27. Oktober 2026, Tägliche Marktsicht

Freundlicher Wochenauftakt vor wichtigen Zinsentscheiden

Der SMI startet mit Gewinnen in die neue Handelswoche. Im Fokus stehen die anstehenden Zinsentscheide sowie die heutigen Quartalszahlen von Novartis, Bucher Industries, Inficon und SIG.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.53%, SPI: +0.58%, SMIM: +0.67%

Der Schweizer Aktienmarkt ist mit Kursgewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Für Erleichterung sorgte die Bestätigung der französischen Bonitätsnote «Aa3» durch die Ratingagentur Moody's trotz der hohen Staatsverschuldung und der politischen Unsicherheit. Im Fokus der Anleger stehen die anstehenden Zinsentscheide der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank. Beide dürften ihre Leitzinsen vorerst unverändert lassen. Angesichts der hohen Energiepreise und anhaltenden Inflationsrisiken werden insbesondere die Aussagen zum weiteren Zinspfad mit Spannung erwartet. Die Ölpreise zogen nach anfänglichen Verlusten im Tagesverlauf wieder an, da im Nahostkonflikt weiterhin keine Entspannung absehbar ist. Für zusätzliche Impulse könnten im weiteren Wochenverlauf die zahlreichen Quartalszahlen sorgen, darunter jene von Novartis, UBS, Amrize und Sandoz sowie der US-Technologiekonzerne Microsoft, Alphabet und Amazon. Der SMI (+0.5%) überschritt erneut die Marke von 14'500 Punkten, wobei der Handel insgesamt ruhig verlief. Bei den Einzelwerten stützte insbesondere Roche (+1.4%) den SMI. Positive Studiendaten zu einem Lungenkrebsmedikament, das das Sterberisiko gegenüber bestehenden Therapien um 44% senkte, sorgten für Kursgewinne. Novartis (-0.4%) gab hingegen trotz neuer Studiendaten zu einem MS-Medikament leicht nach. Nestlé (+0.04%) schloss praktisch unverändert. Nach den deutlichen Verlusten der vergangenen zwei Wochen erholten sich die Technologiewerte. ABB (+2.8%) führte den SMI an, nachdem die Aktie in der Vorwoche trotz solider Quartalszahlen deutlich nachgegeben hatte. Ebenfalls gefragt war Sandoz (+2.1%), die ihren jüngsten Aufwärtstrend fortsetzte, gefolgt von Richemont (+1.0%) und Geberit (+0.9%). Das Schlusslicht bildete Sika (-2.2%), die nach den am Freitag veröffentlichten Quartalszahlen erneut unter Druck geriet. Ebenfalls unter Druck stand Givaudan (-1.3%), wobei Gewinnmitnahmen den Kurs belastet haben dürften. Am breiten Markt profitierte Idorsia (+3.6%) von positiven Studiendaten zum Schlafmittel Quviviq im Zusammenhang mit der Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen. Auch die Halbleiterwerte VAT, Comet, Inficon und AMS-Osram legten dank der verbesserten Stimmung im US-Technologiesektor zwischen 2.4% und 3.5% zu. Der Kapitalmarkttag von Swiss Prime Site (-0.6%) konnte hingegen trotz neuer Mittelfristziele keine positiven Kursimpulse setzen.

Aktienmärkte Europa

Euro Stoxx 50: +0.79%, DAX: +0.91%

Die europäischen Aktienmärkte haben sich zum Wochenauftakt von den Verlusten vom Freitag erholt. Unterstützung erhielten die Börsen durch leicht rückläufige Ölpreise und eine Entspannung am französischen Anleihemarkt, nachdem die Ratingagentur Moody's die Bonität Frankreichs überraschend bestätigt hatte. Zudem weckte der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung. Der EuroStoxx 50 legte um 0.8% zu, während der italienische FTSE MIB (+1.3%), der französische CAC 40 (+0.8%) und der britische FTSE 100 (+0.7%) ebenfalls Gewinne verzeichneten. Auf Sektorenebene waren insbesondere die zyklischeren Branchen Industrie, Technologie, Finanzen und Zyklischer Konsum gesucht. Unter Abgaben litten die defensiveren Sektoren Kommunikationsdienste, Energie und Basiskonsum.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.28%, S&P 500: +0.70%, Nasdaq: +0.82%

Die amerikanischen Aktienmärkte sind mit Gewinnen in eine ereignisreiche Handelswoche gestartet. Für positive Impulse sorgten die Aussicht auf einen baldigen Börsengang des KI-Unternehmens Anthropic sowie leicht rückläufige Ölpreise. Im Fokus der Anleger stehen nun der anstehende Zinsentscheid der US-Notenbank und zahlreiche Quartalsberichte grosser Unternehmen. Die technologielastige Nasdaq legte um 0.8% zu, während der breite S&P 500 um 0.7% und der Leitindex Dow Jones um 0.3% stiegen. Bei den Technologiewerten waren insbesondere Halbleiteraktien gefragt. Intel (+4.0%), Micron (+3.0%), Nvidia (+2.4%) und Broadcom (+2.3%) verzeichneten deutliche Kursgewinne. Tesla (+5.2%) profitierte von Spekulationen über eine mögliche Fusion mit SpaceX (-0.4%) sowie von einer Hochstufung durch einen Broker. Meta (-1.9%) geriet hingegen unter Druck, nachdem das Unternehmen Pläne zur Finanzierung weiterer hoher KI-Investitionen bekannt gegeben hatte.

