Symbolbild für Kurse an der Börse: Zahlen auf einer Anzeige

24. August 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht

Zunehmende Marktkonzentration

Ob Aktien oder Obligationen: Wenige Unternehmen und Schuldner dominieren die Indizes. Für Anleger entsteht ein verstecktes Klumpenrisiko.

Im Fokus

Wie viele Aktien bewegen einen ganzen Markt? Eine Anlage in den weltweiten Aktienmarkt verspricht maximale Streuung, doch tatsächlich steckt darin vor allem eine Handvoll US-Technologiekonzerne. Denn die grössten Aktienmärkte werden von immer weniger Titeln getragen. Wer sich breit investiert glaubt, trägt oft ein verstecktes Klumpenrisiko. Das betrifft nicht nur die USA, sondern fast alle grossen Regionen und in besonderem Mass die Schweiz.

Wenige Titel dominieren jeden Markt
In den USA vereinen die zehn grössten Titel knapp 40% des S&P 500 auf sich, angeführt von Nvidia, Apple und Microsoft. Selbst ein globaler Aktienindex wie der MSCI World besteht heute zu rund 72% aus US-Titeln. In den Schwellenländern macht allein der Technologie-Sektor rund 43% des MSCI Emerging Markets aus. In Südkorea stehen im Leitindex KOSPI zwei Titel für mehr als 56% des Aktienmarkts. Praktisch kein grosser Markt ist heute breit abgestützt. Damit hängt die Wertentwicklung ganzer Regionen zunehmend an wenigen Titeln oder Sektoren.

Auch in der Schweiz zeigt sich dieses Muster. Der Swiss Performance Index umfasst über 200 Unternehmen und deckt mehr als 99% des Schweizer Marktes ab. Trotz dieser Abdeckung ist er stark konzentriert. Die zehn grössten Titel machen mehr als zwei Drittel des Index aus. Nestlé, Novartis und Roche allein stehen für 37%. Damit ist die Schweiz stärker konzentriert als die meisten Regionen. Ob global oder in der Schweiz: Breite Abdeckung bedeutet längst nicht breite Streuung.

Auch Obligationen sind konzentriert

Das Muster gilt ebenso für Obligationen, dort mit einer besonderen Tücke. Obligationenindizes gewichten nach ausstehendem Schuldvolumen. Das grösste Gewicht erhält also nicht der stärkste, sondern schlicht der grösste Schuldner. Global stehen die USA für rund 35%, die Eurozone für rund 25% und Japan für rund 15% der gängigen Staatsanleihenindizes. Angesichts des jüngsten Zinsanstiegs bei langlaufenden Anleihen und des Zustands vieler Staatshaushalte ist als Anleger Vorsicht geboten. So kletterte die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen zuletzt auf über 5.3% und damit auf den höchsten Stand seit 2007, mit ähnlicher Tendenz in Europa und Japan.

In der Schweiz dominieren die Eidgenossenschaft und die beiden Pfandbriefinstitute den Swiss Bond Index. Auf diese drei Schuldner entfallen über 44% des gesamten Index. Da es sich um qualitativ hervorragende Schuldner handelt, ist dies aber weniger problematisch, als es auf den ersten Blick scheint. Das Kursrisiko bei Zinsänderungen ist trotzdem nicht zu unterschätzen, denn je länger die Laufzeit, desto stärker drückt schon ein moderater Zinsanstieg auf den Kurs.

Konzentration ist nicht per se schlecht 
Wer die grossen Gewinneraktien hält, profitiert überdurchschnittlich. Doch das Risiko steigt spürbar. Ein Rückschlag bei wenigen Titeln kann das ganze Portfolio belasten. Ein Blick unter die Oberfläche der Indizes lohnt sich deshalb, bei Aktien und umso mehr bei Obligationen. Wer die tatsächlichen Klumpenrisiken kennt, kann sie gezielt begrenzen. So senken zum Beispiel gleichgewichtete Indizes die Abhängigkeit von einzelnen Schwergewichten. Bei Obligationen wiederum helfen Unternehmensanleihen und eine bewusste Steuerung der Laufzeiten. Eine breite Streuung tönt zwar wenig aufregend, doch genau sie verhindert das Klumpenrisiko, das viele Anleger unbemerkt tragen.

