27. Juli 2026, Tägliche Marktsicht | CIO-Sicht

Dem Franken fehlt die grosse Krise

Schweizer Investoren sind sich das nicht gewohnt. Der Franken schwächelt und mit Fremdwährungen kann man Gewinne machen. Der US-Dollar nähert sich der Marke von 82 Rappen. So teuer war der Greenback für uns seit dem letzten Sommer nicht mehr. Der Euro kostet mit 93 Rappen wieder so viel wie zuletzt Anfang Jahr.

Im Fokus

Schweizer Investoren sind sich das nicht gewohnt. Der Franken schwächelt und mit Fremdwährungen kann man Gewinne machen. Der US-Dollar nähert sich der Marke von 82 Rappen. So teuer war der Greenback für uns seit dem letzten Sommer nicht mehr. Der Euro kostet mit 93 Rappen wieder so viel wie zuletzt Anfang Jahr. Dabei ist die Welt weiterhin im Aufruhr. Nach der Strasse von Hormus lernen wir gerade, wo das Tor der Tränen ist, die Meerenge aus dem Roten Meer bei Jemen. Donald Trump wirft wieder mit willkürlichen Zöllen um sich wie zu seinen besten Zeiten. Dennoch ist der Franken nicht gefragt.

Zinserwartungen sprechen gegen den Franken

Der wichtigste Treiber am Devisenmarkt ist aktuell der Erdölpreis. Er bestimmt die Erwartungen an die Inflation und damit direkt die Erwartungen an die Zinspolitik der Zentralbanken. Die Inflationslage ist dabei für die Fed und die EZB schwieriger als für die SNB. Der Einfluss der Energiepreise ist in den USA und in der Eurozone grösser und die Inflationsraten befinden sich bereits jetzt deutlich über dem jeweiligen Zielwert. Dazu kommt die Erfahrung aus dem letzten Inflationsschub. In der Schweiz ist der Preisdruck trotz hohen Benzinpreisen insgesamt gering und das Inflationsziel der SNB nicht in Gefahr. Zwar steigen auch die Zinserwartungen an die SNB, aber vor allem aus dem Herdenverhalten heraus. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsdifferenz zwischen dem Franken und den anderen Währungen zunimmt, wird vom Markt als gross beurteilt. Die Zinsdifferenz bestimmt auf Dauer den Wechselkurs nur bedingt, als kurzfristiger Signalgeber ist sie aber ein wichtiger Faktor.

Ruhe an den Finanzmärkten

An den Finanzmärkten ist es trotz der Risiken für die Weltwirtschaft durch den Krieg im Iran und durch die hohen Energiepreise ruhig. Die Konjunkturdaten geben auch keinen Anlass für eine unmittelbare Beunruhigung. Die Inflationsraten sind zwar hoch, aber auf Niveaus, an die man sich gewöhnt hat. Die Einkaufsmanagerindizes zeigen, dass die Unternehmen in den meisten Ländern der Zukunft gelassen entgegenschauen. Die Aktienmärkte interessiert mehr, wie viel Geld die Technologiefirmen in den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur investieren und wie stark ihre Gewinne steigen. Die Aktienindizes befinden sich im Bereich ihrer Höchststände und Kursrückgänge werden als Kaufgelegenheit betrachtet. Die hohen Renditen langfristiger Obligationen werden auch mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen. In diesem Umfeld ist die Bereitschaft, aus Sicherheitsüberlegungen die Nullzinsen im Franken in Kauf zu nehmen und auf Ertragspotenzial zu verzichten, nicht sehr gross.

Misstrauen gegen den US-Dollar ist nicht vom Tisch

Die Argumente, die den US-Dollar bis zum Beginn des Iran-Krieges belasteten, sind nicht verschwunden. Das Vertrauen in die Politik der amerikanischen Regierung wird durch die Rundumschläge Trumps nicht grösser. Die Schuldensituation wird auch nicht besser. Die Regierung hat die Sparbemühungen eingestellt und will das Geld mit vollen Händen ausgeben. Das massiv erhöhte Militärbudget ist nur der offensichtlichste Teil, der die Ausgaben weiter steigen lässt. Die Angriffe auf die Fed durch Trump werden auch weitergehen, wenn Kevin Warsh die Zinsen nicht senken wird. Sollte er wider Erwarten den Bitten von Trump für tiefere Zinsen doch nachgeben, wäre das für die Unabhängigkeit der Fed ein grosser Schlag. Wenn es um den Krieg im Iran wieder ruhiger wird, werden all diese Themen wieder in den Vordergrund rücken. Dann ist es mit dem Höhenflug des US-Dollars vorbei.

