28. September 2026, Rohstoffe
Gold vor dem Zinstest
Die Zinsen steigen auf beiden Seiten des Atlantiks. Trotz dieses Gegenwinds halten Anleger und Notenbanken beim Gold bislang dagegen.
Die Zinsen steigen auf beiden Seiten des Atlantiks weiter. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist zuletzt auf 5.2% geklettert. Allein im September ging es vierzig Basispunkte nach oben, seit Jahresbeginn einen Prozentpunkt. Gleichzeitig hat der Dollarindex im September rund 2% zugelegt.
Gold bleibt gefragt
Trotz dieses Gegenwinds zeigt sich der Goldpreis standhaft. Vergangene Woche verlor er zwar rund 2%, notiert mit knapp 4'300 US-Dollar aber weiterhin 7% über dem Julitief. Ein Blick auf die Gold-ETF (Exchange Traded Funds, börsengehandelte Fonds) zeigt, dass die Investorennachfrage zuletzt wieder deutlich angezogen hat. Im August verzeichneten die Bestände mit 66 Tonnen den stärksten Monatszufluss des laufenden Jahres. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg kamen im September weitere 57 Tonnen hinzu. Zum Vergleich: Nach Beginn der Fed-Zinserhöhungen 2022 setzte bei den Gold-ETF ein länger anhaltender Verkaufsdruck ein. Während die US-Notenbank den Leitzins um mehr als fünf Prozentpunkte anhob, schrumpften die ETF-Bestände bis 2024 um fast ein Viertel. Trotz des jüngsten Zinsanstiegs ist eine solche Entwicklung bislang nicht zu erkennen.
Notenbanken sorgen für strukturelle Nachfrage
Eine wichtige Stütze für Gold bleibt die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken, die bei den übrigen Edelmetallen fehlt. Im Jahrzehnt vor 2022 kauften die Notenbanken im Schnitt rund 500 Tonnen Gold pro Jahr. Inzwischen kann allein ein starkes Quartal nahe an diesen Jahreswert herankommen. Chinas Zentralbank etwa hat ihre Goldreserven im August den 22. Monat in Folge erhöht. Die Interessenorganisation World Gold Council rechnet auch für das Gesamtjahr mit starken Zentralbankkäufen, wenn auch auf tieferem Niveau als in den Rekordjahren zuvor.
Die Weichen für das Schlussquartal stellt vor allem das Fed. Noch zu Jahresbeginn rechneten die Märkte mit Zinssenkungen. Inzwischen hat die US-Notenbank die Zinsen erstmals seit drei Jahren erhöht, weitere Schritte sind eingepreist. Der Goldpreis hat darauf bislang nur moderat reagiert. Gleichzeitig rücken mit den höheren Finanzierungskosten die hohen Staatsschulden stärker in den Fokus und damit Gold als Portfoliobeimischung. Die jüngsten ETF-Zuflüsse zeigen: Der Zinsanstieg hat Gold bislang nicht aus der Anlegergunst verdrängt.
Auch innerhalb der Edelmetalle sticht Gold in diesem Jahr hervor. Während der Goldpreis nahe dem Stand von Anfang des Jahres liegt, haben Silber, Platin und Palladium im zweistelligen Prozentbereich verloren.
Daniel Wachter
8021 Zürich
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