08. September 2026, Tägliche Marktsicht
Novartis belastet den SMI zum Wochenauftakt
Der Schweizer Aktienmarkt startete deutlich schwächer in die Woche. Belastend wirkten die Kursschwäche bei Novartis sowie die höheren Ölpreise. Im Fokus stehen heute die Kapitalmarkttage von OC Oerlikon und Sandoz.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -0.81%, SPI: -0.69%, SMIM: -0.47%
Der Schweizer Aktienmarkt ist mit deutlichen Verlusten in die neue Woche gestartet. Belastet wurde der SMI (-0.8%) insbesondere vom Kurseinbruch des Schwergewichts Novartis nach enttäuschenden Studiendaten. Zusätzlich drückten die erneut gestiegenen Ölpreise und die angespannte Lage im Nahen Osten auf die Stimmung. Zudem fehlten Impulse aus Übersee, wo die US-Börsen feiertagsbedingt geschlossen blieben. Entsprechend verlief der Handel bei dünnem Handelsvolumen insgesamt ruhig. Im Fokus der Anleger stehen nun die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag sowie die US-Inflationsdaten am Freitag. Nach dem starken US-Arbeitsmarktbericht haben zudem die Erwartungen an eine Zinserhöhung der US-Notenbank in der kommenden Woche zugenommen.
Von den 20 SMI-Titeln gingen 13 mit Verlusten aus dem Handel, sechs legten zu und Geberit schloss unverändert. Das Schlusslicht im SMI bildete Swiss Re (-3.6%). Der Rückversicherer warnte beim traditionellen Branchentreffen in Monte Carlo vor höheren Kosten durch Naturkatastrophen wie Stürme, Dürren und Waldbrände. Auch die Erstversicherer gerieten unter Druck. Zurich Insurance (-0.8%) und Swiss Life (-0.6%) schlossen ebenfalls tiefer. Deutliche Verluste verzeichnete auch Novartis (-3.2%). Der Pharmakonzern enttäuschte mit Studiendaten zum Hoffnungsträger Pelacarsen. Das Medikament konnte nicht nachweisen, dass die Senkung einer bestimmten Form von Cholesterin auch das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen reduziert. Analysten hatten dem Präparat bislang ein erhebliches Umsatzpotenzial zugetraut und strichen ihre Schätzungen nach dem Studienmisserfolg aus den Modellen. Auch Roche (-1.0%) und Lonza (-1.2%) mussten Federn lassen. Das dritte Index-Schwergewicht Nestlé (+0.6%) schloss hingegen im Plus. An die Spitze der Gewinner setzte sich ABB (+1.6%). Der Technologiekonzern profitierte von positiven Vorgaben aus Asien, wo insbesondere Chipwerte im Zuge der wieder aufgeflammten KI-Fantasie zugelegt hatten. Ebenfalls gefragt waren Kühne + Nagel (+1.0%), Sika (+0.7%) sowie Amrize und Swisscom (je +0.1%).
Am breiten Markt legte Burkhalter (+1.8%) nach der Vorlage der Halbjahreszahlen zu. Der Gebäudetechniker übertraf die Gewinnerwartungen. Der Türenhersteller Arbonia (+11.3%) sprang nach einer Hochstufung und einer deutlichen Kurszielerhöhung deutlich nach oben. Der Rolltreppen- und Lifthersteller Schindler (-2.7%) geriet hingegen nach einer Abstufung unter Druck. R&S (-5.3%) musste ebenfalls deutliche Abgaben hinnehmen. Der Transformatorenhersteller trennt sich bereits nach etwas mehr als einem Jahr von seinem CEO. Als Grund nannte das Unternehmen unterschiedliche Auffassungen über das Führungsmodell und die Organisationsstruktur.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +0.17%, DAX: -0.15%
Die europäischen Aktienmärkte starteten am Montag wenig verändert in die neue Woche. Vor den anstehenden Zins- und Inflationsdaten hielten sich die Anleger zurück. Zudem fehlten Impulse aus den USA, wo die Börsen feiertagsbedingt geschlossen blieben. Der CAC 40 (+0.3%) und der EuroStoxx 50 (+0.2%) schlossen leicht höher, während der britische FTSE 100 (-0.1%) und der deutsche DAX (-0.2%) nachgaben. Auf Sektorenebene notierten die Bereiche Gesundheit, Immobilien und Kommunikationsdienste auf den hintersten Rängen. Überdurchschnittlich zeigten sich hingegen die Sektoren Technologie, Energie, Industrie und Versorger. Besonders stark entwickelten sich Halbleiterwerte. Infineon (+6.9%) profitierte von starken Vorgaben asiatischer Chipwerte im Zuge der wieder aufgeflammten KI-Fantasie. Auch Schneider Electric (+2.6%) und ASML (+2.3%) legten deutlich zu.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: geschlossen, S&P 500: geschlossen, Nasdaq: geschlossen
Die US-Aktienmärkte blieben gestern aufgrund des Feiertages «Labor Day» geschlossen.
