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06. November 2026, Tägliche Marktsicht

Sorgen über eine stärkere KI-Regulierung belasten

Die Sorgen über eine strengere Regulierung im KI-Bereich setzten die Aktienmärkte weltweit unter Druck. Besonders stark verloren Technologiewerte.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.37%, SPI: -0.34%, SMIM: +0.00%

Der Schweizer Aktienmarkt startete mit Kursgewinnen in den Handel und überschritt zeitweise die Marke von 15'000 Punkten. Mit der Eröffnung der US-Börsen trübte sich die Stimmung jedoch zunehmend ein. Der Leitindex SMI schloss letztlich 0.4% tiefer. Nach den Kursgewinnen im Anschluss an den Wahlerfolg der Demokraten am Mittwoch rückten gestern Sorgen über eine stärkere Regulierung im Bereich der künstlichen Intelligenz in den Vordergrund. Insbesondere mögliche Einschränkungen beim Bau neuer Rechenzentren schürten Befürchtungen über Verzögerungen bei geplanten Investitionsprojekten. Bei den 20 Blue Chips im SMI hielten sich Gewinner und Verlierer die Waage. An der Spitze stand der Rückversicherer Swiss Re (+2.0%), der trotz rückläufiger Versicherungserträge seinen Gewinn steigern und die Markterwartungen übertreffen konnte. Ebenfalls gefragt waren Sandoz (+1.8%) und Lonza (+1.6%). Auch Swisscom (+3.3%) überzeugte nach einer Verbesserung der Profitabilität trotz rückläufigem Umsatz. Die grössten Kursverluste verzeichnete ABB (-4.2%). Belastend wirkte insbesondere die Nachricht, dass die chinesischen Behörden den geplanten Verkauf des Robotikgeschäfts in China an den japanischen Technologiekonzern SoftBank blockiert haben. Damit ist die milliardenschwere Transaktion gefährdet. Ebenfalls deutlich unter Druck standen UBS (-3.4%) und Logitech (-3.3%). Die beiden Pharmaschwergewichte Roche (-1.1%) und Novartis (-0.1%) belasteten den Leitindex zusätzlich, während Nestlé (+1.6%) die Verluste abfederte.

Am breiten Markt gerieten insbesondere technologie- und rechenzentrumsnahe Unternehmen unter Verkaufsdruck. Inficon (-7.5%), Comet (-6.3%), VAT (-3.5%) und Huber+Suhner (-2.3%) verzeichneten deutliche Kursverluste. Gegen den schwachen Markttrend legte hingegen der Laborausrüster Tecan (+7.1%) kräftig zu. Ein starkes drittes Quartal und die Anhebung des Jahresausblicks sorgten für positive Impulse.

Aktienmärkte Europa

Euro Stoxx 50: -0.55%, DAX: -0.43%

Die europäischen Aktienmärkte starteten mit positiven Vorgaben in den Handel, konnten ihre anfänglichen Gewinne jedoch mehrheitlich nicht bis zum Handelsschluss halten. Mit der Eröffnung der US-Börsen gerieten die Indizes zunehmend unter Druck. Belastend wirkten insbesondere die Sorgen über eine stärkere Regulierung des Technologiesektors sowie der Ausverkauf bei US-Technologiewerten. Diesem Abwärtstrend konnten sich lediglich der französische CAC 40 (+0.3%) und der spanische IBEX 35 (+0.6%) entziehen. Auf Sektorenebene waren vor allem defensive Bereiche gefragt. Überdurchschnittlich entwickelten sich der Nichtzyklische Konsum, Versorger und Grundstoffe. Zu den Verlierern gehörten hingegen Technologie, Industrie und Energie. Im Sog der schwachen US-Technologiewerte gerieten insbesondere die europäischen Halbleiterwerte STMicroelectronics (-9.3%), Infineon (-8.5%) und ASML (-6.6%) deutlich unter Druck. Besonders hohe Kursverluste verzeichnete der Rüstungskonzern Rheinmetall (-16.1%). Das Unternehmen senkte seine Jahresumsatzprognose bereits zum zweiten Mal. Ausschlaggebend waren insbesondere Verzögerungen bei der Auftragsvergabe für das Boxer-Radpanzerprogramm sowie bei der Abnahme von Artilleriemunition. Dadurch verschieben sich erwartete Umsätze ins kommende Jahr.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -3.44%, S&P 500: -4.36%, Nasdaq: -5.52%

