20. Oktober 2026, Tägliche Marktsicht

Defensive Schwergewichte begrenzen Verluste im SMI

Der Schweizer Aktienmarkt gab nach sechs Gewinntagen in Folge gestern leicht nach. Heute stehen die Quartalszahlen von ABB, Comet und Huber+Suhner im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.16%, SPI: -0.09%, SMIM: +0.30%

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Montag nach sechs positiven Handelstagen leichte Verluste verzeichnet. Dank seiner defensiven Ausrichtung hielt sich der Swiss Market Index jedoch besser als die übrigen europäischen Leitindizes. Belastet wurde die Anlegerstimmung insbesondere von den politischen Unruhen in Frankreich sowie anhaltenden Inflationssorgen und hohen Aktienbewertungen. Der SMI schloss 0.2% tiefer, beendete den Handel jedoch auf dem Tageshoch.

Bei den Einzelwerten entwickelten sich die defensiven Schwergewichte unterschiedlich. Während Roche und Nestlé (je +0.2%) leicht zulegten, gab Novartis (-0.4%) nach. Roche schloss eine Kooperations- und Lizenzvereinbarung mit der chinesischen Hansoh Pharmaceutical Group ab, deren Gesamtwert USD 15 Mrd. übersteigen könnte. Weitere Gesundheitswerte wie Galderma (-1.3%), Sandoz (-0.8%) und Alcon (-0.3%) schlossen ebenfalls tiefer. Zu den grössten Verlierern gehörten UBS (-1.4%), belastet durch die Unsicherheit an den europäischen Anleihemärkten, sowie ABB (-1.3%) im Vorfeld der heutigen Quartalszahlen. Deutlich zulegen konnte hingegen die Aktie von Logitech (+2.5%), die sich von den Verlusten der Vorwoche erholte. Gefragt waren zudem Givaudan (+1.3%) und Lonza (+1.5%). Letztere profitierte von einer Kurszielerhöhung durch einen Broker nach dem Kapitalmarkttag der vergangenen Woche.

Am breiten Markt stand Lindt & Sprüngli (-0.8%) nach dem überraschenden Abgang von Konzernchef Adalbert Lechner unter Druck. Der abrupte Führungswechsel sorgte bei Anlegern für Verunsicherung. Deutlich zulegen konnte hingegen Also (+6.1%). Der IT-Grosshändler steigerte den Umsatz in den ersten neun Monaten um 17% auf EUR 12.4 Mrd., während das EBITDA um 33% auf EUR 240 Mio. und der Gruppengewinn um 75% zunahmen. Getragen wurde das Wachstum von allen drei Geschäftsbereichen, insbesondere vom Cloud-Geschäft. Für das Gesamtjahr erwartet Also ein EBITDA am oberen Ende der Prognosespanne von EUR 300 bis 340 Mio. Gefragt waren auch Avolta (+2.6%) und SMG (+1.2%), die von positiven Analystenkommentaren profitierten. Centiel (+1.9%) erhielt Unterstützung durch die Bestätigung eines US-Auftrags.

Aktienmärkte Europa

Euro Stoxx 50: -0.96%, DAX: -1.18%

Die europäischen Aktienmärkte sind am Montag mit deutlichen Verlusten in die neue Handelswoche gestartet. Belastet wurde die Anlegerstimmung insbesondere durch steigende Anleiherenditen und anhaltende Zweifel an der Rentabilität der hohen Investitionen in KI. Zusätzliche Unsicherheit verursachten die politischen Unruhen in Frankreich und die Sorgen um die fiskalische Entwicklung des Landes. Gegen Handelsende konnten die meisten Leitindizes ihre Verluste dank einer Stabilisierung der US-Technologiewerte etwas eingrenzen. Der Euro Stoxx 50 schloss 1.0% tiefer. Auch der französische CAC 40 (-1.1%), der spanische IBEX 35 (-1.5%) und der italienische FTSE MIB (-1.6%) verloren klar an Wert. Der britische FTSE 100 gab um 1.1% nach. Auf Sektorenebene standen insbesondere Banken und Rohstoffwerte unter Druck. So verzeichneten Banken wie Barclays (-3.5%), Deutsche Bank (-2.8%), BNP Paribas (-2.5%), HSBC (-2.2%) und ING (-1.9%) deutliche Kursverluste. Im Rohstoffsektor büssten Anglo American (-4.1%) und Glencore (-3.3%) ein. Als einziger Sektor schloss hingegen die Technologiebranche im Plus. Nach den Verlusten der vergangenen zwei Wochen erholten sich insbesondere Halbleiterwerte wie ASML (+1.3%), ASM International (+1.0%) und BE Semiconductor (+3.4%).

