29. Juli 2026, Tägliche Marktsicht
Die Rekordjagd des Schweizer Aktienmarkts setzt sich fort
Der Leitindex SMI und der breitere SPI erreichten gestern neue Höchststände. In der Schweiz stehen heute die Halbjahreszahlen von UBS, Logitech und Ascom im Fokus und in den USA der Zinsentscheid der US-Notenbank.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +1.04 %, SPI: +1.10%, SMIM: +1.31%
Der Schweizer Aktienmarkt legte im Handelsverlauf zu und erklomm neue Höchststände. Der Leitindex SMI (+1.0%) und der breitere SPI (+1.1%) erreichten ein neues Allzeithoch. Für Unterstützung sorgten steigende Hoffnungen auf Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie starke Unternehmensresultate. Bei den grosskapitalisierten Werten standen sich 14 Gewinner und sechs Tagesverlierer gegenüber. Angeführt wurde das Tableau klar von Sika (+9.8%), nachdem die Aktie bereits am Vortag um 3.5% zugelegt hatte. Vor allem die Beschleunigung des organischen Wachstums auf 5.7% im 2. Quartal und die Anhebung des Umsatzausblicks für das Gesamtjahr 2026 sorgten für Avancen. Im Schlepptau legten auch die baunahe Aktie von Geberit (+2.9%) und des Grundstoffkonzerns Givaudan (+2.4%) zu. Tagesverlierer waren aufgrund der Nähe zum Halbleiternarrativ die Aktien von ABB (-2.0%). Ebenfalls unter Abgabedruck standen UBS (-0.9%), SwissRe (-0.3%) und Swiss Life (-0.2%).
Im breiten Markt bereiteten der Komponentenhersteller Lem (+21.0%), der Bauzulieferer Forbo (+11.7%), der Verpackungsmaschinenspezialist SIG (+8.4%) sowie der Industriekonzern Sulzer (+7.6%) den Investoren mit starken Halbjahreszahlen Freude. Rückläufig waren die halbleiternahen Unternehmen Comet (-3.4%), VAT (-3.0%), Centiel (-2.7%), und Accelleron (-2.4%).
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +0.12%, DAX: +0.41%
Die europäischen Aktienmärkte notierten gestern uneinheitlich. Während der länderübergreifende EuroStoxx 50 um 0.1% stieg, legte der zyklischere deutsche DAX um 0.4% und der französische CAC40 um 0.6% zu. Allgemein zeigte sich der Markt vor dem heutigen US-Zinsentscheid und den heute und morgen anstehenden wichtigen Zahlenpräsentationen der US-Schwergewichte Microsoft, Meta, Apple und Amazon zurückhaltend. Auf Sektorenstufe waren Basiskonsum, Kommunikationsdienste und Zyklischer Konsum gefragt. Unter Abgabedruck stand vor allem Energie, gefolgt von den Technologie- und Versorgerwerten.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +1.03%, S&P 500: +0.21%, Nasdaq: -0.22%
Der US-Aktienmarkt zeigte sich gestern richtungslos. Während der technologielastige Nasdaq (-0.2%) den fünften Handelstag in Folge nachgab und unter Sorgen über den verstärkten Wettbewerb mit China im Bereich KI litt, legte der wenig technologielastige DowJones um 1.0% zu. Der breiter gefasste S&P500 schloss um 0.2% höher. Erneut unter Druck standen die Halbleiterwerte. Der Branchen-Index SOX hat nun seit seinem Hoch Mitte Juni rund 25% verloren. Mit Blick auf den Nahen Osten zeigten sich die Marktteilnehmer wieder zuversichtlicher, dass die USA und der Iran erneut Verhandlungen aufnehmen könnten. Der Erdölpreis der Sorte Brent fiel wieder unter USD 90 je Fass. Mit Spannung erwartet der Markt vor allem den US-Zinsentscheid von heute Abend und die wegweisenden Quartalsberichte der zwei Index-Schwergewichte Microsoft und Meta, welche nachbörslich präsentiert werden. Im Fokus standen gestern zahlreiche Unternehmensabschlüsse. Der Flugzeugbauer Boeing (+4.7%) übertraf mit einem bereinigten freien Cashflow von USD 631 Mio. die Markterwartungen. Die ausgelieferten Passagier- und Frachtflugzeuge nahmen gegenüber der Vorjahresperiode von 150 auf 171 Flugzeuge zu. Auch der Getränkehersteller Coca-Cola (+5.0%) legte starke 2. Quartalszahlen vor und erhöhte den Ausblick für das Umsatzwachstum und den Gewinn je Aktie.
