielle Stabilität.
Typische Dividendenzahler sind etablierte Unternehmen mit bewährtem Geschäftsmodell und solider Kapitalallokation. Wachstumsunternehmen investieren Gewinne dagegen häufig in die Expansion oder die Innovation und verzichten entsprechend ganz oder teilweise auf Ausschüttungen. Die Rendite entsteht hier primär über steigende Aktienkurse – unter der Voraussetzung, dass sich die Investitionen auszahlen. Dividenden spielen bei diesen Firmen eine untergeordnete Rolle. Unternehmen in stark zyklischen Geschäftsfeldern oder mit weniger etablierten Geschäftsmodellen zahlen häufig ebenfalls keine konstante Dividende.
Arten von Dividenden und ihre steuerlichen Folgen
Im Normalfall werden Dividenden aus den Gewinnreserven ausgeschüttet. In diesem Fall müssen sie in der Schweiz als Einkommen versteuert werden. Eine Ausschüttung aus Kapitaleinlagereserven ist ebenfalls möglich. Diese entstehen, wenn Aktionärinnen und Aktionäre bei einer Kapitalerhöhung, einer Nennwertreduktion oder einem Börsengang mehr als den Nennwert einer Aktie bezahlen. Rückzahlungen daraus sind für Privatanlegerinnen und Privatanleger in der Schweiz steuerfrei.
Neben Dividenden können Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen. Dabei erfolgt keine direkte Ausschüttung, doch die reduzierte Anzahl Aktien verdichtet den Gewinn, was den Aktienkurs stützt. Für Privatanlegerinnen und Privatanleger sind Kapitalgewinne in der Schweiz steuerfrei. Rückkäufe stellen somit eine indirekte Form der Gewinnbeteiligung dar.
Ursprünge der Dividenden: Gewürze statt Bargeld
Die Geschichte der Dividende beginnt überraschend exotisch: Die erste dokumentierte Dividende wurde 1610 von der niederländischen Ostindien-Kompanie ausgeschüttet, allerdings nicht in bar, sondern in Form von Gewürzen. Muskatblüten, später Pfeffer und Muskatnuss, fanden so den Weg zu den Aktionärinnen und Aktionären.