04. November 2026, Tägliche Marktsicht

Demokraten gewinnen bei US-Kongresswahlen

Die globalen Aktienmärkte entwickelten sich gestern uneinheitlich. Im Vorfeld der US-Zwischenwahlen hielten sich die Anleger zurück. Heute stehen die Ergebnisse dieser Wahlen im Fokus der Märkte. Nach aktuellen Prognosen haben die Demokraten beide Kammern des Kongresses erobert.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.40%, SPI: -0.34%, SMIM: -0.21%

Der Schweizer Aktienmarkt schloss gestern nach einem richtungslosen Handel leicht im Minus. Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahost-Konflikt sorgten zwischenzeitlich für Unterstützung. Nach erneuten US-Angriffen wurden am Nachmittag neue Vermittlungsvorschläge aus Katar bekannt. Der Ölpreis der Sorte Brent fiel daraufhin vorübergehend unter USD 101 pro Barrel, stieg am Abend aber wieder auf über USD 103. Zurückhaltung herrschte zudem vor den Ergebnissen der US-Zwischenwahlen. Der Leitindex SMI verlor schliesslich 0.4%. Von den 20 grosskapitalisierten Werten schlossen lediglich sechs im Plus. Angeführt wurde das Tableau von ABB (+1.6%), gefolgt von Lonza (+0.6%), Swiss Life (+0.6%) und Partners Group (+0.5%). Unter Abgabedruck standen hingegen Logitech (-2.8%) und Geberit (-2.2%). Der Sanitärtechnikkonzern steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten in Lokalwährungen um 5.7%. Allerdings verlangsamte sich das Wachstum im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal von 8.8% auf 5.2%. Die Profitabilität blieb auf hohem Niveau stabil und der Jahresausblick wurde bestätigt. Ebenfalls deutlich nachgaben Galderma (-1.3%) und Givaudan (-1.3%). Galderma wurde vom überraschenden Abgang des Finanzchefs belastet, der das Unternehmen bereits nach sechs Monaten wieder verlässt und CFO von Novo Nordisk wird. Auch die Indexschwergewichte Roche (-1.6%), Nestlé (-0.3%) und Novartis (-0.02%) schlossen tiefer.

Am breiten Markt sorgten die Halbjahreszahlen von Burckhardt Compression (+12.2%) für einen kräftigen Kurssprung. Der Kolbenkompressorenhersteller übertraf die Markterwartungen deutlich. Insbesondere die Rückkehr zu einem wachsenden Auftragseingang überzeugte die Anleger. Ebenfalls zulegen konnten die Aktien von Clariant (+1.4%) nach der Präsentation der Quartalszahlen und positiven Aussagen des Managements zum Schlussquartal. Deutlich höher schlossen auch Basilea (+4.1%), nachdem das Biotechunternehmen eine weitere Meilensteinzahlung vom Partner Pfizer bekannt gegeben hatte. Unter Abgabedruck standen hingegen Bajaj Mobility (-13.8%) nach der Präsentation der Quartalszahlen sowie ams-OSRAM (-4.7%), Bachem (-3.5%) und Montana Aerospace (-3.2%). Heute Morgen gab Rieter (+2.3%) bekannt, dass der designierte CEO Daniel Lippuner die Funktion aufgrund von «unüberbrückbaren Differenzen» nicht antreten wird. Stattdessen wird Georg Stausberg, CEO der im vergangenen Februar übernommenen Barmag, per sofort neuer CEO.

Aktienmärkte Europa

Euro Stoxx 50: -0.51%, DAX: -0.45%

Die europäischen Aktienmärkte standen gestern mehrheitlich unter Abgabedruck. Vor den US-Zwischenwahlen hielten sich die Anleger zurück. Der länderübergreifende EuroStoxx50 verlor 0.5%, der deutsche DAX ebenfalls 0.5% und der französische CAC 40 0.3%. Besonders schwach entwickelte sich der britische FTSE 100 (-1.1%), der unter den Kursverlusten der stark gewichteten Rohstoffunternehmen litt. Auf Sektorebene standen insbesondere die Bereiche Energie, Technologie und Grundstoffe mit Abgaben von jeweils rund 1.3% unter Druck. Als einzige Branche konnten die Versicherungen (+0.2%) leicht zulegen. Bei den Einzelwerten überzeugte der niederländische Medizintechnikkonzern Philips (+5.0%) mit guten Quartalszahlen sowie Fortschritten in einem langjährigen US-Rechtsstreit. Ebenfalls gefragt waren die Aktien des italienischen Sportwagenherstellers Ferrari (+4.7%). Nach einem überraschend hohen operativen Quartalsgewinn wurde die Jahresprognose leicht angehoben.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.38%, S&P 500: +0.36%, Nasdaq: +0.83%

