24. Juli 2026, Tägliche Marktsicht

Flut an Unternehmenszahlen zieht SMI nach unten

Obwohl viele Unternehmen die Erwartungen erfüllten oder übertrafen, überwogen am Schweizer Aktienmarkt die negativen Kursreaktionen. Heute stehen in der Schweiz die Geschäftszahlen von Vontobel, SGS, APG und Schweiter Technologies im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.70%, SPI: -0.79%, SMIM: -0.81%

Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich gestern äusserst volatil und wurde von einer Flut an Halbjahresabschlüssen geprägt. Belastend wirkte zudem der Ölpreis, der infolge der anhaltenden Eskalation im Nahen Osten erneut auf über 100 Dollar gestiegen ist und die Inflationssorgen damit weiter verstärkte. Unter dem Strich büsste der Leitindex SMI 0.7% ein. Von den 20 Blue Chips im SMI schlossen lediglich vier Titel im Plus. Im Fokus standen die Schwergewichte. Roche führte mit einem Plus von 5.1% die Gewinnerliste an, nachdem das Unternehmen ein den Erwartungen entsprechendes Halbjahresergebnis vorgelegt hatte. Davon profitierte auch Novartis (+1.9%). Ebenfalls im Plus schlossen nur noch Lonza (+1.1%) und Swiss Re (+0.7%). Massiv unter Druck geriet hingegen Nestlé (-8.0%). Zwar fielen die Halbjahreszahlen solide aus, der von Einmaleffekten belastete Margenausblick stiess bei den Investoren jedoch auf Skepsis. In der Folge gerieten auch andere Nahrungsmittelhersteller unter Verkaufsdruck. Lindt & Sprüngli verloren 3.0%, Orior 3.5% und Emmi 1.6%. Zu den grössten Verlierern zählte auch Givaudan (-6.1%). Trotz eines soliden Zahlenkranzes und der Bestätigung des Jahresausblicks überwogen die Verkäufe. Galderma (-2.7%) schloss ebenfalls tiefer, obwohl das Unternehmen die Erwartungen teilweise übertraf und den Umsatzausblick anhob. Kühne + Nagel überzeugte mit einem über den Erwartungen liegenden Halbjahresergebnis und erhöhte den EBIT-Ausblick auf CHF 1.35 bis CHF 1.55 Mrd. Nach einem freundlichen Handelsstart drehte die Aktie jedoch ins Minus und schloss 1.7% tiefer. Auch Temenos (-8.1%) wurde nach einem gemischten Halbjahresbericht deutlich abgestraft. Wenig honoriert wurden zudem starke Resultate von SFS (-0.7%). Auch Cembra gab trotz solider Halbjahreszahlen um 0.7% nach.

Gestern nach Börsenschluss gab der Verbundspezialist Gurit (-3.6%) bekannt, dass CEO Tobias Lührig das Unternehmen per sofort verlässt, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung ausserhalb von Gurit zu widmen. Die operative Leitung übernimmt ad interim CFO Viktor Bernhardt.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -1.69%, DAX: -1.56%

Die europäischen Aktienmärkte gaben gestern an breiter Front nach. Für Verunsicherung sorgte der wieder angestiegene Ölpreis, der die Inflationssorgen erneut in den Fokus rückte. Der EZB-Leitzinsentscheid fiel indes wie erwartet aus und sorgte für keinen nennenswerten Einfluss. Der italienische FTSE MIB verlor mit 2.8% am stärksten, gefolgt vom länderübergreifenden EuroStoxx50 (-1.7%). Aus Branchensicht schwangen die Bereiche Energie und Gesundheit obenauf. Unterdurchschnittlich schnitten hingegen die Bereiche Nichtzyklischer Konsum und Technologie ab.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.97%, S&P 500: -1.21%, Nasdaq: -2.15%

Der US-Aktienmarkt setzte gestern seine Abwärtsbewegung fort. Belastend wirkten der erneut gestiegene Ölpreis, der die Inflationssorgen wieder anfachte, sowie die anhaltend hohen KI-Investitionen der Technologiekonzerne, die von den Anlegern zunehmend kritisch hinterfragt werden. Am stärksten unter Druck stand der technologielastige Nasdaq, der 2.2% einbüsste. Der marktbreite S&P 500 verlor 1.2%, während der Dow Jones 1.0% nachgab. Im Fokus stand Alphabet, dessen Aktie um 7.1% einbrach. Zwar verzeichnete der Konzern das zwölfte Quartal in Folge ein zweistelliges Umsatzwachstum, das erneut vor allem vom Cloud-Geschäft getragen wurde. Gleichzeitig erhöhte Alphabet die Investitionen für das laufende Jahr um USD 15 Mrd. auf USD 195 bis 250 Mrd. Die nochmals angehobenen Ausgaben für KI-Infrastruktur stiessen bei den Anlegern auf Skepsis, da die Wirtschaftlichkeit dieser Investitionen zunehmend hinterfragt wird. Die schwache Stimmung erfasste den gesamten Technologiesektor. Sämtliche übrigen «Magnificent Seven»-Titel schlossen ebenfalls im Minus: Nvidia verlor 1.6%, Microsoft 2.2%, Amazon 4.6%, Meta 3.4% und Apple 1.3%. Schlusslicht war Tesla, dessen Aktien nach der Zahlenpublikation um 14.5% einbrachen. Der Elektroautohersteller präsentierte zwar einen höheren Absatz und einen höheren Umsatz, aufgrund der sehr hohen Investitionen blieb der Gewinn jedoch deutlich hinter den Markterwartungen zurück.