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.07%, S&P 500: +0.41%, Nasdaq: +1.11%

Die US-Aktienmärkte haben sich zum Wochenauftakt uneinheitlich entwickelt. Nach den deutlichen Verlusten der vergangenen Wochen setzte insbesondere beim technologielastigen Nasdaq (+1.1%) eine Erholung ein. Auch der breite S&P 500 (+0.4%) legte zu, während der Dow Jones (-0.1%) leicht nachgab. Anleger nutzten die jüngsten Kursrückgänge für Käufe, wobei die Zweifel an der Rentabilität der hohen Investitionen in KI-Infrastruktur weiterhin bestehen. Entsprechend richtet sich der Fokus auf die anstehenden Quartalszahlen grosser Technologieunternehmen. Besonders gefragt waren die zuletzt stark unter Druck geratenen Halbleiterwerte. Western Digital (+6.1%) und Sandisk (+5.5%) verzeichneten deutliche Kursgewinne, während Marvell, Micron und Intel zwischen 2.4% und 4.1% zulegten. Intel profitierte zusätzlich von einer Hochstufung durch einen Broker. An der Spitze des Dow Jones stand Amazon (+5.0%), nachdem ein Broker die Aktie zu seinem bevorzugten Titel erklärt hatte. CoreWeave (-0.4%) konnte hingegen trotz einer neuen Kaufempfehlung nicht von der Erholung profitieren. Die Sorgen um den hohen Finanzierungsbedarf des KI-Cloud-Anbieters belasteten weiterhin.

Unternehmensberichte

ABB überzeugt mit starkem Auftragseingang und höherer Profitabilität

ABB hat im 3. Quartal 2026 insbesondere beim Auftragseingang und der Profitabilität überzeugt. Der Auftragseingang stieg um 40% auf USD 12.1 Mrd., angetrieben durch die hohe Nachfrage aus dem Rechenzentrumsgeschäft, das einen dreistelligen Zuwachs verzeichnete. Der Umsatz erhöhte sich um 14% auf USD 9.7 Mrd., während der operative EBITA um 24% auf USD 2.0 Mrd. zunahm. Die operative EBITA-Marge erreichte 20.8%, was im Vergleich zum 3. Quartal 2025 einem Anstieg von 160 Basispunkten entspricht. Der Gewinn je Aktie blieb mit USD 0.65 praktisch unverändert, belastet durch höhere Finanzierungskosten. Für das Gesamtjahr bestätigt ABB ein organisches Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich und erwartet neu eine Verbesserung der operativen EBITA-Marge um mindestens 270 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr. Damit übertrifft ABB sowohl beim Auftragseingang als auch bei der Marge die Markterwartungen deutlich. Zusätzlich kündigte ABB die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit Mitsubishi Electric für Niederspannungsprodukte an. Für rund USD 495 Mio. übernimmt ABB eine Mehrheitsbeteiligung von 51% und stärkt damit insbesondere seine Marktposition in Japan und der Region Asien-Pazifik. Der Abschluss der Transaktion ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen.

Huber+Suhner beschleunigt Umsatzwachstum im 3. Quartal

Huber+Suhner hat in den ersten neun Monaten 2026 den Umsatz um 11.3% auf CHF 734.1 Mio. gesteigert. Organisch resultierte ein Wachstum von 10.6%. Besonders erfreulich entwickelte sich das 3. Quartal, in dem sich das Umsatzwachstum auf knapp 30% beschleunigte, nachdem es im 1. Halbjahr lediglich 2.6% betragen hatte. Wichtigster Wachstumstreiber war das Industriesegment mit einem Umsatzplus von 31.0%, insbesondere dank der hohen Nachfrage aus der Luft- und Raumfahrt, der Rüstungsindustrie sowie der Prüf- und Messtechnik. Im Kommunikationssegment verringerte sich der Umsatzrückgang auf 4.2%, unterstützt durch die zunehmende Auslieferung optischer Schalter für KI-Rechenzentren. Der Auftragseingang lag mit CHF 811.9 Mio. um 0.8% unter dem starken Vorjahresniveau, das von Grossaufträgen im Rechenzentrumsgeschäft geprägt gewesen war. Huber+Suhner veröffentlicht keine Gewinnzahlen für das 3. Quartal. Für das Gesamtjahr bestätigt das Unternehmen die Prognose eines organischen Umsatzwachstums von mindestens 10% sowie einer EBIT-Marge zwischen 10.5% und 12.0%. Insgesamt übertrifft Huber+Suhner die Markterwartungen.

