28. Juli 2026, Tägliche Marktsicht
Entspannung im Nahen Osten treibt SMI auf Rekordniveau
Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Nahen Osten und deutlich fallende Ölpreise sorgten für Rückenwind. Hierzulande stehen heute die Halbjahreszahlen von Sika, SIG und Sulzer im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.66 %, SPI: +0.57%, SMIM: +0.21%
Der Schweizer Aktienmarkt hat den Wochenauftakt mit deutlichen Gewinnen beendet. Der Leitindex SMI erreichte dabei ein neues Allzeithoch bei 14'472 Punkten. Für Unterstützung sorgten Entspannungssignale im Nahen Osten, nachdem die USA und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe vorerst eingestellt hatten und Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung aufkamen. Entsprechend gaben auch die Ölpreise deutlich nach. US-Präsident Donald Trump erklärte zwar, dass Verhandlungen liefen, drohte jedoch für den Fall eines Scheiterns erneut mit militärischen Massnahmen. Das Rekordniveau konnte der SMI bis Handelsschluss jedoch nicht halten und schloss letztlich 0.7% höher bei 14'421 Punkten. Von den 20 Blue Chips notierten alle ausser vier Werte in der Gewinnzone.
Zu den grössten Gewinnern im SMI zählte zum Wochenauftakt Sika (+3.5%). Im Vorfeld der heute anstehenden Halbjahreszahlen war im Markt von Deckungskäufen die Rede. Ebenfalls höher schlossen Lonza (+2.1%), Amrize (+1.6%), Swiss Re sowie Swisscom (je +1.5%). Auch die Aktien von UBS und Logitech (je +1.2%) gehörten im Vorfeld der anstehenden Zahlenvorlage zu den Gewinnern. Die Pharmaschwergewichte Roche (+1.4%) und Novartis (+1.3%) knüpften an ihre Kursgewinne der Vorwoche an und stützten den SMI. Nestlé (-0.4%) gehörte hingegen erneut zu den Verlierern. Am Tabellenende fanden sich zudem Kühne + Nagel (-1.4%). Der Transportlogistiker gilt als Profiteur von Störungen im Welthandel, da Umleitungen und Anpassungen globaler Transportströme häufig mit höheren Frachtraten einhergehen. Ebenfalls unter Abgaben litten ABB (-1.3%) sowie Alcon (-0.1%).
Am breiten Markt gerieten die Halbleiterzulieferer VAT (-4.3%), Inficon (-3.3%) und Comet (-3.1%) unter Druck. Belastet wurde der Sektor von einem Medienbericht, wonach in China die Produktion von Immersions-DUV-Lithografiesystemen anlaufen soll. Die Nachricht setzte weltweit Halbleiterwerte unter Druck. Einen Kurssprung verzeichnete hingegen Temenos (+5.4%). Der Bankensoftwarehersteller erholte sich damit von den Verlusten der Vorwoche. Ebenfalls gefragt waren die Aktien von Interroll (+3.4%), die von einer Kaufempfehlung eines Brokers profitierten.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +0.02%, DAX: +1.04%
Die europäischen Aktienmärkte haben am Montag ihre anfänglichen Gewinne grösstenteils wieder abgegeben. Zwar sorgten Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen Osten und deutlich fallende Ölpreise zunächst für Auftrieb. Im Verlauf des Nachmittags liess die Risikofreude jedoch nach, nachdem Sorgen über zunehmende Konkurrenz aus China den Halbleitersektor belasteten. Im Fokus stand der Chipausrüster ASML (-8.5%). Ein Medienbericht über den Produktionsstart vergleichbarer Lithografiesysteme in China schürte Sorgen vor zunehmender Konkurrenz und machte ASML zum grössten Verlierer im EuroStoxx 50. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg von bis zu 1.4% gab der Leitindex der Eurozone einen Grossteil seiner Gewinne wieder ab und schloss nur noch 0.02% im Plus. Während Halbleiterwerte unter Druck standen, setzte sich die Erholung im Software- und Internetsektor fort. Vor allem SAP (+7.9%) verlieh dem deutschen DAX Auftrieb, der den Handel 1.0% höher beendete. Ebenfalls zulegen konnten der spanische IBEX 35 (+0.8%), der italienische FTSE MIB (+0.5%) sowie der britische FTSE 100 (+0.4%). Nach Quartalszahlen waren Vodafone (+4.9%) und AstraZeneca (+1.7%) gefragt. Der britische Telekomkonzern überzeugte mit einer angehobenen Gewinnprognose, während der Pharmakonzern von starken Verkäufen im Bereich Krebs- und seltene Krankheiten profitierte.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +0.51%, S&P 500: +0.02%, Nasdaq: -0.18%