Unternehmensberichte

Novartis übertrifft Erwartungen und erhöht Gewinnprognose

Novartis hat im 3. Quartal 2026 den Umsatz um 4% auf USD 14.5 Mrd. gesteigert. Wachstumstreiber waren insbesondere die Medikamente Kisqali (+37%), Kesimpta (+22%) und Scemblix (+67%), während die Generikakonkurrenz das Wachstum belastete. Der operative Kerngewinn stieg auf USD 6.0 Mrd. und die entsprechende Marge verbesserte sich um 2.3 Prozentpunkte auf 41.6%. Der ausgewiesene Betriebsgewinn brach hingegen um 59% auf USD 1.8 Mrd. ein. Grund dafür war insbesondere eine Wertberichtigung von USD 1.9 Mrd. auf den gescheiterten Wirkstoffkandidaten Del-Desiran. Der Reingewinn sank entsprechend von USD 3.9 Mrd. auf USD 1.2 Mrd. Für das Gesamtjahr erhöht Novartis die Prognose für das operative Kernergebnis. Zu konstanten Wechselkursen erwartet Novartis neu ein stabiles bis leicht höheres Ergebnis, nachdem zuvor ein Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich prognostiziert worden war. Die Umsatzprognose mit einem Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich bleibt unverändert. Mit dem operativen Kerngewinn übertraf Novartis die Markterwartungen deutlich.

Bucher Industries: Stabilisierung im 3. Quartal

Nach einem schwachen 1. Halbjahr 2026 hat sich die Geschäftsentwicklung von Bucher im 3. Quartal stabilisiert. In den ersten neun Monaten ging der Auftragseingang gegenüber der Vorjahresperiode um 1.4% auf CHF 2.03 Mrd. zurück, während der Umsatz um 2.8% auf CHF 2.10 Mrd. sank. Bereinigt um Währungs- und Akquisitionseffekte resultierten ein leichtes Auftragsplus von 0.2% und ein Umsatzrückgang von 1.3%. Im 3. Quartal 2026 entwickelte sich insbesondere der Auftragseingang bei der Kuhn Group erfreulich, während Emhart Glass und Bucher Specials schwächer abschnitten. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiterhin einen leicht tieferen Umsatz auf vergleichbarer Basis. Die Betriebsgewinnmarge dürfte unter dem bereinigten Vorjahresniveau von 8.2% liegen, wobei der 2025 erzielte Gewinn aus einem Grundstücksverkauf von CHF 43 Mio. ausgeklammert wird. Zudem hat Bucher die Margenerwartungen für die Divisionen Kuhn Group und Municipal gesenkt. Am 1. Juni 2027 plant Bucher Industries einen Investorentag. Der Auftragseingang übertraf die Markterwartungen, während der Umsatz im Rahmen der Erwartungen lag.

Inficon mit Rekordquartal und erneuter Prognoseerhöhung

Inficon hat im 3. Quartal 2026 den Umsatz um 42.4% auf den Rekordwert von USD 233.3 Mio. gesteigert. Organisch resultierte ein Wachstum von 42.5%. Wichtigster Wachstumstreiber war das Halbleitergeschäft (Semiconductor & Vacuum Coating), dessen Umsatz um 74.7% auf USD 135.4 Mio. zulegte und damit 58% des Konzernumsatzes ausmachte. Auch der Bereich General Vacuum verzeichnete eine positive Entwicklung mit einem Umsatzwachstum von rund 13% auf USD 51.0 Mio. Der Auftragseingang entwickelte sich ebenfalls erfreulich und übertraf das Rekordniveau des Vorquartals, wobei das Book-to-Bill-Verhältnis weiterhin deutlich über 1 lag. Der operative Gewinn (EBIT) erhöhte sich von USD 22.9 Mio. auf USD 59.5 Mio., während sich die EBIT-Marge von 14.0% auf 25.5% verbesserte. Dabei profitierte das Unternehmen neben dem starken Umsatzwachstum und operativen Skaleneffekten auch von positiven Einmaleffekten. Der Reingewinn stieg auf USD 47.4 Mio. nach USD 17.4 Mio. im Vorjahr. Angesichts der starken Nachfrage erhöhte Inficon die Jahresprognose erneut. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun mit einem Umsatz von USD 820 bis 850 Mio. (bisher USD 750 bis 780 Mio.) sowie einer EBIT-Marge von 21% bis 22% (bisher 19% bis 20%). Mit den vorgelegten Quartalszahlen hat Inficon die Markterwartungen auf allen Ebenen deutlich übertroffen.