Unternehmensberichte
UBS schreibt Quartalsgewinn von USD 2.8 Mrd. und übertrifft Erwartungen
Die Grossbank UBS hat im 2. Quartal 2026 den Reingewinn um 17% auf USD 2.8 Mrd. gesteigert, was einer Eigenkapitalrendite von 12.3% entspricht. Die Vorjahresperiode war dabei von einem Steuereffekt positiv beeinflusst. Daher legte der Gewinn vor Steuern um 64% auf USD 3.59 Mrd. zu. Die Erträge konnten um 13% auf USD 13.7 Mrd. gesteigert werden, während der Aufwand nur 2.4% auf USD 9.99 Mrd. zunahm. Daraus resultierte eine Kosten-/ Ertragsquote von 72.9%. In der globalen Vermögensverwaltung belief sich das Nettoneugeld auf USD 35.5 Mrd. Die entsprechenden verwalteten Vermögen nahmen gegenüber dem Vorquartal um USD 274 Mrd. auf USD 4'942 Mrd. zu. Auf Gesamtbankstufe stiegen die Vermögen im 1. Halbjahr 2026 von USD 7'005 Mrd. auf USD 7'326 Mrd. Die Integration der Credit Suisse ist weiterhin auf Kurs. Mehr als 90% der alten Anwendungen würden nicht mehr genutzt und 70% seien ausser Betrieb genommen worden. In den kommenden drei Monaten will die UBS Aktien für USD 1 Mrd. zurückkaufen. Es wird ein Aktienrückkaufprogramm über USD 3 Mrd., das bis Ende des 2. Quartals 2027 läuft, gestartet. Die Kernkapitalquote (CET1) schwächte sich im Quartal um 30 Basispunkte auf 14.4% ab. Mit dem Gewinn wurden die Analystenerwartungen übertroffen.
Logitech startet stark ins Geschäftsjahr 2026/27, Vorfall bei Halbleiterzulieferer beeinflusst Ausblick negativ
Der Zubehörhersteller Logitech hat im 1. Quartal 2026/27 den Umsatz um 7% auf USD 1.23 Mrd. gesteigert. Zu konstanten Wechselkursen lag das Plus bei 5%. Einige der Sparten wie Gaming (+12%) und Pointing Devices (+16%) wuchsen zweistellig. Der bereinigte operative Gewinn auf Stufe EBIT legte um 44% auf USD 290.4 Mio. zu. Darin enthalten sind Zollrückerstattungen von USD 61 Mio. Ohne diesen einmaligen Effekt wäre der EBIT um 14% gestiegen. Unter dem Strich resultierte ein 43% höherer Reingewinn von USD 269 Mio. Mit den Zahlen wurden die Analystenerwartungen auf allen Ebenen übertroffen. Aufgrund einer zeitweiligen Schliessung eines Werkes bei einem Halbleiterzulieferer erwartet Logitech für das 2. Geschäftsquartal einen Dämpfer von USD 20 Mio. Im 3. Quartal könnte sich der Gegenwind des Ausfalls dann sogar bis auf USD 200 Mio. Umsatz belaufen. Konkret geht Logitech für das laufende 2. Quartal von einem Umsatzwachstum von 0% bis 3% auf USD 1.19 bis 1.22 Mrd. aus. Der bereinigte EBIT soll USD 185 bis 210 Mio. betragen. Für das Gesamtjahr 2026/27 wird eine operative Marge am oberen Ende der Spanne von 15% bis 18% erwartet.
