19. August 2026, Tägliche Marktsicht
Indexschwergewichte hieven SMI ins Plus
Trotz wieder aufkommender Inflationssorgen schloss der SMI dank defensiver Indexschwergewichte leicht im Plus. Heute stehen die Zahlen von Geberit, BKW, Implenia, Straumann, Emmi, Sensirion und Sunrise im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.13%, SPI: -0.10%, SMIM: -0.87%
Der Schweizer Aktienmarkt schloss gestern uneinheitlich. Während sich der Leitindex SMI nach einem schwachen Start noch in die Gewinnzone vorarbeiten konnte, gaben der marktbreite SPI (-0.1%) und insbesondere der von kleineren und mittelgrossen Unternehmen geprägte SMIM (-0.9%) nach. Belastet wurde die Stimmung von wieder aufkommenden Inflationssorgen infolge höherer Ölpreise sowie der anhaltend angespannten Lage im Nahen Osten. Die positive Entwicklung des SMI täuschte dabei über die schwächere Marktbreite hinweg. Von den 20 Blue Chips schlossen lediglich acht im Plus, während zwölf Titel nachgaben. Dass sich der Leitindex dennoch behaupten konnte, war vor allem den defensiven Indexschwergewichten zu verdanken. Angeführt wurde der SMI von den Gesundheitswerten Alcon (+2.5%), Novartis (+1.8%) und Roche (+1.4%). Dahinter folgten Swiss Re (+0.7%) und Nestlé (+0.6%). Unter Druck standen hingegen zyklische Titel wie Amrize (-3.0%), ABB (-2.9%), Logitech (-2.7%) und Holcim (-2.2%).
Für deutliche Kursausschläge sorgten verschiedene Unternehmensberichte aus der zweiten Reihe. Medartis (+6.5%) überzeugte mit starken Halbjahresergebnissen und einer angehobenen Guidance. Huber+Suhner (-11.4%) geriet dagegen nach einem insgesamt hinter den Markterwartungen zurückgebliebenen Zahlenset kräftig unter Druck. PSP Swiss Property (-0.3%) verlor nach der Vorlage der Halbjahreszahlen leicht. Deutliche Verluste verzeichneten zudem die Schweizer Halbleiter- und Technologiewerte im Sog der globalen Sektorschwäche. Inficon und VAT verloren jeweils 4.6%, während Comet 4.5% tiefer schloss. Damit setzte sich auch am Schweizer Markt das Muster fort, dass zinssensitive und höher bewertete Technologiewerte angesichts steigender Renditen besonders unter Druck stehen.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.95%, DAX: -0.80%
Die europäischen Aktienmärkte gaben gestern mehrheitlich nach. Einzig der britische FTSE 100 (+0.1%) konnte sich dem negativen Trend entziehen und leicht zulegen. Belastet wurde die Marktstimmung insbesondere durch höhere Ölpreise, die erneut Inflationssorgen schürten und damit auch die Zinserwartungen wieder in den Fokus rückten. Die deutlichsten Verluste verzeichnete der italienische FTSE MIB (-1.1%), gefolgt vom länderübergreifenden EuroStoxx 50 (-1.0%). Auf Sektorebene standen insbesondere zinssensitive Wachstumswerte unter Druck. Der Technologiesektor bildete mit deutlichem Abstand das Schlusslicht. Vor allem KI-nahe Titel und Halbleiterwerte mussten kräftige Abgaben hinnehmen Steigende Renditen setzten vor allem hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck, deren Bewertungen besonders sensitiv auf ein höheres Zinsniveau reagieren. Auch Industrie- und Grundstoffwerte waren wenig gefragt. Zu den grössten Verlierern im Technologiesektor zählten Infineon (-7.6%) und ASML (-4.9%), die deutlich stärker nachgaben als der Gesamtmarkt.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.22%, S&P 500: -0.69%, Nasdaq: -1.33%
Der amerikanische Aktienmarkt gab gestern vor dem Hintergrund steigender Anleiherenditen und erneut höherer Ölpreise nach. Belastend wirkte zudem die geopolitische Unsicherheit. Nach Ablauf der 60-tägigen Frist für ein Rahmenabkommen befinden sich die USA und der Iran derzeit nicht in Verhandlungen, was die Risikobereitschaft der Anleger zusätzlich dämpfte. Am stärksten traf das Umfeld den wachstums- und technologieschweren Nasdaq (-1.3%). Steigende Renditen setzen insbesondere hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck, da ihre Bewertungen vergleichsweise sensitiv auf höhere Diskontsätze reagieren. Der marktbreite S&P 500 (-0.7%) gab ebenfalls nach, während sich der Dow Jones (-0.2%) vergleichsweise robust zeigte. Auf Sektorebene gehörten Technologiewerte zu den grössten Verlierern. Besonders unter Druck standen die zuvor stark gelaufenen Halbleitertitel, bei denen es zu deutlichen Gewinnmitnahmen kam. Sandisk (-9.0%), Marvell Technology (-7.8%), Micron (-7.0%) und Intel (-6.6%) verzeichneten überdurchschnittliche Kursverluste.
