21. Juli 2026, Tägliche Marktsicht
Nahostkonflikt sorgt für verhaltenen Wochenauftakt an den Börsen
Geopolitische Spannungen belasteten am Montag die Börsenstimmung. Heute stehen in der Schweiz die Geschäftszahlen von Also, Bossard, Julius Bär, Lindt & Sprüngli, Novartis, Schindler und Swatch im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -0.62%, SPI: -0.61 %, SMIM: -0.53%
Der Schweizer Aktienmarkt ist mit Verlusten in die neue Woche gestartet. Die erneute Eskalation im Nahostkonflikt belastete die Risikobereitschaft der Anleger und schürte Inflationssorgen. Der Ölpreis stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit Juni. Der Leitindex SMI notierte bei Handelsschluss 0.6% tiefer. Bei den SMI-Titeln standen 16 Kursverlierer lediglich 4 Gewinnern gegenüber. Unter Druck standen insbesondere Bauwerte wie Amrize (-2.8%), Sika (-1.9%), Geberit (-1.0%) und Holcim (-0.7%). Die Aktien von Sika gerieten unter Druck, nachdem die EU-Kommission das Kartellverfahren gegen zehn Bauchemiehersteller und drei Branchenverbände verschärft hatte. Den Unternehmen wird vorgeworfen, zwischen 2021 und 2022 Preisabsprachen getroffen zu haben, um die Preise nach der Corona-Pandemie und dem Ausbruch des Ukrainekriegs anzuheben. Im Falle eines Schuldspruchs drohen Geldbussen von bis zu 10% des weltweiten Jahresumsatzes. Grössere Abgaben verzeichneten zudem die Versicherer Swiss Re (-2.1%), Swiss Life (-1.1%) und Zurich Insurance (-0.7%). Auch die Finanzwerte UBS (-1.2%) und Partners Group (-1.1%) konnten sich dem Trend nicht entziehen. Von den Index-Schwergewichten belasteten Novartis (-1.5%) und Roche (-0.8%) den Gesamtmarkt. Nestlé (+0.2%) konnte sich dagegen leicht im Plus behaupten. Der Nahrungsmittelkonzern kündigte an, seine Produktionskapazitäten im Bereich Tiernahrung auszubauen. Alle drei Unternehmen werden im Verlauf dieser Woche ihre Halbjahreszahlen vorlegen. Dem schwachen Marktumfeld konnten sich lediglich Richemont (+1.3%), Alcon und ABB (je +0.1%) entziehen.
Am breiten Markt standen Belimo (-2.4%) nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen im Fokus. Der Gebäudetechnikspezialist profitiert weiterhin vom KI-bedingten Ausbau grosser Rechenzentren weltweit. Nachdem die Aktie in den vergangenen Wochen im Zuge der nachlassenden KI-Euphorie bereits deutlich unter Druck geraten war, setzten die Anleger ihre Gewinnmitnahmen gestern fort. Polypeptide (+4.8%) zählten zu den grössten Gewinnern. Samsung Biologics unterbreitete dem Peptidhersteller ein Übernahmeangebot im Umfang von CHF 1.46 Mrd. beziehungsweise CHF 44.31 je Aktie. Da der Aktienkurs bereits in den vergangenen Monaten von Übernahmespekulationen profitiert hatte, fiel die gebotene Prämie allerdings vergleichsweise gering aus. Bachem (-1.3%) gerieten dagegen unter Druck, da der Schweizer Branchenführer mit Samsung Biologics künftig einen weiteren finanzkräftigen Konkurrenten erhalten könnte. Clariant (-6.4%) brachen derweil ein. Belastet wurden die Aktien von einer Schadenersatzklage von Dow Europe im Zusammenhang mit einem Wettbewerbsverstoss bei Ethylen-Preisabsprachen sowie einer Abstufung durch einen Broker.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.06%, DAX: +0.06%
Die europäischen Aktienmärkte wurden am Montag weiterhin von den Sorgen um den Iran-Krieg belastet und zeigten sich praktisch unverändert. Leichte Gewinne verzeichneten der deutsche DAX (+0.06%) und der französische CAC40 (+0.02%), während der länderübergreifende Euro Stoxx 50 (-0.06%) und der italienische FTSE MIB (-0.04%) marginal unter der Nulllinie den Handelstag beendeten. Stärker unter Druck geriet der britische FTSE 100 (-0.7%). Im Vereinigten Königreich stand die Ernennung von Andy Burnham zum neuen Premierminister im Fokus. Auf Sektorenebene konnte einzig der Energiesektor Gewinne verzeichnen.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.59%, S&P 500: -0.19%, Nasdaq: -0.05%
Nach dem schwachen Freitag sind die amerikanischen Börsen am Montag verhalten in die neue Woche gestartet. Von einem anfänglich Erholungsversuch im Technologiesektor blieb bis Handelsschluss kaum etwas übrig und der Nasdaq schloss um 0.1% tiefer. Deutlichere Abgaben verzeichneten der marktbreite S&P500 (-0.2%) und der Leitindex Dow Jones (-0.6%). Nvidia (+0.2%) übernahm mit einem leichten Kursplus wieder den Spitzenplatz als wertvollstes börsenkotiertes Unternehmen der Welt, nachdem Apple (-2.1%) nach der jüngst starken Kursentwicklung unter Gewinnmitnahmen litt. Auch weitere Chipwerte wie Marvell (+3.3%), Intel (+2.1%) und Micron (+1.9%) konnten zulegen.
