03. August 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht
Kevin Warsh spielt ein gewagtes Spiel
Dass die Fed am letzten Mittwoch den Leitzins nicht erhöht hat, war keine Überraschung. Im Vorfeld wurde einer Zinserhöhung zwar eine Wahrscheinlichkeit von 30% unterstellt, am Ende entsprach der Entscheid dennoch den Markterwartungen. Mehr zu reden gab der Auftritt von Kevin Warsh an der Pressekonferenz.
Im Fokus
Dass die Fed am letzten Mittwoch den Leitzins nicht erhöht hat, war keine Überraschung. Im Vorfeld wurde einer Zinserhöhung zwar eine Wahrscheinlichkeit von 30% unterstellt und drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder des FOMC haben sich für eine solche ausgesprochen. Am Ende entsprach der Entscheid dennoch den Markterwartungen. Mehr zu reden gab der Auftritt von Kevin Warsh an der Pressekonferenz. Dass Warsh kein Freund von klaren Hinweisen auf die zukünftige Zinspolitik der Fed ist, weiss man. Dass er sich aber weigerte, etwas über seine Einschätzung der aktuellen Inflations- und Wirtschaftslage zu kommunizieren und auch nicht beantworten wollte, auf welche Inflationsdaten sich die Fed in ihrer Lagebeurteilung abstützt, kam bei den Fed-Watchern und an den Finanzmärkten nicht gut an. Sein früheres Bekenntnis, die Inflationsbekämpfung ins Zentrum seiner Geldpolitik zu setzen, wurde in Frage gestellt. Als er dann noch aufführte, dass die Zinsen nicht unbedingt das richtige Instrument zur Steuerung der Inflation seien, war seine Glaubwürdigkeit arg angeschlagen. Die Rendite des 30-jährigen US-Treasury stieg noch während seinen Ausführungen um 11 Basispunkte auf hohe 5.22% an. Das ist der höchste Wert seit zwanzig Jahren. Gleichzeitig wurde der US-Dollar zum Franken 0.5 Rappern billiger.
Glaubwürdigkeit ist die Grundlage einer erfolgreichen Geldpolitik
Kevin Warsh hat zu verschiedenen Themen in der Fed Arbeitsgruppen eingesetzt. Diese umfassen nicht nur die Randgebiete der Aufgaben, sondern auch die Definition der geldpolitischen Grundlagen. Dass er die Vorgehensweise seiner Vorgänger kritisch hinterfragt, ist sein Recht und auch richtig. Dass er sich in einem Umfeld stark steigender Preise mit dem Vermerk auf die Arbeitsgruppen der Kommunikation verweigert, ist dagegen gefährlich. Insbesondere in einem Umfeld, in dem die Regierung um Donald Trump die Unabhängigkeit der Fed aushöhlen will und trotz einer hohen Inflation Zinssenkungen verlangt. So setzt Warsh die Glaubwürdigkeit der Fed aufs Spiel. Diese Glaubwürdigkeit ist jedoch die Voraussetzung dafür, dass die Geldpolitik die gewünschte Wirkung an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft erzielt. Das beste Beispiel für eine glaubwürdige und dadurch auch erfolgreiche Geldpolitik ist die Nationalbank.
Kontrolle über die Zinskurve nicht verlieren
Mit ihrem geldpolitischen Instrumentarium können die Zentralbanken die Zinsen am Geldmarkt präzise steuern. Ihr Einfluss auf die Zinsen am Kapitalmarkt entlang der Zinskurve ist dagegen beschränkt. Die Kontrolle der Langfristzinsen basiert auf der Annahme, dass die Zentralbank mit ihren geldpolitischen Massnahmen die Inflation mittelfristig unter Kontrolle halten kann. Ist dies nicht mehr gegeben, verlangen die Investoren deutlich höhere Renditen für das Halten der Obligationen des jeweiligen Staates. In einem hoch verschuldeten Land wie den USA kann das zu unkontrollierbaren Folgen für die Refinanzierung des Staates führen. Die frühere Kurzzeit-Premierministerin Grossbritanniens, Liz Truss, hat das schmerzlich erfahren müssen. Die Zinsen der Staatsanleihen sind zudem die Grundlage für das gesamte Zinsgefüge in der Wirtschaft. So sind im Zuge der höheren Treasury-Renditen auch die Hypothekarzinsen angestiegen. Für eine durchschnittliche 30-jährige Hypothek, in den USA der Standard, muss wieder ein Zins von 6.70% bezahlt werden. Das ist der höchste Wert seit einem Jahr. Hohe Hypothekarzinsen sind nicht nur eine Belastung für den Immobilienmarkt und die Konjunktur, sondern auch politisch ein wichtiger Faktor.