Unternehmensberichte
Geberit: Deutliches Volumenwachstum bei stabiler Profitabilität
Geberit steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 2.8% auf CHF 1.7 Mrd. Bereinigt um negative Währungseffekte resultierte ein Wachstum von 5.9%. Getragen wurde die Entwicklung insbesondere von einem starken Volumenwachstum sowie positiven Preiseffekten. Der EBITDA erhöhte sich um 3.0% auf CHF 529 Mio., womit die EBITDA-Marge mit 30.9% auf Vorjahresniveau gehalten werden konnte. Positiv wirkten sich neben dem höheren Volumen auch die gute Verfügbarkeit sowie effiziente Abläufe in Produktion und Logistik aus. Der Reingewinn stieg überproportional um 7.4% auf CHF 364 Mio. Für das Gesamtjahr erwartet das Management weiterhin ein Nettoumsatzwachstum in Lokalwährungen von 5% bis 6% sowie eine EBITDA-Marge in etwa auf Vorjahresniveau. Während der Umsatz leicht über den Markterwartungen liegt, übertreffen EBITDA und Reingewinn die Konsensschätzungen teilweise deutlich.
BKW: Schwächere Wasser- und Windproduktion belasten operatives Ergebnis
BKW verzeichnete im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang von 3.1% auf CHF 2.18 Mrd. Belastend wirkten insbesondere die geringere Wasser- und Windproduktion sowie die geopolitisch bedingten Marktverwerfungen. Während sich das Geschäftsfeld Power Grid stabil entwickelte, lieferte Infrastructure & Buildings einen positiven Ergebnisbeitrag. Energy Solutions wurde hingegen temporär durch die Marktverwerfungen im Zuge der angespannten Lage im Nahen Osten beeinträchtigt. Der EBIT sank um 15.1% auf CHF 263.7 Mio. Gegenläufig entwickelte sich der Reingewinn, der dank der guten Performance des Stilllegungs- und Entsorgungsfonds des Kernkraftwerks Mühleberg um 7.0% auf CHF 217.6 Mio. zulegte. Für das Gesamtjahr erwartet BKW den EBIT neu am unteren Ende der bisherigen Zielbandbreite von CHF 650 bis 750 Mio. Insgesamt fällt das Zahlenset damit enttäuschend aus: Sowohl der EBIT als auch der Reingewinn liegen deutlich unter den Markterwartungen.