Der US-Aktienmarkt ist verhalten in die neue Woche gestartet. Zwar sorgten Hoffnungen auf eine Deeskalation im Nahen Osten und sinkende Ölpreise zunächst für Unterstützung. Sorgen über zunehmende Konkurrenz aus China belasteten jedoch den Halbleitersektor, während anhaltende Zweifel an der Rentabilität grosser KI-Investitionen die Stimmung im Technologiesektor zusätzlich dämpften. Die Haupt-Indizes konnten ihre anfänglichen Gewinne von zeitweise rund 1% nicht halten. Der Dow Jones schloss 0.5% höher, während der S&P 500 (+0.02%) praktisch unverändert aus dem Handel ging. Belastet von den deutlichen Kursverlusten im Halbleitersektor schloss der Nasdaq den Handel 0.2%. Belastet wurde der Halbleitersektor von einem Medienbericht über den Produktionsstart von DUV-Lithografiesystemen in China. Dies schürte Sorgen vor zunehmender Konkurrenz für den niederländischen Chipausrüster ASML. Zusätzlichen Gegenwind lieferte der erfolgreiche Börsengang des chinesischen Speicherchipherstellers CXMT. Software- und Internetwerte wie Salesforce (+6.1%), Alphabet (+2.0%) oder Microsoft (+1.9%) gehörten hingegen zu den Gewinnern im Dow Jones. Nvidia bildete hingegen mit einem Kursverlust von 5.0% das Schlusslicht des Leitindex. Die Anleger richten ihren Blick nun auf die im Wochenverlauf anstehenden Quartalszahlen von Microsoft, Meta, Amazon und Apple. Zudem rückt die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch in den Fokus.
Unternehmensberichte
Sika gelingt die Rückkehr zu organischem Wachstum
Sika musste im 1. Halbjahr 2026 einen Umsatzrückgang von 1.5% auf CHF 5.59 Mrd. hinnehmen. Der Rückgang ist jedoch ausschliesslich auf den starken Schweizer Franken zurückzuführen, welcher den Umsatz um 5.5% belastete. In Lokalwährungen stieg der Umsatz um 4.0%, wovon 2.9% aus eigener Kraft und 1.1% aus Akquisitionen stammten. Im 2. Quartal 2026 gelang Sika ein organisches Wachstum von 5.7%. Damit gelang Sika erstmals seit dem 3. Quartal 2025 wieder organisches Wachstum. Der Betriebsgewinn (EBITDA) sank leicht um 0.7% auf CHF 1.06 Mrd. Die entsprechende Marge stieg leicht von 18.9% in der Vorjahresperiode auf 19.0% an. Unter dem Strich verzeichnete Sika einen Reingewinn von CHF 552.1 Mio., nach CHF 554.4 Mio. im 1. Halbjahr 2025. Nach einem guten 1. Halbjahr hebt Sika die Prognose für das Umsatzwachstum 2026 in Lokalwährungen auf 3% bis 6% an (zuvor: 1% bis 4%). Gleichzeitig rechnet das Unternehmen weiterhin mit einem verhaltenen globalen Marktumfeld. Die Prognose für die EBITDA-Marge wurde hingegen auf 19.0% bis 19.5% gesenkt (zuvor: 19.5% bis 20.0%). Mit dem Zahlenset übertrifft Sika die Markterwartungen auf allen Stufen.
SIG schlägt die Erwartungen auf allen Stufen
SIG verzeichnete einen um 1.2% tieferen Umsatz von EUR 1.56 Mrd. Bereinigt um Währungseinflüsse und die Preisentwicklung von Kunststoff gelang dem Verpackungshersteller ein Plus von 0.4%. Im 2. Quartal stieg der Umsatz um 1.5% auf EUR 845.2 Mio., nachdem dieser im 1. Quartal noch rückläufig war. Der Umsatz mit aseptischen Kartonpackungen legte im 1. Halbjahr leicht zu, während das Geschäft mit gekühlten Kartonverpackungen sowie mit Bag-in-Box-Lösungen und Standbeuteln deutlich rückläufig war. Die Profitabilität verbesserte sich dank Effizienzmassnahmen und tieferer Abschreibungen. Der bereinigte Betriebsgewinn (EBIT) stieg um 4.6% auf EUR 243.7 Mio., während sich die entsprechende Marge von 14.8% auf 15.6% erhöhte. Der bereinigte Reingewinn fiel leicht um 2.1% auf EUR 133.3 Mio., was gemäss SIG auf einen höheren Steueraufwand zurückzuführen war. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigt SIG den Ausblick und erwartet weiterhin ein währungs- und kunststoffpreisbereinigtes Umsatzwachstum von 0% bis 2% sowie eine bereinigte EBIT-Marge zwischen 15.7% und 16.2%. SIG konnte mit den Halbjahreszahlen die Analystenerwartungen auf allen Kennzahlen klar übertreffen.