Nach den kräftigen Kursgewinnen im Anschluss an die US-Zwischenwahlen gerieten die amerikanischen Aktienmärkte gestern deutlich unter Druck. Auslöser waren insbesondere Befürchtungen, dass die Wahlerfolge der Demokraten zu strengeren Auflagen beim Bau neuer Rechenzentren führen könnten. Neben möglichen regulatorischen Einschränkungen rückten auch der hohe Strombedarf und die steigenden Finanzierungskosten der KI-Infrastruktur stärker in den Fokus. Die Verkaufswelle erfasste sämtliche Sektoren, wobei insbesondere Technologie- und Halbleiterwerte unter Druck standen. Der marktbreite S&P 500 verlor 4.4% und verzeichnete damit den stärksten Tagesverlust seit April 2025. Der technologielastige Nasdaq brach um 5.5% ein, während der Dow Jones 3.4% nachgab. Auf Sektorenebene waren die Verluste breit abgestützt. Besonders stark traf es den Technologiesektor. Die zunehmende Unsicherheit über den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur schürte Zweifel an den hohen Wachstumserwartungen der Halbleiterindustrie. Nvidia (-9.3%) gehörte zu den grössten Verlierern, während auch AMD (-17.3%) starke Kursverluste verzeichnete. Gleichzeitig suchten Anleger verstärkt Sicherheit am Anleihenmarkt, was die Renditen von US-Staatsanleihen sinken liess. Auch der Speicherchiphersteller Micron (-17.5%) geriet unter Druck. Zusätzlich zur allgemeinen Schwäche der Halbleiterbranche belasteten Berichte über einen vorläufigen Baustopp bei einer geplanten Speicherchipfabrik in Taiwan im Umfang von bis zu USD 4.5 Mrd. Hintergrund ist ein anhaltender Mitarbeiterkonflikt über Gewinnbeteiligungen. Die mögliche Verzögerung des Projekts verstärkte die Sorgen über den weiteren Ausbau der Produktionskapazitäten für KI-Speicherchips.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.83%; DE: 3.24%; CH: 0.46%

Im Umfeld der gestrigen Kursturbulenzen waren sichere Staatsanleihen gefragt. Die Renditen setzten damit auf beiden Seiten des Atlantiks ihren jüngsten Rückgang fort. Inzwischen notieren die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in den USA, Deutschland und der Schweiz wieder auf dem Niveau von Anfang September. Der damalige Zinsanstieg, getrieben von einer Mischung aus höheren Inflationserwartungen, veränderten Zinsperspektiven und fiskalischen Unsicherheiten, wurde damit weitgehend rückgängig gemacht.

Währungen

Euro in Franken: 0.914
US-Dollar in Franken: 0.816
Euro in US-Dollar: 1.119

Der Schweizer Franken profitiert von der gestiegenen Vorsicht an den Finanzmärkten und gehörte bei den G10-Währungen zu den Tagesgewinnern. Der Euro geriet am Nachmittag zum Franken unter Druck, wogegen sich das USD/CHF-Währungspaar nach einem Zick-Zack-Kurs schlussendlich auf Vortagesniveau hielt. Am Devisenmarkt richtet sich der Blick heute auf den US-Arbeitsmarktbericht, der wichtige Hinweise auf die weitere Zinspolitik der US-Notenbank liefert.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 100.01 pro Fass
Goldpreis: USD 4'045.92 pro Unze

Im Ölpreis ist weiterhin viel Bewegung. Seit Wochenbeginn fiel der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent zeitweise um über 15% auf unter 95 US-Dollar. Gestern setzte eine Gegenbewegung in Richtung der 100-Dollar-Marke ein. Hinter dem Preisrückgang standen zunehmende Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung des Konflikts mit dem Iran. Allerdings liegen die Positionen der Konfliktparteien noch immer weit auseinander. So fordert der Iran die Aufhebung der US-Seeblockade und eine Lockerung der Sanktionen, bevor die Strasse von Hormus wieder vollständig geöffnet wird.

Wirtschaft und Konjunktur

Schweiz: Arbeitslosenrate (Oktober, saisonbereinigt)
aktuell: 3.1% (erwartet: 3.1%, Vormonat: 3.1%)

Die um saisonale Schwankungen bereinigte Arbeitslosenrate in der Schweiz ist im Oktober stabil geblieben. Seit Juni liegt die Rate damit unverändert bei 3.1%, nachdem sie zuvor seit Mitte 2023 tendenziell angestiegen war. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat sich die Lage am Schweizer Arbeitsmarkt in den letzten Monaten stabilisiert. Es ist aber noch zu früh, um von einer echten Trendwende zu sprechen.

Deutschland: Auftragseingänge Industrie MoM (September)
aktuell: +4.4% (erwartet: +4.5%, Vormonat: -10.1%)

Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie sind im September gegenüber dem Vormonat um 4.4% gestiegen. Damit wurde der starke Rückgang vom August teilweise wettgemacht. Positiv ist insbesondere, dass die Bestellungen auch ohne Grossaufträge um 5.1% zulegten. Getragen wurde der Anstieg vor allem von der Automobilindustrie und dem Maschinenbau, wobei die Autoindustrie von einer niedrigen Vergleichsbasis profitierte. Im Dreimonatsvergleich zeigt sich allerdings weiterhin eine Seitwärtsbewegung. Die jüngsten Zahlen liefern dennoch erste Anzeichen einer Belebung der Industriekonjunktur.

Angela Truniger

Portraitfoto von Angela Truniger, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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