21. August 2026, Tägliche Marktsicht
Freihandelsabkommen mit China stützt den SMI
Die amerikanischen und europäischen Aktienmärkte wurden gestern von wieder steigenden Anleiherenditen und höheren Ölpreisen belastet. In der Schweiz steht der Halbjahresbericht von Siegfried im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -0.13%, SPI: -0.12%, SMIM: -0.12%
Der Schweizer Aktienmarkt schloss am Donnerstag leicht im Minus, konnte seine Verluste bis zum Handelsende jedoch eingrenzen. Belastend wirkten zunächst wieder leicht steigende US-Anleiherenditen, nachdem diese zur Wochenmitte kräftig gefallen waren. Unterstützung brachte später US-Finanzminister Scott Bessent mit der Aussicht auf möglicherweise umfangreichere Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen. Zusätzlichen Rückenwind erhielten Schweizer Exportwerte durch den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen über die Weiterentwicklung des Freihandelsabkommens mit China, wodurch künftig nahezu alle Schweizer Ausfuhren zollfrei nach China gelangen könnten. Daneben blieb der Iran-Konflikt und die damit verbundene Entwicklung der Ölpreise im Fokus. Der SMI beendete den Handel 0.1% tiefer, wobei 12 Gewinner sieben Verlierern gegenüberstanden. Givaudan (+2.1%) und Roche (+1.2%) verbuchten gestern Kursgewinne und gehörten zu den stärksten SMI-Werten. Demgegenüber standen Swiss Re (-1.3%), Richemont (-1.3%) und Logitech (-4.8%) unter Verkaufsdruck und schlossen den Handelstag im Minus. Logitech (-4.8%) wurde von einer Kurszielsenkung eines amerikanischen Brokers belastet.
Am breiten Markt gewann Centiel (+6.4%) nach einem positiven Zahlenset zum 1. Halbjahr an Schwung. Ebenfalls höhere Kurse stellten Tecan (+3.0%) und Swissquote (+2.5%). Mit einer neuen Verkaufsempfehlung eines Brokers verloren die Aktien von Aryzta 5.0%. Montana Aerospace gab noch deutlicher nach und verbuchte ein Minus von 6.0%. Holcim (+0.4%) gab nachbörslich bekannt, den deutschen Baustoffhersteller Fermacell für EUR 840 Mio. zu übernehmen und damit den Bereich Building Solutions zu stärken, wobei die Transaktion bereits ab dem ersten Jahr gewinnsteigernd wirken soll.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.35%, DAX: -0.41%
Die europäischen Aktienmärkte tendierten am Donnerstag mehrheitlich schwächer. Der EuroStoxx 50 setzte seinen jüngsten Abwärtstrend fort und verlor 0.4%, während der britische FTSE 100 mit einem Plus von 0.04% nahezu unverändert schloss. Die zuvor angekündigten Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen sorgten nur vorübergehend für Entspannung, zumal die weiter steigende US-Staatsverschuldung im Fokus der Anleger blieb. Auf Sektorenebene waren Aktien aus den Bereichen Energie, Versorger und Grundstoffe gefragt. Unter Verkaufsdruck standen Kommunikationsdienste und Zyklischer Konsum.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -1.32%, S&P 500: -0.87%, Nasdaq: -1.00%
Die amerikanischen Aktienmärkte schlossen am Donnerstag deutlich schwächer, belastet von wieder steigenden Anleiherenditen, höheren Ölpreisen und enttäuschenden Geschäftszahlen von Walmart. Der Dow Jones verlor 1.3%, während der S&P 500 und der Nasdaq 0.9% respektive 1.0% nachgaben. Die erstmals auf über USD 40 Bio. gestiegene US-Staatsverschuldung und der Iran-Konflikt sorgten zusätzlich für Zurückhaltung. Auf Unternehmensebene brach Walmart nach schwächeren US-Umsätzen und einem vorsichtigen Ausblick um 9.2% ein, während Deere nach überzeugenden Zahlen und positiven Aussichten für die US-Agrarbranche 6.9% zulegte.
