17. September 2026, Tägliche Marktsicht

US-Notenbank erhöht Leitzins

Die US-Notenbank Fed hat an ihrer gestrigen Sitzung den Leitzins um 25 Basispunkte erhöht und ist damit den Markterwartungen gefolgt. Lesen Sie dazu mehr in unserem Fokus.

Fokus: Leitzinserhöhung in den USA

Was hat die Fed gestern entschieden?
Der Leitzins in den USA wird um 25 Basispunkte auf 3.75% bis 4.00% erhöht. Dies ist die erste Zinserhöhung seit Mitte 2023 und die erste Leitzinsänderung unter dem neuen Fed-Präsident Kevin Warsh. Der Entscheid im Fed-Offenmarktauschuss fiel einstimmig und war zuletzt von den Märkten so erwartet worden.

Wie wurde der Entscheid begründet?
Bei der Pressekonferenz zeigte sich Warsh besorgt über die anhaltend hohe Inflation. In den Zahlen der letzten Monate sei keine Entspannung in der grundlegenden Inflationsdynamik erkennbar. Damit dürfte weniger der energiebedingte Inflationsschub seit Ausbruch des Iran-Kriegs gemeint sein. Zentralbanken reagieren üblicherweise nur auf die Nebenwirkungen höherer Energiepreise. Vielmehr ist die Inflation in den USA seit der Corona-Pandemie nie mehr unter den Zielwert von 2% gefallen und das Preiswachstum liegt aktuell in zahlreichen Preiskategorien im Bereich von über 3%. Gleichzeitig sprach Warsh in seinem Statement von einem robusten Arbeitsmarkt und einem soliden Wirtschaftswachstum.

Wie geht es weiter mit der US-Geldpolitik?
Auskunft zu dieser Frage gibt der «Dotplot», die Schätzungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses zu den zukünftigen Leitzinsen. Demnach rechnen die Teilnehmenden grossmehrheitlich mit einer weiteren Zinserhöhung bis Ende Jahr. Die Unterstützung dafür ist seit Juli deutlich grösser geworden. Für das Jahr 2027 wird im Median mit einem unveränderten Leitzins gerechnet. Eine starke Minderheit von acht der 18 Teilnehmenden geht aber von einem zusätzlichen Zinsschritt aus. Der Fed-Entscheid und der «Dotplot» haben die Markterwartungen nur wenig verändert. An den Futures-Märkten wird weiterhin mit je einem weiteren Zinsschritt bis Ende Jahr sowie im ersten Halbjahr 2027 gerechnet.

Was bedeutet der Entscheid für die Unabhängigkeit der Fed?
US-Präsident Trump hatte seit Beginn seiner zweiten Amtszeit vehement tiefere Zinsen gefordert und dabei auch Warshs Vorgänger Jerome Powell heftig attackiert. Die genaue Position des von Trump eingesetzten Kevin Warsh blieb zudem lange unklar. Dass der Fed-Offenmarktausschuss unter dem Vorsitz von Warsh nun einstimmig für eine Zinserhöhung votierte, ist deshalb auch im Kontext der Diskussionen um die politische Unabhängigkeit der US-Notenbank und deren Bereitschaft zur Inflationsbekämpfung von Bedeutung.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.43%, SPI: +0.52%, SMIM: +0.44%

Am Schweizer Aktienmarkt war die Stimmung gestern vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank von Zurückhaltung geprägt. Gleichzeitig sorgten sinkende Ölpreise für etwas Entspannung von der Rohstoffpreisseite. Der SMI brachte schliesslich ein Plus von 0.4% ins Trockene. Etwas Unterstützung kam dabei von den Kursanstiegen der Pharma-Schwergewichte Roche (+0.5%) und Novartis (+0.4%). Nestlé (-0.3%) kam hingegen nicht vom Fleck. Tagesgewinner waren die Aktien von ABB (+2.1%), die sich nach den Korrekturen von Anfang Woche im Zusammenhang mit KI-Ängsten etwas erholten. Auch Sika (+1.7%) und Givaudan (-0.9%), die zuletzt unter den gestiegenen Öl- und Gaspreisen gelitten hatten, zeigten gestern eine gewisse Erholung. Auf der Verliererseite bei den grosskapitalisierten Werten standen Kühne + Nagel (-0.4%), Swiss Re (-0.5%) und Partners Group (-0.9%). Der Rückversicherer veröffentlichte einen Bericht zu den möglichen Auswirkungen einen Riesen-Hurrikans, der in Florida zu versicherten Schäden von bis zu Schäden von USD 300 Mrd. führen könnte.

