11. September 2026, Tägliche Marktsicht

Zinssorgen belasten Aktienmärkte

Die Aktienmärkte in der Schweiz, Europa und USA gerieten auch gestern wegen den weiter gestiegenen Energiepreisen und wachsender Inflations- und Zinssorgen unter Druck. In den USA legten Oracle und Adobe nachbörslich ihre Quartalszahlen vor.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.47%, SPI: -0.51%, SMIM: -0.49%

Der Schweizer Aktienmarkt musste gestern weitere Kursverluste hinnehmen und setzte damit seine seit Wochenbeginn anhaltende Schwächephase fort. Nach einem freundlichen Handelsauftakt bröckelten die Kursgewinne im Tagesverlauf zunehmend ab. Letztlich schloss der Leitindex SMI 0.5% tiefer. Belastend wirkten der höhere Ölpreis und der Iran-Krieg, welche die Inflationssorgen weiter schürten. Nachdem die EZB gestern mit einer weiteren Zinserhöhung wie erwartet auf den gestiegenen Preisdruck reagierte, nahm auch in den USA die Aussicht auf Zinserhöhungen zu. Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Zinssorgen durch die stärker als erwartet gestiegenen US-Produzentenpreise. Das damit verbundene Risiko eines länger restriktiven Zinsumfelds belastete die Marktstimmung. Von den 20 SMI-Titeln schlossen sieben im Plus. Kühne + Nagel (+1.6%) führte das Gewinnerfeld an, gefolgt von Swisscom (+1.1%), Logitech (+1.1%) und Swiss Re (+0.7%). Kühne + Nagel gilt als Profiteur einer zunehmenden Komplexität in der Seefracht. Novartis (+0.4%) konnte sich nach den deutlichen Verlusten der Vortage infolge enttäuschender Studiendaten etwas erholen. Konkurrentin Roche gab dagegen 0.6% nach, während Nestlé (+0.1%) nahezu unverändert schloss. Unter deutlichem Abgabedruck stand Alcon (-2.5%), belastet von schwächer als erwarteten Quartalszahlen eines Konkurrenten. Ebenfalls schwach tendierten die Baustoffwerte Amrize (-2.3%), Sika (-1.4%) und Holcim (-1.4%). Partners Group verlor 1.5%. Auch Wachstumswerte aus dem Halbleiterumfeld standen unter Druck: Comet (-2.5%), Inficon (-1.4%) und VAT (-1.1%) verzeichneten deutlichere Abgaben. Am breiten Markt fiel Interroll nach einer Ratingherabstufung durch einen Broker um 7.7%.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.67%, DAX: -0.84%

Die europäischen Aktienmärkte verbuchten gestern auf breiter Front Kursverluste. Belastend wirkten insbesondere die gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs. Zusätzlichen Gegenwind lieferte der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Wie erwartet erhöhte die EZB den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2.50%, um dem anhaltenden Preisdruck entgegenzuwirken. Die Kombination aus höheren Energiepreisen, anhaltenden Zinssorgen und den damit verbundenen Risiken für die Konjunktur sorgte für eine verhaltene Börsenstimmung. In diesem Umfeld waren lediglich die Sektoren Kommunikationsdienste, Energie und Versorger gefragt. Unterdurchschnittlich entwickelten sich hingegen Grundstoffe, Technologie und Immobilien.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.60%, S&P 500: -0.58%, Nasdaq: -0.65%

Auch die US-Aktienmärkte gaben gestern weiter nach. Der technologielastige Nasdaq verlor 0.7%, während der Dow Jones und der marktbreite S&P 500 jeweils 0.6% tiefer schlossen. Im Fokus der Anleger standen weiterhin der infolge des Iran-Kriegs gestiegene Ölpreis und die damit verbundenen Sorgen vor einem erneuten Inflationsschub. Damit rückte auch die Aussicht auf Zinserhöhungen in den USA stärker in den Vordergrund. Entsprechend grosse Aufmerksamkeit gilt den US-Inflationsdaten, die heute Nachmittag veröffentlicht werden. Nachdem bereits die Produzentenpreise zuletzt stärker als erwartet gestiegen waren, dürften die Daten wichtige Hinweise auf den weiteren Inflations- und Zinspfad liefern. Auf Sektorenebene waren Kommunikationsdienste und Nichtzyklische Konsumgüter gefragt. Unterdurchschnittlich entwickelten sich hingegen Grundstoffe, Versorger und Technologie. Apple (+3.6%) konnte sich dem negativen Markttrend entziehen und legte einen Tag nach der Vorstellung eines faltbaren iPhones deutlich zu. Die übrigen Titel der «Magnificent Seven» mussten hingegen Kursverluste hinnehmen.

