Candle Chart auf einem Bildschirm

02. Oktober 2026, Tägliche Marktsicht

Inflation in der Schweiz bei 1%

Die Inflationsrate in der Schweiz lag im September bei 1%. Unser Fokus beleuchtet die Hintergründe. Derweil setzten der Schweizer Aktienmarkt und die europäischen Aktienmärkte ihren seit Anfang Woche anhaltenden Abwärtstrend fort.

Fokus: Inflation in der Schweiz

Die Inflationsrate in der Schweiz ist im September auf 1.0% gestiegen, nach 0.8% im August. Der Anstieg ist aber rein statistischer Natur. Der massgebende Preisindex ist gegenüber August praktisch unverändert geblieben. Der Hintergrund: Die Inflationsrate wird üblicherweise im Vergleich zum Vorjahresmonat angegeben. Da die Preise im Herbst 2025 tendenziell gesunken sind, führt auch ein effektiv unverändertes Preisniveau dazu, dass die ausgewiesene Inflationsrate ansteigt. Dieser Basiseffekt wird die Inflation in der Schweiz auch in den nächsten Monaten beeinflussen und aus rein statistischen Gründen zu höheren Inflationsraten führen.

Die Preisentwicklung wird weiterhin klar von den Energiepreisen getrieben, zusätzlich verstärkt durch den schwächeren Franken. Erdölprodukte wie Benzin, Diesel und Heizöl allein haben fast 0.7 Prozentpunkte zum Anstieg der Gesamtrate beigetragen. Derweil bleibt der Preisdruck bei den anderen Produktgruppen weiterhin moderat. Dies zeigt sich auch in der Kerninflationsrate. Diese bleibt mit 0.5% nahe ihrem langfristigen Mittelwert.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -1.50%, SPI: -1.43%, SMIM: -1.24%

Der Schweizer Aktienmarkt schloss nach einem volatilen Handel erneut im Minus. Nach wie vor sorgen die weltweit gestiegenen Anleiherenditen und die erneut ansteigenden Ölpreise für Gegenwind. Der Leitindex SMI verlor 1.5%. Von den 20 grosskapitalisierten Werten konnten sich nur drei im Plus halten: Logitech (+1.1%), SwissRe (+0.4%) und ABB (+0.3%). Am meisten unter Abgabedruck standen Sandoz (-3.4%), Richemont (-3.4%) und Holcim (-3.2%). Der Zementhersteller Holcim litt dabei unter einer Kurszielsenkung eines Brokers. Ebenfalls Abgaben verzeichnete der Bauchemiekonzern Sika (-2.6%). An einem Investorentag wurden keine Änderungen zum bestehenden Ausblick präsentiert. Für keine Kursunterstützung sorgten auch die Indexschwergewichte Nestlé (-1.8%), Novartis (-1.6%) und Roche (-0.03%).

Bei den Nebenwerten fiel erneut Julius Bär mit Abgaben von 4.1% auf. Der Kurssprung vom Dienstag infolge des Abschlusses des FINMA-Verfahrens und der Aussicht auf die Wiederaufnahme von Aktienrückkäufen hat sich damit wieder vollständig aufgelöst. Heute Morgen gab das Unternehmen bekannt, in den kommenden Wochen mit einem Aktienrückkaufprogramm zu beginnen und über einen Zeitraum von einem Jahr eigene Aktien im Umfang von bis zu CHF 600 Mio. zurückzukaufen. Im Fokus stand ebenfalls der Genfer IT- und Cloudanbieter Infomaniak an seinem ersten Handelstag. Das Unternehmen hat den Aktienmantel von Perrot Duval in einem Reverse Takeover übernommen. Nach einem ersten Kurs von CHF 56 und einem Zwischenanstieg bis CHF 140 schloss die Aktie bei CHF 85.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -1.49%, DAX: -1.03%

