Erdöl: mehr als nur ein Schmierstoff der Weltwirtschaft
Erdöl ist zurück im Fokus. Seine Bedeutung hat in den letzten Jahrzehnten zwar abgenommen, doch das schwarze Gold bleibt entscheidend – und das weit über die Verwendung als Treibstoff hinaus. Ein Blick auf seine vielen Facetten, seine Herkunft und seine Rolle im Wirtschaftswachstum.
Wo steckt überall Erdöl drin?
Weltweit werden mehr als 100 Millionen Fass Rohöl verbraucht – pro Tag. Der grösste Teil wird zu Treibstoffen verarbeitet. Doch Erdöl liefert mehr als nur Energie. Aus ihm entstehen auch unzählige Grundstoffe für Güter, die aus unserem Alltag nicht wegzudenken sind.
Wo kommt Erdöl her?
Die wichtigste Förderregion von Erdöl ist traditionell der Nahe Osten. Zwar weist das Öl aus dieser Region einen höheren Schwefelgehalt auf als das in den USA geförderte Schieferöl und muss deshalb aufwändiger aufbereitet werden. Trotzdem ist Erdöl aus der Golfregion unverzichtbar. Die Vorkommen sind riesig, meist gut zugänglich und der Abbau vergleichsweise einfach.
Auch Öl aus den USA spielt eine immer wichtigere Rolle. Angetrieben durch Fortschritte in der Fracking-Technologie, haben die USA ihre Ölproduktion seit 2012 mehr als verdoppelt und Saudi-Arabien als grössten Ölproduzenten der Welt abgelöst. Mit der faktischen Aufhebung des Exportverbots im Jahr 2015 sind die USA mittlerweile auch ein zentraler Akteur auf dem globalen Ölmarkt. Insbesondere europäische Staaten, inklusive der Schweiz, beziehen heute einen wesentlichen Teil ihres Rohöls aus den USA.
Öl aus dem Nahen Osten bleibt zentral – trotz Konkurrenz aus den USA
Ölproduktion 2025 pro Tag, 1 Fass entspricht 5 Mio. Barrel
Öl umfasst Rohöl, alle anderen flüssigen Erdölprodukte sowie Biokraftstoffe.
Naher Osten umfasst hier Bahrain, Irak, Iran, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und VAE.
Quelle: EIA, 2025; eigene, vereinfachte Darstellung.
Warum eigentlich «Brent»?
Wenn vom Ölpreis die Rede ist, ist in der Regel der Preis der Sorte Brent gemeint. Der Name stand ursprünglich für ein Ölfeld des Energiekonzerns Shell nordöstlich der britischen Shetlandinseln. Die Förderung wurde dort zwar mittlerweile eingestellt, der Name hatte sich aber bereits als Marke etabliert und blieb deshalb erhalten. Heute bezeichnet «Brent» Erdöl mit bestimmten Eigenschaften wie Schweregrad und Schwefelgehalt, das meist aus der Nordsee stammt.
Wirtschaftswachstum ohne Erdöl?
Erdöl ist mehr als nur ein Schmierstoff der Weltwirtschaft. Auch im 21. Jahrhundert bleibt es eine zentrale Voraussetzung für viele Wirtschaftsbereiche. Effizienzgewinne, das Aufkommen alternativer Energieträger und der Trend zu Dienstleistungsökonomien haben zwar dazu geführt, dass sich das Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung ab Mitte der 1980er-Jahre vom Erdölverbrauch entkoppelt hat. Die Abhängigkeit bleibt aber gross. Statistisch gesehen wird für die Produktion von 1000 US-Dollar des globalen Bruttoinlandprodukts weiterhin rund ein Drittel Fass Erdöl benötigt. Entsprechend ist ein hoher Ölpreis auch heute noch eine erhebliche Belastung für die Weltwirtschaft.
Ölabhängigkeit der Weltwirtschaft hat abgenommen, bleibt aber hoch
Index, 1965 = 100
Daniel Wachter
8021 Zürich
Roman Elbel
8021 Zürich