02. November 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht

Klumpenrisiken sind ein Thema

Die Tech-Aktien werden wieder einmal durchgeschüttelt. Die Aktie von Alphabet verliert innert weniger Tage 20% an Wert, diejenige von Intel 30% an einem Tag.

Im Fokus

Die Tech-Aktien werden wieder einmal durchgeschüttelt. Die Aktie von Alphabet verliert innert weniger Tage 20% an Wert, diejenige von Intel 30% an einem Tag. Anderen geht es nicht viel besser. Der koreanische Chip-Produzent SK hynix ist im Vergleich zum Juni nur noch die Hälfte wert. Da wird es wieder zum Thema, dass die Tech-Aktien im Weltaktienindex MSCI World All Country mittlerweile ein Gewicht von 33% haben. Allein die drei grössten Titel von Apple, Nvidia und Microsoft machen zusammen 15% aus. Auf die amerikanischen Aktien entfällt ein Anteil von 63%. Etwas überspitzt gesagt, ist ein globales Aktienportfolio eine Wette auf KI, auf die USA und auf den US-Dollar.

Klumpenrisiken sind weit verbreitet

Durch den Hype der letzten Jahre ist das Klumpenrisiko der Tech-Aktien in vielen Aktienmärkten markant gestiegen. Im MSCI Emerging Market machen sie 41% aus, beim koreanischen KOSPI gar 70%. Die beiden Giganten Samsung Electronics und SK hynix kommen zusammen auf 52% des koreanischen Aktienindex. Dagegen ist der Swiss Performance Index trotz Nestlé und den Pharmawerten gut diversifiziert. Konzentrationen gibt es auch in anderen Sektoren. Ein ETF auf den britischen FTSE-100 ist eine Wette auf die Finanzindustrie, welche im Index ein Gewicht von 31% hat, ergänzt mit hoffentlich positiven Aussichten der Erdölkonzerne Shell und BP.

Alternativen waren zuletzt nicht attraktiv

Die Klumpenrisiken kann man umgehen, wenn man sich nicht auf einen marktkapitalisierten Index wie den S&P 500, sondern auf eine breit diversifizierte Alternative wie den S&P 500 Equal Weight abstützt. Dann hat man zwar ein perfekt diversifiziertes Portfolio, aber in den letzten Jahren auch viel Performance liegen gelassen. Während der S&P 500 dank den grossen Tech-Aktien in den letzten fünf Jahren pro Jahr eine Performance von durchschnittlich 12.4% erzielte, begnügte sich die Variante mit den gleichgewichteten Titeln mit 8.7% pro Jahr. Das ist immer noch schön. Den Kunden oder den Destinatären einer Pensionskasse ist es jedoch schwer zu erklären, warum man das Tech-Rallye verpasst hat und warum die Diversifikation kumuliert eine Minderrendite von 27% wert sein soll.

Obligationen sind nicht besser

Klumpenrisiken beschränken sich nicht auf die Aktien. Der oft als Benchmark für die globalen Obligationen verwendete Bloomberg Global Ag Index ist in der Realität ein Portfolio von Staatsanleihen, angeführt von 20% US-Treasuries. Die Staatsanleihen Japans, Chinas und Frankreichs sind auch gut vertreten. Das ist nicht weiter verwunderlich, sind die erwähnten Staaten auch die Emittenten mit den höchsten Schulden. Unternehmensanleihen sind in diesem Index mit einem Anteil von 18% nur eine Ergänzung, während die Staaten und staatsnahen Schuldner fast 70% ausmachen. Der Rest sind amerikanische Hypotheken. 

Klumpen lassen sich vermeiden

Klumpenrisiken gehören bis zu einem gewissen Grad zu den Aktienmärkten. Die Kurse der Aktien der erfolgreichen Unternehmen steigen halt stärker als die Aktien der Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen. Davon will man als Aktionär auch profitieren. Wichtig ist, dass man sich der Klumpen bewusst ist und diese transparent offenlegt, beispielsweise gegenüber einem Stiftungsrat. Am einfachsten kann man die Klumpen brechen, indem man in Einzeltitel investiert und eine maximale Gewichtung für die einzelnen Aktien, die einzelnen Sektoren oder die einzelnen Märkte festlegt. Bei den Obligationen kann man sich auf Unternehmensanleihen konzentrieren oder eine für sich akzeptable Mischung zwischen den verschiedenen Emittenten oder Emittenten-Gruppen definieren.