Die US-Aktienmärkte entwickelten sich gestern uneinheitlich. Während der Leitindex Dow Jones um 0.4% nachgab, konnten sich der breiter gefasste S&P 500 (+0.4%) und der technologielastige Nasdaq (+0.8%) von ihren jüngsten Verlusten erholen. Für Unterstützung sorgten insbesondere die wieder gefragten Halbleiterwerte. Der entsprechende Branchenindex SOX legte um 2.6% zu. Im Vorfeld der US-Zwischenwahlen hielten sich die Anleger allerdings weiterhin zurück. Bei den US-Zwischenwahlen konnten sich die Demokraten gemäss den bisherigen Auszählungen und Hochrechnungen die Mehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat sichern. Die positive Indexentwicklung täuschte dabei über die schwache Marktbreite hinweg. Lediglich vier der elf Sektoren des S&P 500 schlossen höher. Gefragt waren Technologie, Industrie, Kommunikationsdienste und Immobilien. Unter Abgabedruck standen insbesondere Grundstoffe und Basiskonsum. Bei den Einzelwerten konnten sich die Halbleiterhersteller AMD, Sandisk und Broadcom mit Kursgewinnen zwischen 3.4% und 5.0% von den jüngsten Verlusten erholen. Auch das Indexschwergewicht Nvidia (+2.6%) legte zu. Unter Druck standen hingegen die Aktien von Apple (-1.6%). Der iPhone-Hersteller enttäuschte mit seinem Ausblick auf das wichtige Weihnachtsquartal und warnte vor höheren Kosten infolge gestiegener Speicherchippreise. Die Aktien des KI-Softwarespezialisten Palantir (-1.4%) gaben trotz starker Quartalszahlen aufgrund eines enttäuschenden Ausblicks nach. Nach Börsenschluss sorgte AMD mit einem überraschend starken Umsatzausblick für das vierte Quartal für positive Impulse. Der Chiphersteller erwartet einen Umsatz von rund USD 17 Mrd. gegenüber Analystenerwartungen von USD 16.3 Mrd. In der Folge legten die Aktien nachbörslich deutlich zu.

Unternehmensberichte

Barry Callebaut: Absatz erholt sich, Gewinn unter Druck

Der Schokoladenhersteller Barry Callebaut verzeichnete im Geschäftsjahr 2025/26 einen Rückgang der Verkaufsmenge um 0.7% auf 2.11 Mio. Tonnen. Positiv entwickelte sich allerdings das Schlussquartal, in dem die Absatzmenge wie bereits im Vorquartal um 5.7% zunahm. Besonders stark entwickelte sich das Gourmetgeschäft mit einem Volumenwachstum von 13.6%. Der Umsatz sank aufgrund der tieferen Kakaopreise um 17.6% auf CHF 12.19 Mrd. Der wiederkehrende Betriebsgewinn (EBIT) ging um 15.6% auf CHF 594 Mio. zurück. Belastend wirkten insbesondere ungünstige Kakaopositionen im Gourmetgeschäft, Lieferprobleme sowie die geringere Weiterverrechnung von Finanzierungskosten. Der Reingewinn sank um 16.3% auf CHF 157.7 Mio. Während die Absatzentwicklung besser als erwartet ausfiel, blieben Umsatz und Gewinn hinter den Analystenerwartungen zurück. Deutliche Fortschritte erzielte Barry Callebaut beim Schuldenabbau. Dank eines freien Cashflows von CHF 2.01 Mrd. sank die Nettoverschuldung von CHF 4.30 Mrd. auf CHF 2.47 Mrd. Der Verschuldungsgrad reduzierte sich dadurch von 4.5x auf 2.9x. Die Dividende soll unverändert CHF 29 je Aktie betragen. Für das neue Geschäftsjahr 2026/27 bestätigt das Management die Prognose eines Volumenwachstums von 1% bis 3% und eines Anstiegs des wiederkehrenden EBIT von 3% bis 5% in Lokalwährungen. Der wiederkehrende Vorsteuergewinn soll um rund 30% zulegen.

