10. September 2026, Tägliche Marktsicht

Energiepreise und Zinsen treiben Aktienmärkte ins Minus

Die Aktienmärkte in der Schweiz, Europa und USA gerieten zur Wochenmitte angesichts weiter gestiegener Energiepreise und wachsender Inflations- und Zinssorgen deutlich unter Druck.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -1.80%, SPI: -1.70%, SMIM: -1.35%

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Mittwoch den dritten Handelstag in Folge deutlich nachgegeben. Der SMI verlor 1.8% und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Juni. Belastend wirkten vor allem die erneut gestiegenen Energiepreise infolge der Spannungen am Persischen Golf. Brent-Öl stieg erstmals seit zwei Monaten wieder über 100 US-Dollar je Fass, während der europäische Gaspreis mit über 80 Euro den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren erreichte. Dies verstärkte die Inflations- und Zinssorgen zusätzlich. Im Fokus stehen nun die US-Inflationsdaten am Freitag und der Fed-Entscheid in der kommenden Woche. Am Markt wird inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 60% eine weitere Zinserhöhung erwartet. Im SMI-Index landeten alle Titel, ausser Alcon (+0.1%) und Logitech (+0.3%) in der Verlustzone. Am stärksten wurden die Aktien von Amrize (-3.2%), Lonza (-3.2%), ABB (-3.3%), Nestlé (-3.3%) und Richemont (-4.7%) belastet. Am breiten Markt entwickelten sich Gurit (+2.1%), Lindt (+2.1%) und DocMorris (+6.6%) positiv, währenddessen die Werte von Burkhalter (-3.1%), Bystronic (-4.3%) und Galderma (-4.5%) zu deutlich tieferen Preisen gehandelt wurden.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -1.58%, DAX: -1.66%

Die europäischen Aktienmärkte haben zur Wochenmitte deutlich nachgegeben. Steigende Ölpreise verstärkten die Inflations- und Zinssorgen, während die Anleger auf den EZB-Entscheid am Donnerstag blickten. Sämtliche europäischen Aktienindizes wiesen deutliche Verluste vor. Der länderübergreifende Eurozonenindex EuroStoxx 50 verlor 1.6%, der britische FTSE 100 gab 1.3% nach und der französische CAC40 1.9%. Auf Sektorenebene konnte einzig der Bereich Energie zulegen. Der Erdöl- und Erdgaskonzern Equinor stieg infolgedessen 4.2% an. Die Sektoren Nichtzyklischer Konsum, Industrie und Zyklischer Konsum wiesen die schwächste Entwicklung auf.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.77%, S&P 500: -0.48%, Nasdaq: -0.64%

Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Mittwoch erneut nachgegeben. Der Dow Jones verlor 0.8% und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Ende Juli. Der S&P 500 gab knapp 0.5% nach, während der Nasdaq ein Minus von 0.6% vorwies. Belastend wirkten vor allem die gestiegenen Ölpreise und damit verbundene Inflations- und Zinssorgen. Vor wichtigen Terminen wie US-Preisdaten, dem EZB-Entscheid sowie Zahlen von Oracle und Adobe agierten Anleger zudem vorsichtig. Auf Einzeltitelebene stach Meta mit einem Plus von 6.6% hervor. Die Vorstellung des KI-Agenten «Muse» nährte die Hoffnung auf eine stärkere Monetarisierung der hohen KI-Investitionen. Ölwerte wie Chevron (+1.9%) und ExxonMobil (+2.2%) profitierten vom Brent-Preis über 100 US-Dollar. Apple stellte gestern die neue iPhone-Generation vor und präsentierte mit dem iPhone Duo erstmals ein faltbares Smartphone. Das ab USD 1’999 erhältliche Modell ergänzt das neue iPhone 18 Pro, das mit verbesserter Kamera und stärkerem KI-Fokus kommt und ab USD 1’199 kostet. Für den erst seit wenigen Tagen amtierenden CEO John Ternus ist das iPhone Duo zugleich die erste grosse strategische Produktwette an der Konzernspitze.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen

USA: 4.84%; DE: 3.44%; CH: 0.50%

Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen sind gestern im Sog der höheren Energiepreise deutlich angestiegen. Heute entscheidet die EZB über ihre Geldpolitik. Angesichts der hartnäckigen Inflation erwartet der Markt mehrheitlich eine Zinserhöhung um 0.25 Prozentpunkte. Morgen folgen die US-Inflationsdaten, die wichtige Hinweise für den Zinsentscheid der Fed in der kommenden Woche liefern dürften. Auch in den USA rechnet inzwischen eine Mehrheit der Marktteilnehmer mit einer weiteren Zinserhöhung. Zusätzlichen Inflationsdruck erzeugen die infolge des Iran-Kriegs hohen Ölpreise, die die Sorgen über anhaltend hohen Preisdruck zuletzt wieder verstärkt haben.

Währungen

Euro in Franken: 0.943
US-Dollar in Franken: 0.810
Euro in US-Dollar: 1.163

Der Franken gab am Mittwoch gegenüber den wichtigsten Währungen leicht nach und konnte seine Rolle als sicherer Hafen trotz steigender Ölpreise und wachsender Inflationssorgen erneut nicht ausspielen. Vor den anstehenden Notenbankentscheiden blieben die Bewegungen am Devisenmarkt insgesamt gering.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 101.35 pro Fass
Goldpreis: USD 4'399.03 pro Unze

Der Preis für ein Fass Brent-Öl überschritt gestern erstmals seit Mitte Juli wieder die Marke von 100 US-Dollar. Treiber sind die anhaltenden Angriffe zwischen den USA und Iran sowie die wieder stärkere chinesische Nachfrage. Im Jahresverlauf liegt Brent inzwischen über 60% im Plus. Noch kräftiger stiegen die Preise für Raffinerieprodukte wie Diesel. Der Konflikt im Nahen Osten und der anhaltende Ukraine-Krieg belasten die Versorgung, während die globalen Lagerbestände weiter sinken. Die höheren Energiepreise erhöhen damit erneut den Inflationsdruck und erschweren den Notenbanken die geldpolitische Abwägung.

Wirtschaft und Konjunktur

Gestern wurden keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe veröffentlicht. Morgen Freitag stehen die Inflationszahlen in den USA auf der Agenda.

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Florian Hiltpold

Portraitfoto von Florian Hiltpold, Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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