07. August 2026, Tägliche Marktsicht
Konsolidierung am Schweizer Markt
Nach dem seit Wochenbeginn anhaltenden Aufwärtstrend legte der Schweizer Aktienmarkt gestern eine Verschnaufpause ein. Heute stehen in der Schweiz die Geschäftszahlen von Amrize und Mobimo im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -0.23%, SPI: -0.15%, SMIM: +0.07%
Der Schweizer Aktienmarkt startete zwar freundlich in den Handel, konnte die anfänglichen Gewinne jedoch nicht bis zum Handelsschluss behaupten und der SMI schloss letztlich 0.2% tiefer. Damit wurde der seit Wochenbeginn anhaltende Aufwärtstrend vorerst unterbrochen. Von den 20 Blue Chips im SMI schlossen sechs Titel im Plus. Für Bewegung sorgten die Halbjahresergebnisse von drei SMI-Schwergewichten. An der Spitze des Index stand Swisscom (+4.4%). Der Telekomkonzern präsentierte ein leicht besser als erwartetes Zahlenset. Insbesondere das Schweizer Kerngeschäft entwickelte sich erfreulich, zudem machten sich positive Synergieeffekte aus der Fusion von Vodafone Italia und Fastweb bemerkbar. Ebenfalls überzeugen konnte Swiss Re (+0.7%), deren Halbjahreszahlen die Markterwartungen übertrafen. Deutlich negativer reagierten die Anleger hingegen auf die Ergebnisse von Zurich Insurance (-3.0%). Obwohl der Versicherer seine Mittelfristziele anhob und die Resultate insgesamt über den Erwartungen lagen, wurden nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate Gewinne mitgenommen. Ebenfalls unter Druck standen die bau- und baunahen Unternehmen. Holcim verlor 0.1%, Geberit schloss 0.2% tiefer, während Amrize (-1.7%) und Sika (-2.2%) deutlich stärkere Einbussen verzeichneten.
Im breiten Markt gab Galenica trotz eines soliden Halbjahresergebnisses um 1.1% nach. OC Oerlikon (+0.1%) schloss nahezu unverändert, obwohl das Unternehmen ein besseres Ergebnis präsentierte und den Ausblick anhob. Adecco verlor nach einem gemischten Zahlenset 3.3%. Zu den grössten Gewinnern am breiten Markt zählte GAM. Die Aktie sprang nach der Vorlage der Halbjahreszahlen um 21.7% nach oben.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +0.39%, DAX: +0.05%
Die europäischen Aktienmärkte präsentierten sich gestern mehrheitlich freundlich. Einzig der britische FTSE 100 (-0.2%) schloss leicht im Minus. Die stärksten Avancen verzeichnete der spanische IBEX 35 (+0.6%). Für die positive Stimmung sorgten Hoffnungen auf eine Wiederöffnung der Strasse von Hormus und eine damit verbundene Entspannung im internationalen Handel. Auf Sektorenebene zählten Kommunikationsdienste, Technologie und Energie zu den Gewinnern. Unterdurchschnittlich entwickelten sich hingegen die Bereiche Immobilien, Industrie und Grundstoffe. Im DAX standen die Aktien der Deutschen Telekom mit einem Plus von 6.3% an der Spitze. Der Telekomkonzern überzeugte mit starken Halbjahresergebnissen und hob nach den soliden Resultaten der US-Tochter T-Mobile US den Ausblick für den freien Cashflow im Gesamtjahr an. Zudem kündigte das Unternehmen ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm im Umfang von EUR 3 Mrd. an. Siemens (-4.5%) gehörte hingegen zu den grössten Verlierern im Leitindex. Trotz solider Geschäftszahlen kam es zu Gewinnmitnahmen, da sich die Marktteilnehmer angesichts der anhaltend hohen Erwartungen an die Nachfrage aus dem Rechenzentrumsbereich einen stärkeren positiven Impuls erhofft hatten.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.85%, S&P 500: -0.18%, Nasdaq: -0.06%
Die US-Aktienmärkte starteten zwar mit positiven Vorzeichen in den Handel, gaben ihre Gewinne im Tagesverlauf jedoch zunehmend ab. Letztlich schlossen alle drei wichtigen Indizes im Minus. Belastet wurde die Marktstimmung von Sorgen über eine restriktivere Geldpolitik nach Aussagen von Lisa Cook, Mitglied des Gouverneursrats der US-Notenbank Fed. Sie signalisierte, dass eine Zinserhöhung in Betracht gezogen werden könnte, sollte sich der Inflationsdruck nicht abschwächen. Der Dow Jones verlor 0.9%, während der marktbreite S&P 500 (-0.2%) und der technologielastige Nasdaq (-0.1%) moderat nachgaben. Letztere hatten zur Wochenmitte noch neue Höchststände erreicht. Nach dem deutlichen Kursverlust vom Mittwoch konnte sich SpaceX wieder etwas stabilisieren. Am Vortag hatten unter anderem die Freigabe von Aktien aus einer gestaffelten Haltefrist sowie eine skeptische Beurteilung der ambitionierten Zukunftspläne auf dem Titel gelastet.