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -1.09%, S&P500: -1.82%, Nasdaq: -2.86%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -1.22%, DAX: -0.85%, SMI: +0.36%

Die Aktien aus dem KI-Bereich werden gnadenlos abgestraft, wenn die Zahlen der Firmen den sehr hohen Erwartungen auch nur in einem Bereich nicht gerecht werden. Auf den Gesamtmarkt greifen die Abschläge jedoch nicht über. Der S&P 500 verlor letzte Woche 0.57%. Die europäischen Aktien stiegen 1.04%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 2.25% abschloss.

Mit den höheren Energiepreisen haben die Aufwärtsrisiken für die Inflation zugenommen. Weitere Leitzinserhöhungen sind zu erwarten. Die aktuellen Markterwartungen mit mehreren Zinsschritten in Europa und den USA sind jedoch überzogen. Die Renditen langlaufender Staatsanleihen haben neue Mehrjahreshochs erreicht und schmälern die Aktienrisikoprämie. Zugleich wächst die Skepsis gegenüber dem KI-Investitionszyklus. Insbesondere die Frage, ob sich der Infrastrukturaufbau rechtzeitig und ausreichend monetarisieren lässt, rückt zunehmend in den Fokus. Dank des hohen Gewinnwachstums der Unternehmen trotzen die Märkte jedoch den gestiegenen Risiken. Die Summe der positiven und negativen Argumente halten sich aktuell die Waage.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.92%; DE: 3.32%; CH: 0.48%

Die Entscheide der EZB und der Fed von letzter Woche, ihre Leitzinsen nicht anzuheben, haben an den Kapitalmärkten kaum Spuren hinterlassen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsänderung wurde bei beiden im Vorfeld als gering eingestuft. Interessanter wird sein, was im Dezember passieren wird. Dann wird auch die SNB mit ihrem geldpolitischen Entscheid dabei sein. Von der Fed und der EZB erwarten wir eine Zinserhöhung von 0.25%, während die SNB sich stillhält.

Währungen

Euro in Franken: 0.921
US-Dollar in Franken: 0.823
Euro in US-Dollar: 1.118

Der Franken wird wieder stärker. Der Euro hat seit Anfang Oktober fast 3 Rappen verloren. Der US-Dollar hält sich etwas besser. Die Schwäche bei den Tech-Aktien setzt aber auch ihm zu. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Wette auf eine Schwäche des Frankens mit viel Risiko verbunden ist.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 109.47 pro Fass
Goldpreis: USD 3'916.07 pro Unze

Donald Trump hat viel versucht, den Preis für Benzin und vor allem für Diesel in den USA im Vorfeld der Wahlen nach unten zu drücken. Sein Erfolg ist bescheiden. Der Dieselpreis hält sich hartnäckig bei 6.30 US-Dollar pro Gallone. Vor einem Jahr lag der Dieselpreis noch bei 3.70 US-Dollar. Solange die Raffinerien nicht mehr Treibstoffe produzieren können, wird der Preis hoch bleiben.

Wirtschaft und Konjunktur

Schweiz: KOF-Konjunkturbarometer (Oktober)
aktuell: 107.6 (erwartet: 108.1, Vormonat: 109.1)

Der von der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich berechnete Konjunkturindikator für die Schweiz ist im Vergleich zum Vormonat gefallen, prognostiziert aber immer noch ein Wachstum für die Schweizer Wirtschaft über dem Durchschnitt. Für einmal zeigt sich das Verarbeitende Gewerbe optimistischer als andere Bereiche wie die Übrigen Dienstleistungen oder die Finanzwirtschaft. Insbesondere die Aussichten für den Export haben sich aufgehellt.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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