Emmi hebt organische Umsatzwachstumsprognose leicht an
Emmi steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um 2.2% auf CHF 2.32 Mrd. Organisch resultierte ein Wachstum von 3.6%, das vollständig volumengetrieben war. Negative Währungseffekte, insbesondere aufgrund des starken Schweizer Frankens, belasteten die Umsatzentwicklung mit 2.1%. Regional zeigte sich ein breit abgestütztes Volumenwachstum über alle Divisionen hinweg. Besonders gefragt waren die strategischen Premium-Nischen nutrition+, Ready-to-Drink-Kaffee und Premium-Desserts. Positiv entwickelte sich insbesondere der Heimmarkt Schweiz mit einem organischen Umsatzwachstum von 3.6%. Die Integration von Emmi Dessert ist mittlerweile weitgehend abgeschlossen, womit der Fokus zunehmend auf der Realisierung der erwarteten Synergien liegt. Auch auf Ergebnisseite konnte Emmi zulegen. Der EBIT erhöhte sich um 4.8% auf CHF 152.3 Mio., während sich die EBIT-Marge um 20 Basispunkte auf 6.6% verbesserte. Der Reingewinn stieg um 3.7% auf CHF 100.9 Mio. Aufgrund der soliden Entwicklung hebt das Management die Prognose für das organische Umsatzwachstum im Gesamtjahr auf 2% bis 3% an, nachdem bislang 1% bis 3% erwartet worden waren. Die EBIT-Prognose von CHF 335 bis 355 Mio. bleibt unverändert. Für die Schweiz zeigt sich das Management ebenfalls zuversichtlicher und erwartet neu ein organisches Umsatzwachstum von -1% bis +1% gegenüber zuvor -2% bis 0%. Insgesamt präsentierte Emmi ein solides Zahlenset, das leicht über den Markterwartungen liegt.
Implenia: Trotz tieferem Umsatz mit höherer Profitabilität
Implenia verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatzrückgang von 4.8% auf CHF 1.77 Mrd. Der EBIT konnte hingegen um 6.0% auf CHF 60.4 Mio. gesteigert werden, womit sich die EBIT-Marge von 3.1% auf 3.4% verbesserte. Sämtliche Divisionen erzielten operative Fortschritte. Der Umsatzrückgang war unter anderem auf umsatzschwächere Startphasen grosser, neu anlaufender Infrastrukturprojekte zurückzuführen. Positiv entwickelte sich der Auftragsbestand, der um 9.6% auf CHF 8.5 Mrd. zunahm. Unter dem Strich erhöhte sich der Reingewinn um 6.9% auf CHF 35.6 Mio. An den Gesamtjahreszielen hält das Management fest und erwartet weiterhin einen EBIT von rund CHF 150 Mio. vor ausserordentlichen Wachstumsinvestitionen von CHF 10 bis 20 Mio. Ab 2027 soll der EBIT auf über CHF 150 Mio. steigen. Kurz- bis mittelfristig strebt Implenia zudem zusätzliches Umsatzwachstum von bis zu CHF 1 Mrd. sowie eine EBIT-Marge von 4.5% an. Insgesamt präsentiert Implenia ein solides Zahlenset. Während der Umsatz im Rahmen der Erwartungen liegt, übertrifft der EBIT die Markterwartungen.
Starkes Zahlenset von Straumann
Der Umsatz von Straumann erreichte im zweiten Quartal CHF 707 Mio. und stieg organisch um 8.5%. Im ersten Halbjahr belief sich der Umsatz auf CHF 1.4 Mrd., entsprechend einem organischen Wachstum von 7.8%. Wachstumstreiber waren digitale Lösungen, Implantologie und Kieferorthopädie, wobei Straumann insbesondere im Premium-Implantatgeschäft weitere Marktanteile gewann. Die Core-EBIT-Marge verbesserte sich bei konstanten Wechselkursen auf 26.9%, unterstützt durch höhere Produktivität, Lieferkettenoptimierungen und operative Skaleneffekte. Der freie Cashflow stieg um 49% auf CHF 168.6 Mio. Für 2026 bestätigt Straumann die erhöhte Prognose. Erwartet werden ein organisches Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich sowie eine Verbesserung der Core-EBIT-Marge um 140 bis 170 Basispunkte bei konstanten Wechselkursen. Straumann ernennt Christopher Norbye per 1. Dezember zum neuen CEO. Er folgt im Rahmen eines geplanten Führungswechsels auf Guillaume Daniellot, der nach sieben Jahren an der Spitze des Dental- und Kieferorthopädiekonzerns zurücktritt. Die ausgewiesenen Geschäftszahlen liegen am oberen Ende der Analystenerwartungen.