Am breiten Markt fanden Aktien mit Bezug zum KI-Ausbau nach dem Ausverkauf von Anfang Woche wieder etwas Boden: Comet, VAT, Accelleron, und Belimo legten zwischen 2.8% und 4.2% zu. Cicor sprang nach der Ankündigung eines Grossauftrages im europäischen Verteidigungsbereich um 4.7% nach oben. Das Ostschweizer Industrieunternehmen SFS (+1.8%) bestätigte vor dem heutigen Investorentag die Jahreszielsetzung. Die Aktien des Transformatorenhersteller R&S waren nach der gestrigen Veröffentlichung der endgültigen Halbjahreszahlen ebenfalls gefragt. Ohne nennenswerte Neuigkeiten sackten dagegen Swissquote um 4.3% ab.

Aktienmärkte Europa                                                                        

EuroStoxx50: +0.48%, DAX: +0.53%

Die europäischen Aktienmärkte schlossen zur Wochenmitte mit moderaten Kursgewinnen. Der Rückgang bei den Ölpreisen war eine Stütze für die Kursentwicklung in einem ansonsten ruhigen Umfeld. Der EuroStoxx50 kletterte zur Wochenmitte um 0.5% nach oben. Deutlich stärker avancierte der italienische FTSE MIB, der 0.8% höher schloss. Unterstützung brachten dem italienischen Leitindex unter anderem das starke Abschneiden der Versorgerwerte, die europaweit die Gewinnerliste bei den Sektoren anführten. Gefragt waren zudem Aktien aus konjunktursensitiven Bereichen wie Industrie, Technologie, Grundstoffe und Finanzen. Auf der Verliererseite standen defensive Bereiche wie Kommunikationsdienste, Gesundheit, Basiskonsum sowie die Energie. Letzterer wurde vom Rückgang der Öl- und Gaspreise gebremst.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -1.21%, S&P 500: -0.45%, Nasdaq: -0.01%

Die amerikanischen Aktienmärkte reagierten mit Kursverlusten auf die Leitzinserhöhung der US-Notenbank. Obwohl im Vorfeld mit einer Erhöhung gerechnet worden war, wurden insbesondere die Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh zu einer möglichen zweiten Zinserhöhung bis Ende Jahr negativ aufgefasst. Unter Druck standen danach vor allem die Standardwerte im Dow Jones, der um 1.2% nachgab. Der S&P 500 (-0.5%) hielt sich deutlich besser, während der Nasdaq (-0.01%) praktisch unverändert schloss. Der Technologie-Index profitierte von einer Entspannung im KI-Bereich, während dieser anfangs Woche deutlich unter Druck geraten war. Negativ im Fokus stand der Flugzeughersteller Boeing (-3.7%), die nach Ankündigungen über Verschiebungen beim Testen des neuen Flugzeugmodells 777X unter Verkaufsdruck kamen.

Unternehmensberichte

Helvetia Baloise realisiert Synergien schneller als erwartet
Helvetia Baloise veröffentlichte heute Morgen zum ersten Mal Halbjahreszahlen als fusioniertes Unternehmen. Der Versicherungskonzern erwirtschaftete zwischen Januar und Juni 2026 einen bereinigten Gewinn von CHF 631.6 Mio. Die annualisierte Eigenkapitalrendite belief sich auf 18.7% und lag damit über der angestrebten Zielbandbreite von 16% bis 18%. Im Nichtleben-Geschäft belief sich der bereinigte Gewinn auf CHF 399.4 Mio. Im 2. Halbjahr rechnet das Unternehmen aufgrund des schweren Sommer-Hagelsturms mit einer Belastung von CHF 120 und 140 Mio. Im Lebensversicherungsgeschäft erreichte der Konzern einen bereinigten Reingewinn von CHF 279.0 Mio. In Bezug auf die Synergien aus dem Zusammenschluss sieht sich das Unternehmen auf Kurs. Bis Ende Juni konnten bereits 50% der geplanten, jährlichen Einsparungen von CHF 650 Mio. erreicht werden. Bis Ende Jahr rechnet das Management deshalb neu mit einem Erreichungsgrad 60% (zuvor: 50%). Die Kosten der Integration, die sich bis Ende Juni auf rund CHF 200 Mio. summierten, sollen insgesamt in der unteren Hälfte der Zielbandbreite von CHF 500 bis 600 Mio. zu liegen kommen. Das Zahlenset übertriff die Analystenerwartungen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 5.00%; DE: 3.51%; CH: 0.56%

Im Unterschied zum US-Dollar veränderte sich die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe infolge des Zinsentscheids der Fed nur geringfügig und notiert weiterhin um die Marke von 5%.

Währungen

Euro in Franken: 0.946
US-Dollar in Franken: 0.826
Euro in US-Dollar: 1.147

Obwohl der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed wie erwartet ausfiel, legte der US-Dollar gestern gegenüber allen wichtigen Währungen nochmals deutlich zu. Mit rund 82.5 Rappen pro Dollar erreichte die US-Währung im Vergleich zum Schweizer Franken den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Bereits in den letzten Tagen hatte der Greenback an Wert gewonnen, nachdem Daten zur US-Inflation die Markterwartungen definitiv in Richtung der nun erfolgten Zinserhöhung verschoben hatten. Im Vergleich zu Anfang Jahr beträgt das Plus beim Dollar zum Schweizer Franken rund 3.6%. Zum Vergleich: Im langjährigen Schnitt resultiert pro Jahr jeweils ein Minus von 1.8%.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 105.48 pro Fass
Goldpreis: USD 4'297.87 pro Unze

Der Ölpreis bleibt weiterhin im Bann der Geschehnisse im Nahen Osten. Neben der Situation in der Strasse von Hormus sorgten in den letzten Tagen Drohnenangriffe auf die saudische Ost-West-Pipeline sowie der Vormarsch der Huthi an der Meerenge Bab-al-Mandab am Roten Meer für zusätzliche Unsicherheit. Als Folge war der Ölpreis wieder über 100 US-Dollar gestiegen. Gestern wurde bekannt, dass die Ost-West-Pipeline ihren Betrieb innerhalb weniger Tage mit rund 50% der ursprünglichen Kapazität wieder aufnehmen kann. An den Märkten sorgte dies aber nur für wenig Entspannung. Ein Fass Öl der Nordsee-Sorte Brent kostet weiter rund 105 US-Dollar.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Detailhandelsumsätze MoM (August)
aktuell: 1.2% (erwartet: 0.8%, Vormonat: -0.5%)

Nachdem die Umsätze der US-Detailhändler im Juli im Vergleich zum Vormonat noch 0.5% zurückgegangen waren, haben sie sich im August wieder erholt. Mit einem Wachstum von +1.2% zum Vormonat fiel der Anstieg sogar überraschend gross aus. Auch der um traditionell volatile Ausgabengruppen bereinigte Indikator (u.a. ohne Ausgaben für Benzin) stieg stärker als erwartet. Diese neuen Daten bestätigten den Trend, dass der US-Konsum trotz höherer Preise weiterhin robust bleibt. Die Detailhandelsumsätze werden zwar nominal ausgewiesen. Deren Wachstum übertrifft aber dasjenige des Preisniveaus weiterhin deutlich. Mit anderen Worten: Der Privatkonsum in den USA wächst aktuell auch real weiterhin solid.

 

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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