Unternehmensberichte

SGS mit solidem Wachstum, Kapitalmarkttag für November angekündigt

SGS steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr 2026 um 7.6% auf CHF 3.68 Mrd. Das organische Wachstum belief sich auf 5.6%. Den stärksten Wachstumsbeitrag lieferte erneut die Region Asien-Pazifik, wo der Umsatz organisch um 9.9% auf CHF 1.07 Mrd. zunahm. Rückläufig entwickelte sich hingegen einzig die Region EMEA. Der ausgewiesene EBIT ging um 0.6% auf CHF 483 Mio. zurück, wodurch sich die EBIT-Marge um 110 Basispunkte auf 13.1% verringerte. Bereinigt um akquisitionsbedingte Effekte stieg der operative Gewinn jedoch um 9.0% auf CHF 555 Mio., was die zugrunde liegende operative Entwicklung widerspiegelt. Der Reingewinn sank leicht um 1.6% auf CHF 309 Mio. Trotz des anspruchsvollen geopolitischen Umfelds, insbesondere im Nahen Osten, erzielte SGS im ersten Halbjahr ein solides organisches Wachstum und eine Verbesserung der bereinigten Profitabilität. Das Management sieht sich auf Kurs, die Ziele für 2026 zu erreichen. Unverändert wird ein organisches Umsatzwachstum von 5% bis 7% sowie eine bereinigte operative Marge von über 16% angestrebt. Zudem kündigte SGS einen Kapitalmarkttag für den 17. und 18. November 2026 an, an dem das Unternehmen voraussichtlich ein Update zu seiner Strategie und den mittelfristigen Zielen geben wird. Das Zahlenset erfüllte insgesamt in etwa die Markterwartungen.

Vontobel übertrifft die Erwartungen

Vontobel erzielte im 1. Halbjahr 2026 ein starkes Ergebnis und profitierte von einer höheren Kundenaktivität, einer gesenkten Kostenbasis sowie einem kräftigen Gewinnanstieg. Der Betriebsertrag erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 24% auf CHF 852 Mio. Gleichzeitig verbesserte sich das Kosten-Ertrags-Verhältnis deutlich von 77.9% auf 67.9%, was die Fortschritte des laufenden Effizienzprogramms unterstreicht. Auch auf der Bilanzseite setzte sich die positive Entwicklung fort. Die verwalteten Vermögen (Assets under Management) stiegen auf CHF 252.2 Mrd., während der Netto-Neugeldzufluss CHF 2.5 Mrd. erreichte. Die harte Kernkapitalquote (CET1) verbesserte sich auf 23.2% und unterstreicht die solide Kapitalisierung der Bank. Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity) stieg auf 16.9% und lag damit deutlich über dem Vorjahreswert. Unter dem Strich erhöhte sich der Reingewinn um 87% auf CHF 216 Mio. Vontobel bestätigte zudem die strategische Ausrichtung mit Fokus auf profitables Wachstum, operative Effizienz und Kapitaldisziplin. Insgesamt fielen die Halbjahreszahlen auf allen Ebenen besser aus als vom Markt erwartet.

APG überzeugt mit zweistelligem Umsatzwachstum

APG steigerte die Werbeerträge im 1. Halbjahr 2026 um 10.4% auf CHF 163.6 Mio. und wuchs damit deutlich stärker als der Schweizer Werbemarkt. Getragen wurde die Entwicklung vor allem vom Schweizer Geschäft, das um 11.0% zulegte, während das internationale Geschäft mit -0.5% weitgehend stagnierte. Dies gelang trotz eines insgesamt weiterhin zurückhaltenden Umfelds bei den Werbeinvestitionen. Das Wachstum war breit abgestützt und wurde sowohl von klassischen analogen als auch von digitalen Werbeformaten getragen. Positive Beiträge kamen aus nahezu allen Branchen, wobei insbesondere die politische Werbung einen wichtigen Treiber darstellte. Der EBIT stieg um 24.9% auf CHF 18.6 Mio., womit sich die EBIT-Marge um 90 Basispunkte auf 11.0% verbesserte. Der Reingewinn erhöhte sich ebenfalls um 24.9% auf CHF 15.2 Mio. Mit Blick auf das Gesamtjahr verweist APG auf ein weiterhin kurzfristiges Planungs- und Buchungsverhalten der Kunden. Gleichzeitig erwartet das Unternehmen, dass die Aussenwerbung in dem kompetitiven Marktumfeld weitere Marktanteile gewinnen wird und APG ihre Position als Markt- und Innovationsführerin behaupten kann. Insgesamt fielen die Halbjahreszahlen besser aus als vom Markt erwartet.

