20. Juli 2026, Tägliche Marktsicht
Berichtssaison nimmt Fahrt auf, Nahost-Konflikt im Fokus
Die Berichtssaison nimmt in der neuen Handelswoche Fahrt auf. Gleichzeitig dürften der Nahost-Konflikt und der Zinsentscheid der EZB die Märkte beschäftigen.
Aktienmarkt
US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.77%, S&P500: -1.01%, Nasdaq: -1.40%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.84%, DAX: -0.34%, SMI: +0.54%
Die vergangene Börsenwoche stand ganz im Zeichen der geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten. Nachdem der Konflikt zwischen den USA und dem Iran zu Wochenbeginn erneut eskaliert war, rückten die Versorgungssicherheit am Ölmarkt und die Strasse von Hormus wieder in den Fokus der Anleger. Der Ölpreis legte daraufhin zeitweise deutlich zu und schürte neue Inflationssorgen. Zudem nahmen die Zweifel an der Nachhaltigkeit der milliardenschweren Investitionen in Künstliche Intelligenz wieder zu. Vor diesem Hintergrund gerieten insbesondere die Halbleiterwerte unter Druck. Insgesamt hielten sich die Reaktionen an den Aktienmärkten aber trotz der geopolitischen Unsicherheiten in Grenzen. Auf Wochensicht entwickelte sich der EuroStoxx 50 (-0.6%) leicht schwächer, während der S&P 500 (-1.6%) und der Nasdaq (-2.9%) deutlichere Abgaben hinnehmen mussten. In der Schweiz zeigte sich der SMI dank seiner defensiveren Ausrichtung vergleichsweise robust und notierte 0.8% höher.
Auf Unternehmensebene gewann die Berichtssaison zunehmend an Bedeutung. Zwar fielen die ersten Quartals- und Halbjahreszahlen insgesamt solide aus, doch reagierten die Anleger deutlich selektiver als in den vergangenen Quartalen. In der Schweiz geriet ABB trotz überzeugendem 1. Halbjahr unter Druck, nachdem die angekündigte Übernahme des britischen Automatisierungsspezialisten Rotork von den Anlegern kritisch aufgenommen wurde. Die Aktie verlor auf Wochensicht 5.2% an Wert. Auch Partners Group (-0.1%) geriet nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen zunächst deutlich unter Druck. Bis zum Wochenschluss konnten die Titel die Verluste jedoch nahezu vollständig wettmachen. Positiv überraschte hingegen Richemont (+6.6%). Der Luxusgüterkonzern legte einen starken Start in das neue Geschäftsjahr vor und übertraf mit einem Umsatzwachstum von 20% in Lokalwährungen die Markterwartungen deutlich. Getragen wurde die Entwicklung erneut von der anhaltend hohen Nachfrage nach Schmuckmarken. Ebenfalls positiv aufgenommen wurden die Halbjahreszahlen von Georg Fischer. Das Unternehmen steigerte den Umsatz organisch um 5.7% und verzeichnete einen rekordhohen Auftragseingang. Zudem hob der Industriekonzern seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr an. Die Aktie legte allein am Freitag um 14.0% zu und gehörte mit einem Wochenplus von 19.2% zu den stärksten Titeln im Schweizer Markt.
Die Ergebnisse der grossen US-Banken fielen ebenfalls stark aus. Sie profitierten von einer Belebung des M&A und IPO-Geschäfts. Die grösste US-Bank JPMorgan (+1.4%) steigerte dabei den Quartalsgewinn um 41%. Für negative Schlagzeilen sorgte hingegen IBM. Der Technologiekonzern enttäuschte mit den Quartalszahlen und verwies auf ein verändertes Ausgabeverhalten seiner Kunden. Die Aktie brach daraufhin um mehr als 25% ein und verzeichnete damit den grössten Tagesverlust in der Unternehmensgeschichte. Die enttäuschenden Zahlen belasteten in der Folge auch den übrigen Softwaresektor und verstärkten die Sorgen, dass Unternehmen ihre Investitionen zunehmend zugunsten von KI-Infrastruktur zulasten klassischer Softwarelösungen verlagern.
Im Fokus der kommenden Woche steht die Fortsetzung der Berichtssaison. Mit Novartis, Lonza, Nestlé, Roche und Givaudan präsentieren gleich mehrere Schweizer Grosskonzerne ihre Halbjahreszahlen. Ergänzt wird der Zahlenreigen unter anderem durch Schindler, VAT, Kühne + Nagel, SGS und Vontobel. Auf makroökonomischer Seite richtet sich der Blick zudem auf den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Daneben bleibt auch der Nahost-Konflikt ein zentrales Thema. Nach den erneuten US-Angriffen auf Ziele im Iran und iranischen Vergeltungsschlägen in der Region bleibt die geopolitische Lage äusserst angespannt. Entsprechend dürften sowohl die Entwicklungen im Nahen Osten als auch die zahlreichen Unternehmensresultate und Signale der EZB die Stimmung an den Finanzmärkten in den kommenden Tagen prägen.