 

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.98%, S&P500: +0.43%, Nasdaq: +0.43%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +0.63%, DAX: +0.59%, SMI: +0.62%

Die Aktienmärkte zeigen sich trotz der anhaltend anspruchsvollen Nachrichtenlage weiterhin robust. Der S&P 500 verlor in der vergangenen Woche 0.85%, die europäischen Aktien gaben um 1.18% nach. Der Swiss Performance Index hielt sich besser und schloss die Woche praktisch unverändert mit einem Plus von 0.04% ab.

Auch die Weltwirtschaft zeigt sich robuster als befürchtet. Trotz der anhaltenden Blockade der Strasse von Hormus und des erhöhten Ölpreises haben viele Länder die Folgen des Iran-Kriegs bis anhin gut verkraftet. An den Aktienmärkten hat der Technologiesektor die Verluste vom Juli wettgemacht. Die Cloud-Unternehmen überzeugten bei Umsatz und Gewinn, und Fortschritte in der Monetarisierung von KI zerstreuten die aufgekommenen Zweifel vorerst. Die Berichtssaison verlief insgesamt erneut erfreulich, mit besseren Ergebnissen in den USA als in Europa. Getragen von einer breiteren Marktbasis, präsentiert sich die Entwicklung auf Index-Ebene solide. In diesem Umfeld empfiehlt sich ein breit abgestütztes Portfolio.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.73%; DE: 3.26%; CH: 0.41%

An den Kapitalmärkten stehen der Anstieg der langfristigen Zinsen und die Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen im Fokus. Deren unmittelbarer Markteffekt ist angesichts des geringen Volumens weitgehend verpufft. Gleichzeitig erhöhen die Rückkäufe die Abhängigkeit der Staatsfinanzen von den Zinsentscheiden der Fed. Die hohen Budgetdefizite treiben die Staatsschulden und das Angebot an US-Staatsanleihen weiter nach oben und üben damit Aufwärtsdruck auf die Langfristzinsen aus.

Währungen

Euro in Franken: 0.935
US-Dollar in Franken: 0.801
Euro in US-Dollar: 1.168

Der US-Dollar ist unter Druck geraten und hat seit seinem Höchststand Ende Juli gegenüber dem Franken 2.2% an Wert verloren. Der Franken profitiert davon, dass die Entwicklung der Zinsen und die hohe globale Verschuldung wieder stärker in den Fokus der Investoren rücken.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 94.39 pro Fass
Goldpreis: USD 4'603.07 pro Unze

Der Ölpreis nähert sich wieder der Marke von 95 US-Dollar pro Fass. Zwar passieren inzwischen mehr Tanker die Strasse von Hormus unter US-Geleitschutz, eine nachhaltige Lösung im Nahen Osten ist jedoch weiterhin nicht in Sicht. US-Präsident Trump versucht, Iran mit zusätzlichen wirtschaftlichen Sanktionen zum Einlenken zu bewegen. Viele Details bleiben jedoch offen.

Wirtschaft und Konjunktur

Eurozone: Einkaufsmanagerindex Composite (August)
aktuell: 52.1 (erwartet: 51.7, Vormonat: 52.0)

Der vorausschauende Einkaufsmanagerindex für August deutet darauf hin, dass die Konjunktur im Euroraum weiter moderat wächst. Vor allem die Industrie zeigt eine spürbare Verbesserung, gestützt durch höhere Auftragseingänge und erstmals 2026 wieder leicht steigender Beschäftigung. Deutschland trägt mit einer deutlichen Belebung der Industrie wesentlich dazu bei. Der deutsche Industrie-PMI stieg auf 54.1 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Frankreich bleibt dagegen konjunkturell schwach.

USA: Einkaufsmanagerindex Composite (August)
aktuell: 56.0 (erwartet: 54.0, Vormonat: 54.5)

Der Einkaufsmanagerindex für die USA hat positiv überrascht und ist auf den höchsten Stand seit April 2022 gestiegen. Getragen wird der Aufschwung vom Dienstleistungssektor, während die Industrie etwas an Schwung verliert. Der Preisdruck liess nach, vor allem bei den Verkaufspreisen. Die Inputkosten bleiben aber erhöht, hauptsächlich wegen hoher Energiepreise, und könnten bei erneut steigenden Energiepreisen wieder anziehen. Die Lieferketten bleiben ein Schwachpunkt. Die Lieferzeiten verlängerten sich so stark wie kaum je in den letzten vier Jahren, und der Nahost-Konflikt bleibt über Lieferwege und Energiepreise ein zentrales Risiko.

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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