Währung ist das schwächste Glied in der Kette
Vom Vertrauen in eine glaubwürdige Geldpolitik profitiert nicht nur das Zinsumfeld, sondern auch die Währung. Seit dem Auftritt von Warsh hat der US-Dollar zum Franken 1.5 Rappen verloren. Solch starke Bewegungen haben immer auch mit spekulativen Positionsveränderungen zu tun. Zudem kamen Gerüchte von Interventionen der Bank of Japan zu Gunsten des Yen auf. Eine teilweise Erholung des Dollars ist möglich und auch wahrscheinlich. Der kürzliche Höhenflug des US-Dollars ist aber vorbei, wenn Warsh seine Glaubwürdigkeit nicht wieder stärken kann.
Aktienmarkt
US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.53%, S&P500: +0.70%, Nasdaq: +1.00%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +0.21%, DAX: +0.07%, SMI: -0.32%
Die Beziehung der Investoren zu den Halbleiteraktien ist kompliziert. An einem Tag werden sie in den Himmel gelobt und teuer bezahlt. Am nächsten Tag hat man Angst vor dem Platzen einer Blase und verkauft die Halbleiteraktien fast zu jedem Preis, um am Tag darauf zum Schluss zu kommen, dass man sie doch haben muss. Der S&P 500 legte letzte Woche 1.05% zu. Die europäischen Aktien stiegen 1.23%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 0.46% abschloss.
Die Eskalation im Nahen Osten und wiederaufgekommene Zweifel am KI-Investitionszyklus haben die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten gestoppt, die zuvor primär vom Halbleiter- und Speicherbereich getragen wurde. Auf Indexebene bleiben die Ausschläge moderat, weil defensive Sektoren die Verluste auffangen. Auf Ebene der einzelnen Aktien fallen die Bewegungen deutlich heftiger aus. Am sichtbarsten wird dies im Halbleiter- und Speicherchipbereich, wo nach der Rally des ersten Halbjahres abrupt die Gewinnmitnahmen einsetzten. Kursbestimmend für dieses Marktsegment ist derzeit die Frage, ob die KI-Investitionsbudgets in geplanter Höhe umgesetzt werden. Die Schwankungen bei den Indizes sind nach wie vor tief. Dahinter verbirgt sich eine Rotation bei den Sektoren, welche die Widerstandsfähigkeit stützt. Eine breite Diversifikation ist zwar wenig aufregend, aber in der aktuellen Marktverfassung aktueller denn je.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.69%; DE: 3.21%; CH: 0.44%
Die Kapitalmarktzinsen in der Schweiz sind wieder gesunken. Ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, wonach gemäss «SNB-Insidern» die SNB im nächsten Jahr den Leitzins nicht erhöhen will, hat die Markterwartungen für steigende SNB-Zinsen gedämpft. Wie fundiert der Bericht von Bloomberg ist, darf sicherlich hinterfragt werden.
Währungen
Euro in Franken: 0.933
US-Dollar in Franken: 0.809
Euro in US-Dollar: 1.154
Durch den Rückgang des US-Dollars wurde auch der Wechselkurs des Euro zum Franken gedrückt. Diese Abhängigkeit ist am Devisenmarkt oft und in beide Richtungen zu beobachten, auch wenn sie ökonomisch schwierig zu begründen ist. Dennoch kann sich der Euro bei 93 Rappen auf einem ansprechenden Niveau behaupten.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 83.53 pro Fass
Goldpreis: USD 4'070.58 pro Unze
Das Auf und Ab beim Erdölpreis geht weiter, je nach Laune und Interpretation der Lage im Nahen Osten durch Donald Trump. Tatsache ist, dass der freie Verkehr durch die Strasse von Hormus unterbrochen ist. Trotzdem scheint die Versorgung der Welt mit Erdöl und Erdgas zu funktionieren.
Wirtschaft und Konjunktur
Eurozone: Inflationsrate (Juli)
aktuell: 2.9% (erwartet: 2.9%, Vormonat: 2.8%)
Die Inflation in der Eurozone ist wie erwartet im Juli wieder gestiegen, nachdem sie im Vormonat vom sinkenden Erdölpreis profitiert hat. Ein Trend nach oben, der die EZB unter Druck setzt, ihre Zinsen rasch und stark anzuheben, ist aber nicht erkennbar.
Thomas Stucki
8021 Zürich
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