Candle Chart auf einem Bildschirm

28. September 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht

Rückenwind und Gegenwind halten sich die Waage

Die Aktienmärkte halten sich in der Nähe ihrer historischen Höchststände, obschon die geopolitische Lage immer verworrener und undurchsichtiger wird.

Im Fokus

Die Aktienmärkte halten sich in der Nähe ihrer historischen Höchststände, obschon die geopolitische Lage immer verworrener und undurchsichtiger wird. Bei der Künstlichen Intelligenz wird momentan nicht mehr über die Effizienzmöglichkeiten, sondern über die Risiken gesprochen. Ob die Schauermeldungen der grossen KI-Entwickler lediglich Selbstschutz und Marketing sind, oder ob sie wie der Zauberlehrling von Goethe die Kontrolle über ihr Werk verlieren, ist schwer einzuschätzen. Der Gegenwind für die Aktien ist gross und dennoch ist ein Einbruch auf breiter Front nicht zu sehen. Die grossen Rückschläge sehen wir bei einzelnen Aktien, aber nicht im Gesamtmarkt.

Hohe Energiepreise und hohe Zinsen treiben sich gegenseitig an

Die Zinsen der Obligationen sind in der letzten Woche noch einmal stark gestiegen, nachdem das vom US-Finanzminister in grossen Worten angekündigte Programm zum Rückkauf von langlaufenden Anleihen in seinem Ausmass unter den geschürten Erwartungen blieb. Zusammen mit einem steigenden Erdölpreis steigen auch die Erwartungen an zusätzliche Zinserhöhungen der Zentralbanken. Obschon die SNB keine Signale aussendet, die für eine baldige Erhöhung ihres Leitzinses sprechen, hat der Sog der Zinsen und Zinserwartungen auch die Schweiz erreicht. Eine Wiederholung des grossen Zinsschocks von 2022 ist jedoch unwahrscheinlich, da die Leitzinsen in den USA und in der Eurozone im Unterschied zu damals bereits auf einem hohen Niveau sind.

Abhängigkeit vom Tech-Sektor nach wie vor hoch

Die Abhängigkeit von den Tech-Aktien ist anhaltend hoch. Die Performance des Weltindex in diesem Jahr von rund 13% ist zu zwei Dritteln durch die höheren Kurse im Technologiesektor entstanden. Daneben profitieren die Energieaktien von den hohen Energiepreisen und die Finanzwerte von den Zinsen. Die restlichen Sektoren entwickelten sich mehrheitlich zwar auch positiv, sind für die Gesamtperformance jedoch eine Randerscheinung. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ihr Gewicht im Weltindex im Vergleich zu den Tech-Titeln in den letzten Jahren deutlich gesunken ist. Das Klumpenrisiko KI darf nicht vernachlässigt werden, insbesondere da dieser Sektor ins Stottern geraten ist. Positiv ist zu vermerken, dass von Kursrückschlägen bei den Tech-Aktien die anderen Sektoren profitiert haben und das Geld nicht aus dem Aktienmarkt abgeflossen ist.

Schweizer Markt von Einzelereignissen geprägt

Der Schweizer Aktienmarkt hat mehr eingebüsst als die anderen Märkte. Negative Einzelbewegungen in grossen Titeln wie Novartis, Richemont oder UBS haben den Handel geprägt. Dazu kamen Rückschläge bei den Aktien im Dunstkreis von KI und von den Investitionen in Data Centern. Die Aktie von Novartis konnte einen Teil des Einbruchs wieder aufholen. Der defensive Charakter des Schweizer Aktienmarktes ist im aktuellen Umfeld ein Plus. Er kann sich den Bewegungen im Ausland nicht entziehen, hält sich aber in einem schwierigen Marktumfeld meistens besser als stärker wachstumsorientierte Aktienmärkte.

