05. August 2026, Aktienmärkte

Warum die Ländergrenze allein nicht mehr schützt

Viele Anleger achten bei der Diversifikation vor allem auf die Ländergewichtung ihres Portfolios. Da zahlreiche Aktienindizes jedoch von wenigen Branchen dominiert werden, lohnt sich ein genauer Blick auf die Sektorenzusammensetzung.

Wer sein Aktienportfolio diversifizieren will, denkt meist zuerst an verschiedene Länder: Schweiz, USA, Europa und die Schwellenländer. Oft ist jedoch ein Blick auf die Sektorenzusammensetzung entscheidender. Denn die einzelnen Brachen reagieren unterschiedlich auf Zinsen, Konjunktur, Rohstoffpreise und geopolitische Risiken. Der weltweite Standard zur Einteilung der Unternehmen ist GICS (Global Industry Classification Standard), der 1999 von MSCI und Standard & Poor's eingeführt wurde. Er teilt Unternehmen in elf Sektoren ein: Technologie, Finanzen, Gesundheitswesen, zyklische und nicht-zyklische Konsumgüter, Industrie, Kommunikationsdienste, Energie, Grundstoffe, Versorger und Immobilien. Jeder Sektor weist dabei eigenen Charakteristiken auf. So reagieren Technologiewerte sensibel auf steigende Zinsen, während Versorger und Basiskonsumgüter als defensiv gelten. Energie- und Grundstoffwerte werden hingegen stark von der Entwicklung der Rohstoffpreise beeinflusst.

Sektoren-Konzentration rund um den Globus

Im Schweizer Leitindex SMI entfallen allein auf Nestlé, Novartis und Roche rund die Hälfte der Indexgewichtung. Der Gesundheitssektor dominiert bereits heute und wächst mit der Aufnahme von Galderma und Sandoz im September 2026 auf über 40%. Wer in den Schweizer Aktienmarkt investiert, kauft faktisch eine Wette auf den Gesundheitssektor. Im S&P 500 macht der Bereich Technologie rund 37% des Index aus. Berücksichtigt man zudem technologienahe Werte wie Alphabet, Amazon oder Meta, steigt der effektive Technologieanteil auf 45%. Noch ausgeprägter ist diese Entwicklung im MSCI Emerging Markets: Dort entfallen auf den Technologiesektor über 40%, angeführt von Branchenschwergewichten wie TSMC (15%), Samsung (7%) und SK Hynix (6%).

Nicht nur Länder, sondern auch Sektoren diversifizieren

Ein geografisch breit diversifiziertes Portfolio schützt daher nicht automatisch vor Klumpenrisiken. Denn wenn die zugrunde liegenden Länderindizes stark von einzelnen Branchen geprägt sind, bleibt auch das Portfolio konzentriert. Historisch zeigt sich, dass sich solche Gewichte verändern können. In den 1980er-Jahren dominierten japanische Finanzwerte, um die Jahrtausendwende Telekom- und Technologietitel, heute das Ökosystem rund um Künstliche Intelligenz. Wer sein Portfolio wirklich diversifizieren will, sollte deshalb nicht nur die Länderallokation sondern auch die Sektorenverteilung prüfen und bewusst Gegengewichte zu dominanten Branchen setzen.

Die grössten Sektorengewichte

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Quelle: Bloomberg, eigene Darstellung, Stand: 31.07.2026

Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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