Auch die europäischen Aktienmärkte waren gestern im Korrekturmodus. Der länderübergreifende EuroStoxx50 verlor 1.5%. Der zyklischere DAX gab um 1.0% und der französische CAC 40 um 1.6% nach. Aus Branchensicht konnten nur die Bereiche Technologie und Energie zulegen. Am stärksten unter Abgaben litten Finanzen, Zyklischer Konsum und Grundstoffe.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.04%, S&P 500: +0.19%, Nasdaq: +0.04%

Die amerikanischen Aktienmärkte machten die anfänglichen Verluste wett und schlossen leicht höher. Für etwas Erleichterung sorgten die wieder sinkenden Anleiherenditen. Der Leitindex Dow Jones und der technologielastige Nasdaq legten minimal um 0.04% zu, während der breiter gefasste S&P 500 um 0.2% stieg. Bei den Einzelwerten stand Accenture mit einem Kursanstieg von 15.4% im Fokus. Die Unternehmens- und Strategieberatungsfirma legte klar über den Analystenerwartungen liegende Quartalszahlen vor. Ebenfalls nach oben sprang die Aktie von Synopsys (+12.4%), nachdem im Rahmen eines Investorentages neue langfristige Ziele präsentiert wurden. Der Speicherchip-Hersteller Micron legte nach starken Quartalszahlen und einem überzeugenden Ausblick um 2.7% zu. Die Aktien des Spielwarenkonzerns Mattel avancierten um 18.4% nach Übernahmegerüchten durch das Markeninvestment- und Lizenzierungsunternehmen Authentic Brands Group.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 5.24%; DE: 3.51%; CH: 0.55%

An den Kapitalmärkten stand gestern Frankreich im Fokus. Grund dafür sind die hohen Staatsschulden und die aktuellen Diskussionen über das Budget für 2027. Die Rendite 10-jähriger französischer Staatsanleihen ist seit Anfang September um 75 Basispunkte gestiegen. Zum Vergleich: Beim deutschen Pendant betrug der Anstieg im selben Zeitraum nur rund 30 Basispunkte.

Währungen

Euro in Franken: 0.933
US-Dollar in Franken: 0.830
Euro in US-Dollar: 1.125

Der Euro hat gestern erhebliche Verluste erlitten. Gegenüber dem US-Dollar betrug das Minus rund 0.8%, gegenüber dem Schweizer Franken sogar 1.3%. Belastet wurde die Gemeinschaftswährung durch Sorgen um die Staatsfinanzen in der Eurozone, wobei derzeit besonders Frankreich im Fokus steht. Das Thema der Staatsschulden hat an den Märkten zuletzt wieder an Bedeutung gewonnen. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Kapitalmarktzinsen und damit auch die Refinanzierungskosten nochmals gestiegen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 101.84 pro Fass
Goldpreis: USD 4'187.29 pro Unze

Der Ölpreis der Sorte Brent bleibt weiterhin über 100 US-Dollar. Der kurzzeitige Rückgang in den Bereich von 98 US-Dollar vorgestern Nacht war primär technischer Natur (Wechsel des Future-Kontrakts per Anfang Monat). Eine diplomatische Lösung des Konflikts am Persischen Golf zeichnet sich weiterhin nicht ab. US-Präsident Trump bezeichnete das jüngste iranische Verhandlungsangebot als unzureichend. Zudem stellte er die Möglichkeit in den Raum, die Angriffe auf Iran nach den US-Zwischenwahlen Anfang November wieder aufzunehmen.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Einkaufsmanagerindex Industrie (PMI, September gem. ISM)
aktuell: 54.5 (erwartet: 55.0, Vormonat: 54.6)

Der US-amerikanische Industriesektor bleibt auf Wachstumskurs. Der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management bleibt mit 54.5 klar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der Wert hat sich gegenüber dem Vormonat praktisch nicht verändert. Der vielbeachtete Teilindex der neuen Aufträge hat sich auf hohem Niveau sogar noch etwas verbessert. Die Daten bestätigen das Bild einer positiven Dynamik im US-Industriesektor, das bereits der wenige Tage zuvor veröffentlichte Einkaufsmanagerindex von S&P Global gezeigt hatte.

Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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