30. Oktober 2026, Tägliche Marktsicht
SMI auf Rekordhoch - Alphabet belastet US-Technologiewerte
Der Schweizer Aktienmarkt erreichte gestern ein neues Rekordhoch. In den USA sorgten die hohen KI-Ausgaben von Alphabet dagegen für einen Rückschlag bei den Technologiewerten.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +1.21%, SPI: +1.01%, SMIM: +0.22%
Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich gestern deutlich fester. Der SMI überschritt im Tagesverlauf sein bisheriges Rekordhoch und beendete den Handel 1.2% höher. Unterstützung kam von der unveränderten Geldpolitik der US-Notenbank und der EZB sowie von rückläufigen Ölpreisen. Gleichzeitig fiel das US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal stärker als erwartet aus, womit die Diskussion über weitere Zinserhöhungen trotz der jüngsten Pause nicht vom Tisch ist. Insgesamt schlossen 17 der 20 SMI-Werte im Plus. Eine wichtige Stütze für den Gesamtmarkt war das Indexschwergewicht Novartis (+2.4%). Die Aktie erreichte zwischenzeitlich ebenfalls ein neues Rekordniveau. Rückenwind kam von einer Kurszielerhöhung. Auch UBS (+2.9%) erholten sich deutlich von den Abgaben nach den Quartalszahlen am Vortag. Bemerkenswert war die Entwicklung bei Amrize (+3.2%). Die Aktie war am Morgen nach enttäuschenden Quartalszahlen und der Senkung der Jahresprognose deutlich gefallen. Im weiteren Verlauf setzte jedoch eine kräftige Gegenbewegung ein. Noch stärker legte Sandoz (+4.4%) zu. Nach dem Kursrückgang infolge der am Mittwoch veröffentlichten Zahlen griffen die Anleger wieder zu. Ebenfalls gefragt waren Holcim (+2.6%), Galderma (+2.4%) sowie Lonza (+1.8%). Schwächere Kurse verzeichneten die Aktien von Logitech (-0.4%).
Im breiteren Markt überzeugte insbesondere Avolta (+5.1%). Der Reisedetailhändler steigerte den Umsatz im dritten Quartal stärker als erwartet. Das organische Wachstum beschleunigte sich auf 4.6% von 2.9% im zweiten Quartal, während der Druck des Iran-Konflikts und die Anlaufkosten neuer Standorte nachliessen. Leicht negativ wurden die Zahlen von Vontobel (-1.3%) aufgenommen. Zwar erreichten die verwalteten Vermögen einen neuen Höchststand, die Nettoneugelder blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück.
Aktienmärkte Europa
Euro Stoxx 50: +0.64%, DAX: +1.31%
Die europäischen Aktienmärkte konnten sich von der Schwäche der US-Technologiewerte abkoppeln und mehrheitlich deutlich zulegen. Der Euro Stoxx 50 gewann 0.6%, während der deutsche DAX ein Plus von 1.3% vorweisen konnte. Der französische CAC 40 legte 1.0% zu. Im Mittelpunkt stand die Europäische Zentralbank, die ihre Leitzinsen erwartungsgemäss unverändert beliess. Am Markt wird deshalb eine weitere Zinserhöhung im Dezember nicht ausgeschlossen. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Ankündigung von EZB-Präsidentin Christine Lagarde, ihren Posten im Februar 2027 vorzeitig abzugeben. Auf Unternehmensseite gehörten Adidas (+5.8%) zu den stärksten Werten. Der Sportartikelhersteller bestätigte ein Rekordquartal und die zuletzt angehobene Jahresprognose. Besonders die Bereiche Running, Training und Fussball entwickelten sich dynamisch. Auf Sektorenebene waren die Bereich Industrie, Kommunikationsdienste und Gesundheit gefragt, während der Basiskonsum leichte Verluste hinnehmen musste.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.25%, S&P 500: -0.30%, Nasdaq: -1.38%
Die US-Aktienmärkte gerieten gestern nach drei freundlichen Handelstagen wieder unter Druck. Der Dow Jones verlor 0.3%, der S&P 500 ebenfalls 0.3%, während der technologielastige Nasdaq mit einem Minus von 1.4% deutlich schwächer abschnitt. Die Verluste waren allerdings stark auf einige wenige grosse Technologieaktien konzentriert. Im Zentrum stand Alphabet (-12.6%). Die stark steigenden Investitionen in KI-Infrastruktur und der negative Free Cashflow entfachten erneut die Diskussion, ob die enormen Ausgaben der grossen Technologiekonzerne schnell genug monetarisiert werden können. Deutlich härter traf es mehrere Softwareunternehmen. ServiceNow brachen nach einem enttäuschenden Ausblick und einer schwächeren Entwicklung der Subscription-Umsätze um 27% ein. Fortinet verloren 20.1%, nachdem die Produktumsätze und der Ausblick enttäuscht hatten. Marvell Technology gaben 13.2% nach. Der Russell 2000 gewann gleichzeitig 1.0% und auch innerhalb des S&P 500 überwogen die Kursgewinner deutlich. Abseits des Technologiesektors zeigte sich das Marktbild freundlicher. Eli Lilly gewannen 6.6%, nachdem die starke Nachfrage nach den Diabetes- und Abnehm-Medikamenten zu einem starken Umsatzanstieg führte und der Konzern seine Jahresprognose deutlich erhöhte.
