Gold: gefragte Sicherheit in bewegten Zeiten

Der Goldpreis hat kürzlich ein Allzeithoch erreicht. Das Edelmetall gilt als Krisenwährung und dient besonders in unsicheren Zeiten als bewährte Sicherheitsanlage im Portfolio. Es besitzt aber auch einen direkten materiellen Nutzen – etwa in der Elektronik. Ein vertiefter Einblick in das kostbare Metall.

Rekordpreise – was steckt dahinter?

Der Goldpreis hat seit Jahresbeginn mehrere Höchstmarken erreicht. Im April 2025 stieg er in der Spitze bis auf 3500 US- Dollar je Feinunze – getrieben von der Unsicherheit rund um die US-Zollpolitik und geopolitischen Spannungen. Beides erhöhte die Nachfrage nach Gold. Der Preisanstieg ist Ausdruck einer breiteren Entwicklung. Die weltweite Nachfrage erreichte im ersten Quartal 2025 rund 1200 Tonnen – den höchsten Stand in einem ersten Quartal seit 2016, wie die Branchenorganisation World Gold Council berichtet. Neben Privatanlegern waren es vor allem Zentralbanken, die ihr Interesse verstärkten.

Woher kommt das Gold?

Ein Grossteil des weltweit geförderten Goldes stammt aus Afrika und Asien. Doch keine einzelne Region trägt mehr als ein Viertel zur globalen Produktion bei. Die breite geografische Streuung macht den Goldmarkt robuster gegenüber Angebotsengpässen – anders als bei Platin oder Palladium, die fast ausschliesslich in Südafrika und Russland gefördert werden. Jährlich gelangten in den letzten zehn Jahren durchschnittlich rund 3500 Tonnen Gold neu auf den Markt. Zudem stabilisiert Recycling – das Einschmelzen und Wiederverwenden von Altgold – den Markt, wenn die Minenförderung nicht ausreicht. Etwa 75% des jährlichen Goldangebots stammen aus Minen, der Rest aus Recycling.

Insgesamt wurden bislang schätzungsweise rund 216 000 Tonnen Gold gefördert – rund zwei Drittel davon aufgrund des technologischen Fortschritts nach 1950. Gemäss Schätzungen gibt es weitere 54 000 bis 65 000 Tonnen an unterirdischen Reserven, die sich mit heutiger Technologie wirtschaftlich abbauen lassen.

Geografisch breit diversifizierte Minenförderung

Wofür wird Gold verwendet? 

Gold wird sowohl als Konsumgut als auch als Anlageform nachgefragt – diese doppelte Rolle prägt seinen besonderen Stellenwert. Schmuck ist das grösste Nachfragesegment. Auch in der Industrie, etwa in der Elektronik, wird es aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften eingesetzt. Der Einsatz in der Industrie spielt mengenmässig jedoch eine Nebenrolle. Die Nachfrage nach Schmuck sowie die Investitionen von Anlegern und Zentralbankkäufe bestimmen den Preis. Neben der physischen Anlage in Barren oder Münzen hat sich der Zugang zu Goldinvestments mit der Einführung physisch hinterlegter Gold-Fonds (ETFs) seit 2003 deutlich erweitert. Diese sind heute eine liquide und global verfügbare Anlageform. Zudem nutzen Zentralbanken, insbesondere aus Schwellenländern, Gold verstärkt zur Diversifikation ihrer Währungsreserven. Zum dritten Mal in Folge kauften sie 2024 über 1000 Tonnen – ein Rekordwert, der den Rückgang der preissensitiven Schmucknachfrage weitgehend ausglich. Ende 2024 lagerten rund 38 000 Tonnen Gold in Notenbank-Tresoren.

Verteilung des bislang geförderten Goldes (rund 216 000 t)


Gold als Krisenschutz im Portfolio

Der Goldmarkt ist global, gross und liquide. Auch in Stressphasen bleibt Gold gut handelbar, was es für Anleger besonders attraktiv macht. Zwar gerät das Edelmetall in Phasen starker Marktturbulenzen häufig zunächst unter Druck, da es kurzfristig zur Deckung von Verlusten in anderen Anlageklassen verkauft wird. Doch die Erfahrung zeigt: Der Goldpreis erholt sich meist rasch und geht gestärkt aus solchen Phasen hervor.

Ein Blick auf die letzten drei Rezessionen in den USA belegt, dass Gold sich als stabilisierende Beimischung im Portfolio bewährt hat. Als Versicherung gegen unerwartete Risiken schützt es vor wirtschaftlicher Unsicherheit, geopolitischen Spannungen und Inflation – und bringt langfristig Stabilität ins Depot. Auch aktuell behauptet sich Gold in einem von Nervosität geprägten Marktumfeld. In der ersten Jahreshälfte 2025 legte das Edelmetall um über 25 % zu. Nach einem starken Jahresauftakt erreichte der Preis im Frühjahr ein neues Allzeithoch.

Die fundamentalen Argumente für Gold bleiben auch weiterhin bestehen. So lenkte etwa die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch Moody’s den Blick erneut auf die Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen. Auch im internationalen Handel bleibt die Lage angespannt. Die gestiegenen geopolitischen Risiken im Nahen Osten stützen den Goldpreis zusätzlich. Ungeachtet des hohen Preisniveaus bleibt die Nachfrage von Zentralbanken und Investoren robust. Gold hat sich als Absicherung gegen unerwartete Entwicklungen bewährt.

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
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Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich