30. Juli 2026, CIO-Sicht | Aktienmärkte
Unsere Positionierung für August 2026
Der Waffenstillstand im Nahen Osten ist Geschichte, und der Ölpreis steigt wieder deutlich an. An den Aktienmärkten rückt die Berichtssaison in den Fokus.
Die Rahmenvereinbarung zwischen den USA und dem Iran ist bereits nach wenigen Wochen zusammengebrochen. Beide Seiten sprechen wieder von offenem Krieg, und die Strasse von Hormus ist erneut blockiert. Durch die Seeblockade gegen Saudi-Arabien gerät zudem die Strasse von Bab al-Mandab unter Druck, bislang ein Ventil des globalen Ölmarkts. In der Folge ist der Erdölpreis wieder auf über 100 US-Dollar gestiegen, und das Vorkrisenniveau rückt in weite Ferne. Der jüngste Rückgang der Inflationsraten darf daher nicht überbewertet werden. Entscheidend für den mittelfristigen Ausblick der Notenbanken ist das Ausmass der Zweitrundeneffekte. Bisher sind diese überschaubar gewesen, der Preisdruck wird aber hartnäckig bleiben. Auf dem aktuellen Niveau wirkt die Energiepreisentwicklung bremsend auf die Weltwirtschaft, jedoch ohne das Wachstum abzuwürgen.
Tiefe Indexvolatilität, aber zunehmende Divergenz auf Einzeltitelebene
Die Eskalation im Nahen Osten und wieder aufgekommene Zweifel am KI-Investitionszyklus haben die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten gestoppt, die zuvor primär vom Halbleiterbereich getragen worden war. Auf Indexebene bleiben die Ausschläge moderat, weil defensive Sektoren die Verluste auffangen. Auf Ebene der einzelnen Aktien fallen die Bewegungen deutlich heftiger aus. Am sichtbarsten wird dies im Halbleiterbereich, wo nach der Rally im ersten Halbjahr abrupt die Gewinnmitnahmen einsetzten. Kursbestimmend für dieses Marktsegment ist derzeit die Frage, ob die KI-Investitionsbudgets in geplanter Höhe umgesetzt werden. Die Schwankungen auf Indexebene sind nach wie vor tief. Dahinter verbirgt sich eine Rotation bei den Sektoren, welche die Widerstandsfähigkeit stützt. Eine breite Diversifikation ist zwar wenig aufregend, in der aktuellen Marktverfassung aber aktueller denn je.
Aktien bleiben neutral gewichtet
Wir behalten die neutrale Gewichtung der Aktien bei und nehmen auch regional keine Veränderungen vor. Das bedeutet, dass die Schweiz und die USA übergewichtet bleiben. Die Schwellenländer gewichten wir neutral, während wir Europa und die Region Asien-Pazifik untergewichten. Aufgrund tiefer Schweizer Zinsen und hoher Währungsabsicherungskosten bei ausländischen Anleihen bleiben Obligationen insgesamt untergewichtet. Die Gold-Position und die erhöhte Liquiditätsquote dienen der Diversifikation des Gesamtportfolios.
Dominik Schmidlin
8021 Zürich
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