29. Oktober 2026, Tägliche Marktsicht

Microsoft überzeugt, Alphabet nicht

Vor dem US-Zinsentscheid kam der Schweizer Aktienmarkt gestern nicht vom Fleck. In der Schweiz stehen heute die Zwischenergebnisse von Amrize, Avolta, OC Oerlikon und Vontobel im Fokus. In den USA schauen wir auf die Updates von Microsoft und Alphabet.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.11%, SPI: -0.16%, SMIM: -0.05%

Der Schweizer Aktienmarkt schloss gestern trotz vieler Impulse aus der laufenden Quartalsberichtssaison wenig verändert. Vor den mit Spannung erwarteten Zahlen der US-Technologiegrössen Microsoft und Alphabet und vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank war die Stimmung von Zurückhaltung geprägt. Aktien mit Halbleiterbezug erhielten etwas Rückenwind von starken Zahlen des koreanischen Speicherherstellers SK Hynix. Der Swiss Market Index beendete den Handelstag 0.1% tiefer. Im Rampenlicht standen nach den Zwischenberichten die Aktien von UBS, Sandoz und Logitech, die allesamt auf der Verliererseite standen. Die UBS (-0.6%) erfüllte die Erwartungen beim Reingewinn trotz einer besser als erwarteten Neugeldentwicklung nur knapp und profitierte dabei von einem Einmaleffekt. Sandoz (-2.7%) revidierte nach einem verhaltenen Quartal die Umsatzzielsetzung für das Gesamtjahr leicht nach unten, was allerdings vor allem auf Lieferengpässe zurückzuführen war. Stärker unter Druck standen Logitech, die am Ende des Tableaus um 10.8% abstürzten. Beim Peripheriehersteller stiess vor allem der verhaltene Ausblick auf das Weihnachtsquartal auf wenig Gegenliebe. Auf der Gewinnerseite standen mit Zurich Insurance (+0.4%) und Swiss Life (+1.1%) zwei Versicherungswerte. ABB (+1.9%) setzten ihren jüngsten Erholungskurs fort, nachdem sie im Zuge der jüngsten KI-Korrektur zuletzt deutlich unter die Räder geraten waren. Auch Partners Group (+1.4%) knüpften an die vorsichtige Erholungstendenz der letzten Tage an. 

Im breiten Markt lösten die Zahlen von Straumann (-1.1%) trotz eines besser als erwarteten Umsatzwachstums und optimistischen CEO-Kommentaren keine grossen Bewegungen aus. Gefragt waren dafür Dormakaba (+2.6%), nachdem das erstmalig veröffentlichte Quartalsupdate positiv überraschte. Temenos reagierten zunächst positiv auf die bestätigten Jahres- und Mittelfristziele, drehten aber gegen Handelsende noch ins Minus und schlossen 0.1% tiefer. Der Pharmazulieferer Siegfried (-3.7%) wurde von einer vorsichtigen Analystenstudie gebremst. Einen Freudensprung von 8.6% machte Jungfraubahnen, die von einer Kaufempfehlung eines Brokers angetrieben wurde.

Aktienmärkte Europa

Euro Stoxx 50: +0.05%, DAX: +0.44%

Die europäischen Aktienmärkte traten gestern mehrheitlich auf der Stelle. Der Euro Stoxx 50 entfernte sich im Handelsverlauf kaum vom Eröffnungskurs und schloss zuletzt 0.1% höher. Im Rampenlicht stand unter anderem der Bankensektor, da mehrere Institute ihre Quartalsberichte vorlegten. Während Deutsche Bank (+4.0%) und Standard Chartered (+2.4%) positiv überraschten, schaffte es BNP Paribas (+0.3%) nur knapp ins Plus und Santander (-5.6%) stand klar auf der Verliererseite. Noch stärker unter Druck standen die Aktien des holländischen Zahlungsdienstleisters Adyen, die nach einem gekappten Mittelfristausblick um 13.4% kellerten. Ebenfalls unter den Erwartungen blieben die Zahlen der britischen Konsumgüter- und Pharmakonzerne Unilever (-2.1%) und GSK (-4.8%). Einen Freudensprung machten hingegen der Autokonzern Stellantis (+15.4%), nachdem das Quartalsergebnis weniger schlecht als befürchtet ausgefallen war. Allerdings hatte die Aktie in den letzten Jahren einen Mehrjahrestiefststand erreicht.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.19%, S&P 500: +0.28%, Nasdaq: +0.27%

Die US-Aktienmärkte setzten ihre jüngste Erholung gestern fort und schlossen moderat höher. Der Zinsentscheid der US-Notenbank, die den Leitzins erwartungsgemäss unverändert beliess, brachte keine grossen Impulse. Der Technologiesektor setzte seine Erholung nach den starken Zahlen von SK Hynix fort. Der Dow Jones beendete den Handelstag 0.2% höher, während der S&P 500 und der Nasdaq jeweils 0.3% fester schlossen. Die Speicherhersteller Micron (+5.9%) und Sandisk (+7.6%) gehörten im Zuge der Zahlen aus Korea zu den Tagesgewinnern im Technologiesektor. Oracle sprangen um 10.6% nach oben, nachdem der Konzern im Rahmen eines Investorenanlasses sein Umsatzziel deutlich anhob. Das Medizintechnikunternehmen GE Healthcare kletterte nach besser als erwarteten Zahlen und einer angehobenen Guidance um 6.6% nach oben. In die andere Richtung ging es für den Energietechnikkonzern GE Vernova (-1.8%), das von einer Akquisition gebremst wurde. Keine grossen Ausschläge lösten die Zahlen von Visa (-0.3%) aus, nachdem sich die Aktie des Zahlungsdienstleisters bereits sehr stark entwickelt hatte.

Unternehmensberichte

Amrize kürzt Jahresziele nach schwächer als erwartetem Quartal
Amrize steigerte den Umsatz im 3. Quartal um 2.2% auf USD 3.8 Mrd. Der operative Gewinn auf Stufe EBITDA erhöhte sich lediglich um 0.2% auf USD 1.1 Mrd. Die entsprechende Marge sank von 29.1% auf 28.5%. Belastet wurde das operative Ergebnis weiterhin von den gestiegenen Diesel- und Rohwarenpreisen. Unter dem Strich verblieb dem Baustoffkonzern ein 3.3% höherer Reingewinn von USD 558 Mio. Die Jahreszielsetzung wird leicht nach unter angepasst. Neu rechnet das Management mit einem Jahresumsatz von USD 12.2 bis 12.4 Mrd. (zuvor USD 12.5 bis 12.7 Mrd.) und einem EBITDA von USD 2.95 bis 3.05 Mrd. (zuvor: USD 3.1 bis 3.2 Mrd.). Das Ergebnis bleibt unter den Analystenerwartungen.

Avolta zeigt operative Fortschritte trotz Gegenwind
Avolta hat in den ersten neun Monaten 2026 einen bereinigten Umsatz von CHF 10.44 Mrd. erzielt, was einem Wachstum von 0.3% entspricht. Das organische Umsatzwachstum, d.h. ohne Fremdwährungs- und Akquisitionseinflüsse lag bei 4.1%. Im 3. Quartal beschleunigte sich das organische Umsatzwachstum auf 4.6%, nach 2.9% im Vorquartal. Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich gegenüber dem Vorquartal auf 11.6%, lag damit aber noch 40 Basispunkte unter dem Vorjahresniveau. Über neun Monate sank die Marge um 20 Basispunkte auf 10.0%. Belastend wirkten weiterhin die Auswirkungen des Iran-Kriegs sowie die Anlaufkosten neuer Standorte, deren Einfluss jedoch zunehmend nachlässt. Im Oktober setzte sich das organische Wachstum mit rund 4% fort. Avolta bestätigte die Mittelfristziele bis 2027 mit einem jährlichen organischen Umsatzwachstum von 5% bis 7% und einer Verbesserung der bereinigten EBITDA-Marge um 20 bis 40 Basispunkte pro Jahr. Mit den vorgelegten Zahlen übertraf Avolta die Markterwartungen sowohl beim Umsatz als auch beim freien Geldfluss, während die EBITDA-Marge im Rahmen der Erwartungen lag.

OC Oerlikon bestätigt Jahreszielsetzung nach starkem Quartal
OC Oerlikon veröffentlichte heute Morgen einige Eckdaten zum 3. Quartals 2026. Das Industrieunternehmen steigerte den Bestellungseingang im Vergleich zum Vorjahresquartal um 15.9% auf CHF 458 Mio. Der Umsatz erhöhte sich um 10.8% auf CHF 421 Mio. Positiv entwickelte sich die Nachfrage nach den Beschichtungslösungen von OC Oerlikon insbesondere in den Endmärkten Luftfahrt, Energieerzeugung und Allgemeine Industrie. Der mit dem Halbjahresergebnis angehobene Ausblick, der ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und eine operative Marge zwischen 18.5% und 19.5% umfasst, wurde bestätigt. Das Zwischenergebnis übertrifft die Analystenerwartungen.

Vontobel bleibt bei der Neugeldentwicklung unter den Erwartungen
Vontobel steigerte die verwalteten Vermögen in den ersten neun Monaten um 6% auf CHF 255.1 Mrd. Neben der positiven Marktentwicklung und unterstützenden Währungseffekten zog die Privatbank zwischen Januar und September Nettoneugelder von CHF 1.9 Mrd. an. Der Analystenkonsens hatte im Vorfeld mit einer stärkeren Neugeldentwicklung gerechnet.

Microsoft liefert besser als erwartetes Quartalsergebnis ab
Microsoft legte gestern Abend nachbörslich das Ergebnis zum 1. Geschäftsquartal 2026/27 vor. Der Umsatz stieg dank einem starken Wachstum in der Cloud-Sparte um 19% auf USD 92.3 Mrd. Der operative Gewinn erhöhte sich um 21% auf USD 45.09 Mrd. und unter dem Strich verblieb dem Konzern ein 19% höherer bereinigter Reingewinn von USD 36.4 Mrd. Damit übertraf der Technologiekonzern die Analystenerwartungen. Auch die etwas tiefer als erwartet ausgefallenen Investitionen waren eine positive Überraschung. Im nachbörslichen Handel gewannen die Aktien rund 3% dazu.

Alphabet verfehlt Erwartungen bei Umsatz und Gewinn
Das Google-Mutterhaus Alphabet steigerte den Umsatz im abgelaufenen 3. Quartal um 25% auf USD 127.6 Mrd. Der Umsatz im Cloud-Bereich sprang um 103% auf USD 30.7 Mrd. nach oben, während er im Bereich Google Services lediglich um 11% auf USD 96.3 Mrd. anstieg. Schwächer als erwartet fielen dabei die Werbeerlöse aus, die um rund 12% auf USD 63.4 Mrd. stiegen. Dank eines Anstiegs des operativen Gewinns um 30% auf USD 40.6 Mrd. erhöhte sich die operative Marge um 100 Basispunkte auf 32%. Der Reingewinn sank um 25% auf USD 26.2 Mrd. Der Gewinnrückgang ist vor allem auf Kursschwankungen bei den Beteiligungen zurückzuführen, unter anderem auf die Beteiligung an SpaceX. Das Zwischenergebnis blieb klar unter den Analystenerwartungen, worauf die Aktie nachbörslich um rund 9% nachgab.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 5.02%; DE: 3.37%; CH: 0.51%

Die Renditen langlaufender Staatsanleihen tendierten gestern im Vorfeld des Zinsentscheids der US-Notenbank leicht höher. Heute richtet sich die Aufmerksamkeit auf die EZB, bevor morgen die Bank of Japan die geldpolitisch ereignisreiche Woche abschliesst. Die EZB dürfte ihren Leitzins unverändert bei 2.5% belassen. Umso stärker stehen die begleitenden Kommentare zum weiteren geldpolitischen Kurs im Fokus. Während bei der Fed die anhaltenden Inflationsrisiken und die verschärften Finanzierungsbedingungen im Vordergrund stehen, richtet sich die Aufmerksamkeit bei der EZB insbesondere auf die Turbulenzen am französischen Anleihenmarkt und die erneut gestiegenen Energiepreise.

Währungen

Euro in Franken: 0.924
US-Dollar in Franken: 0.828
Euro in US-Dollar: 1.115

Am Devisenmarkt bewegten sich die Wechselkurse am Mittwoch weitgehend seitwärts. Im Vorfeld der Zinsentscheide von Fed und EZB hielten sich die Marktteilnehmer mit grösseren Positionierungen zurück. Auch die anschliessende Pressekonferenz der US-Notenbank sorgte kaum für Bewegungen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 115.32 pro Fass
Goldpreis: USD 4'067.35 pro Unze

Der Brent-Ölpreis verharrt weiterhin nahe Marke von 115 US-Dollar pro Fass. Trotz wiederkehrender diplomatischer Bemühungen im Nahen Osten zeichnet sich keine Einigung ab. Gleichzeitig wird über erneute US-Angriffe auf den Iran nach den amerikanischen Zwischenwahlen spekuliert. Die Ölexporte aus der Golfregion haben sich trotz anhaltender Angriffe deutlich erholt. Bleiben die Lieferströme stabil und eine weitere Eskalation aus, könnte die geopolitische Risikoprämie zurückgehen und sich der Ölpreis mittelfristig wieder in Richtung 100 US-Dollar bewegen. Eine Entspannung am Ölmarkt wäre damit allerdings noch keine Lösung des Iran-Konflikts.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Fed-Leitzinsentscheid
aktuell: 3.75%-4.00% (erwartet: 3.75%-4.00%, letzter: 3.75%-4.00%)

Die US-Notenbank hat ihren Leitzins wie erwartet unverändert belassen. Trotz der weiterhin hohen Inflation sieht die Fed vorerst keinen unmittelbaren Handlungsbedarf und will zusätzliche Konjunktur- und Inflationsdaten abwarten. Der Entscheid fiel allerdings nicht einstimmig aus. Zwei Mitglieder des Offenmarktausschusses sprachen sich für eine weitere Zinserhöhung um 0.25 Prozentpunkte aus. Dies unterstreicht die unterschiedlichen Einschätzungen zum anhaltenden Inflationsdruck. Fed-Chef Kevin Warsh vermied konkrete Hinweise zum weiteren geldpolitischen Kurs und betonte die Unabhängigkeit der Notenbank. Neu ist zudem die geplante Reduktion der jährlichen Zinsentscheide von acht auf sieben im Jahr 2027 und sechs ab 2028. An den Finanzmärkten löste der Entscheid kaum Reaktionen aus.

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Ihr nächster Schritt

Möchten Sie unsere Research-Berichte als Newsletter erhalten? Abonnieren Sie die Themen-Newsletter unseres Investment Centers oder verschaffen Sie sich mit unserem kompakten Anlagemagazin /sicht einen Gesamtüberblick.