Unternehmensberichte
Belimo überzeugt mit starkem Halbjahresergebnis
Belimo publizierte heute Morgen die Zahlen zum 1. Halbjahr 2026. Der Klimaspezialist steigerte den Umsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode um 20.5% auf CHF 676.4 Mio. In Lokalwährungen betrug der Anstieg sogar 29.6%. Wachstumstreiber waren insbesondere Rechenzentren sowie Renovationsprojekte mit Fokus auf Energieeffizienz. Demgegenüber blieb die Nachfrage im Bereich Zweckbau verhalten. Alle Regionen trugen zum Wachstum bei. Der operative Gewinn (EBIT) stieg um 19.1% auf CHF 152.5 Mio. Die entsprechende Marge betrug 22.5%. wobei diese im 1. Halbjahr 2025 bei 22.8% lag. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von CHF 124.9 Mio., was einem Anstieg von 23.3% entspricht. Belimo erwartet für das 2. Halbjahr eine anhaltend hohe Nachfrage im HLK- und Rechenzentrumsgeschäft. Das Umsatzwachstum dürfte sich aufgrund von Basiseffekten und der Annualisierung von Preismassnahmen gegenüber dem ersten Halbjahr verlangsamen. Belimo hat sich zum Ziel gesetzt, ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen im mittleren Zehn-Prozent-Bereich zu erzielen. Die Prognose einer EBIT-Marge von über 20% wurde bestätigt. Mit dem Zahlenset hat Belimo die Markterwartungen auf allen Stufen übertroffen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.57%; DE: 3.12%; CH: 0.44%
Im Kontext der neuen Spannungen am Persischen Golf und den gestiegenen Ölpreisen rückt vor der Sommerpause die Einschätzung der Zentralbanken wieder stärker in den Fokus. Am Donnerstag gibt die Europäische Zentralbank ihren Zinsentscheid bekannt. Die Märkte erwarten keine Veränderung bei den Leitzinsen. Nach dem Juni-Zinsschritt wäre eine Erhöhung eine Überraschung. Kommentare zur Inflation werden aber auf Interesse stossen. Die Fed tagt eine Woche später, die SNB folgt nach der Sommerpause. Die Ausgangslage der drei Notenbanken haben wir letzte Woche beleuchtet, der Bericht findet sich hier .
Währungen
Euro in Franken: 0.923
US-Dollar in Franken: 0.807
Euro in US-Dollar: 1.144
Trotz der fragilen Lage im Nahen Osten notierten der US-Dollar sowie der Euro letzte Woche nahezu unverändert gegenüber dem Franken. Der US-Dollar bewegt sich zum Franken seit einem Monat wieder über der Marke von 80 Rappen. Im Vergleich zu Anfang Jahr notiert der Greenback zum Franken rund 2% im Plus. Ein Euro kostet aktuell etwas mehr als 92 Rappen und damit 0.8% weniger als zum Jahreswechsel.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 90.26 pro Fass
Goldpreis: USD 4'014.75 pro Unze
Heute Morgen stieg der Preis der Nordsee-Sorte Brent erstmals seit einem Monat wieder über die Marke von 90 US-Dollar, nachdem er Anfang Juli noch bis auf 70 US-Dollar gefallen war. In den letzten Tagen sendeten weder die USA noch der Iran Deeskalationssignale. Dies liess den Brent-Preis letzte Woche um 16% ansteigen – das grösste Wochenplus seit drei Monaten. Während die USA weiterhin Ziele im Iran angreifen, sind zuletzt auch wieder die Nachbarstaaten sowie Schiffe in der Strasse von Hormus ins Visier Irans geraten. Der Ölpreis steht damit nach einer ruhigen Phase erneut im Griff der Geopolitik.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: University of Michigan Konsumentenvertrauen (Juli)
aktuell: 54.4 (erwartet: 51.0, Vormonat: 49.5)
Die Stimmung bei den amerikanischen Konsumenten hat sich in der ersten Julihälfte auf tiefem Niveau aufgehellt. Tiefere Benzinpreise, die den Haushalten Entlastung brachten, waren ein wichtiger Treiber dafür. Allerdings wurden mehr als 70% der Interviews für die Umfrage der University of Michigan abgeschlossen, bevor die USA am 7. Juli ihre Angriffe auf den Iran wieder aufnahmen und sich Öl- sowie Benzinpreise danach wieder verteuert haben.
Anja Felder
8021 Zürich
Daniel Wachter
8021 Zürich
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