Unternehmensberichte
OC Oerlikon peilt höhere Profitabilität bis 2030 an
OC Oerlikon hat anlässlich des heute stattfindenden Kapitalmarkttags neue Finanzziele bis 2030 vorgestellt. Der Industriekonzern strebt einen Umsatz von über CHF 2 Mrd. an, was einem durchschnittlichen organischen Wachstum von rund 6% pro Jahr bei konstanten Wechselkursen entspricht. Gleichzeitig soll die operative EBITDA-Marge von 17.3% im Jahr 2025 auf über 20% steigen und der ROCE sich von 4.7% auf über 10% mehr als verdoppeln. Als Wachstumstreiber nennt OC Oerlikon insbesondere strukturelle Trends in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Halbleiter, Stromerzeugung, Verteidigung und Elektrifizierung. In der Luftfahrt erwartet das Unternehmen bis 2030 ein jährliches Wachstum des Wartungs- und Reparaturmarktes für Triebwerke von rund 6%, während insbesondere der steigende Strombedarf von KI-Rechenzentren zusätzliche Nachfrage im Bereich Stromerzeugung schaffen soll.
Sandoz peilt höhere Margen und starkes Wachstum an
Sandoz hat anlässlich des heutigen Investorentags neue Mittel- und Langfristziele vorgestellt. Die bisherigen Ziele bis 2028 mit einer Core-EBITDA-Marge von 24% bis 26% wurden bestätigt. Bis 2030 strebt der Generikahersteller ein mittleres bis hohes einstelliges jährliches Umsatzwachstum bei konstanten Wechselkursen sowie eine Core-EBITDA-Marge von 25% bis 27% an (2025: 21.7%). Langfristig soll insbesondere der Ausbau des Biosimilars-Geschäfts das Wachstum und die Profitabilität vorantreiben. Im Rahmen der Strategie «Bio100» will Sandoz den Nettoumsatz bis 2035 gegenüber 2025 mehr als verdoppeln und die Core-EBITDA-Marge auf über 30% steigern. Bis 2040 soll das Portfolio auf mehr als 100 Biosimilars ausgebaut werden, gegenüber derzeit 13. Zur Umsetzung der Bio100-Strategie investiert Sandoz zudem rund USD 300 Mio. in eine neue Biosimilar-Produktionsanlage in Slowenien, die 2029 in Betrieb gehen soll. Bereits im 1. Halbjahr 2026 wuchsen die Biosimilar-Umsätze bei konstanten Wechselkursen um 20% und machten einen Rekordanteil von 33% am Konzernumsatz aus.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.78%; DE: 3.39%; CH: 0.44%
Aufgrund des Feiertags in den USA blieb gestern auch der Handel an den Kapitalmärkten ereignisarm. Diese Woche steht das Zins-Meeting der EZB an. An den Märkten gilt eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte als praktisch ausgemacht. Am Freitag werden zudem die neusten US-Inflationszahlen publiziert. Mit diesen im Hinterkopf wird dann nächste Woche auch die US-Notenbank Fed ihren Zinsentscheid treffen. An den Futures-Märkten wird eine Zinserhöhung aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 60% eingepreist.
Währungen
Euro in Franken: 0.941
US-Dollar in Franken: 0.809
Euro in US-Dollar: 1.163
Wenig Bewegung gestern an den Devisenmärkten: Aus Schweizer Sicht bleibt das Jahr 2026 insofern speziell, dass der Franken trotz geopolitischer Turbulenzen zur Schwäche neigt. Gegenüber dem US-Dollar resultiert seit Anfang Jahr ein Minus von 2.1%. Zum Euro beträgt das Minus rund 1%.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 97.74 pro Fass
Goldpreis: USD 4'428.29 pro Unze
Im Zuge der jüngsten Eskalationen im Nahen Osten hat der Ölpreis in den letzten Tagen weiter zugelegt. Seit Anfang September ist ein Anstieg von rund 7% zu verzeichnen. Der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent liegt damit nur noch wenig unter der Marke von 100 US-Dollar.
Wirtschaft und Konjunktur
Deutschland: Industrieproduktion YoY (Juli)
aktuell: -1.6% (erwartet: 0.0%, Vormonat: -0.5%)
Der Output der deutschen Industriebranche ist im Juli überraschend gesunken. Die Entwicklung ist aber wesentlich auf Sondereffekte in der Automobilindustrie zurückzuführen. In einem Werk ist es aufgrund der Umstellung auf die Fertigung von Elektrofahrzeugen zu einer mehrwöchigen Produktionspause gekommen. Unabhängig davon bleibt die Lage der deutschen Industrie anspruchsvoll. Auch ohne den jüngsten Rückschritt ist das Produktionsvolumen im Vergleich zu Ende 2025 insgesamt zurückgegangen. Die Zahlen zu den neu eingegangenen Aufträgen haben sich in den letzten Monaten zwar verbessert. Ein wesentlicher Teil der Verbesserung ist aber auf die Rüstungsindustrie zurückzuführen.
Schweiz: Arbeitslosenrate (August, saisonbereinigt)
aktuell: 3.1% (erwartet: 3.1%, Vormonat: 3.1%)
Die um saisonale Schwankungen bereinigte Arbeitslosenrate in der Schweiz ist im August stabil geblieben. Die Rate verharrt damit seit Juni bei 3.1%. Zuvor ist sie seit Mitte 2023 tendenziell angestiegen. Der Schweizer Arbeitsmarkt bleibt damit insgesamt robust, trotz anhaltender konjunktureller Unsicherheiten. Die Arbeitslosenrate liegt aber leicht über dem langjährigen Schnitt.
Roman Elbel
8021 Zürich
Anja Felder
8021 Zürich
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