Übernahmeangebot für Meier Tobler

Der schwedische Haustechnik-Grosshändler Ahlsell unterbreitet den Aktionären von Meier Tobler ein öffentliches Kaufangebot von CHF 45.50 je Aktie in bar. Das Übernahmeangebot wird durch Hauptaktionär und VR-Präsident Silvan Meier mit einer Aktien-Beteiligung von 59.3% unterstützt. Auch der restliche Meier Tobler Verwaltungsrat unterstützt das Angebot einstimmig.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.93%; DE: 3.32%; CH: 0.49%

An den Kapitalmärkten fehlte es im Vorfeld der US-Zwischenwahlen gestern an klaren Impulsen. Die Rendite der massgebenden 10-jährigen US-Staatsanleihe notiert weiterhin knapp unter 5%. Das sind rund 40 Basispunkte unter dem Jahreshoch von Anfang Oktober. Gegenüber dem Jahresbeginn liegt sie jedoch weiterhin rund 75 Basispunkte höher. Weitere Impulse könnte der US-Arbeitsmarktbericht liefern, der am Freitag veröffentlicht wird und wichtige Hinweise auf die Verfassung der US-Wirtschaft gibt.

Währungen

Euro in Franken: 0.917
US-Dollar in Franken: 0.816
Euro in US-Dollar: 1.123

Rund um die US-Zwischenwahlen schwächelt der US-Dollar, während der Franken weiter Aufwind verspürt. Damit hat sich die Dollarstärke seit dem Sommer wieder etwas relativiert. Der USD/CHF-Kurs notiert mit 0.816 wieder auf dem Niveau von September. Der Anstieg der Schweizer Inflation hat zudem die Erwartungen an eine Zinserhöhung der SNB im ersten Halbjahr 2027 etwas verstärkt.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 103.62 pro Fass
Goldpreis: USD 4'005.32 pro Unze

Der Brent-Ölpreis ist seit Wochenbeginn deutlich gesunken und nähert sich der Marke von 100 US-Dollar pro Fass. Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung des Iran-Konflikts drücken auf die Preise. Die Lage bleibt angesichts anhaltender militärischer Spannungen jedoch fragil.

Der Goldpreis zeigt im bisherigen Wochenverlauf eine Gegenbewegung. In den beiden Vormonaten war das Edelmetall unter Druck geraten und erstmals seit Juli wieder unter die Marke von 4'000 US-Dollar pro Unze gefallen. Eine wichtige Stütze bleiben die Zentralbanken. Gemäss dem jüngsten Bericht des World Gold Council kauften sie im dritten Quartal 42% mehr Gold als im Vorjahr.

Wirtschaft und Konjunktur

Schweiz: Inflationsrate YoY (Oktober)
aktuell: 1.5% (erwartet: 1.2%, Vormonat: 1.0%)

Die Inflationsrate in der Schweiz ist im Oktober erneut angestiegen. Das Wachstum der Konsumentenpreise betrug im Vergleich zum Vorjahresmonat 1.5%, nach 1.0% im September. Getrieben wurde die Entwicklung von weiter gestiegenen Preisen für Energie und Treibstoffe, die 0.8 Prozentpunkte zur Inflationsrate beitrugen. Ebenfalls spielen rein statistische Effekte eine Rolle: Da die Preise im Herbst 2025 tendenziell gesunken sind, fallen die in Prozent zum Vorjahresmonat ausgedrückten Inflationsraten aktuell automatisch höher aus. Ohne diese Effekte bleibt der grundlegende Preisdruck moderat. Dies zeigt auch die Kerninflationsrate, welche mit 0.5% gegenüber September unverändert geblieben ist.

Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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