17. Juli 2026, Zinsen & Geldpolitik
Inflationsdruck lässt etwas nach
Die neusten Inflationsdaten aus den USA zeigen eine gewisse Entspannung bei der Preisentwicklung und verschaffen den Notenbanken Zeit, mit Leitzinserhöhungen zuzuwarten.
Seit Ausbruch des Iran-Kriegs im März ist die Inflationsrate in den USA erheblich angestiegen. Ursache für den Preisanstieg waren insbesondere die höheren Energiepreise als Folge der vollständigen Schliessung der Strasse von Hormus. Die Ankündigung eines «Memorandum of Understanding» zwischen den USA und dem Iran Mitte Juni führte – zumindest vorübergehend – zu einer Beruhigung der Lage am Persischen Golf und einem Ölpreisrückgang von rund 20%. In der Folge fiel die US-Inflationsrate im Juni von 4.2% auf 3.5% und damit deutlich stärker als erwartet. Auch die um Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kerninflation ging leicht zurück. Dies legt nahe, dass die höheren Energiepreise bisher nicht auf andere Güterkategorien übergegriffen haben. Dies verschafft der US-Notenbank Fed Zeit, die weitere Wirtschafts- und Preisentwicklung zu beobachten und mit allfälligen Leitzinserhöhungen zuzuwarten.
Die EZB reagierte bereits auf die höhere Inflation
Etwas weniger Geduld mit der Preisentwicklung zeigten die Mitglieder der Europäischen Zentralbank, die ihren Leitzins Mitte Juni bereits ein erstes Mal erhöht haben. Zwar fiel auch die europäische Inflation zuletzt tiefer als erwartet aus. Anders als 2022 möchte die EZB aber nicht erneut für ein zu langes Zuwarten kritisiert werden. Gut möglich, dass sie deshalb auch im September noch einmal auf den gestiegenen Inflationsdruck reagiert und ihren Leitzins erneut um 25 Basispunkte anhebt.
Inflationsdruck für die SNB bisher kein Thema
In der Schweiz schwächte sich die Teuerung im Juni zwar nur leicht ab. Mit 0.5% im Jahresvergleich liegt die Inflationsrate jedoch weiterhin in der unteren Hälfte des SNB-Zielbands von 0 bis 2%. Erdöl und Erdgas nehmen im heimischen Warenkorb einen geringeren Platz ein als im Ausland. Eine Anpassung des Leitzinses ist deshalb aus unserer Sicht vorderhand nicht angezeigt. Entsprechend dürften auch die längerfristigen Kapitalmarktzinsen in den nächsten Monaten stabil bleiben.
Unsere Zinsprognosen auf einen Blick
| 17.07.26 | In 3 Monaten | In 12 Monaten | |
|---|---|---|---|
| SARON | -0.04% | -0.10% bis 0.00% | -0.10% bis 0.00% |
| Swap 5 Jahre | 0.40% | 0.30% bis 0.50% | 0.35% bis 0.55% |
| Swap 10 Jahre | 0.68% | 0.55% bis 0.75% | 0.55% bis 0.75% |
Langfristige Zinsentwicklung
Patrick Häfeli
8021 Zürich
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