03. November 2026, Tägliche Marktsicht

SMI durch schwache Pharmaschwergewichte gebremst

Pharmaschwergewichte belasteten gestern den SMI, während konjunktursensitive Titel von sinkenden Ölpreisen profitierten. Im Fokus stehen heute die Zahlen von Burckhardt Compression, Clariant, Geberit sowie Apple in den USA.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.05%, SPI: +0.10%, SMIM: +0.83%

Der Schweizer Aktienmarkt hat die neue Handelswoche mit leichten Verlusten begonnen. Während die übrigen europäischen Börsen vom deutlichen Rückgang der Ölpreise profitierten, wurde der SMI (-0.1%) durch Kursverluste der beiden Pharmaschwergewichte Novartis (-1.7%) und Roche (-1.5%) belastet. Auslöser waren Analystenrückstufungen. Die Mehrheit der Schweizer Aktien verzeichnete hingegen Kursgewinne. Der marktbreite SPI (+0.1%) und der mittelkapitalisierte SMIM (+0.8%) schlossen entsprechend im Plus. Insbesondere konjunktursensitive Titel profitierten von den sinkenden Energiepreisen. Die Anleger blieben jedoch angesichts der heute anstehenden US-Zwischenwahlen zurückhaltend. Insgesamt schlossen 15 der 20 SMI-Werte im Plus. Besonders gefragt waren die baunahen Titel Amrize (+4.5%), Sika (+3.2%), Holcim (+3.1%) und Geberit (+2.5%). Sie profitierten von vergleichsweise soliden Einkaufsmanagerindizes in verschiedenen Ländern sowie der gestiegenen Nachfrage nach konjunktursensitiven Aktien. Auch Alcon (+2.2%), Partners Group (+2.1%) und UBS (+1.4%) verzeichneten deutliche Kursgewinne. Logitech (+0.3%) konnte sich nach den jüngsten deutlichen Kursverlusten infolge der Quartalszahlen leicht erholen.

Am breiten Markt brach Arbonia (-13.4%) deutlich ein, nachdem der Türenhersteller aufgrund des schwachen Geschäfts in Deutschland bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Jahresprognose senken musste. Cembra (-6.9%) und Oerlikon (-4.3%) gerieten nach Verkaufsempfehlungen von Brokern ebenfalls unter Druck. Auf der Gewinnerseite stand Autoneum (+9.4%). Der Autozulieferer plant die Übernahme der französischen Trèves Group und dürfte dadurch seinen Umsatz um rund ein Drittel steigern. Auch Medartis (+6.9%) verzeichnete deutliche Kursgewinne, nachdem das Unternehmen dank des starken US-Geschäfts eine Anhebung der Umsatzprognose in Aussicht gestellt hatte.

Aktienmärkte Europa

Euro Stoxx 50: +0.73%, DAX: +0.63%

Die europäischen Aktienmärkte haben sich zum Wochenauftakt freundlich entwickelt. Unterstützung erhielten die Börsen durch den deutlichen Rückgang der Ölpreise, nachdem sich die Aussichten auf Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran verbessert hatten. Zusätzlichen Rückenwind lieferte die Erholung der US-Aktienmärkte. Der EuroStoxx 50 (+0.7%) konnte damit einen Grossteil seiner Verluste vom Freitag wettmachen. Auch der spanische IBEX 35 (+1.6%), der französische CAC 40 (+1.0%) und der britische FTSE 100 (+0.3%) schlossen im Plus.

Bei den Einzelwerten profitierten insbesondere Fluggesellschaften und Touristikunternehmen von den sinkenden Ölpreisen. Ryanair (+5.2%), Air France-KLM (+4.8%) und IAG (+3.8%) verzeichneten deutliche Kursgewinne. Ryanair legte trotz eines Gewinnrückgangs im vergangenen Quartal infolge hoher Kerosinkosten zu. Energiewerte gehörten hingegen zu den Verlierern. Besonders stark unter Druck geriet Alstom (-26.1%). Der Bahntechnikkonzern senkte aufgrund von Auslieferungsverzögerungen bei elektrischen Doppelstocktriebzügen sein Margenziel für das Geschäftsjahr 2026/27 deutlich. Zudem kündigte Alstom Restrukturierungsmassnahmen und einen Schuldenabbau von rund EUR 2 Mrd. an.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.41%, S&P 500: -0.51%, Nasdaq: -1.07%

