20. August 2026, Tägliche Marktsicht

SMI dank Schwergewichten und sinkenden Zinsen im Plus

Gestützt durch starke Schwergewichte und sinkende US-Zinsen konnte sich der Schweizer Aktienmarkt gestern von den europäischen Börsen abgrenzten und schloss moderat höher. Heute stehen die Halbjahresberichte von SPS und BCV im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.46%, SPI: +0.30%, SMIM: -0.19%

Nach einem zurückhaltenden Start drehte der Schweizer Aktienmarkt gestern Nachmittag klar ins Plus. Positiv aufgenommen wurde die Absicht des US-Finanzministeriums, zukünftig mehr US-Staatsanleihen zurückzukaufen. Dieser Schritt erfolgt als Reaktion auf die zuletzt stark gestiegenen Langfristzinsen am US-Obligationsmarkt. Dazu half dem Leitindex eine positive Entwicklung der Index-Schwergewichte. Der SMI schloss zur Wochenmitte 0.5% höher. Im Fokus standen nach den besser als erwarteten Halbjahreszahlen die Aktien von Geberit, die an der Spitze des Tableaus um 7.4% nach oben sprangen. Ebenfalls gefragt waren die Titel von Lonza (+2.4%). Der Auftragsfertiger erhielt Rückenwind von positiven Studiendaten des US-Pharmaunternehmens Moderna zu einem mRNA-Impfstoff zur Behandlung von Krebs. Für Auftrieb sorgten zudem die Kursanstiege bei den Schwergewichten Novartis (+1.2%) und Roche (+1.8%). Auf der anderen Seite des Tableaus verzeichneten mit Swiss Re (-0.9%), Zurich Insurance (-1.2%) und Swiss Life (-1.4%) die Versicherungswerte deutliche Abgaben. Sie wurden im Zuge der sinkenden US-Anleiherenditen verkauft. Noch schwächer schnitten die Aktien von Alcon (-1.6%) ab, die seit den positiv aufgenommen Halbjahreszahlen nicht mehr vom Fleck kommen. Im breiten Markt setzte sich die Ausverkaufsstimmung bei den Halbleiterzulieferern fort: VAT (-1.0%), Accelleron (-0.9%), Huber + Suhner (-2.7%), Inficon (-4.1%) und Comet (-5.0%) gaben im Soge von schwachen US-Halbleiterwerten zum Teil deutlich nach. Die Aktien von Straumann verloren trotz eines besser als erwartet ausgefallenen Halbjahresergebnis zeitweise mehr als 5% nach und schlossen zuletzt 2.5% tiefer. Für negative Kommentare sorgte der unerwartete Abgang des erfolgreichen Konzernchefs Guillaume Daniellot, der das Dentalunternehmen per Ende November verlassen wird und durch den Schweden Christopher Norby ersetzt wird. Mit Enttäuschung quittiert wurden auch die Zwischenberichte von BKW (-2.4%) und Emmi (-4.7%). Ebenfalls Kursverluste lösten die angekündigten Sparmassahmen von Burckhardt Compression (-3.4%) aus. Der Hersteller von Kolbenkompressoren plant wegen der derzeit gedrückten Auftragslage bis zu 220 Stellen zu streichen, 150 davon am Hauptsitz in Winterthur. Für einen Freudensprung sorgten hingegen die besser als erwarteten Halbjahreszahlen von Implenia (+6.3%).

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.37%, DAX: -0.14%

Die europäischen Aktienmärkte reagierten am Nachmittag zunächst ebenfalls mit Kursgewinnen auf die Ankündigung des US-Finanzministeriums. Die Gewinne bröckelten aber im späteren Handelsverlauf wieder ab und die meisten Indizes schlossen tiefer. Der länderübergreifende EuroStoxx50 gab 0.4% nach. Deutlicher fiel das Minus beim italienischen FTSE MIB (-0.8%) aus, der von den schwachen Finanzwerten belastet wurde. Europaweit standen Banken- und Versicherungswerte zusammen mit den Versorgertiteln und den Technologieaktien deutlich unter Verkaufsdruck. Auf der Gewinnerseite standen Unternehmen aus den Sektoren Zyklischer Konsum, Gesundheit und Grundstoffe. Bei den Einzeltiteln rutschten Carlsberg nach verhaltenen Halbjahreszahlen um 2.1% ab.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.22%, S&P 500: +0.21%, Nasdaq: +0.16%

Der amerikanische Aktienmarkt reagierte positiv auf die Ankündigungen des US-Finanzministeriums und die sinkenden Zinsen, gaben aber einen Teil der zwischenzeitlichen Kursgewinne wieder ab. Der Dow Jones, der S&P 500 und der Nasdaq schlossen jeweils 0.2% höher. Die Aktien von Moderna sprangen nach der Ankündigung einer erfolgreiche Zulassungsstudie eines neuartigen mRNA-Impfstoffes zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs um 177% nach oben. Auch der Entwicklungspartner Merck & Co. profitierte mit einem Kursanstieg von 12.6%. Gefragt waren zudem die Aktien der Goldminenbetreiber, die von den sinkenden Zinsen und steigenden Goldpreisen angetrieben wurden. Barrick Gold sprangen um 7.2% nach oben, während Agnico Eagle 11.1% höher schlossen. Der Chiphersteller Marvell Technology kletterte nach der Ankündigung einer erweiterten Zusammenarbeit mit dem Google-Mutterhaus Alphabet um 9.9% nach oben. Leidtragender war der Konkurrenz Broadcom (-4.6%), dem ebenfalls Chancen auf die Partnerschaft mit Alphabet eingeräumt worden waren. Die meisten Halbleiterwerte verloren hingegen an Terrain, so z.B. AMD (-3.7%), Intel (-4.0%) und Nvidia (-1.0%). Auftrieb erhielten dagegen die Schwergewichte Apple (+2.2%) und Amazon (+2.5%). Estée Lauder (+16.3%) und Target (+4.3%) erhielten Rückenwind von besser als erwarteten Quartalsberichten.