Unternehmensberichte
Amrize mit gemischtem Zahlenset
Amrize legte gestern nach US-Börsenschluss die Ergebnisse für das zweite Quartal vor. Der Umsatz nahm um 8.6% auf USD 3.49 Mrd. zu, organisch resultierte ein Wachstum von 6.7%. Eine hohe Nachfrage nach Grossprojekten in den Bereichen Rechenzentren, Infrastruktur und Energie trug neben Preiserhöhungen massgeblich zum Wachstum bei. Die grösste Sparte Building Materials steigerte den Umsatz um 8.2% auf USD 2.45 Mrd., während die Erlöse im Bereich Building Envelope um 9.4% auf USD 1.05 Mrd. zunahmen. Der bereinigte operative Gewinn (adj. EBITDA) erhöhte sich um 5.8% auf USD 986 Mio. Die entsprechende Marge reduzierte sich hingegen um 80 Basispunkte auf 28.2%, was insbesondere auf höhere Fracht-, Diesel- und Rohmaterialkosten zurückzuführen war. Unter dem Strich resultierte ein um 14.4% höherer Reingewinn von USD 476 Mio. Amrize passte im Zuge der Zahlenvorlage den Jahresausblick an. Neu wird ein Umsatz in der Bandbreite von USD 12.5 bis 12.7 Mrd. (zuvor: USD 12.29 bis 12.52 Mrd.) erwartet. Gleichzeitig wurde die Prognose für das bereinigte EBITDA auf USD 3.1 bis 3.2 Mrd. gesenkt (zuvor: USD 3.25 bis 3.34 Mrd.). Als Gründe nannte das Unternehmen die höhere Nachfrage bei gleichzeitig gestiegenem Kostendruck. Das Kosteneinsparungsprogramm «Aspire» sei derweil auf Kurs, im Gesamtjahr Einsparungen von USD 80 Mio. zu erzielen. Insgesamt fällt das Zahlenset gemischt aus. Während Amrize beim Umsatz die Markterwartungen übertraf, blieben das bereinigte EBITDA und der Reingewinn hinter den Erwartungen zurück.
Mobimo mit höherem Mietertrag und positiven Neubewertungseffekten
Mobimo konnte im ersten Halbjahr 2026 den Mietertrag um 2.2% auf CHF 74.2 Mio. steigern. Die Mietertragsbasis dürfte im zweiten Halbjahr dank der Portfoliozugänge weiter zulegen. Dazu tragen unter anderem neu hinzukommende Mieterträge aus fertiggestellten Entwicklungsprojekten bei. Der Erfolg aus Entwicklungen und Verkauf (Promotion) lag hingegen 21% tiefer bei CHF 24.6 Mio. Das Betriebsergebnis (EBIT) inklusive Neubewertungen erhöhte sich deutlich auf CHF 166.4 Mio., nach CHF 144.5 Mio. in der Vorjahresperiode. Gestützt wurde das Ergebnis somit erneut von positiven Neubewertungseffekten. Ohne Neubewertungen fiel der EBIT hingegen um 5.2% auf CHF 69.2 Mio. zurück. Unter dem Strich resultierte ein Unternehmensgewinn von CHF 47.9 Mio., was einem Rückgang von 7.0% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich auf 47.7%, während der Belehnungsgrad (LTV) bei 43.6% lag. Für das Gesamtjahr 2026 zeigt sich Mobimo weiterhin zuversichtlich und bestätigt die kommunizierten Ziele. Das Unternehmen erwartet ein organisches Wachstum des Mietertrags von rund 3% sowie einen Erfolg aus Entwicklungen und Verkauf Promotion von mindestens CHF 25 Mio. Die Leerstandsquote soll auf rund 4% sinken. Unterstützend wirken dabei neu anlaufende Mietverträge im Office Tower an der Hardturmstrasse in Zürich.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.68%; DE: 3.14%; CH: 0.37%
Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe ist am gestrigen Handelstag – im Einklang mit dem steigenden Ölpreis – wieder deutlich angestiegen. Sie liegt damit nur noch knapp unter der Marke von 4.70%. Die Schweizer Kapitalmarktzinsen wurden davon für einmal nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die Rendite der 10-jährigen Eidgenossenanleihe fiel sogar leicht zurück und notiert weiterhin unter der Marke von 0.40%.
Währungen
Euro in Franken: 0.936
US-Dollar in Franken: 0.813
Euro in US-Dollar: 1.152
Der US-Dollar notierte gestern gegenüber sämtlichen G10-Währungen stärker. Im Fokus steht nun der US-Arbeitsmarktbericht von heute Nachmittag, der neue Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der Fed liefern dürfte. Weiterhin keine grossen Bewegungen verursacht die gemeinsame Intervention Japans und der US-Notenbank. Entsprechend bestehen Zweifel, ob damit eine dauerhafte Aufwertung des Yen erreicht werden kann.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 83.80 pro Fass
Goldpreis: USD 4'271.91 pro Unze
An den Rohwarenmärkten warten die Marktteilnehmer weiterhin auf die von US-Präsident Trump angekündigte Vereinbarung zur Wiederöffnung der Strasse von Hormus. Im Gespräch ist eine 60-tägige Regelung mit getrennten Routen für ein- und auslaufende Schiffe sowie einer möglichen Minenräumung. Erschwert wird die Situation im Nahen Osten mit dem weiter eskalierenden Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der Huthi-Miliz im Jemen. Entsprechend ist der Ölpreis gestern wieder um mehr als 5% angestiegen und liegt nun wieder deutlich über der Marke von 80 US-Dollar das Fass.
Wirtschaft und Konjunktur
Schweiz: Arbeitslosenrate (Juli)
aktuell: 3.0% (erwartet: 3.0%, Vormonat: 2.9%)
Die Arbeitslosenrate in der Schweiz ist im Juli erwartungsgemäss wieder leicht angestiegen. Die Veränderung ist aber primär saisongetrieben, die um saisonale Effekte bereinigte Arbeitslosenquote verharrte im Juli bei 3.1% – rund 0.4 Prozentpunkte über dem Schnitt der letzten zehn Jahre. Insgesamt ist die Lage am Schweizer Arbeitsmarkt angespannter als noch im Vorjahr. Die anhaltende Schwäche verschiedener Industriesektoren hinterlässt ihre Spuren.
Angela Truniger
8021 Zürich
Patrick Häfeli
8021 Zürich
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