Sulzer verbessert die Marge und bestätigt den Ausblick
Sulzer erzielte im 1. Halbjahr 2026 einen Umsatz von CHF 1.67 Mrd., was im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025 einem Rückgang von 4.1% entspricht. Organisch, d.h. bereinigt um Fremdwährungs- und Konsolidierungseffekte, stieg der Umsatz um 1.0%. Allerdings musste Sulzer beim Auftragseingang einen deutlichen Rückgang von 8.9% auf CHF 1.79 Mrd. hinnehmen. Organisch lag das Minus bei 3.9%. Der Rückgang ist auf die Division Chemtech zurückzuführen. In der Division Flow stiegen die Bestellungen trotz Lieferkettenstörungen und Projektverzögerungen im Zusammenhang mit der Lage im Nahen Osten leicht an, während das Servicegeschäft stabil blieb. Der operative Gewinn (EBITDA) stieg von CHF 251.0 Mio. in der Vorjahresperiode auf CHF 258.7 Mio. Die entsprechende Marge stieg um 110 Basispunkte auf 15.5%. Der Reingewinn stieg um 8.3% auf CHF 138.8 Mio. Sulzer bestätigt den Ausblick für das Gesamtjahr 2026. Das Unternehmen erwartet weiterhin ein organisches Wachstum des Auftragseingangs von 1% bis 5%, ein Umsatzwachstum von 2% bis 5% sowie eine EBITDA-Marge von rund 16.5%. Zudem rechnet Sulzer unverändert mit einem stärkeren zweiten Halbjahr, gestützt durch den soliden Auftragsbestand. Damit übertraf Sulzer die Analystenerwartungen beim Auftragseingang und EBITDA, während der Umsatz sowie der Reingewinn knapp unter den Erwartungen blieben.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.63%; DE: 3.13%; CH: 0.43%
Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in den USA und Deutschland haben sich von ihren Jahreshochs vom vergangenen Freitag (4.70% bzw. 3.20%) wieder etwas entfernt. Die Pause der US-Angriffe am Wochenende nährte die Hoffnung auf eine Deeskalation des seit Ende Februar anhaltenden Konflikts am Persischen Golf. Dadurch wurden die zuletzt gestiegenen Inflationssorgen etwas gedämpft. Die Unsicherheit bleibt jedoch hoch.
Im Fokus steht nun der Zinsentscheid der Fed am Mittwochabend. Vor dem letzten Zinsentscheid vor der Sommerpause überwiegt an den Futures-Märkten die Erwartung eines unveränderten Leitzinses.
Währungen
Euro in Franken: 0.931
US-Dollar in Franken: 0.819
Euro in US-Dollar: 1.137
Die als sichere Häfen geltenden Yen und Franken waren zum Wochenstart weiterhin nicht gesucht. Unter den G10-Währungen haben beide die tiefsten Leitzinsen. Obwohl die EZB letzte Woche eine Zinspause einlegte, bleibt ein zweiter Zinsschritt auf der Agenda. Entsprechend stieg der Euro erstmals seit Anfang Jahr wieder auf 93 Rappen. Auch der US-Dollar erhielt im Vorfeld des Fed-Zinsentscheids Aufwind und näherte sich der Marke von 82 Rappen. Belastet wurde der Franken gestern zudem von einem Bloomberg-Bericht, wonach die SNB bis Ende 2027 den Leitzins unverändert belassen könnte.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 87.29 pro Fass
Goldpreis: USD 4'045.76 pro Unze
Der Erdölpreis der Sorte Brent ist wieder auf 87 US-Dollar pro Fass gefallen, nachdem er am Freitag zwischenzeitlich auf 100 US-Dollar gestiegen war. Auslöser waren vorsichtigere Töne aus dem Weissen Haus sowie eine Pause nach der 13-tägigen US-Militäraktion gegen den Iran. Solange die USA und der Iran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren und die Strasse von Hormus grösstenteils blockiert bleibt, dürfte der Spielraum für weiter fallende Ölpreise begrenzt bleiben. Gespräche zwischen den stellvertretenden Aussenministern Irans und Omans verliefen bislang ohne konkretes Ergebnis.
Wirtschaft und Konjunktur
Deutschland: ifo-Gschäftsklimaindex (Juli)
aktuell: 86.0 (erwartet: 86.0, Vormonat: 85.7)
Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Juli den dritten Monat in Folge aufgehellt. Der ifo-Index signalisiert damit eine Stabilisierung der Wirtschaft, allerdings weiterhin auf tiefem Niveau. Die Erwartungen für die kommenden Monate fallen besser aus als die Einschätzung der aktuellen Lage. Getragen wird die Verbesserung vor allem vom Verarbeitenden Gewerbe. Der Iran-Konflikt und die hohen Energiepreise bleiben Risikofaktoren. Dennoch lebt die Hoffnung auf eine langsame wirtschaftliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte wieder auf.
Daniel Wachter
8021 Zürich
Anja Felder
8021 Zürich
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