05. Oktober 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht

Den Franken sollte man nicht abschreiben

Die sich ausweitende Zinsdifferenz macht Anlagen in Franken unattraktiver. Doch die Argumente für einen starken Franken sind nicht verschwunden.

Im Fokus

Seit Anfang Juni schwächelt der Franken. Der US-Dollar legte zum Franken 7% zu und der Euro kostete fast 95 Rappen, so viel wie seit achtzehn Monaten nicht mehr. Die sich ausweitende Zinsdifferenz macht Anlagen in Franken unattraktiver und die Verschuldung in Franken gewinnt angesichts der tiefsten Zinsen an Bedeutung. Themen wie die Schulden der Amerikaner oder die geopolitische Unsicherheit spielen in diesem Umfeld eine untergeordnete Rolle. Es braucht jedoch wenig und das Thema des sicheren Hafens Franken erlebt ein Revival. Eine Ausweitung der Kreditrisikoprämien für französische Anleihen genügt und der Euro/Franken-Kurs sinkt in kurzer Zeit um 1.5 Rappen. Der Mythos des starken Frankens kann noch nicht im Archiv versorgt werden.

Fundamentaldaten sprechen für den Franken

Veränderungen bei den Zinserwartungen und geldpolitische Zinsentscheide haben kurzfristig als Signalgeber einen starken Einfluss auf die Wechselkurse. Geldmarktanlagen zu 0% in Franken haben es schwierig, wenn ein Festgeld in US-Dollar einen Zins von 4% abwirft und wenn die EZB laut von höheren Zinsen spricht. Zinssignale verpuffen am Devisenmarkt jedoch rasch. Die Zinsen im Franken sind immer tiefer als in anderen Währungen. Niemand kauft und hält Franken wegen des Zinses. Mittel- und langfristig werden die Devisenkurse durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. Ein wesentlicher Faktor ist dabei der Ausgleich der unterschiedlichen Inflationsraten in den verschiedenen Währungsräumen. Der Inflationsvorteil des Frankens wird nicht verschwinden, sondern sich eher ausdehnen, was für eine trendmässige Aufwertung des Frankens von rund 2% pro Jahr spricht. Grössere und auch längere Abweichungen von diesem Pfad kommen vor, sind aber nicht nachhaltig.

SNB hält sich ruhig

Ein wichtiger Mitspieler im Franken-Markt ist die Nationalbank. Diese verhält sich ruhig. Im zweiten Quartal hat sie für 1.4 Mrd. Franken verkauft. Der Betrag ist klein und dürfte mit dem Krieg im Iran zusammenhängen. Für die SNB birgt die Schwächephase des Frankens offensichtlich kein Risiko, dass höhere Preise der Importgüter die Preisstabilität gefährden. Diese Einschätzung ist richtig. Auf der anderen Seite könnte die SNB die ruhige Phase nutzen, ihre Bilanz etwas abzubauen. 770 Mrd. Franken an Devisenreserven schiebt sie vor sich her. Ein Verkauf von Devisen scheint bei der SNB jedoch kein Thema zu sein. Offenbar erachtet sie das Abbaupotenzial zu gering ein und will keine Signale aussenden, die für eine neuerliche Erstarkung des Frankens sprechen.

Franken wird wieder teuer werden

Die Schwäche des Frankens ist eine Schwäche auf Zeit. Die geopolitische Unsicherheit wird nicht kleiner werden und die Inflationsdiskussion im Ausland wird nicht so rasch verschwinden. Die Schuldenthematik schlummert wie ein Vulkan und kann plötzlich auftauchen, wie letzte Woche in Frankreich gesehen. Dann wird der sichere Hafen des Frankens wieder gesucht werden. Dazu kommt, dass je länger der Franken ruhig bleibt, desto grösser wird der Anreiz zum Aufbau von Shortpositionen in der Tiefzinswährung Franken. Dreht der Wind, müssen diese aufgelöst werden und verstärken den Aufwertungsdruck. Die Entwicklung des Euro/Franken-Kurses letzte Woche war ein Vorbote davon. Die SNB wird sich weiterhin vor allem gegen einen starken Franken wehren müssen. Der Wert eines Euro wird auf 90 Rappen sinken. Die Frage ist nur, wann?