Unternehmensberichte

Oracle überzeugt mit starkem Cloud-Wachstum

Der Software- und Cloudkonzern Oracle steigerte den Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 (per Ende August) um 30% auf USD 19.3 Mrd. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich ebenfalls um 30% auf USD 1.92. Wachstumstreiber blieb das Cloudgeschäft. Die Cloud-Umsätze legten um 62% auf USD 11.6 Mrd. zu, wobei die Cloud-Infrastruktur (IaaS) dank der hohen Nachfrage nach KI-Rechenleistung um 121% auf USD 7.4 Mrd. wuchs. Der Auftragsbestand erhöhte sich um USD 209 Mrd. auf USD 664 Mrd. Für das zweite Quartal erwartet Oracle ein Umsatzwachstum von 30% bis 34% sowie ein Wachstum der Cloud-Umsätze von 65% bis 71%. Für das Gesamtjahr stellt der Konzern neu einen Umsatz von mindestens USD 90 Mrd. und einen bereinigten Gewinn je Aktie von USD 8.10 in Aussicht. Insgesamt fiel das Zahlenset besser als erwartet aus.

Adobe übertrifft Erwartungen

Der Softwarekonzern Adobe steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 13% auf USD 6.76 Mrd. und übertraf damit die Markterwartungen von USD 6.69 Mrd. Der Nettogewinn belief sich auf USD 1.83 Mrd., während der bereinigte Gewinn je Aktie mit USD 6.13 ebenfalls leicht über den Erwartungen lag. Unterstützt wurde die Entwicklung durch eine wachsende Kundenbasis und die zunehmende Nutzung der KI-Angebote. Für das vierte Quartal erwartet Adobe einen Umsatz von USD 6.80 bis 6.85 Mrd. sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von USD 6.30 bis 6.35. Das Zahlenset liegt leicht über den Erwartungen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.96%; DE: 3.50%; CH: 0.55%

Im Sog der höheren Energiepreise und der weiteren Eskalation im Iran-Krieg sind gestern die Kapitalmarktzinsen erneut deutlich angestiegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe liegt nur noch knapp unter der Marke von 5%. Die US-Staatsanleihenrendite mit 30-jähriger Laufzeit stieg mit 5.36% gar auf den höchsten Stand seit 2007. Auch die Renditen in Europa und der Schweiz setzten ihren Aufwärtstrend weiter fort.

Heute Nachmittag werden die neusten US-Inflationsdaten publiziert. Sollten diese nicht deutlich tiefer ausfallen als erwartet, dürfte die US-Notenbank wohl bereits nächste Woche ihren Leitzins anheben müssen. Aktuell rechnen bereits mehr als 70% der Marktteilnehmer mit einem solchen Zinsschritt.

Währungen

Euro in Franken: 0.944
US-Dollar in Franken: 0.813
Euro in US-Dollar: 1.161

Im Vorfeld der heute Nachmittag anstehenden US-Inflationsdaten war der US-Dollar am gestrigen Handelstag weiter gefragt. Der Schweizer Franken konnte hingegen seine Rolle als sicherer Hafen trotz steigender Ölpreise und wachsender Inflationssorgen erneut nicht ausspielen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 106.95 pro Fass
Goldpreis: USD 4'339.27 pro Unze

Die sich weiter verschärfende Lage im Iran-Krieg liess den Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent zwischenzeitlich auf bis zu 110 US-Dollar ansteigen. Neben den anhaltenden Angriffen zwischen den USA und Iran in der Strasse von Hormus sorgte gestern vor allem die Eroberung der jemenitischen Hafenstadt Mokka durch die Huthi für Unbehagen. Die vom Iran unterstützte Miliz kontrolliert damit den wichtigen Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab, womit eine weitere wichtige Schifffahrtsroute deutlich gestört ist.

Wirtschaft und Konjunktur

Eurozone: EZB-Leitzinsentscheid (Einlagefazilität)
aktuell: 2.50% (erwartet: 2.50%, letzter: 2.25%)

Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen erwartungsgemäss um jeweils 25 Basispunkte erhöht. Damit liegt der sogenannte Einlagesatz neu bei 2.50%. Gemäss EZB-Präsidentin Christine Lagarde bestehen weiterhin Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum und Aufwärtsrisiken für die Inflation als Folge des Iran-Kriegs. Entsprechend haben die EZB-Ökonomen ihre Inflationsprognose für das kommende Jahr von 2.3% auf 2.5% erhöht. Die EZB-Vertreter gehen davon aus, dass der Inflations-druck erst 2028 wieder in Richtung des EZB-Inflationsziels von 2% fallen dürfte. Der Entscheid zur Leitzinserhöhung wurde entsprechend einstimmig gefällt. Bezüglich zukünftiger Geldpolitik liess sich Christine Lagarde wie gewohnt nicht in die Karten blicken. Die Europäische Zentralbank verfolge weiterhin einen datengestützten Ansatz und entscheide von Sitzung zu Sitzung. Wir gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank Ende Jahr eine weitere Leitzinserhöhung à 25 Basispunkte beschliessen wird.

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Angela Truniger

Portraitfoto von Angela Truniger, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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