26. Oktober 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht

US-Wahlen sind kein Game-Changer

Am 3. November wählen die Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus und einen Drittel der Senatoren. Gemäss der Wettplattform Polymarket werden die Demokraten mit einer Wahrscheinlichkeit von 91% die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen und zu 67% auch im Senat.

Im Fokus

Am 3. November wählen die Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus und einen Drittel der Senatoren. Gemäss der Wettplattform Polymarket werden die Demokraten mit einer Wahrscheinlichkeit von 91% die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen und zu 67% auch im Senat. Viel wird sich dadurch unmittelbar nicht ändern, sofern die Wahlen geordnet ablaufen. Davon gehen wir trotz den vielfältigen Bemühungen von Trump, die Wahlen zu stören und zu beeinflussen, aus. Entsprechend werden an den Finanzmärkten die gleichen Themen wichtig sein, wie in den letzten Wochen.

Bei den Energiepreisen ist alles möglich

Wie der Krieg im Iran und die Blockade der Strasse Hormus nach den Wahlen weitergeht, ist offen. Es ist möglich, dass die Amerikaner die aktive Bombardierung des Iran wieder aufnehmen und mit Kommandoaktionen versuchen, die nach wie vor bestehende Nuklearinfrastruktur zu zerstören. Im Gegenzug würde der Iran die Länder rund um den Golf wieder ins Visier nehmen. Es kann aber auch sein, dass die Iraner zu grösseren Konzessionen bereit sind und es zu einer Entspannung kommt. Das Spektrum für den Erdölpreis ist entsprechend gross. Auf den Preis und die Verfügbarkeit von Benzin und Diesel wird es dagegen weniger Einfluss haben. Solange die zerstörten Raffineriekapazitäten nicht ersetzt werden können, werden die Treibstoffpreise hoch bleiben.

Schulden steigen munter weiter

Für die Demokraten wird ein Abbau des Budgetdefizits nicht die erste Priorität sein. Für den nächsten Kongress wird die Gestaltung der Politik genauso schwierig wie für den bisherigen. Die Rollen der beiden Parteien werden einfach getauscht. Trump wird auf alle Bemühungen der Demokraten mit seinem Veto reagieren. Das Veto können sie nicht überstimmen, da ihnen im Senat auch bei einer Mehrheit die dazu nötigen Stimmen fehlen werden. Zudem wird sich Trump keine Grenzen mehr setzen und versuchen, seine Stammwählerschaft mit finanziellen Vorteilen zu beglücken. Bewegung in das Thema kommt nur herein, wenn die Zinsen der Obligationen stark ansteigen und die Regierung unter Druck setzen. 

Umfeld für KI-Investitionen wird schwieriger

Das Thema der negativen Auswirkungen und Gefahren von KI wird stärker in den Vordergrund rücken. Das wird weniger über gesetzliche Regulierungen als über öffentliche Anhörungen geschehen. Der lokale Widerstand gegenüber dem Bau neuer Datacenter wird ebenfalls stärker in den Fokus rücken. Die Investitionen in die KI-Infrastruktur und KI-Tools werden jedoch weitergehen und die Gewinne der KI-Firmen weiter sprudeln. Die Investoren werden jedoch mit einer noch stärkeren Berg- und Talfahrt der Tech-Aktien umgehen müssen. Das Platzen einer vielbeschworenen KI-Blase befürchten wir aber nicht.

Die Luft wird dünner

Bisher haben die Finanzmärkte die politischen Themen ignoriert. Kurzfristige Marktreaktionen auf politische Ereignisse wurden rasch korrigiert. An diesem Grundmuster wird sich nicht viel ändern, aber die Wahrnehmung der Unsicherheit wird stärker. Die Finanzmärkte werden mit grösseren Preisschwankungen reagieren, insbesondere auf der Ebene der Einzeltitel. Die Kosten für Absicherungsinstrumente werden steigen, sowohl bei den Aktien als auch bei den Obligationen. Die Luft für grössere Kursgewinne wird dünner, solange es kein positives Trigger-Event gibt. Ein solches könnte ein Ende des Iran-Krieges sein. Für die Anleger heisst das, nicht zu aktivistisch zu agieren, sondern auf ihre mittelfristig ausgerichtete Grundpositionierung zu vertrauen. Es ist aber ein Umfeld, das die Schweizer Aktien und den Franken attraktiv macht.

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -1.23%, S&P500: -0.52%, Nasdaq: -0.21%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.31%, DAX: -0.75%, SMI: -0.59%

Die Anleger werden nervöser und zweifeln an der Profitabilität der KI-Investitionen. Das ist ein Umfeld, das den techlastigen Emerging Markets schadet und die konservativeren Schweizer Aktien bevorteilt. Der S&P 500 verlor letzte Woche 0.47%. Die europäischen Aktien sanken 2.19%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 0.49% abschloss.

Mit den höheren Energiepreisen haben die Aufwärtsrisiken für die Inflation zugenommen. Weitere Leitzinserhöhungen sind zu erwarten. Die aktuellen Markterwartungen mit mehreren Zinsschritten in Europa und den USA sind jedoch überzogen. Die Renditen langlaufender Staatsanleihen haben neue Mehrjahreshochs erreicht und schmälern die Aktienrisikoprämie. Die Kursschwankungen am Aktienmarkt sind hingegen moderat. Zugleich wächst die Skepsis gegenüber dem KI-Investitionszyklus. Insbesondere die Frage, ob sich der Infrastrukturaufbau rechtzeitig und ausreichend monetarisieren lässt, rückt zunehmend in den Fokus. Dank des hohen Gewinnwachstums der Unternehmen trotzen die Märkte jedoch den gestiegenen Risiken. Die Summe der positiven und negativen Argumente halten sich die Waage.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.97%; DE: 3.34%; CH: 0.50%

Vor einer Woche zweifelten die Investoren, ob die US-Staatsanleihen angesichts der hohen Schulden noch solide sind. Ein paar Taucher der Technologieaktien später sind US-Staatsanleihen wieder der sichere Hafen, in dem man sich schützen soll. Die Renditen der Obligationen sind entsprechend gesunken.

Währungen

Euro in Franken: 0.925
US-Dollar in Franken: 0.824
Euro in US-Dollar: 1.122

Die Bilder aus Frankreich lasten auf der Risikoprämie französischer Anleihen und dadurch auch auf dem Euro. Eine Wiederholung der Eurokrise von 2011 mit einem rasanten Absturz der Einheitswährung steht allerdings nicht bevor. Dennoch ist es ein Umfeld, das den Franken begünstigt.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 114.67 pro Fass
Goldpreis: USD 4'014.85 pro Unze

Der Goldpreis ist wieder auf rund 4'000 US-Dollar pro Unze gesunken. Einen speziellen Grund dafür ist nicht erkennbar. Die Nachfrage nach Gold seitens der Investoren ist anhaltend gross.

Wirtschaft und Konjunktur

Wie Mitte Monat üblich, ist der Strom der Konjunkturmeldungen momentan dünn besetzt. Nächste Woche wird der Terminkalender wieder voller. Die Höhepunkte sind dabei die geldpolitischen Sitzungen der Fed am Mittwoch und der EZB am Donnerstag. Von beiden wird erwartet, dass sie die nächste Zinserhöhung erst im Dezember machen.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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