Ascom steigert den Auftragseingang um 11%
Ascom verzeichnet im 1. Halbjahr 2026 einen stagnierenden Umsatz von CHF 139.8 Mio. (-0.1%). Bereinigt um Wechselkurseffekte lag das Plus bei 2.6%. Der operative Gewinn auf Stufe EBITDA stieg um 11.6% auf CHF 13.5 Mio. Die entsprechende EBITDA-Marge legte um 110 Basispunkte auf 9.7% zu. Unter dem Strich verdoppelte sich der Reingewinn auf CHF 5.4 Mio. Erfreulich entwickelte sich der Auftragseingang. Dieser steig um 11.4% bzw. wechselkursbereinigt um 14.6% auf CHF 174.5 Mio. Mit dem Zahlenkranz wurden die Analystenerwartungen beim Umsatz knapp verfehlt und bei den Gewinnzahlen klar übertroffen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.61%; DE: 3.10%; CH: 0.41%
Im Gleichtakt mit dem wieder gesunkenen Ölpreis haben sich die Kapitalmarktzinsen seit Anfang Woche von ihren Jahreshochs vom vergangenen Freitag (USA: 4.70%, DE: 3.20%) etwas entfernt. Die Pause der US-Angriffe am Wochenende nährte die Hoffnung auf eine Deeskalation des seit Ende Februar anhaltenden Konflikts am Persischen Golf, was die zuletzt gestiegenen Inflationssorgen etwas dämpfte. Die Lage bleibt jedoch fragil.
Im Fokus steht heute Abend nun der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed – der letzte vor der Sommerpause. An den Futures-Märkten überwiegt zwar die Erwartung eines unveränderten Leitzinses, angesichts der hartnäckigen Inflation wird eine Anhebung um 25 Basispunkte aber nicht ganz ausgeschlossen (rund 30% Wahrscheinlichkeit). Für September preisen die Finanzmärkte zunehmend eine Zinserhöhung ein.
Währungen
Euro in Franken: 0.931
US-Dollar in Franken: 0.817
Euro in US-Dollar: 1.140
Auch am Währungsmarkt lautet die Devise «Warten auf die Fed». Bevor die US-Notenbank heute Abend ihren neuen Zinsentscheid bekannt gibt, blieben die Kursausschläge begrenzt. Der US-Dollar und Euro handeln zum Franken weiterhin im Bereich ihrer Jahreshochs. Das liegt auch an einem zuletzt schwächelnden Franken, der im Juli zu allen anderen G10-Währungen an Wert eingebüsst hat. Belastet wurde der Franken jüngst von einem Bloomberg-Bericht, wonach die SNB bis Ende 2027 den Leitzins unverändert belassen könnte.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 87.17 pro Fass
Goldpreis: USD 4'031.58 pro Unze
Der Brent-Erdölpreis notiert aktuell rund 13% unter dem Stand vom letzten Freitag, als die 100-Dollar-Marke erstmals seit Mai wieder kurzzeitig erreicht wurde. Solange die USA und der Iran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren und die Strasse von Hormus grösstenteils blockiert bleibt, dürfte der Spielraum für weiter fallende Preise begrenzt bleiben. Über Nacht griffen die iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben einen US-Stützpunkt in Jordanien an und meldeten Treffer auf drei Tanker. Im Gegenzug griffen die USA und Saudi-Arabien vom Iran unterstützte Kräfte im Irak an.
Der Goldpreis befindet sich weiterhin in einer Konsolidierungsphase und notiert auf dem Stand von Anfang Juli im Bereich von 4'000 US-Dollar pro Unze. Impulse dürften heute vom Zinsentscheid der US-Notenbank am Abend kommen.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: Conference Board Konsumentenstimmung (Juli)
aktuell: 90.8 (erwartet: 92.4, Vormonat: 92.2)
Die vom Conference Board erhobene Konsumentenstimmung hat sich im Juli eingetrübt. Die anhaltenden geopolitischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran trieben die Benzinpreise hoch, was die Stimmung belastete. Die US-Haushalte planen aber weiterhin, ihre Konsumausgaben weitgehend unverändert zu halten. Vor allem bei Dienstleistungen sowie grösseren Anschaffungen wie Autos oder Eigenheimen bleibt die Zuversicht. Die Umfrage deutet darauf hin, dass der Privatkonsum vorerst eine Stütze für die US-Konjunktur bleibt.
Tobias Kistler
8021 Zürich
Daniel Wachter
8021 Zürich
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