Unternehmensberichte
Siegfried mit profitablem Wachstum und Bestätigung des Ausblicks
Der Umsatz von Siegfried stieg im ersten Halbjahr auf CHF 633 Mio., entsprechend einem Wachstum von 4.8% in Lokalwährungen bzw. 2.2% in Schweizer Franken. Der EBITDA erhöhte sich auf CHF 142 Mio., während sich die Marge von 21.6% auf 22.4% verbesserte. Der Reingewinn erreichte CHF 68.2 Mio. (Vorjahr CHF 65.7 Mio.). Die Integration der neu übernommenen Standorte sowie strategische Technologieinvestitionen verlaufen gemäss dem Management planmässig. Für 2026 bestätigt Siegfried die Prognose eines Umsatzwachstums im hohen einstelligen Prozentbereich in Lokalwährungen und einer EBITDA-Marge von über 23%. Siegfried erwartet auch mittelfristig weiterhin ein profitables Wachstum über dem Marktniveau. Das ausgewiesene Zahlenset liegt am oberen Ende der Analystenschätzungen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.70%; DE: 3.26%; CH: 0.42%
Die Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langlaufender Anleihen zu erhöhen, hatte nur kurzfristig positive Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Bereits einen Tag später verpuffte dieser Effekt praktisch vollständig. Nicht sonderlich geholfen hat dabei die Nachricht, wonach die US-Staatsverschuldung nun zum ersten Mal auf über 40 Billionen US-Dollar angestiegen sei. Die Rendite der 10-jährigen Treasuries stieg um gut 6 Basispunkte und damit in etwa wieder auf das Niveau des Vortages. Auf die Zinslandschaft in Europa hatte diese Bewegung erneut kaum Auswirkungen.
Währungen
Euro in Franken: 0.935
US-Dollar in Franken: 0.800
Euro in US-Dollar: 1.169
Der US-Dollar blieb auch am zweiten Tag nach der Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langlaufender Anleihen zu erhöhen, unter Druck. Gegenüber dem Schweizer Franken fiel der Greenback zwischenzeitlich gar deutlich unter die Marke von 80 Rappen, bevor sich der Dollar gegen Abend wieder leicht erholte.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 93.34 pro Fass
Goldpreis: USD 4'531.34 pro Unze
Weiterhin bleiben die Entwicklungen im Iran-Krieg das bestimmende Thema am Ölmarkt. Nachdem US-Präsident Trump dem Iran erneut mit einem «vernichtenden Wirtschaftskrieg» drohte, stieg der Ölpreis am gestrigen Handelstag weiter an.
Der Ölpreis setzte gestern seinen Aufwärtstrend trotz wieder ansteigender Zinsen fort und notiert nun wieder deutlich über der Marke von 4'500 US-Dollar pro Unze. Dieses Niveau wurde zuletzt Ende Mai erreicht.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: Philadelphia Fed Geschäftsklima (August)
aktuell: +47.4 (erwartet: +24.8, Vormonat: +41.4)
Der gestern veröffentlichte Geschäftsklimaindex der Philadelphia Fed, welcher die Aktivität im Industriesektor misst, ist im August etwas überraschend noch einmal weiter angestiegen. Mit 47.4 Punkten liegt er nun auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2021. Laut der aktuellen Umfrage bewertet eine Mehrheit der Unternehmen die allgemeine Geschäftslage noch einmal deutlich optimistischer als noch vor Monatsfrist. Weiterhin positiv zeigen sich insbesondere auch der «Auftragseingang» und die «Offenen Aufträge».
USA: Vorlaufende Indikatoren (Juli)
aktuell: +0.2% (erwartet: +0.1%, Vormonat: -0.1%)
Der Index der vorlaufenden Indikatoren, welcher vom Conference Board erhoben wird, stieg im Juli um 0.2%. Der Sammelindex setzt sich aus zehn Frühindikatoren zusammen, wie beispielsweise den Neuaufträgen in der Industrie oder den Arbeitslosenanträgen. Zum Anstieg im Juli beigetragen haben unter anderem der Arbeitsmarkt sowie die Baugenehmigungen.
Patrick Häfeli
8021 Zürich
Florian Hiltpold
8021 Zürich
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