Die US-Aktienmärkte haben die neue Handelswoche uneinheitlich begonnen. Trotz des deutlichen Rückgangs der Ölpreise blieb die Kaufbereitschaft der Anleger begrenzt. Insbesondere Technologiewerte gerieten unter Druck. Der technologielastige Nasdaq (-1.1%) konnte seine anfänglichen Gewinne nicht halten und schloss ebenso wie der marktbreite S&P 500 (-0.5%) im Minus. Der Leitindex Dow Jones (+0.4%) legte hingegen leicht zu. Bei den Einzelwerten verzeichnete Apple (-1.5%) im Vorfeld der am Abend anstehenden Quartalszahlen Gewinnmitnahmen, während auch Nvidia im Zuge der Schwäche im Technologiesektor nachgab. Besonders deutlich verloren Lumentum (-18.6%) und Marvell Technology (-12.7%). Marvell bestätigte die Übernahme des Herstellers optischer Komponenten Lumentum für einen Unternehmenswert von rund USD 115 Mrd. Auch Oracle (-8.8%) geriet unter Druck, nachdem der Softwarekonzern die Ausgabe neuer Aktien im Umfang von rund USD 10 Mrd. sowie eine Anleihen-Emission über weitere USD 10 Mrd. bekannt gegeben hatte.

Unternehmensberichte

Geberit mit solidem Wachstum und bestätigter Jahresprognose

Geberit hat in den ersten neun Monaten 2026 den Umsatz um 3.6% auf CHF 2.54 Mrd. gesteigert. In lokalen Währungen resultierte ein Wachstum von 5.7%. Im 3. Quartal verlangsamte sich das Wachstum in lokalen Währungen auf 5.2%, nach 8.8% im Vorquartal. Wachstumstreiber waren insbesondere höhere Absatzmengen und positive Preiseffekte, unterstützt durch ein verbessertes Marktumfeld in Europa. Der operative Gewinn vor Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 3.3% auf CHF 778 Mio., während die EBITDA-Marge um 10 Basispunkte auf 30.7% zurückging. Höhere Material-, Energie- und Frachtkosten sowie gestiegene Ausgaben für Marketing und Digitalisierung belasteten die Profitabilität. Der Reingewinn stieg um 7.1% auf CHF 529 Mio. Für das Gesamtjahr geht Geberit von einem Umsatzwachstum in lokalen Währungen von 5% bis 6% sowie einer EBITDA-Marge in etwa auf Vorjahresniveau (2025: 29.4%) aus. Insgesamt hat Geberit mit den vorgelegten Zahlen die Markterwartungen weitgehend erfüllt.

Burckhardt Compression mit überraschend starkem Auftragseingang

Burckhardt Compression hat im 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2026/27 den Auftragseingang um 5.4% auf CHF 422.5 Mio. gesteigert. Damit gelang nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr eine Erholung der Nachfrage. Sowohl das Neumaschinengeschäft (+6.3%) als auch das Servicegeschäft (+4.1%) verzeichneten höhere Bestellungen. Der Umsatz ging hingegen um 11.1% auf CHF 459.0 Mio. zurück, während sich die EBIT-Marge von 12.7% auf 12.1% verringerte. Bereinigt um Restrukturierungskosten erreichte die Marge 12.8%. Der Reingewinn sank um 11.6% auf CHF 43.0 Mio. Burckhardt Compression hält an seinem Sparprogramm mit jährlichen Einsparungen von rund CHF 20 Mio. und dem Abbau von 220 Stellen fest. Für das Gesamtjahr bestätigt der Konzern die Prognose eines Umsatzes von CHF 900 Mio. bis CHF 1.0 Mrd. sowie einer EBIT-Marge von rund 12%. Dabei wird für das 2. Halbjahr eine stärkere Umsatzentwicklung erwartet. Mit den vorgelegten Zahlen übertraf Burckhardt Compression die Markterwartungen auf allen Ebenen klar.

Clariant mit Umsatzwachstum bei rückläufiger Profitabilität

Clariant hat im 3. Quartal 2026 den Umsatz um 6.9% auf CHF 968.8 Mio. gesteigert. In lokalen Währungen resultierte ein Wachstum von 5.6%, das hauptsächlich auf Preiserhöhungen von 5.7% zurückzuführen war, während die Absatzmengen leicht um 0.1% zurückgingen. Besonders positiv entwickelten sich die Bereiche Care Chemicals (+6.6% in LW) und Adsorbents & Additives (+6.4% in LW). Das Katalysatorengeschäft (+1.8% in LW) blieb hingegen durch den Konflikt im Nahen Osten belastet, der zu Verschiebungen von Kundenaufträgen führte. Der bereinigte EBITDA sank um 6.5% auf CHF 151.5 Mio., während sich die entsprechende Marge um 2.3 Prozentpunkte auf 15.6% verringerte. Belastend wirkten insbesondere ein ungünstiger Produktmix, schwankende Rohstoffpreise sowie ein positiver Einmaleffekt im Vorjahr. Für das Gesamtjahr bestätigt Clariant die Prognose eines ungefähr stabilen Umsatzes in lokalen Währungen sowie einer bereinigten EBITDA-Marge von rund 18%. Ein hoher Auftragsbestand im Katalysatorengeschäft dürfte zudem das Schlussquartal stützen. Mit den vorgelegten Quartalszahlen übertraf Clariant die Markterwartungen beim Umsatz, während der bereinigte EBITDA und die entsprechende Marge hinter den Analystenprognosen zurückblieben.