Unternehmensberichte
Bossard beschleunigt Wachstum und steigert Profitabilität
Bossard steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr 2026 um 5.3% auf CHF 575.7 Mio. In Lokalwährungen belief sich das Umsatzwachstum auf 9.7%. Alle drei Regionen verzeichneten Wachstum, wobei Europa auf den Wachstumspfad zurückkehrte und Asien sowie Amerika die Dynamik beschleunigten. Positive Impulse kamen insbesondere aus den Bereichen Schienenfahrzeuge, Halbleiter, Elektronik sowie Luft- und Raumfahrt. Der Betriebsgewinn (EBIT) legte um 32% auf CHF 72.9 Mio. zu. Dies entspricht einer EBIT-Marge von 12.7% (Vorjahr: 10.2%). Unter dem Strich erzielte der Spezialist für Verbindungstechnik einen Reingewinn von CHF 54.7 Mio. nach CHF 38.7 Mio. in der Vorjahresperiode. Bossard konkretisiert seinen Ausblick für das Gesamtjahr. Es wir nun mit einem organischen Umsatzwachstum im Rahmen der mittelfristigen Zielsetzung von über 5% gerechnet. Zudem geht Bossard von einer gegenüber dem Vorjahr verbesserten Profitabilität aus (EBIT-Marge 2025: 10.0%). Die mittelfristigen Ziele eines durchschnittlichen jährlichen organischen Umsatzwachstums von 5% sowie einer EBIT-Marge zwischen 12% und 15% bestätigt das Unternehmen. Mit dem Zahlenset übertrifft Bossard die Analystenerwartungen klar.
Lindt + Sprüngli: Margenverbesserung trotz Volumenrückgang
Lindt + Sprüngli musste im 1. Halbjahr 2026 einen Umsatzrückgang von 0.9% auf CHF 2.33 Mrd. hinnehmen, was vor allem auf den starken Schweizer Franken zurückzuführen war. Anhaltende geopolitische Spannungen und eine weiterhin hohe Marktvolatilität und Inflation beeinflussten das Ergebnis. Organisch betrug das Wachstum 4.3%, wovon Preiserhöhungen von 11.8% massgeblich dazu beitrugen, während der Volumen- und Mixeffekt mit -7.5% weiter deutlich negativ blieb und sich gegenüber dem Gesamtjahr 2025 weiter ausweitete. Grund dafür war eine gedämpfte Konsumentenstimmung sowie schwächerer Tourismus nach Europa aus Asien und dem Mittleren Osten. Der Betriebsgewinn (EBIT) nahm um 0.4% auf CHF 260.2 Mio. zu, was einer 20 Basispunkte höheren Marge entsprach. Unter dem Strich blieb ein 1.5% höherer Reingewinn von CHF 191.7 Mio. Der Schokoladenkonzern hat Preisanpassungen in ausgewählten Märkten eingeleitet und plant verstärkte Marketingaktivitäten. Dadurch sollen die Volumen im 2. Halbjahr stabilisiert und ab 2027 wieder beschleunigt werden. Den Jahresausblick bestätigte das Unternehmen. Es rechnet weiterhin mit einem organischen Umsatzwachstum von 4% bis 6.5% sowie einer Verbesserung der EBIT-Marge um 20 bis 40 Basispunkte. Während Lindt + Sprüngli beim Umsatz und insbesondere beim organischen Wachstum die Markterwartungen verfehlte, übertrafen sowohl der EBIT als auch der Reingewinn die Konsensschätzungen.
