04. November 2026, Aktienmärkte

Der Schweizer Aktienmarkt spielt seine Stärken aus

Hohe Bewertungen und Zweifel an der Rentabilität der KI-Investitionen haben im Oktober eine Rotation zu Gunsten defensiver Sektoren ausgelöst. Davon profitiert der Schweizer Aktienmarkt mit seinem hohen Gewicht an Gesundheits- und Basiskonsumwerten. Die jüngste Entwicklung unterstreicht die Vorteile einer breiten Diversifizierung über Regionen und Sektoren hinweg.

Die Nervosität an den Aktienmärkten hat zuletzt wieder zugenommen. Die gestiegenen Kapitalmarktzinsen und anhaltend hohe Ölpreise trafen auf hohe Bewertungen und skeptisch aufgenommene Unternehmensergebnisse im US-Technologiesektor. Mit den höheren Zinsen rückte die Unsicherheit über die Rentabilität der enormen KI-Investitionen stärker in den Fokus. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob sich die Investitionen in Rechenzentren langfristig auszahlen. Insbesondere bei stark verschuldeten Unternehmen wie Oracle oder CoreWeave verstärkte der wachsende Finanzierungsbedarf die Bedenken der Anleger. Dies zeigte sich in stark gestiegenen Kreditausfallversicherungsprämien und Kursverlusten bei den Aktien. Auch die Quartalsberichte von Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft, die für einen Grossteil der Investitionen in Rechenzentren verantwortlich sind, standen vor diesem Hintergrund besonders im Fokus. Die weiterhin steigenden Kapitalausgaben, die zunehmend mit Fremdkapital finanziert werden müssen, werden am Aktienmarkt angesichts unsicherer Rentabilitätsaussichten zunehmend kritisch hinterfragt. Dies trug zu den zum Teil starken Kursausschläge nach den Quartalszahlen bei.

Auftrieb für Gesundheit und Basiskonsum

Abseits des Technologiesektors bleiben die fundamentalen Treiber der Aktienmärkte aber weiterhin intakt. Die laufende Berichtssaison zum dritten Quartal hat sowohl in den USA als auch in der Schweiz bisher mehrheitlich überzeugt und der positive Trend bei der Gewinnentwicklung bleibt auch ausserhalb des Themas Künstliche Intelligenz weiterhin gut abgestützt. Die jüngste Kursvolatilität beschränkte sich bisher vor allem auf den Technologiesektor und technologienahe Bereiche, wo Anleger nach der starken Kursentwicklung der letzten Jahre Gewinne realisierten und in andere Sektoren umschichteten. Eine solche Rotation stützt den Markt breiter ab und reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Branchen. Davon profitieren insbesondere Aktien aus weniger konjunktursensitiven Sektoren wie Gesundheit oder Basiskonsum, die in den letzten Wochen deutlich Auftrieb erhalten haben. Aus Anlegersicht unterstreicht diese Entwicklung die Vorteile eines über Regionen und Branchen hinweg breit diversifizierten Aktienportfolios.

Schweiz profitiert von defensiver Ausrichtung

Zu den grossen Gewinnern der jüngsten Umschichtungen gehört der Schweizer Aktienmarkt, der zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen hat. Allein im Oktober legte der Swiss Performance Index um mehr als 6% zu. Mit einem Kursplus von rund 14% seit Jahresanfang (per 3. November 2026) hat er inzwischen den S&P 500 überholt und liegt deutlich vor dem Euro Stoxx 50 TR. Die starke Abhängigkeit von defensiven Gesundheits- und Basiskonsumaktien erwies sich im von Vorsicht geprägten Umfeld als klarer Vorteil. Im nach Marktwert gewichteten Swiss Performance Index macht der Gesundheitssektor rund 38% aus. Dazu kommt der von Nestlé dominierte Basiskonsumsektor, der das Gewicht der beiden defensiven Sektoren auf mehr als 50% bringt. Die Erholung ist aber nicht nur auf die defensiven Schwergewichte beschränkt. Auch zyklischere Sektoren wie Industrie und Chemie spürten zuletzt den konjunkturellen Aufwind und trugen ebenfalls zum jüngsten Anstieg der Schweizer Aktien bei.

 

Schweizer Aktienmarkt auf der Überholspur

Quelle: Bloomberg

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

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