31. August 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht

Ist es diesmal anders?

Gibt es eine KI-Blase? Diese Frage beschäftigt die Finanzmärkte seit längerem. Investitionen in die KI-Infrastruktur sind zu einem dominanten Faktor an Börsen und Realwirtschaft geworden.

Im Fokus

Gibt es eine KI-Blase und wenn ja, wann platzt diese? Diese Fragen beschäftigen die Finanzmärkte seit längerem. Dass die Investitionen in die KI-Infrastruktur zu einem dominanten Faktor an den Börsen und auch in der Realwirtschaft geworden sind, ist eine Tatsache. Ob es sich dabei um eine Blase handelt, ist dagegen Ansichtssache mit Argumenten pro und contra. Dass es sowohl bei den KI-Aktien als auch beim realen KI-Boom irgendwann zu Enttäuschungen kommt, ist dagegen fast sicher. Verluste bei den Aktien und bei den Investitionen sind dann normal. Wie stark die Folgen für die Börse und die Wirtschaft sein werden, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab.

Leverage im System wird weiter aufgebaut

Negativ ist, dass die Hebelwirkung im System, sowohl in der KI-Wirtschaft als auch an den Finanzmärkten, aktuell immer weiter aufgebaut wird. Dazu gehören die gegenseitigen Beteiligungen der Firmen im KI-Bereich und die zunehmende Fremdfinanzierung der Investitionen in die KI-Infrastruktur. Nach mehreren Jahren mit einer positiven Performance an den Finanzmärkten steigen die Ansprüche und die Sorglosigkeit der Investoren. Die Anbieter von Finanzprodukten bauen in der Folge mehr Leverage in ihre Produkte ein, um diesen Ansprüchen zu genügen und sich von der Konkurrenz abzuheben. Je mehr Leverage im System ist, umso schwieriger wird es jedoch, die Folgen und die Reichweite von Kursverlusten zu kontrollieren.

Trugschluss der Liquidität

Ein zweiter Fehler, den die Finanzindustrie und die Anleger immer wieder machen, ist die Verpackung illiquider Anlagen in scheinbar liquide Finanzinstrumente. Das aktuelle Beispiel sind die Privatkredite, welche in den Private Debt-Fonds den institutionellen und privaten Investoren als Heilmittel gegen tiefe Renditen klassischer Obligationen angeboten werden. Irgendwann bekommen die Investoren nach einem Vorfall kalte Füsse und versuchen, aus diesen Produkten auszusteigen. In der Folge wird der Ausgang geschlossen und die Anbieter versuchen, die illiquiden Anlagen zu jedem Preis abzustossen.

Wer verliert?

Bei der Beurteilung der möglichen Folgen einer KI-Blase ist wichtig, wo die Verluste anfallen. Die Auswirkungen von Subprime und der Dot-Com-Blase waren so gross, weil viele dieser Papiere in den Bilanzen der Banken aufgetaucht sind. Die Verluste haben damit direkt auf das Eigenkapital und das Vertrauen in diese Institute durchgeschlagen. Bei den KI-Produkten ist dies nicht der Fall. Verlieren würden in erster Linie Anlagefonds und Investoren ausserhalb des Bankensektors. Wie stark die Banken indirekt, beispielsweise über Lombardkredite, engagiert sind, ist schwierig abzuschätzen. Dass das Finanzsystem als Ganzes unter Druck kommen würde, ist aber weniger wahrscheinlich.

Was passiert mit der Realwirtschaft?