Unternehmensberichte

SPS steigert Mieterträge und bestätigt Jahreszielsetzung

Der Immobilienkonzern Swiss Prime Site steigerte die Mieterträge im Immobiliensegment im 1. Halbjahr 2026 um 2.2% auf CHF 230.6 Mio. Die Leerstandsquote verharrte mit 3.7% auf dem Vorjahresniveau. Im Asset Management kletterten die Erträge um 5.2% auf CHF 40.0 Mio. nach oben. Zudem konnten Neugelder in der Höhe von CHF 0.95 Mrd. angezogen werden. Der Reingewinn inklusive Neubewertungen von Immobilien erhöhte sich um 17.2% auf CHF 195.2 Mio. Ohne Neubewertungen resultierte ein Gewinnanstieg von 6.0% auf CHF 165.7 Mio. Am Jahresziel, das höhere Mieterträge und eine tiefere Leerstandsquote anpeilt, hält SPS weiterhin fest. Bei der Neugeldentwicklung rechnet das Unternehmen unverändert mit einem Wachstum von rund CHF 1.0 Mrd. Das Zahlenset bleibt unter den Analystenerwartungen.

BCV übertrifft Erwartungen mit solidem Halbjahresergebnis

Die Waadtländer Kantonalbank (BCV) steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr um 2% auf CHF 593 Mio. Der Beitrag des Zinsgeschäfts fiel mit CHF 268 Mio. unverändert zum Vorjahr aus. Im Kommissionsgeschäft erhöhte sich der Ertrag unter anderem dank der positiven Kapitalmarktentwicklung um 5% auf CHF 206 Mio., während die Einnahmen aus dem Handelsgeschäft um 3% auf CHF 102 Mio. anstiegen. Dank einen Nettoneugeldzufluss von CHF 2.2 Mrd. und dem Rückenwind durch die Finanzmärkte stiegen die verwalteten Vermögen um 6% auf CHF 141.8 Mrd. Der operative Geschäftserfolg erhöhte sich um 5% auf CHF 263 Mio. Unter dem Strich verblieb der Kantonalbank ein 5% höherer Reingewinn von CHF 225 Mio. Auf einen Gesamtjahresausblick verzichtet das Institut wie üblich. Das Zahlenset fällt leicht besser aus als die Analystenerwartungen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.64%; DE: 3.26%; CH: 0.43%

Nachdem die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen am Dienstag mit 5.34% den höchsten Stand seit Mitte 2007 erreicht hatte, kündigte das US-Finanzministerium gestern überraschend an, die Rückkäufe langlaufender Anleihen zu erhöhen. Das Finanzministerium reagierte damit auf die Sorgen der Finanzmarktteilnehmer über die zuletzt deutlich angestiegenen Langfristzinsen. Die Rendite der 30-jährigen Treasuries fiel im Anschluss um 15 Basispunkte, diejenige 10-jähriger US-Staatsanleihen um 7 Basispunkte. Auf die Zinslandschaft in Europa hatte diese Ankündigung vorerst keine Auswirkungen.

Das gestern Abend veröffentlichte Protokoll zur US-Notenbanksitzung von Ende Juli brachte hingegen keine Überraschungen. Wie bereits bekannt stimmten drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder für eine Erhöhung des Leitzinses, nachdem die Sorgen über die Inflation zuletzt wieder zugenommen hatten.

Währungen

Euro in Franken: 0.934
US-Dollar in Franken: 0.800
Euro in US-Dollar: 1.168

Als Folge der Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langlaufender Anleihen zu erhöhen, hat sich der US-Dollar im gestrigen Tagesverlauf deutlich abgeschwächt. Gefragt war hingegen der Schweizer Franken, der für einmal wieder seine Karte als «sicherer Hafen» ausspielen konnte. Der Franken machte gegenüber sämtlichen G10-Währungen an Boden gut. Der US-Dollar verlor gegenüber dem Schweizer Franken mehr als 1 Rappen und notiert nun wieder um die Marke von 80 Rappen, die zuletzt Juni erreicht wurde.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 91.91 pro Fass
Goldpreis: USD 4'484.30 pro Unze

Der deutliche Rückgang bei den US-Zinsen wirkte sich auch positiv auf das Gold aus. Mit einem Anstieg von mehr als 150 US-Dollar pro Unze stieg der Goldpreis zwischenzeitlich gar wieder über die Marke von 4'500 Dollar und damit auf ein Niveau, das zuletzt Anfang Juni erreicht wurde.

Wirtschaft und Konjunktur

Es wurden gestern keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe veröffentlicht.

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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