27. August 2026, Tägliche Marktsicht
Nvidia liefert ab und überrascht mit optimistischem Ausblick
Mit einer Umsatz- und Gewinnverdoppelung im 2. Geschäftsquartal konnte der Chipgigant Nvidia die Erwartungen der Analysten übertreffen. Für eine positive nachbörsliche Reaktion sorgte aber vor allem der optimistische Ausblick der Finanzchefin auf das kommende Jahr. In der Schweiz stehen heute die starken Zahlen von Accelleron im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.12%, SPI: +0.08%, SMIM: -0.46%
Der Schweizer Aktienmarkt beendete den gestrigen Handelstag in einem freundlichen Umfeld mit leichten Kursgewinnen. Vor den Quartalszahlen des US-Chipgiganten Nvidia und der heute beginnenden Notenbankkonferenz in Jackson Hole hielten sich die Kursavancen in Grenzen. Der SMI beschloss den Tag 0.1% höher. Im Leitindex gehörten konjunktursensitive Aktien zu den Gewinnern. Zuoberst im Tableau standen UBS (+1.6%), Logitech (+1.8%), Richemont (+2.1%), Amrize (+3.3%) und Holcim (+3.7%). Auf der Verliererseite standen unter anderem die beiden Pharmaschwergewichte Novartis (-0.9%) und Roche (-1.5%), welche die Indexentwicklung belasteten. Vom dritten Schwergewicht Nestlé (+0.1%) kam ebenfalls keine Unterstützung.
Im breiten Markt schossen die Aktien von Stadler Rail nach den besser als erwartet ausgefallenen Halbjahreszahlen um satte 22.4% nach oben und erreichten den höchsten Stand seit Frühling 2024. Der Windkraftzulieferer Gurit überraschte mit einer besser als erwarteten Profitabilität und erhöhte zudem den Jahresausblick, was die Aktie 20.8% nach oben trieb. Arbonia setzten einen Tag nach den zunächst verhalten positiv aufgenommenem Halbjahreszahlen zu einem Kursprung von 11.1% an. Negativ quittiert wurde das Zahlensetz des Verschlüsselungsspezialisten Kudelski (-1.1%). Deutliche Abgaben verzeichneten die Titel von Sandoz (-3.9%), die im Zuge der allgemeinen Pharma-Schwäche Federn liessen.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +0.23%, DAX: +0.08%
Die europäischen Aktienmärkte knüpften gestern mehrheitlich an ihren jüngsten Aufwärtstrend an. Der EuroStoxx50 kletterte um 0.2% nach oben, während der französische CAC 40 0.3% höher schloss. Gefragt waren Aktien aus den Bereichen Industrie, Basiskonsum, Finanzen und Grundstoffe. Deutliche Abgaben setzte es dagegen für Unternehmen aus den Sektoren Energie, Kommunikationsdienste, Technologie und Gesundheit ab.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.21%, S&P 500: -0.02%, Nasdaq: -0.08%
Die amerikanischen Aktienmärkte kamen gestern nicht auf Touren. Vor dem Notenbanktreffen in Jackson Hole und den Zahlen des KI-Primus Nvidia blieb die Stimmung von Zurückhaltung geprägt. Auch dass der Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) im Juli auf dem Vormonatslevel von 3.7% verharrte, brachte keine grösseren Bewegungen in den Markt. Der Dow Jones beendete den Handelstag zur Wochenmitte 0.2% tiefer. Der S&P 500 (-0.02%) und der Nasdaq (-0.08%) schlossen praktisch unverändert. Nvidia verloren vor der Zahlenvorlage 1.6%. Die Aktien von Intuit schlossen 3.2% tiefer, nachdem der Ausblick des Anbieters von Steuersoftware enttäuscht hatte. Auch das Quartalsupdate von Zoom Communications wurde mit Enttäuschung und einem Kursminus von 7.0% bestraft. Abercrombie & Fitch machten dagegen einen Sprung von 35.6% nach oben. Das Modeunterunternehmen erhöhte nach einem besser als erwarteten Quartal den Ausblick.
Unternehmensberichte
Nvidia verdoppelt im 2. Quartal Umsatz und Gewinn
Nvidia steigerte den Umsatz im 2. Geschäftsquartal dank der ungebrochen starken Nachfrage nach KI-Chips um 106% auf USD 96.22 Mrd. Der Unternehmensgewinn sprang um 126% nach oben und erreichte USD 59.7 Mrd. Für das laufende 3. Quartal rechnet der Chipkonzern mit einem Umsatz von USD 108 Mrd., plus/minus 2%. Im Vergleich zum Vorjahresquartal würde dies einem Anstieg von 90% entsprechen. Sowohl der Umsatz als auch der Gewinn lagen über den Analystenerwartungen. Die Finanzchefin des Konzerns äusserte sich an der Telefonkonferenz zudem positiv zu den Aussichten für das nächste Jahr. Sie erwartet, dass der KI-Boom im nächsten Geschäftsjahr weitergeht und prognostiziert für 2027/28 ein Umsatzwachstum von 70%. Der Analystenkonsens hatte bisher lediglich mit einem Anstieg von 45% gerechnet. Der Aktienkurs des KI-Krösus stieg im nachbörslichen Handel rund 4%.