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.49%, S&P500: +0.73%, Nasdaq: +1.19%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +1.02%, DAX: +1.17%, SMI: +0.28%

Über das Quartalsende suchten die Aktienmärkte ihre Orientierung. Müssen wir auf den Ölpreis schauen oder uns dem wachsenden Unbehagen gegenüber der Künstlichen Intelligenz widmen? Vielleicht sind doch die wirtschaftlichen Daten wichtiger. Die Folge ist ein zufälliges Auf and Ab an den Börsen. Der S&P 500 verlor letzte Woche 0.27%. Die europäischen Aktien sanken 1.02%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Minus von 1.89% abschloss.

Die Aktienmärkte stehen im Spannungsfeld zwischen höheren Energiepreisen und Zinsen sowie einer robusten Konjunktur, Gewinnwachstum und anhaltenden KI-Investitionen. Die weitere Eskalation im Nahen Osten hat die Energiepreise erneut steigen lassen. Damit rücken auch die Inflationsrisiken wieder stärker in den Fokus. Weitere Leitzinserhöhungen bleiben deshalb möglich. Gleichzeitig haben die Entwicklungen an den Energiemärkten die Unsicherheit über den künftigen Zinspfad erhöht. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den langfristigen Zinsen. Neben den Inflationsrisiken rücken zunehmend auch die hohen Staatsdefizite und die Verschuldung vieler Industrieländer in den Vordergrund. Dieser Mix sorgt für erhöhte Volatilität am langen Ende der Zinskurve und bleibt ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor für die Finanzmärkte. Die Aktienmärkte zeigen sich von diesem anspruchsvolleren Umfeld bislang wenig beeindruckt. Die Weltwirtschaft befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs und verkraftet den Anstieg der Energiepreise bisher besser als befürchtet. Gleichzeitig entwickelt sich das Gewinnwachstum der Unternehmen erfreulich. Positiv ist zudem, dass die Kursentwicklung nicht nur von wenigen grossen Unternehmen getragen wird. Die Marktbreite bleibt intakt und wirkt stabilisierend. Höhere Energiepreise und steigende Zinsen begrenzen jedoch das weitere Kurspotenzial und erhöhen die Anfälligkeit für Rückschläge.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 5.27%; DE: 3.46%; CH: 0.54%

Die Renditen in den USA steigen weiter. Die Verkäufe bei den US-Treasuries haben mittlerweile auch mit der Spekulation auf noch höhere Renditen zu tun. Positiv ist, dass sich die Zinsen in der Schweiz von diesem Trend etwas abkoppeln konnten und gesunken sind.

Währungen

Euro in Franken: 0.9283
US-Dollar in Franken: 0.830
Euro in US-Dollar: 1.118

Der Renditeaufschlag französischer Anleihen im Vergleich zu ihren deutschen Pendants ist von 0.90% auf 1.40% hochgeschnellt. Einen eindeutigen Auslöser dafür gibt es nicht. Puristen können den Budgetvorschlag der französischen Regierung ins Feld führen. Viel Neues ergab dieser jedoch nicht. Die Prämienausweitung hat aber in Erinnerung gerufen, dass nicht nur die Amerikaner hoch verschuldet sind und dass das Konstrukt Euro nicht auf hartem Granit gebaut wurde. Der Euro wurde prompt billiger.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 101.79 pro Fass
Goldpreis: USD 4'133.88 pro Unze

Der Terminpreis für Diesel an der New Yorker Futures-Börse NYMEX ist von 6.30 US-Dollar auf 6.00 US-Dollar gefallen, nachdem die Europäer die Freigabe eines Teils ihrer strategischen Reserve angekündigt haben. Die Trucker und die Farmer spüren das aber nicht. Diesel ist zuletzt zwar billiger geworden, was aber mit einer generellen Entspannung im Ölmarkt zu tun hat. Solange die im Mittleren Osten zerstörten Kapazitäten zur Herstellung von Treibstoffen nicht kompensiert sind, wird der Preis für Benzin und vor allem für Diesel hoch bleiben.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Non Farm Payrolls (September)
aktuell: 29'000 (erwartet: 90’000, Vormonat: 133’000)

USA: Arbeitslosenrate (September)
aktuell: 4.2% (erwartet: 4.1%, Vormonat: 4.1%)

Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich im September wieder von der vorsichtigen Seite. Die Schwankungen in den Daten von Monat zu Monat und die starken Revisionen der Zahlen der Vormonate sprechen dafür, mit Interpretationen vorsichtig zu sein. Insgesamt zeigt sich ein Bild eines US-Arbeitsmarktes, der die Unsicherheit der Zeit widerspiegelt, sich aber nach wie vor in einer soliden Verfassung befindet.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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