Novartis schlägt die Erwartungen trotz Generikadruck
Novartis steigerte im 2. Quartal 2026 den Umsatz um 3% auf USD 14.4 Mrd. Zu konstanten Wechselkursen betrug das Wachstum 1%. Damit gelang dem Pharmakonzern eine Umsatzbeschleunigung im Vergleich zum 1. Quartal 2026, als die Markteinführung von Generika für wichtige Blockbuster den Umsatz belastete. Für das 1. Halbjahr erzielte Novartis einem Umsatz von USD 27.5 Mrd., was einem Anstieg von 1% entspricht. Der operative Gewinn zeigte sich im 1. Halbjahr um 6% rückläufig und betrug USD 9.0 Mrd. Der Rückgang war gemäss Novartis vor allem auf den niedrigeren Bruttogewinn zurückzuführen, teilweise kompensiert durch geringere Rechtskosten und niedrigere Vertriebs- und Verwaltungskosten. Das operative Kernergebnis belief sich auf USD 10.8 Milliarden (-6%). Unter dem Strich erzielte das Unternehmen einen Reingewinn von USD 6.4 Mrd. im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025 von USD 7.6 Mrd. Der Rückgang war vor allem einem geringeren operativen Ergebnis, höheren Ertragssteuern und einem höheren Zinsaufwand geschuldet. Novartis bestätigt den Jahresausblick und rechnet weiterhin mit einem Umsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Beim operativen Kerngewinn rechnet Novartis hingegen mit einem Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Mit dem Zahlenset übertrifft Novartis die Markterwartungen.
Schindler steigert Profitabilität trotz leicht tieferem Umsatz
Schindler verzeichnete im 1. Halbjahr einen Umsatz von CHF 5.33 Mrd., was im Vorjahresvergleich einem Rückgang von 2.9% und einem Wachstum von 1.4% in Lokalwährungen entspricht. Negative Fremdwährungseffekte belasteten das Ergebnis. In Lokalwährungen stieg der Umsatz in allen Regionen mit Ausnahme Chinas. Im 2. Quartal 2026 betrug der Umsatz CHF 2.74 Mrd., was im Vorjahresvergleich einem Rückgang von 0.7% entspricht. Der Auftragseingang stieg im 2. Quartal hingegen leicht um 1.0% auf CHF 2.97 Mrd. Im 1. Halbjahr 2026 erhöhte sich der operative Gewinn (EBIT) auf CHF 706 Mio. (Vorjahr: CHF 675 Mio.). Die EBIT-Marge verbesserte sich um 90 Basispunkte auf 13.2%. Grund für die Verbesserung waren vor allem operative Effizienzsteigerungen, Veränderungen im Produktmix und Preiserhöhungen. Unter dem Strich verzeichnete der Lift- und Rolltreppenhersteller einen Reingewinn von CHF 280 Mio., was einem Anstieg von 2.2% entspricht. Schindler bestätigt die Jahresprognose mit einem Umsatzwachstum im unteren bis mittleren einstelligen Bereich in Lokalwährungen sowie einer EBIT-Marge von rund 13%. Mit den publizierten Zahlen hat Schindler die Markterwartungen beim Auftragseingang und beim EBIT leicht übertroffen, während der Umsatz die Erwartungen leicht verfehlte.
ALSO steigert EBITDA-Marge
Der IT-Retailer ALSO steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr 2026 um 21% auf EUR 8.3 Mrd. Treiber war vorwiegend die Übernahme von Westcoast. 10.9% beruhen auf organischem Wachstum. Der EBITDA legte um 29% auf EUR 162 Mio. zu. Die entsprechende EBITDA-Marge stieg gegenüber der Vorjahresperiode von 1.8% auf 2.0%. Unter dem Strich resultierte ein 61% höherer Reingewinn von EUR 69.4 Mio. Der Ausblick für das Gesamtjahr von einem EBITDA zwischen EUR 300 bis 340 Mio. und ROCE über 20% wurde bestätigt.
Julius Bär steigert verwaltete Vermögen und Halbjahresgewinn auf ein Allzeithoch
Die Privatbank Julius Bär erzielt im 1. Halbjahr 2026 einen mehr als doppelt so hohen Reingewinn von CHF 673 Mio. In der Vorjahresperiode wurde der Reingewinn von CHF 295 Mio. allerdings noch von Wertberichtigungen auf dem Kreditportfolio von CHF 130 Mio. belastet. Das Nettoneugeld erreichte CHF 5.7 Mrd., was annualisiert einem Wachstum von 2.2% entspricht. Die verwalteten Vermögen (AuM) stiegen gegenüber dem Jahresanfang, getragen vom Neugeld, den guten Aktienmärkten und Währungseffekten, um rund 5% auf ein Allzeithoch von CHF 547 Mrd. Der Betriebsertrag nahm um 26% auf CHF 2.23 Mrd. zu. Die entsprechende Bruttomarge lag bei 87 Basispunkten (83 Basispunkte im 1. Halbjahr 2025). Derweil fiel der Geschäftsaufwand nur 2% höher bei CHF 1.46 Mrd. aus. Die adjustierte Kosten-/Ertragsquote verbesserte sich damit von 68.2% auf 62.6%. Mit dem Gewinn und dem Neugeldzufluss wurden die Analystenerwartungen übertroffen.
Swatch übertrifft Umsatzerwartungen, Gewinn enttäuscht
Swatch steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr 2026 um 2.0% auf CHF 3.12 Mrd. Der starke Schweizer Franken schmälerte den Umsatz deutlich, denn in Lokalwährungen betrug der Anstieg 8.5%. Der Betriebsgewinn sank um 23.5% auf CHF 52 Mio. Die entsprechende Marge sank um 50 Basispunkte auf 1.7%. Unter dem Strich erzielte der Uhrenhersteller ein Reingewinn von CHF 16 Mio. nach CHF 17 Mio. in der Vorjahresperiode. Die Beschleunigung des Wachstums im Mai und Juni setzte sich gemäss Swatch auch in den ersten Juliwochen fort. Für das 2. Halbjahr 2026 erwartet Swatch ein deutliches Umsatzwachstum sowie eine spürbare Verbesserung der Profitabilität. Mit den publizierten Zahlen kann Swatch die Markterwartungen auf Stufe Umsatz übertreffen, verfehlt diese allerdings beim Betriebs- und Reingewinn.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.59%; DE: 3.15%; CH: 0.47%
Höhere Ölpreise führen zu mehr Inflation. Dies wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die grossen Notenbanken ihre Leitzinsen erhöhen. Mit dieser Logik sind die Renditen der langjährigen Staatsanleihen gestern erneut angestiegen. Die Rendite der massgebenden 10-jährigen US-Anleihe kratzte dabei an der Marke von 4.6%. Im Vergleich zu Anfang Jahr ist dies ein Anstieg von rund 40 Basispunkten.
Währungen
Euro in Franken: 0.925
US-Dollar in Franken: 0.810
Euro in US-Dollar: 1.142
An den Devisenmärkten hielten sich die Bewegungen zu Wochenbeginn im Rahmen. Ein US-Dollar kostet mit rund 81 Rappen weiterhin rund 2.2% mehr als noch Anfang Jahr. Gegenüber dem Euro verzeichnet der Schweizer Franken im selben Zeitraum ein Minus von rund 0.6%.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 88.60 pro Fass
Goldpreis: USD 4'046.12 pro Unze
Der Ölpreis befindet sich weiterhin im Bereich von 90 US-Dollar und bewegt sich im Takt der Eskalations- und Entspannungsmeldungen aus dem Persischen Golf auf und ab. Gestern hatten Berichte über Vermittlungsversuche zwischenzeitlich für leichte Entspannung gesorgt. Zur Diskussion steht offenbar eine 10-tägige Waffenruhe. Am Nachmittag stieg der Preis aber wieder an, nachdem die jemenitische Huthi-Miliz saudischen Schiffen mit einer Blockade der Ausfahrt aus dem Roten Meer gedroht hatte. Neben der Strasse von Hormus ist die Route vom Roten Meer durch die Meerenge von Bab al-Mandab an der Küste Jemens eine weitere wichtige Schifffahrtsstrasse für Öltanker. Diese hat in den letzten Monaten als alternative Export-Route für saudisches Erdöl nochmals zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Aktuell ist der Ölpreis mit rund 25% über seinem langfristigen Mittelwert. Von den Höchstständen während der Monate März bis Mai ist man aber noch ein gutes Stück entfernt.
Wirtschaft und Konjunktur
Es wurden gestern keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Roman Elbel
8021 Zürich
Tobias Kistler
8021 Zürich
Angela Truniger
8021 Zürich
Anja Felder
8021 Zürich
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