Schweiter Technologies übertrifft mit Halbjahreszahlen die Erwartungen

Schweiter Technologies erzielte im 1. Halbjahr einen Umsatz von CHF 450.3 Mio., was einem Rückgang von 9.0% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auf vergleichbarer Währungsbasis belief sich das Minus auf 4.0%. Trotz des tieferen Umsatzes steigerte das Unternehmen den EBITDA um 3.7% auf CHF 45.0 Mio. Die EBITDA-Marge verbesserte sich um 120 Basispunkte auf 10.0%, was insbesondere auf Preisverbesserungen sowie eine vorteilhafte Beschaffungspolitik in einem weiterhin volatilen Marktumfeld zurückzuführen ist. Der EBIT legte um 16.6% auf CHF 25.3 Mio. zu. Unter dem Strich resultierte ein Reingewinn von CHF 16.4 Mio., was einer Zunahme von 28.1% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Den Ausblick bestätigte Schweiter weitgehend. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen weiterhin mit einem Umsatz unter dem Vorjahresniveau, erwartet jedoch eine höhere Profitabilität. Während die Nachfrage in Europa verhalten bleiben dürfte, geht das Management davon aus, dass sich die Nachfrage in Nordamerika und Asien auf dem aktuellen Niveau stabilisiert. Insgesamt fielen die Halbjahreszahlen besser aus als vom Markt erwartet.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.71%; DE: 3.20%; CH: 0.53%

Gestern bewegten sich die Zinsen an den Kapitalmärkten weiter nach oben. Der erneute Anstieg des Ölpreises hat die Inflationssorgen zuletzt wieder verstärkt, entsprechend sind die Erwartungen an Leitzinserhöhungen der wichtigsten Notenbanken für die zweite Jahreshälfte gestiegen, und damit auch die Kapitalmarktzinsen. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in den USA und Deutschland notieren mit 4.71% und 3.20% auf neuen Jahreshochs. In der Schweiz ist das Jahreshoch von 0.60% hingegen noch nicht erreicht worden. Während die EZB gestern eine Zinspause eingelegt hat, gibt die US-Notenbank Fed ihre geldpolitische Lagebeurteilung nächsten Mittwoch bekannt, die SNB erst im September.

Währungen

Euro in Franken: 0.929
US-Dollar in Franken: 0.817
Euro in US-Dollar: 1.137

Trotz des gestrigen Marktumfelds waren die als sichere Häfen geltenden Yen und Franken nicht gesucht. Unter den G10-Währungen haben beide die tiefsten Leitzinsen. Obschon die EZB gestern eine Zinspause einlegte, bleibt ein zweiter Zinsschritt auf der Agenda. Entsprechend stieg der Euro erstmals seit Anfang Jahr wieder auf 93 Rappen. Der US-Dollar erhielt im Vorfeld des Fed-Zinsentscheids ebenfalls Aufwind und näherte sich der Marke von 82 Rappen an.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 100.23 pro Fass
Goldpreis: USD 4'029.56 pro Unze

Die Lage im Nahen Osten bleibt unübersichtlich und fragil. Die USA haben ihre Luftangriffe in den letzten Tagen auf den Iran ausgeweitet, während es vorerst keine Anzeichen für eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche gibt. Nun rückt ein zweites Nadelöhr für das Öl des Nahen Ostens in den Fokus. Nach einem Angriff der Huthi-Miliz auf einen saudi-arabischen Tanker im Roten Meer stieg der Preis für die Nordsee-Sorte Brent gestern Nachmittag auf 100 US-Dollar je Fass. Damit notiert Brent auf einem Zweimonatshoch, nachdem er Anfang Monat zwischenzeitlich auf 70 US-Dollar gefallen war. Als weltweit grösster Erdölexporteur konnte Saudi-Arabien bislang einen Grossteil seiner Exporte über Pipelines zum Roten Meer umleiten. Sollte neben der Strasse von Hormus nun auch die Meerenge Bab al-Mandab stärker gestört werden, müssten Tanker vermehrt den Umweg über Südafrika nehmen.

Wirtschaft und Konjunktur

Eurozone: EZB-Leitzinsentscheid (Einlagefazilität)
aktuell: 2.25% (erwartet: 2.25%, letzter: 2.25%)

Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen wie erwartet unverändert belassen. Im Juni hatte die EZB die Zinsen erstmals seit fast drei Jahren angehoben, um die durch den Iran-Krieg gestiegene Inflation einzudämmen, und dabei auch neue Projektionen vorgelegt. Die Währungshüter legten gestern eine geldpolitische Pause ein. Anders als im Juni präsentierten die EZB-Ökonomen dabei keine neuen Prognosen. Die EZB hält an ihrem datenabhängigen Vorgehen und an Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung fest. Gemäss EZB-Präsidentin Christine Lagarde birgt der Iran-Krieg Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum und Aufwärtsrisiken für die Inflation. Die Notenbank will weitere Konjunkturdaten abwarten, bevor sie im September über eine zweite Zinserhöhung entscheidet.

Angela Truniger

Portraitfoto von Angela Truniger, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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