Sensirion erhöht Prognose
Der Umsatz von Sensirion erreichte im ersten Halbjahr 2026 CHF 179 Mio., was einem Wachstum von 6.9% in Lokalwährungen entspricht. In Schweizer Franken resultierte aufgrund von Währungseffekten ein Rückgang von 3.0%. Alle vier Endmärkte trugen zum Wachstum bei. Die EBITDA-Marge blieb mit 19.5% stabil, während der Reingewinn um 82% auf CHF 18.9 Mio. zulegte. Nach dem ersten Halbjahr erhöht der Sensorhersteller seine Umsatzprognose für 2026 von CHF 335 bis 360 Mio. auf CHF 345 bis 365 Mio., entsprechend einem währungsbereinigten Wachstum von 8% bis 14%. Die EBITDA-Marge soll nun in der oberen Hälfte der bisherigen Prognosespanne im mittleren bis hohen Zehnerprozentbereich liegen. Die Halbjahreszahlen von Sensirion schlagen die Analystenerwartungen.
Sunrise: Schwächeres Kundenwachstum belastet Umsatz und Profitabilität
Sunrise verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 2.6% auf CHF 712.9 Mio. Belastend wirkten insbesondere der Wegfall positiver Effekte aus den Preisanpassungen des Vorjahres sowie das schwächere Kundenwachstum in den vorangegangenen Quartalen. Der bereinigte EBITDA nach Leasingkosten sank um 3.8% auf CHF 244.4 Mio. und damit etwas stärker als der Umsatz. Unter dem Strich resultierte ein Nettoverlust von CHF 22.4 Mio. Trotz der schwächeren Quartalsentwicklung bestätigte das Management die Jahresprognose. Für 2026 wird weiterhin ein weitgehend stabiler Umsatz sowie ein bereinigter EBITDA nach Leasingkosten von rund CHF 1 Mrd. erwartet. Insgesamt fällt das Zahlenset leicht enttäuschend aus und liegt etwas unter den Markterwartungen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.70%; DE: 3.26%; CH: 0.43%
Gestern spitzte sich der Ausverkauf bei den langfristigen Anleihen zu. Die Rendite 30-jähriger US-Anleihen erreichte im Tagesverlauf mit 5.33%, den höchsten Stand seit Mitte 2007. Damit beträgt der Anstieg seit Ende Juni fast 50 Basispunkte. Die Rendite 30-jähriger Anleihen Frankreichs verzeichnete den höchsten Wert seit 2008, diejenige Deutschlands handelte auf dem Niveau von 2011. In Grossbritannien nähern sich die 30-jährigen Zinsen der Marke von 6% und in Japan dem Allzeithoch. Lokale Faktoren spielen eine Rolle. Die derzeit treibenden Kräfte sind aber globaler Natur. Anleger fürchten geopolitische Turbulenzen, die Volkswirtschaften anfälliger für Angebotsschocks und Inflation machen. Sie sorgen sich zudem um ausufernde Staatsausgaben und die vielfach nicht nachhaltige Fiskalpolitik.
Währungen
Euro in Franken: 0.940
US-Dollar in Franken: 0.812
Euro in US-Dollar: 1.158
Der Franken verlor gestern sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US-Dollar mit je knapp 0.2% leicht an Boden. Das EUR/CHF-Paar hält sich nahe der Marke von 0.94 Rappen und damit dem höchsten Stand seit August 2025.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 91.07 pro Fass
Goldpreis: USD 4'360.60 pro Unze
Neue Attacken an der Strasse von Hormus halten den Ölpreis oberhalb der Marke von 90 US-Dollar pro Fass. Am Dienstag wurde ein Schiff beim Verlassen der Wasserstrasse von einem unbekannten Projektil getroffen. Damit wachsen die Sorgen, dass eine rasche Normalisierung der Öllieferungen aus der Golfregion unrealistisch bleibt.
Gold verlor leicht an Boden und notierte rund 1.3% tiefer als am Vortag. Das Edelmetall konnte gestern nicht vom globalen Anstieg bei den langfristigen Staatsanleiherenditen profitieren. Treiben Sorgen um die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen anstelle einer strafferen Geldpolitik die Renditen nach oben, ist dies grundsätzlich ein positives Umfeld für Gold.
Wirtschaft und Konjunktur
Es wurden gestern keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe veröffentlicht.
Angela Truniger
8021 Zürich
Florian Hiltpold
8021 Zürich
Dominik Schmidlin
8021 Zürich
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