Pipeline für Erdöl mit Armatur: Titelbild des Anlagemagazins /sicht herausgegeben von der St. Galler Kantonalbank, Ausgabe Juli 2026 zum Thema "Erdöl: mehr 
als nur ein Schmierstoff"

Erdöl: mehr als nur ein Schmierstoff der Weltwirtschaft

Erdöl ist zurück im Fokus. Seine Bedeutung hat in den letzten Jahrzehnten zwar abgenommen, doch das schwarze Gold bleibt entscheidend – und das weit über die Verwendung als Treibstoff hinaus. Ein Blick auf seine vielen Facetten, seine Herkunft und seine Rolle im Wirtschaftswachstum.

Wo steckt überall Erdöl drin?

Weltweit werden mehr als 100 Millionen Fass Rohöl verbraucht – pro Tag. Der grösste Teil wird zu Treibstoffen verarbeitet. Doch Erdöl liefert mehr als nur Energie. Aus ihm entstehen auch unzählige Grundstoffe für Güter, die aus unserem Alltag nicht wegzudenken sind.

Wo kommt Erdöl her?

Die wichtigste Förderregion von Erdöl ist traditionell der Nahe Osten. Zwar weist das Öl aus dieser Region einen höheren Schwefelgehalt auf als das in den USA geförderte Schieferöl und muss deshalb aufwändiger aufbereitet werden. Trotzdem ist Erdöl aus der Golfregion unverzichtbar. Die Vorkommen sind riesig, meist gut zugänglich und der Abbau vergleichsweise einfach.

Auch Öl aus den USA spielt eine immer wichtigere Rolle. Angetrieben durch Fortschritte in der Fracking-Technologie, haben die USA ihre Ölproduktion seit 2012 mehr als verdoppelt und Saudi-Arabien als grössten Ölproduzenten der Welt abgelöst. Mit der faktischen Aufhebung des Exportverbots im Jahr 2015 sind die USA mittlerweile auch ein zentraler Akteur auf dem globalen Ölmarkt. Insbesondere europäische Staaten, inklusive der Schweiz, beziehen heute einen wesentlichen Teil ihres Rohöls aus den USA.

Öl aus dem Nahen Osten bleibt zentral – trotz Konkurrenz aus den USA

Ölproduktion 2025 pro Tag, 1 Fass entspricht 5 Mio. Barrel

Grafik: Ölproduktion 2025 pro Tag im Vergleich (USA, Naher Osten und übrige Länder)

Öl umfasst Rohöl, alle anderen flüssigen Erdölprodukte sowie Biokraftstoffe. 
Naher Osten umfasst hier Bahrain, Irak, Iran, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und VAE.  
Quelle: EIA, 2025; eigene, vereinfachte Darstellung.

Wirtschaftswachstum ohne Erdöl?

Erdöl ist mehr als nur ein Schmierstoff der Weltwirtschaft. Auch im 21. Jahrhundert bleibt es eine zentrale Voraussetzung für viele Wirtschaftsbereiche. Effizienzgewinne, das Aufkommen alternativer Energieträger und der Trend zu Dienstleistungsökonomien haben zwar dazu geführt, dass sich das Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung ab Mitte der 1980er-Jahre vom Erdölverbrauch entkoppelt hat. Die Abhängigkeit bleibt aber gross. Statistisch gesehen wird für die Produktion von 1000 US-Dollar des globalen Bruttoinlandprodukts weiterhin rund ein Drittel Fass Erdöl benötigt. Entsprechend ist ein hoher Ölpreis auch heute noch eine erhebliche Belastung für die Weltwirtschaft.

Ölabhängigkeit der Weltwirtschaft hat abgenommen, bleibt aber hoch

Index, 1965 = 100

Grafik zur Entwicklung der globalen Wirtschaft (BIP) und des globalen Ölverbrauchs von 1965 bis 2025

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich