22. Oktober 2026, Tägliche Marktsicht
Mehrere Prognoseerhöhungen nach starken Quartalszahlen
Mit den Zwischenberichten von Nestlé, Roche, Galderma, Kühne + Nagel, Schindler und EMS-Chemie nimmt die Quartalsberichtssaison in der Schweiz so richtig an Fahrt auf. Nach mehrheitlich starken Zahlen haben gleich mehrere Unternehmen heute ihre Jahresziele erhöht.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.51%, SPI: +0.55%, SMIM: +0.74%
Nach einem verhaltenen Start drehte der Schweizer Aktienmarkt gestern im Tagesverlauf klar in die Pluszone und knüpfte damit an die jüngste Aufwärtstendenz an. Während aus dem einheimischen Unternehmensbereich nur wenig Neues berichtet wurde, sorgen besser als erwartete Zahlen von SpaceX für eine Erholung bei den Technologiewerten. Der SMI beendete den Handelstag 0.5% höher. Weit vorne im Tableau stand Logitech (+1.6%). Der Computerzubehörhersteller spürte den Rückenwind aus dem US-Technologiebereich. ABB (+1.2%) zeigte nach dem zahlenbedingten Kursminus vom Vortag eine leichte Gegenbewegung. Während von den grossen Pharmawerten Novartis (+0.3%) und Roche (+0.5%) keine grossen Impulse kamen, zogen Sandoz (+1.8%) an der Spitze des Tableaus ohne spezifische Neuigkeiten deutlich an. Auf der Verliererseite des Tableaus litten Lonza (-0.2%) und Galderma (-0.4%) unter Gewinnmitnahmen.
Bei den Nebenwerten gehörten technologienahe Werte und KI-Profiteure wie Belimo (+4.2%), Huber + Suhner (+2.2%), Accelleron (+2.2%) und Sensirion (+3.3%) zu den Tagesgewinnern. Der Halbleiterzulieferer Comet (+3.7%) setzte seinen Anstieg nach der positiv aufgenommenen Zahlenvorlage vom Mittwoch fort, aber auch VAT (+0.9%) und Inficon (+2.6%) waren gefragt. Der Marktdienstleister DKSH (+4.1%) erhielt Rückenwind von einer Kaufempfehlung eines Brokers, der die Aktie auf ein Mehrjahreshoch beförderte. Adecco (+9.1%) sprangen beflügelt von positiven Quartalszahlen des niederländischen Konkurrenten Randstad deutlich nach oben.
Aktienmärkte Europa
Euro Stoxx 50: +1.40%, DAX: +1.35%
Beflügelt von den starken Zahlen aus dem US-Technologiesektor und positiv aufgenommenen Quartalszahlen tendierten die europäischen Aktienmärkte gestern deutlich nach oben. Der länderübergreifende Euro Stoxx 50 schloss 1.5% höher. Auf Einzeltitelebene standen unter anderem die Aktien des dänischen Logistikkonzerns DSV im Fokus. Der Konkurrent von Kühne + Nagel übertraf mit seinem Zwischenbericht die Erwartungen der Analysten, worauf die Aktie um 15.1% nach oben sprang. Beim niederländischen Arbeitsvermittler Randstad löste das besser als erwartete Quartalsergebnis sogar einen Kurssprung von 20.1% aus. Der französische Brillenkonzern EssilorLuxottica (+15.5%) konnte mit starken Umsatzzahlen die Bedenken über eine Marktabschwächung beruhigen. In die andere Richtung ging es für den französischen Supermarktkonzern Carrefour (-13.8%), der wegen der anhaltenden Ausschreitungen seine Jahresprognose kappte.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +0.69%, S&P 500: +0.58%, Nasdaq: +1.05%
Unterstützt durch die starken Zahlen von SpaceX und Super Micro Computer schlossen die amerikanischen Aktienmärkte gestern höher. Der Dow Jones zog um 0.7% an, während der S&P 500 0.6% höher schloss. Der technologielastige Nasdaq beendete den Handelstag 1.1% höher. Die Aktien von SpaceX zogen nach den deutlich besser als erwarteten Quartalszahlen zwischenzeitlich bis zu 12% an und gingen schliesslich 7.8% höher aus dem Handel. Nachdem Elon Musk erneut einen möglichen Zusammenschluss mit Tesla in den Raum stellte, zogen die Aktien des Elektroautoherstellers um 3.4% an. Die Aktien des KI-Serverherstellers Super Micro Computer kletterten nach einem besser als erwarteten Zwischenbericht um 9.6% nach oben. Negativ aufgenommen wurde das Update von Netflix (-5.3%), das im letzten Quartal deutlich schwächer als erwartet gewachsen ist. Der Telekomkonzern AT&T (-6.5%) wurde ebenfalls von schwächer als erwarteten Quartalszahlen in Mitleidenschaft gezogen.
Unternehmensberichte
Nestlé übertrifft Erwartungen dank stärkerem Mengenwachstum
Nestlé konnte das Umsatzwachstum im dritten Quartal beschleunigen und erzielte bei einem Umsatz von CHF 22.76 Mrd. ein organisches Wachstum von 4.0%. Davon entfielen 2.8% auf das Mengenwachstum und 1.1% auf Preiserhöhungen. Besonders erfreulich entwickelte sich das Wassergeschäft mit einem organischen Wachstum von 12.3%. Auch die Tiernahrung überzeugte mit einem organischen Wachstum von 5.3%. Den Jahresausblick bestätigte Nestlé. Für 2026 erwartet der Konzern weiterhin ein organisches Umsatzwachstum von 3% bis 4% sowie eine Verbesserung der bereinigten operativen Marge gegenüber dem Vorjahr. Im Rahmen des Quartalsupdates gab Nestlé zudem bekannt, dass das Russlandgeschäft per Ende September entkonsolidiert wurde, nachdem die russischen Behörden die operative Kontrolle übernommen hatten. Die Auswirkungen auf das bereinigte Jahresergebnis dürften begrenzt bleiben. Nestlé übertraf die Markterwartungen beim organischen Wachstum deutlich. Insbesondere die Beschleunigung des Mengenwachstums ist positiv zu werten und deutet auf eine zunehmende operative Verbesserung hin.
Roche bestätigt nach solidem Umsatzupdate die Jahresziele
Roche legte heute Morgen Umsatzzahlen zu den ersten 9 Monaten vor. Der Pharmakonzern steigerte den Umsatz zwischen Januar und September um 1% auf CHF 46.5 Mrd. Währungsbereinigt erreichte der Pharmakonzern damit ein Wachstum von 6%. Im 3. Quartal stieg der Umsatz währungsbereinigt um 7%, nachdem sich der Währungsgegenwind zuletzt abgeschwächt hatte. In der Pharmasparte stieg der Umsatz währungsbereinigt in den ersten 9 Monaten um 7% auf CHF 36.2 Mrd. Die Diagnostiksparte verzeichnete ein Wachstum von 4% auf CHF 10.3 Mrd. Die Zielsetzung für das Gesamtjahr, die einen währungsbereinigten Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich und einen Kerngewinnanstieg im hohen einstelligen Prozentbereich umfasst, wurde bestätigt. Gewinnzahlen legt das Unternehmen erst wieder mit dem Jahresupdate vor. Das Umsatzupdate fällt besser aus als die Analystenerwartungen.
Galderma erhöht Umsatzprognose nach starkem Quartal erneut
Galderma steigerte den Umsatz in den ersten 9 Monaten um 27.5% auf CHF 4.8 Mrd. Währungsbereinigt erreichte der Dermatologiekonzern ein Wachstum von 25.1%. Sämtliche Segmente trugen zur starken Entwicklung bei. Am stärksten entwickelte sich das Medikamentengeschäft, das dank dem Dermatitis-Medikament Nemluvio einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von 64.4% verzeichnete. Der Hauptpflegebereich wuchs um 16.2%, während das Geschäft mit ästhetischen Schönheitsprodukten einen um 13.2% höheren Umsatz erreichte. Die Zielsetzung für das Gesamtjahr wird erneut angehoben. Neu prognostiziert das Management für 2026 ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 22.5% bis 23.5%. Im Sommer hatte das Unternehmen noch mit 19% bis 21% gerechnet. Die EBITDA-Marge wird weiterhin bei ungefähr 26% erwartet. Margen- und Gewinnzahlen wird das Unternehmen erst wieder mit den Jahreszahlen präsentieren. Das Umsatzupdate liegt über den Analystenerwartungen.
Kühne + Nagel mit Prognoseerhöhung nach starkem Quartal
Kühne + Nagel vermeldete für das 3. Quartal 2026 einen Anstieg beim Nettoumsatz von 22% auf CHF 7.39 Mrd. Der um den Einfluss der Frachtraten bereinigte Bruttogewinn stieg um 13% auf CHF 2.4 Mrd. Der operative Gewinn (EBIT) sprang um 53% auf CHF 316 Mio. nach oben. Angetrieben wurde der starke Gewinnanstieg vor allem von einer starken Entwicklung in der Luftfracht, wo der EBIT um 84% auf CHF 169 Mio. anstieg. Aber auch das Seefracht-Geschäft zeigte mit einem EBIT-Anstieg von 55% auf CHF 172 Mio. eine starke Entwicklung. Unter dem Strich verblieb dem Frachtlogistikkonzern ein Reingewinn von CHF 840 Mio., 53% höher als im Vorjahresquartal. Als Folge des starken Quartals wird der Ausblick für das Gesamtjahr angehoben. Neu rechnet das Management mit einem EBIT von CHF 1.5 bis 1.6 Mrd. (zuvor: CHF 1.35 bis 1.55 Mrd.). Der Zwischenbericht übertrifft die Analystenerwartungen.
Schindler mit mehr Aufträgen im 3. Quartal
Schindler steigerte den Auftragseingang im 3. Quartal um 10.3% auf CHF 8.7 Mrd. Bereinigt um Währungseinflüsse stieg der Auftragseingang um 11.5%. Nach der verhaltenen Entwicklung im 1. Halbjahr spürte der Aufzugsbauer im 3. Quartal damit eine deutliche Beschleunigung. Der Umsatz erhöhte sich währungsbereinigt um 5.1% auf CHF 2.8 Mrd. Der operative Gewinn (EBIT) erhöhte sich dank Effizienzsteigerungen, einem veränderten Produktmix und Preiserhöhungen währungsbereinigt um 12.7% auf CHF 396 Mio. Dies entspricht einer EBIT-Marge von 13.8%, 60 Basispunkte höher als im Vorjahresquartal. Unter dem Strich verblieb dem Konzern ein 17% höherer Quartalgewinn von CHF 310 Mio. Das EBIT-Margenziel für 2026 wird von 13.0% auf 13.5% angehoben. Beim Umsatz prognostiziert Schindler weiterhin ein währungsbereinigtes Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Das Quartalsergebnis fällt etwas besser aus, als von den Analysten erwartet.
EMS-Chemie hebt Umsatzprognose leicht an
EMS-Chemie hat in den ersten 9 Monaten 2026 den Umsatz um 1.2% auf CHF 1.51 Mrd. gesteigert. In lokalen Währungen resultierte ein Wachstum von 4.2%, wobei negative Währungseffekte das ausgewiesene Wachstum um 3 Prozentpunkte schmälerten. Der Hauptbereich Hochleistungspolymere wuchs um 1.6% auf CHF 1.37 Mrd., während die Spezialchemikalien einen Rückgang von 2.1% verzeichneten. Trotz der schwachen Automobilkonjunktur profitierte EMS-Chemie von neuen Kundenprojekten und margenstarken Spezialprodukten. Gestiegene Rohstoffkosten wurden durch Preiserhöhungen kompensiert. Gewinnzahlen für die ersten neun Monate veröffentlicht das Unternehmen nicht. Für 2026 erwartet EMS-Chemie neu einen Umsatz auf Vorjahresniveau statt eines leichten Rückgangs. Die Prognose eines leicht höheren operativen Gewinns (EBIT) bleibt unverändert. Insgesamt übertraf EMS-Chemie die Markterwartungen leicht.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 5.12%; DE: 3.42%; CH: 0.53%
Nach den deutlichen Schwankungen der Vorwoche bewegten sich die Zinsen gestern wie bereits zu Wochenbeginn nur geringfügig. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg erstmals seit 2002 auf über 5% an. Gleichzeitig weitete sich der Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen auf 1.6% und damit auf den höchsten Stand seit 15 Jahren aus. Hintergrund sind die wachsenden Zweifel, ob Frankreich eine Einigung auf einen Haushalt erzielen kann, der die hohe Staatsverschuldung nachhaltig adressiert.
Währungen
Euro in Franken: 0.926
US-Dollar in Franken: 0.824
Euro in US-Dollar: 1.123
Der Euro steht gegenüber dem Franken und dem US-Dollar weiterhin unter Druck. Die anhaltend hohen Energiepreise und die damit verbundenen Inflationssorgen belasten die europäische Gemeinschaftswährung. Hinzu kommen politische und fiskalische Unsicherheiten in Frankreich, welche die Sorgen um die europäischen Staatsfinanzen verstärken. Der Franken profitiert in diesem Umfeld von seiner Rolle als sicherer Hafen. Das EUR/CHF-Währungspaar fiel zuletzt auf den tiefsten Stand seit drei Monaten.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 111.18 pro Fass
Goldpreis: USD 4'074.43 pro Unze
Die Ölpreise sind gestern wieder leicht angestiegen. Die Nordseesorte Brent hat erneut die Marke von 110 US-Dollar je Fass überschritten. Ausschlaggebend waren erneute Drohnenangriffe auf ein Ölfeld und einen Flughafen in Saudi-Arabien. Trotz der anhaltenden Angriffe auf Handelsschiffe haben die Transportmengen aus der Golfregion seit dem Sommer deutlich zugenommen. Die wichtige Handelsroute ist weiterhin anfällig für Angriffe, während hohe Versicherungsprämien den Öltransport verteuern. Entsprechend bleibt das Potenzial für eine nachhaltige Entspannung am Ölmarkt begrenzt.
Wirtschaft und Konjunktur
Gestern wurden keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Matthias Müller
8021 Zürich
Dominik Schmidlin
8021 Zürich
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