Bei einem Finanzschock ist schwer vorherzusagen, welche Anlagen im ersten Moment wie viel verlieren. Das klassische Beispiel ist ein sinkender Goldpreis, wenn die Investoren Gold verkaufen, um Margenforderungen in anderen Instrumenten zu erfüllen. Diese Kurschwankungen sind von vorübergehender Natur und korrigieren sich wieder aus. Wie gross die mittel- und langfristigen Schäden sind, hängt davon ab, ob die Wirtschaft in eine schwere Rezession fällt und wie lange diese dauert. Bei Dot-Com waren es mehrere Jahre. Nach der Finanzkrise 2008 haben die Zentralbanken rasch mit markanten Zinssenkungen und Liquiditätshilfen reagiert und damit die Dauer der Rezession kurz halten können. Sollte durch das Platzen einer KI-Blase die Wirtschaft stark unter Druck geraten, würden die Zentralbanken erneut rasch reagieren. Viele Leute würden viel Geld verlieren, aber das System als Ganzes wird dadurch weniger durchgeschüttelt.

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.02%, S&P500: -0.25%, Nasdaq: -0.52%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +0.95%, DAX: +0.77%, SMI: +0.11%

Die Verschnaufpause an den Aktienmärkten hält an. Nach dem Ende der Gewinnsaison der Unternehmen ist vor den Zinsentscheiden der Zentralbanken. In diesem Umfeld warten die Investoren erst einmal ab, bevor sie sich grösser positionieren wollen. Der S&P 500 legte letzte Woche 0.49% zu. Die europäischen Aktien stiegen 0.36%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Minus von 0.23% abschloss.

Die Blockade der Strasse von Hormus dauert an und mit ihr die Anspannung an den Rohstoffmärkten. Der Ölpreis bleibt erhöht und verharrt klar über dem Vorkrisenniveau. Dennoch erweist sich die Realwirtschaft als widerstandsfähig. Die Unternehmen haben die Folgen des Iran-Kriegs besser verkraftet, als es die Märkte befürchtet hatten. An den Aktienmärkten macht der Technologiesektor weiterhin die Musik. Die Berichte der Cloud-Unternehmen überzeugten bei Umsatz und Gewinn, und Fortschritte in der Monetarisierung von KI zerstreuten die aufgekommenen Zweifel vorerst. Die Berichtssaison der Unternehmen für das zweite Quartal verlief insgesamt erfreulich, mit besseren Ergebnissen in den USA als in Europa. Getragen von einer breiteren Marktbasis präsentiert sich die Entwicklung auf Index-Ebene robust.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.71%; DE: 3.28%; CH: 0.41%

Kevin Warsh hat anlässlich der jährlichen Konferenz der Fed in Jackson Hole betont, dass er am Inflationsziel von 2% festhalten und dieses auch erreichen will. Die Märkte schlossen daraus, dass Zinserhöhungen der Fed trotz einem schwächeren Arbeitsmarkt nächstens beschlossen werden. Das hat vor allem die Renditen von US-Dollar-Anleihen mit kürzeren Laufzeiten nach oben getrieben.

Währungen

Euro in Franken: 0.938
US-Dollar in Franken: 0.809
Euro in US-Dollar: 1.159

Der US-Dollar befindet sich auf Achterbahnfahrt. Die Ankündigung von US-Finanzminister Bessent, langlaufende US-Treasuries zurückzukaufen, um die Renditen zu senken, hat den US-Dollar zum Franken nach unten getrieben. Die Aussagen von Fed-Präsident Warsh und die damit verbundenen höheren Zinserwartungen haben dem Greenback wieder Schub nach oben verleiht. Angesichts der Widersprüche bei den amerikanischen Offiziellen wird das Auf und Ab weitergehen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 90.30 pro Fass
Goldpreis: USD 4'423.67 pro Unze

Das Spiegelbild des US-Dollars ist wieder einmal das Gold. Sinkt der US-Dollar, steigt der Goldpreis und umgekehrt. Wir wiederholen uns: Angesichts der Widersprüche bei den amerikanischen Offiziellen wird das Auf und Ab weitergehen.

Wirtschaft und Konjunktur

Deutschland: Arbeitslosenrate (August)
aktuell: 6.4% (erwartet: 6.4%, Vormonat: 6.4%)

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im August stabil geblieben. Mit 6.4% ist die Arbeitslosenrate höher als 2022, aber für deutsche Verhältnisse im historischen Vergleich immer noch tief.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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