Aktienmarkt

US-Aktienmärkte
Dow Jones: +0.46%, S&P500: +0.05%, Nasdaq: -0.64%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +1.14%, DAX: +1.36%, SMI: +0.79%

Die Gewinnsaison ist voll am Laufen. Wenn täglich neue Unternehmenszahlen präsentiert werden, spielt die Musik in den einzelnen Titeln und dem Verhalten der Indizes fehlt dann oft die wegweisende Richtung. Der S&P 500 verlor letzte Woche 0.61%. Die europäischen Aktien stiegen 0.80%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Minus von 0.43% abschloss.

Die Eskalation im Nahen Osten und wiederaufgekommene Zweifel am KI-Investitionszyklus haben die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten gestoppt, die zuvor primär vom Halbleiter- und Speicherbereich getragen wurde. Auf Indexebene bleiben die Ausschläge moderat, weil defensive Sektoren die Verluste auffangen. Auf Ebene der einzelnen Aktien fallen die Bewegungen deutlich heftiger aus. Am sichtbarsten wird dies im Halbleiter- und Speicherchipbereich, wo nach der Rally des ersten Halbjahres abrupt die Gewinnmitnahmen einsetzten. Kursbestimmend für dieses Marktsegment ist derzeit die Frage, ob die KI-Investitionsbudgets in geplanter Höhe umgesetzt werden. Die Schwankungen bei den Indizes sind nach wie vor tief. Dahinter verbirgt sich eine Rotation bei den Sektoren, welche die Widerstandsfähigkeit stützt. Eine breite Diversifikation ist zwar wenig aufregend, aber in der aktuellen Marktverfassung aktueller denn je.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.63%; DE: 3.17%; CH: 0.49%

Der Erdölpreis bei 100 US-Dollar pro Fass hatte neue Inflationsängste geweckt. Die Renditen der Obligationen sind gestiegen und befinden sich trotz einer kleinen Korrektur immer am oberen Rand des Bandes, in welchem sie sich während den letzten Monaten bewegt haben. Solange die SNB keine möglichen Zinserhöhungen andeutet, wofür es keinen Grund gibt, ist das Potenzial für weiter steigende Renditen zumindest in der Schweiz beschränkt.

Währungen

Euro in Franken: 0.930
US-Dollar in Franken: 0.815
Euro in US-Dollar: 1.140

Der Euro ist zum Franken auf den höchsten Stand seit Ende Januar gestiegen. Er profitiert von der Erwartung weiterer Zinserhöhungen durch die EZB und einer generellen Unattraktivität des Frankens. Für den Franken ist trotz der politischen Unsicherheit an den Finanzmärkten momentan zu ruhig. Seine Qualität und Sicherheit sind in diesem Umfeld nicht gefragt.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 92.41 pro Fass
Goldpreis: USD 4'090.43 pro Unze

Der Erdölpreis der Sorte Brent ist vorübergehend wieder in den Bereich von 100 US-Dollar pro Fass gestiegen, bevor er nach vorsichtigeren Tönen aus dem Weissen Haus wieder auf 92 US-Doller gesunken ist. Sollte die Blockade der Meerengen aus dem Persischen Golf und aus dem Roten Meer länger andauern, ist auch ein Anstieg des Preises auf das Höchst vom März von knapp 120 US-Dollar möglich. Die Erfahrung der letzten Monate zeigt aber, dass der Ölpreis dieses Niveau nicht halten kann, sobald sich eine Entspannung bei den Blockaden andeutet.

Wirtschaft und Konjunktur

Deutschland: Einkaufsmanagerindex Composite (Juli)
aktuell: 51.2 (erwartet: 49.7, Vormonat: 49.5)

Der vorausschauende Einkaufsmanagerindex zeigt für Deutschland entgegen den Erwartungen eine Rückkehr zum wirtschaftlichen Wachstum an. Deutlich verbessert haben sich vor allem die Aussichten in der deutschen Industrie. Getrieben wird diese Verbesserung zum grössten Teil durch die Rüstungsindustrie.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Ihr nächster Schritt

Möchten Sie unsere Research-Berichte als Newsletter erhalten? Abonnieren Sie die Themen-Newsletter unseres Investment Centers oder verschaffen Sie sich mit unserem kompakten Anlagemagazin /sicht einen Gesamtüberblick.