Comet beschleunigt Umsatzwachstum und erhöht Jahresprognose

Comet hat im 3. Quartal 2026 den Umsatz um 51.9% auf CHF 155.6 Mio. gesteigert und damit die Markterwartungen übertroffen. Der Halbleiterzulieferer profitiert vom kräftigen Aufschwung in der Halbleiterindustrie, Marktanteilsgewinnen durch neue Produkte sowie Effizienzverbesserungen. Noch stärker entwickelte sich der Auftragseingang, der um 170% auf CHF 275.6 Mio. zunahm. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz (Book-to-Bill) erreichte damit 1.77. Ein bedeutender Teil der Aufträge sieht bereits Lieferungen bis weit ins Jahr 2027 vor, wodurch sich die Visibilität weiter verbesserte. Gewinnzahlen für das 3. Quartal veröffentlicht Comet nicht. Aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung erhöhte das Unternehmen die Jahresprognose. Neu wird ein Umsatz von CHF 570 bis 590 Mio. erwartet (bisher CHF 540 bis 570 Mio.). Die prognostizierte EBITDA-Marge liegt neu bei 17.0% bis 19.0% (bisher 14.0% bis 17.0%). Darin enthalten sind Einmalkosten von bis zu 3 Prozentpunkten im Zusammenhang mit dem Hochfahren des Werks in Penang sowie laufenden Effizienzsteigerungen. Mit dem publizierten Zahlenset hat Comet die Analystenerwartungen klar übertroffen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 5.12%; DE: 3.45%; CH: 0.53%

Die zuletzt wieder aufgekommenen Zweifel an den Perspektiven des Technologiesektors machten sich vergangene Woche auch an den Kapitalmärkten bemerkbar. Als sicher geltende Staatsanleihen waren gefragt, wodurch die Rendite 10-jähriger US-Treasuries innerhalb von zwei Tagen von 5.33% auf zeitweise unter 5.05% sank. Auch in Europa gingen die Staatsanleiherenditen zurück, allerdings deutlich weniger stark. Zum Wochenauftakt setzte eine leichte Gegenbewegung ein. In Frankreich bleibt die politische Lage nach der gewaltsamen Eskalation der Massenproteste angespannt. Die Rendite 10-jähriger französischer Staatsanleihen stieg gestern wieder auf 4.9% und näherte sich damit ihrem höchsten Stand seit 2002.

Währungen

Euro in Franken: 0.926
US-Dollar in Franken: 0.824
Euro in US-Dollar: 1.123

Der Franken blieb zum Wochenstart gefragt, auch wenn er sich gegenüber dem Euro und dem US-Dollar letztlich kaum veränderte. Seit dem Jahreshoch Ende September hat der Euro gegenüber dem Franken rund 2% an Wert verloren und notiert damit wieder auf dem Niveau von Anfang Jahr. Auch der US-Dollar fiel gegenüber dem Franken zuletzt auf ein Monatstief, liegt seit Jahresbeginn aber immer noch rund 4% im Plus.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 109.65 pro Fass
Goldpreis: USD 4'144.63 pro Unze

Der Ölpreis der Sorte Brent hält sich nahe einem Fünfmonatshoch bei 110 US-Dollar pro Fass. Die Märkte wägen das Risiko weiterer iranischer Angriffe in der Strasse von Hormus gegen die sich erholenden Öllieferungen aus der Golfregion ab. Der Goldpreis zeigt im Oktober bislang keine klare Richtung und bewegte sich zuletzt zwischen 4'100 und 4'200 US-Dollar pro Unze. In der kommenden Woche rücken die Zinsentscheide der Fed und der EZB in den Fokus der Goldanleger.

Wirtschaft und Konjunktur

China: Bruttoinlandsprodukt (3. Quartal, YoY) 
aktuell: 4.5% (erwartet: 4.4%, Vorquartal: 4.3%)

Chinas Wirtschaft hat über den Sommer etwas an Tempo gewonnen. Die Entwicklung bleibt jedoch zweigeteilt. Während das Exportgeschäft boomt, schwächelt die Investitionstätigkeit. In den ersten neun Monaten stiegen die Exporte in US-Dollar gerechnet um 21.3% gegenüber dem Vorjahr, allein im September um rund 36%. Im gleichen Zeitraum gingen die Investitionen in Sachanlagen um 7.2% zurück. Besonders ausgeprägt war der Rückgang im kriselnden Immobiliensektor (-20.6%).

Anja Felder

Portraitfoto von Anja Felder, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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