SIG übertrifft Erwartungen deutlich und erhöht Margenprognose

SIG hat im 3. Quartal 2026 den Umsatz um 9.6% auf EUR 843 Mio. gesteigert. In lokalen Währungen resultierte ein Wachstum von 7.2%. Der bereinigte EBIT erhöhte sich gegenüber dem um Einmaleffekte bereinigten Vorjahreswert um 29.3% auf EUR 146.9 Mio., während sich die bereinigte EBIT-Marge von 14.8% auf 17.4% verbesserte. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 2.3% auf EUR 2.40 Mrd. und die bereinigte EBIT-Marge von 14.8% auf 16.3%. Für das Gesamtjahr erhöht SIG die Prognose für die bereinigte EBIT-Marge von bisher 15.7% bis 16.2% auf 16.0% bis 16.5%. Das erwartete Umsatzwachstum zwischen 0% und 2% auf vergleichbarer Basis bleibt unverändert. Am heute stattfindenden Kapitalmarkttag präsentiert SIG zudem neue Mittelfristziele. Der Konzern strebt ein organisches Umsatzwachstum von 3% bis 5% pro Jahr sowie eine bereinigte EBIT-Marge von über 18% an. Im Kerngeschäft mit aseptischen Kartonverpackungen soll die Marge über 20% liegen. Für Bag-in-Box & Standbeutel wird eine Marge von 8% bis 10% angestrebt. SIG vereinfacht zudem die Konzernstruktur und wird künftig noch zwei Geschäftssegmente (Aseptic Carton und Bag-in-Box & Standbeutel) ausweisen. Im Zusammenhang mit der neuen Segmentberichterstattung erwartet der Konzern im 4. Quartal 2026 eine nicht liquiditätswirksame Wertberichtigung von rund EUR 250 Mio. Zudem plant SIG, die Dividendenzahlungen 2027 mit einer Ausschüttungsquote von 30% bis 50% des bereinigten Reingewinns wieder aufzunehmen. Mit den Quartalszahlen hat SIG die Markterwartungen deutlich übertroffen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.98%; DE: 3.35%; CH: 0.48%

Mangels neuer marktbewegender Konjunkturdaten bewegten sich die Renditen langlaufender Staatsanleihen gestern mehrheitlich seitwärts. In den vergangenen Wochen sind die Marktzinsen wieder etwas gesunken, da an den Märkten sichere Anleihen vermehrt gefragt waren. Die Rendite der massgebenden 10-jährigen US-Staatsanleihe ist beispielsweise seit Anfang Oktober um 30 Basispunkte gesunken. Gegenüber dem Jahresbeginn liegt sie aber weiterhin rund 80 Basispunkte höher.

Währungen

Euro in Franken: 0.924
US-Dollar in Franken: 0.828
Euro in US-Dollar: 1.116

Aus Sicht der Devisenmärkte bleibt das Jahr 2026 das Jahr des US-Dollars. Getrieben von veränderten Zinserwartungen hat die US-Währung gegenüber Euro und Schweizer Franken seit Anfang Jahr um mehr als 4% zugelegt. Im Oktober hat der Franken zum Dollar zwar wieder etwas Boden gutgemacht. Dies ist aber primär auf Umschichtungen aus dem Euro nach den Turbulenzen in Frankreich zurückzuführen.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 116.12 pro Fass
Goldpreis: USD 4'007.67 pro Unze

Der Ölpreis ist letzte Woche wieder über die Marke von 110 US-Dollar gestiegen. Auch gestern zeigte sich keine Entspannung. Vergleichbar hohe Preise wurden zuletzt im Frühling 2026 verlangt. Hintergrund des jüngsten Anstiegs sind unter anderem die anhaltenden Angriffe der Huthi-Milizen auf Saudi-Arabien. Zudem gibt es weiterhin Spekulationen über mögliche neue US-Angriffe auf den Iran nach den US-Zwischenwahlen.

Wirtschaft und Konjunktur

Deutschland: IFO-Geschäftsklima (Oktober)
aktuell: 90.2 (erwartet: 89.9, Vormonat: 89.9)

Der vom IFO-Institut erhobene Indikator zum Geschäftsklima in Deutschland hat im Oktober seinen Aufwärtstrend fortgesetzt. Ein Wert über 90 Punkte wurde zuletzt im März 2023 erreicht. Auch andere Konjunkturdaten aus Deutschland zeigten in den letzten Monaten Zeichen einer Verbesserung. Der Aufschwung erfolgt aber ausgehend von einem tiefen Niveau und wird stark von der boomenden Rüstungsindustrie getrieben. Insgesamt bleibt das Geschäftsklima gemäss dem IFO-Indikator weiterhin klar unterhalb des langjährigen Mittelwerts (95 Punkte).

Anja Felder

Portraitfoto von Anja Felder, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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