Unternehmensberichte
Amazon wächst stark in der Cloud aber hohe KI-Investitionen belasten den Cashflow
Amazon steigerte den Umsatz im 3. Quartal um 12% auf USD 201.9 Mrd. und lag damit ungefähr im Rahmen der Erwartungen. Deutlich stärker entwickelte sich der operative Gewinn, der von USD 17.4 Mrd. auf USD 28.1 Mrd. anstieg. Die operative Marge erreichte mit 13.9% einen neuen Höchstwert. Haupttreiber war erneut AWS. Der Cloud-Umsatz erhöhte sich um 39% auf USD 46.0 Mrd. Der operative Gewinn von AWS stieg um 55% auf USD 17.8 Mrd. und machte damit rund zwei Drittel des Konzerngewinns aus. Trotz eines stark gestiegenen operativen Cashflows fiel der Free Cashflow auf minus USD 42.4 Mrd., nachdem die Investitionen des abgelaufenen Quartals auf über USD 75 Mrd. gestiegen waren. Amazon hält an den geplanten Capex-Investitionen von rund USD 220 Mrd. für 2026 fest. Die Aktie fiel in der Nachbörse rund 7%.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.92%; DE: 3.35%; CH: 0.51%
Die grossen Notenbanken halten vorerst die Füsse still. Heute Morgen hat die Bank of Japan die Leitzinsen unverändert belassen und folgt damit der EZB und der US-Notenbank, die bereits im Laufe dieser Woche auf Zinsanpassungen verzichtet haben. Nach den gestrigen Kursverlusten bei US-Technologieaktien waren Staatsanleihen wieder stärker gefragt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank um fünf Basispunkte und liegt damit fast 40 Basispunkte unter dem Stand von Anfang Monat. Die Rendite zehnjähriger Schweizer Eidgenossen liegt mit rund 0.50% ebenfalls etwa sieben Basispunkte tiefer als vor einem Monat.
Währungen
Euro in Franken: 0.919
US-Dollar in Franken: 0.822
Euro in US-Dollar: 1.118
Am Devisenmarkt legte der Franken vor dem Wochenende sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US-Dollar zu. Nach den unveränderten Leitzinsen der US-Notenbank und der EZB richten sich die Blicke nun vermehrt auf die US-Zwischenwahlen in der kommenden Woche. Im Oktober legte der Franken nach einer Schwächephase wieder zu und gehörte damit zu den stärksten G10-Währungen. Gegenüber dem Euro gewann er im Monatsverlauf fast 3%, gegenüber dem US-Dollar rund 1.5%.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 116.00 pro Fass
Goldpreis: USD 4'002.35 pro Unze
Der Brent-Ölpreis bewegt sich weiterhin um die Marke von 115 US-Dollar pro Fass. Neue diplomatische Bemühungen im Nahen Osten wecken zwar Hoffnungen auf eine Entspannung, ein Durchbruch bleibt jedoch aus. Für zusätzliche Unsicherheit sorgen weiterhin Spekulationen über erneute US-Angriffe auf den Iran nach den Zwischenwahlen in der kommenden Woche.
Wirtschaft und Konjunktur
Eurozone: EZB-Leitzinsentscheid (Einlagefazilität)
aktuell: 2.50% (erwartet: 2.50%, letzter: 2.50%)
Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen nach zwei Zinserhöhungen im Juni und September wie erwartet unverändert belassen. Angesichts der hohen Inflation und bestehender Aufwärtsrisiken bleibt die Tür für eine weitere Zinserhöhung offen. Wir rechnen im Dezember mit einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Zudem gab EZB-Präsidentin Christine Lagarde gestern nicht ganz unerwartet bekannt, dass sie ihr Amt im Februar 2027 und damit rund neun Monate vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit niederlegen wird.
USA: Bruttoinlandprodukt (3. Quartal, erste Schätzung, QoQ annualisiert)
aktuell: 3.4% (erwartet: 3.2%, Vorquartal: 2.2%)
Gemäss einer ersten Schätzung wuchs die US-Wirtschaft im 3. Quartal annualisiert um 3.4% und damit stärker als erwartet. Die Binnenkonjunktur zeigt sich robust, der Konsum legte um 3.8% zu. Ein starker Wachstumstreiber blieben die Unternehmensinvestitionen, insbesondere in KI-nahe Ausrüstung. Das kräftige BIP-Wachstum steht im Kontrast zur schwachen Konsumentenstimmung, die insbesondere durch die hohen Lebenshaltungskosten belastet wird.
Daniel Wachter
8021 Zürich
Florian Hiltpold
8021 Zürich
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