Aktien bleiben das bevorzugte Anlagevehikel

Der Gegenwind für die Aktien kommt aus verschiedenen Richtungen. Am Ende entscheidet jedoch der Zustand der Weltwirtschaft und die Gewinnaussichten der Unternehmen über den Gang an der Börse. Sowohl die generelle Konjunktur als auch die Unternehmen haben sich in den letzten Jahren jeweils schnell an die sich rasch verändernden Rahmenbedingungen angepasst. Die börsenkotierten Unternehmen sind heute breiter aufgestellt und flexibler als vor Corona. Der daraus resultierende Rückenwind und die verschiedenen Gegenwinde halten sich momentan die Waage. In einem Umfeld hoher Inflationsraten und hoher Zinsen sind Sachwerte wie Aktien weiterhin das bevorzugte Anlagevehikel. Von vorübergehenden Rückschlägen bei den Aktienkursen, die zu den Aktienmärkten gehören, darf man sich nicht zu stark beeindrucken lassen.

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.93%, S&P500: +0.51%, Nasdaq: +0.48%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +0.48%, DAX: +0.56%, SMI: +0.29%

Die Aktienmärkte haben sich gefangen. Ein steigender Erdölpreis oder höhere Zinsen erhöhen jeweils kurzfristig den Druck auf die Kurse, verlieren aber schnell an Wirkung. Der S&P 500 legte letzte Woche 1.21% zu. Die europäischen Aktien stiegen 1.07%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 1.31% abschloss.

Die Blockade der Strasse von Hormus dauert an und mit ihr die Anspannung an den Rohstoffmärkten. Der Ölpreis liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau. Dennoch erweist sich die Realwirtschaft als widerstandsfähig. Die Unternehmen haben die Folgen des Iran-Kriegs besser verkraftet, als es die Märkte befürchtet hatten. An den Aktienmärkten macht der Technologiesektor weiterhin die Musik. Die Berichte der Cloud-Unternehmen überzeugten bei Umsatz und Gewinn, und Fortschritte in der Monetarisierung von KI zerstreuten die aufgekommenen Zweifel vorerst. Die Berichtssaison der Unternehmen für das zweite Quartal verlief insgesamt erfreulich, mit besseren Ergebnissen in den USA als in Europa. Getragen von einer breiteren Marktbasis präsentiert sich die Entwicklung auf Index-Ebene trotz Rückschlägen robust.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 5.20%; DE: 3.60%; CH: 0.66%

Die Renditen in den USA steigen weiter an und nehmen die Kapitalmärkte in Europa in Sippenhaft. Zuletzt konnten sich auch die Zinsen in der Schweiz dem Sog nach oben nicht mehr entziehen. Die Erwartungen an rasche Zinserhöhungen durch die SNB sind unseres Erachtens aber übertriebeben, da die Inflation in der Schweiz trotz dem kürzlichen Anstieg im August unter Kontrolle ist.

Währungen

Euro in Franken: 0.945
US-Dollar in Franken: 0.829
Euro in US-Dollar: 1.139

Der US-Dollar profitiert weiterhin von den steigenden Zinsen in den USA und den höheren Erwartungen an Zinserhöhungen der Fed. Diese Effekte wirken jedoch nicht auf Dauer. Die fundamentalen Schwächen des US-Dollars wie die explodierenden Schulden und die mangelnde Verlässlichkeit der US-Politik werden sich wieder negativ auf den US-Dollar auswirken.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 106.88 pro Fass
Goldpreis: USD 4'197.82 pro Unze

Der Flirt mit einem Erdölpreis unter 100 US-Doller pro Fass war von kurzer Dauer. Die Lage runde um die Strasse von Hormus und um den Ausgang aus dem Roten Meer ist ungelöst. Die Amerikaner haben offensichtlich keine Ideen, wie sie das von ihnen selbst eingebrockte Problem lösen können.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Aufträge für Kapitalgüter ohne Verteidigung und Transport (August)
aktuell: 1.6% (erwartet: 0.6%, Vormonat: 0.6%)

Die Investitionstätigkeit in den USA ist anhaltend hoch. Das ist ein gutes Zeichen für den Zustand der Konjunktur, obschon in den USA der Private Konsum die Wirtschaft so stark dominiert wie sonst in keinem anderen grösseren Industrieland. Die Unternehmen rechnen offenbar mit einer weiterhin gut laufenden Wirtschaft.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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