Accelleron erhöht Umsatzprognose nach starkem Halbjahr
Accelleron steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr 2026 um 21.3% auf USD 737.3 Mio. Organisch, also ohne den Einfluss von Währungen und Akquisitionen, erreichte der Hersteller von Grossturboladern ein Wachstum von 17.2%. Sowohl der Schiffsbereich als auch Geschäft mit Rechenzentren trugen zur starken Wachstumsentwicklung bei. Der operative Gewinn (EBITA) erhöhte sich um 22.5% auf USD 189.7 Mio., was einer Marge von 25.7% entspricht. Unter dem Strich verblieb ein um 31.5% gestiegener Reingewinn von USD 150.8 Mio. Als Folge der starken ersten Jahreshälfte wurde die Jahreszielsetzung angehoben. Neu rechnet das Management mit einem Umsatzanstieg zwischen 14% bis 17% (zuvor: 9% bis 14%). Bei der EBITA-Marge wird weiterhin ein Wert von 25% bis 26% anvisiert. Das Zahlenset liegt über den Analystenerwartungen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.65%; DE: 3.23%; CH: 0.39%
Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen tendierten gestern auf beiden Seiten des Atlantiks leicht höher. In Europa sorgten Äusserungen der EZB-Direktorin Isabel Schnabel für etwas Bewegung an den Zinsmärkten. Sie sieht weiteren Zinserhöhungsbedarf, da der anhaltende Konflikt im Nahen Osten über die Energiepreise die Inflationsrisiken erhöht, während sich die Konjunktur im Euroraum überraschend robust entwickelt. Aus ihrer Sicht spricht beides dafür, dass der Preisdruck hartnäckig bleibt und die EZB ihre Geldpolitik weiter straffen muss. Ein Zinsschritt im September gilt daher als sehr wahrscheinlich.
Ab heute richtet sich der Blick der Kapitalmärkte auf Jackson Hole in den Rocky Mountains. Am Freitag wird US-Notenbankchef Kevin Warsh an der dortigen Notenbankkonferenz eine vielbeachtete Rede halten.
Währungen
Euro in Franken: 0.938
US-Dollar in Franken: 0.805
Euro in US-Dollar: 1.165
Der US-Dollar legte nach den erwartungsgemässen US-Inflationsdaten zu. Die Marktreaktion blieb jedoch insgesamt verhalten, da die PCE-Daten keine neuen geldpolitischen Impulse lieferten. Der Franken verlor sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch dem Euro an Boden. Die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der EZB und eine damit wachsende Zinsdifferenz zur Schweiz stützt den Euro gegenüber dem Franken.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 87.84 pro Fass
Goldpreis: USD 4'591.07 pro Unze
Der Erdölpreis der Sorte Brent notierte gestern leicht tiefer als am Vortag. Der Iran meldete gestern eine Einigung mit Oman über die Aufteilung von Gewässern und Einnahmen in der Strasse von Hormus. Dies ist ein Schritt in Richtung einer umfassenderen Vereinbarung zur Verwaltung der strategisch wichtigen Wasserstrasse. Eine rasche Wiedereröffnung ist damit jedoch nicht verbunden. Iran macht die USA für Verzögerungen verantwortlich und warnt, dass selbst ein Abkommen mit Oman den Schiffsverkehr nicht unmittelbar normalisieren würde.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: Inflationsrate auf Basis der Personal Consumption Expenditures (Juli)
aktuell: 3.7% (erwartet: 3.6%, Vormonat: 3.7%)
Der Preisauftrieb in den USA hat sich im Juli nicht gross verändert. Der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben stieg gegenüber dem Vormonat um 0.2% und die Jahresrate verharrte bei 3.7%. Die von der US-Notenbank bevorzugte Kernrate blieb mit 3.3% konstant und lag damit innerhalb der Markterwartungen. Gleichzeitig stagnierte der reale Konsum nach kräftigen Zuwächsen in den beiden Vormonaten. Die Kombination aus weiterhin erhöhtem, aber nicht weiter zunehmendem Preisdruck und schwächerer Konsumdynamik spricht dafür, dass die Fed im September vorerst an ihrer abwartenden Haltung festhält.
Matthias Müller
8021 Zürich
Dominik Schmidlin
8021 Zürich
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