15. Oktober 2026, Tägliche Marktsicht

Schweizer Aktienmarkt profitiert von defensiver Ausrichtung

Eine starke Entwicklung bei den Index-Schwergewichten und den Gesundheitswerten gab dem Schweizer Leitindex gestern erheblichen Rückenwind. Die US-Aktien standen nach höher als erwarteten Inflationsdaten hingegen unter Druck. Heute stehen die Quartalszahlen von VAT im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +1.45%, SPI: +1.17%, SMIM: +0.21%

Der Schweizer Aktienmarkt schloss zur Wochenmitte mit einem deutlichen Kursplus. Unterstützend wirkten sich dabei der defensive Charakter des Schweizer Leitindexes und die starken Index-Schwergewichte aus. Der SMI beendete den Handelstag 1.5% höher. Die stärkste Aktie im Reigen der grosskapitalisierten Werte war Lonza mit einem Kursplus von 3.4%. Der Pharma-Auftragsfertiger erhöhte gestern im Zuge eines Quartalsupdates die mittelfristige Margenzielsetzung deutlich. Mit Roche (+3.1%), Sandoz (+3.0%) und Novartis (+2.8%) reihten sich gleich drei Unternehmen aus dem Pharmasektor auf den vordersten Plätzen ein. Sie profitierten von der gestrigen Umschichtung von zyklischen in defensive Bereiche. Mit Galderma (+2.7%) stand ein weiterer Titel aus dem Gesundheitsbereich weit vorne. Der auf Beauty-Produkte fokussierte Konzern kündigte gestern die Übernahme des US-Hautpflegeunternehms ZO Skin Health an, die von den Analysten mehrheitlich wohlwollend kommentiert wurde. Auf der Verliererseite standen unter anderem Partners Group (-0.7%) und UBS (-1.6%). Die Grossbank wurde von vorsichtigen Analystenkommentaren und der gestrigen Sektorrotation gebremst. Ebenfalls schwach entwickelten sich in diesem Umfeld die konjunktursensitive Aktien Logitech (-0.2%) und ABB (-1.1%).

Am breiten Markt kletterten Bossard nach einem stärker als erwarteten Quartalsbericht um 2.3% nach oben. Siegfried (+1.8%) erhielt Rückenwind von einer Empfehlung eines Brokers, der die Aktie des Auftragsfertigers auf die Liste seiner 10 bevorzugten Aktien im europäischen Small- und Midcap-Bereich nahm. Interroll (+4.0%) legten nach einem Zukauf aus dem Management-Bereich zu. Auf der Verliererseite setzten Adecco (-3.0%) ihren jüngsten Abwärtstrend fort. Der Arbeitsvermittler wurde von einer Rückstufung und einer vorsichtigen Branchenstudie eines Analysten gebremst.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.38%, DAX: +0.15%

Die europäischen Aktienmärkte erholten sich gestern von den Vortagesverlusten und schlossen moderat höher. Weiterhin dominierten die hohen Energiepreise und die stark gestiegenen Obligationsrenditen die Schlagzeilen. Positiv kommentiert wurden dagegen besser als erwartete Handelsdaten aus China. Der EuroStoxx gewann schliesslich 0.4% dazu, während der britische FTSE 100 0.7% höher schloss. Im Fokus stand unter anderem der niederländische Chipausrüster ASML (+1.2%), der mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen übertraf. Aus Branchensicht gehörten unter anderem Aktien aus dem Luxusgüterbereich zu den Gewinnern. Hermes (+0.9%) und LVMH (+1.4%) erhielten Rückenwind von den Exportzahlen aus China. Daneben gehörten Aktien aus den Bereichen Gesundheit und Basiskonsum zu den Gewinnern, während Finanzwerte, Grundstofftitel und Industrieaktien im Zuge der gesunkenen Risikobereitschaft verkauft wurden.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.09%, S&P 500: -1.11%, Nasdaq: -1.88%

Die US-Aktienmärkte reagierten mit Kursverlusten auf die Veröffentlichung der Inflationszahlen vom September. Der Anstieg auf 3.7% fiel etwas höher aus als erwartet, worauf der Technologiesektor und insbesondere Chipwerte deutlich unter Druck kamen. Der technologielastige Nasdaq fiel um 1.9% zurück, während der S&P 500 um 1.1% korrigierte. Der Dow Jones schloss hingegen nur 0.1% tiefer. Er profitierte von seiner Ausrichtung auf Standardwerte, die gestern gefragt waren. Morgan Stanley verfehlte gestern mit dem Quartalsupdate die Analystenerwartungen, worauf die Aktie 2.8% einbüsste. Positiv aufgenommen wurde dagegen die Zwischenbilanz von Blackrock (+0.7%). Die Neugeldentwicklung beim weltgrössten Vermögensverwalter fiel besser als erwartet aus. Deutliche Abgaben verzeichneten Aktien aus dem Halbleiterbereich: Nvidia, Intel, AMD und Micron sackten zwischen 3.2% und 5.7% ab. Noch stärker unter Druck standen Dell (-11.4%), die von einer vorsichtigen Analystenstudie belastet wurden. Die Aktien von CoreWeave stürzten um 15.5% ab, nachdem die Anleihen des Unternehmens wegen steigender Sorgen um die Verschuldungssituation des KI-Cloud-Computing Spezialisten zuvor deutlich abgesackt waren.