Apple mit starkem iPhone-Geschäft und verhaltenem Margenausblick

Apple hat im 4. Quartal des Geschäftsjahres 2026 den Umsatz um 11.7% auf USD 114.5 Mrd. gesteigert und damit einen Rekord für das Septemberquartal erzielt. Wichtigster Wachstumstreiber war das iPhone-Geschäft, dessen Umsatz um 17.5% auf USD 57.6 Mrd. stieg. Auch das Dienstleistungsgeschäft entwickelte sich mit einem Umsatzplus von rund 10% auf den Rekordwert von USD 31.6 Mrd. positiv. Die Bruttomarge erreichte 47.9%, wobei der Konzern von Zollrückerstattungen profitierte, die die Marge um rund einen Prozentpunkt erhöhten. Der Reingewinn erhöhte sich um 12% auf USD 30.7 Mrd., während der Gewinn je Aktie um 14% auf USD 2.10 zulegte. Mit dem iPhone-Umsatz übertraf Apple die hohen Markterwartungen und auch Umsatz und Gewinn lagen insgesamt über den Prognosen. Das Dienstleistungsgeschäft entsprach den Erwartungen, während der Umsatz in China trotz deutlichem Wachstum hinter den Analystenschätzungen zurückblieb. Für Zurückhaltung sorgte der Ausblick: Für das laufende Quartal rechnet Apple mit einer Bruttomarge von 45% bis 46% und einem Wachstum im Dienstleistungsgeschäft von 8% bis 9%, was unter den Markterwartungen liegt. Die Aktie reagierte im nachbörslichen Handel mit leichten Kursverlusten.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.91%; DE: 3.29%; CH: 0.49%

Mit der erhöhten Nervosität an den Aktienmärkten sind sichere Anlagen weiterhin gefragt. Der Abwärtstrend bei den Renditen langlaufender Staatsanleihen setzte sich gestern fort. Die Rendite der massgebenden 10-jährigen US-Staatsanleihe ist seit Anfang Oktober um rund 40 Basispunkte zurückgegangen. Gegenüber dem Jahresbeginn liegt sie jedoch weiterhin rund 75 Basispunkte höher.

Währungen

Euro in Franken: 0.916
US-Dollar in Franken: 0.818
Euro in US-Dollar: 1.120

Der Franken verspürt weiter Aufwind und gewann gestern gegenüber allen wichtigen Währungen erneut an Wert. Sorgen um die hohen Staatsschulden in Frankreich führten zu Umschichtungen aus dem Euro in den Franken. Gleichzeitig setzte die jüngste Schwäche der Tech-Aktien den US-Dollar unter Druck. Seit Anfang Oktober hat die Schweizer Währung gegenüber dem Euro um 3.3% aufgewertet. Zum Dollar beträgt das Plus 2.1%.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 107.14 pro Fass
Goldpreis: USD 3'912.02 pro Unze

Der Ölpreis ist gestern um rund 7% gesunken und fiel zwischenzeitlich unter die Marke von 105 US-Dollar. Hintergrund sind Meldungen, dass der iranische Revolutionsführer Chamenei der Regierung unter Präsident Pezeshikan mehr Spielraum in den Verhandlungen mit den USA zugestanden hat. Dies hat an den Märkten Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung neuen Auftrieb verliehen, zumal sich auch US-Präsident Trump– nicht zum ersten Mal – positiv zu möglichen Verhandlungen geäussert hatte. Gleichzeitig gab es auch Medienberichte um neue Angriffe des US-Militärs auf Ziele in der Strasse von Hormus.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Einkaufsmanagerindex Industrie (PMI, September gem. ISM)
aktuell: 55.5 (erwartet: 54.5, Vormonat: 54.5)

Der US-amerikanische Industriesektor bleibt auf Wachstumskurs, auch wenn es zur Entwicklung der Wachstumsdynamik im Oktober widersprüchliche Signale gibt. Während der Einkaufsmanagerindex von S&P Global auf hohem Niveau eine leichte Verlangsamung des Wachstums signalisiert, zeigt der vergleichbare Index des Institute for Supply Management eine leichte Beschleunigung. Insgesamt zeichnen beide Indikatoren das Bild einer positiven Dynamik in der US-Industrie, auch wenn hohe Preise für Inputgüter und längere Lieferfristen weiterhin belasten.

Anja Felder

Portraitfoto von Anja Felder, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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