Unternehmensberichte

VAT hebt Ausblick für 2027 nach starker Auftragsdynamik an
VAT veröffentlichte heute Morgen die Zahlen zum 3. Quartal 2026. Der Hersteller von Vakuumventilen, die vor allem in der Halbleiterherstellung verwendet werden, steigerte den Auftragseingang im Vorjahresvergleich um 193% auf CHF 696.6 Mio. Der Auftragsbestand stieg um 279% auf CHF 979.5 Mio. Der starke Anstieg ist vor allem auf den weltweiten Ausbau der Halbleiterkapazitäten und die hohen Investitionen der Hyperscaler in neue Rechenzentren zurückzuführen. Zudem haben sich gemäss VAT die Bestellfenster verlängert und auch die Nachfragesituation in China präsentiert sich stark. Der Umsatz erhöhte sich um 46% auf CHF 376.4 Mio. Für das laufende 4. Quartal prognostiziert VAT einen Umsatzanstieg auf CHF 420 bis 450 Mio. Für 2027 veranschlagt das Management neu einen Umsatz deutlich über der bisherigen Zielbandbreite von CHF 1.5 bis 1.7 Mrd. Angesichts der starken Nachfragesituation und um die Produktionskapazitäten zu erweitern, hat das Unternehmen im 3. Quartal 450 neue Stellen geschaffen. Der Zwischenbericht erfüllt die Erwartungen beim Umsatz, während der Auftragseingang deutlich über den Analystenschätzungen liegt.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 5.19%; DE: 3.47%; CH: 0.56%

Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen sprang gestern im Anschluss an die US-Inflationszahlen zwischenzeitlich um fast 15 Basispunkte nach oben. Danach setzte aufgrund der negativen Stimmung an den US-Aktienmärkten eine Gegenbewegung ein. Per Tagesende notierte die Rendite nach einem volatilen Handel zwei Basispunkte tiefer. In Europa verliefen die Tagesbewegungen ähnlich, fielen aber wesentlich geringer aus. Sowohl die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe als auch jene des Eidgenossen notierten am Ende praktisch unverändert zum Vortag.

Währungen

Euro in Franken: 0.932
US-Dollar in Franken: 0.835
Euro in US-Dollar: 1.116

Der US-Dollar legte gestern nach den höher als erwartet ausgefallenen Inflationszahlen und den gestiegenen Zinserwartungen zu. Gegenüber dem Franken und dem Euro betrug das Plus 0.3% und 0.4%. Seit Jahresbeginn hat der US-Dollar zum Franken um 4.7% zugelegt.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 106.06 pro Fass
Goldpreis: USD 4'105.37 pro Unze

Die Ölpreise bewegten sich gestern kaum und setzten den jüngsten Anstieg vorerst nicht fort. Brent notierte bei 106 US-Dollar je Barrel, nahezu unverändert zum Vortag, und liegt damit seit Monatsbeginn um mehr als neun Prozent höher. Neue Angriffe im Nahen Osten nähren Zweifel an einer baldigen Entspannung der Situation. Trotz der anhaltenden Spannungen haben sich die Ölexporte aus der Region wieder dem Vorkriegsniveau angenähert. Während Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate höhere Einnahmen aus Erdölexporten erzielen als vor dem Krieg, zählen der Irak und Katar zu den Verlierern.

Der Goldpreis wurde gestern von den gestiegenen Zinserwartungen in den USA und dem stärkeren US-Dollar belastet. Das gelbe Edelmetall verlor im Tagesverlauf 1.3%.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Inflationsrate (September)
aktuell: 3.7% (erwartet: 3.6%, Vormonat: 3.4%) 
USA: Kernrate der Inflation (September)
aktuell: 2.6% (erwartet: 2.5%, Vormonat: 2.4%)

Die Verbraucherpreise stiegen im September auf 3.7% im Jahresvergleich und übertrafen Konsens und Augustwert. Auch die Kerninflation überraschte zum zweiten Mal in Folge nach oben. Der Preisdruck konzentriert sich auf Kerndienstleistungen, getrieben von Wohnkosten, während die Energiepreise die Gesamtinflation hoch halten. Nach der einstimmigen Zinserhöhung der Fed auf 3.75% bis 4.00% und der Einschätzung von Fed-Chef Kevin Warsh, die Finanzierungsbedingungen seien nicht restriktiv, stärken die Daten das Argument für einen weiteren Zinsschritt der amerikanischen Notenbank.

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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