13. August 2026, Tägliche Marktsicht

Defensive Aktien ziehen SMI nach unten

Eine von positiven US-Vorgaben ausgelöste Rotation von defensiven Aktien in Technologietitel belastete gestern den Schweizer Aktienmarkt. Heute stehen die Halbjahreszahlen von Swissquote und Montana Aerospace im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.86%, SPI: -0.69%, SMIM: -0.10%

Der Schweizer Aktienmarkt legte gestern einen Korrekturtag ein. Starke Zahlen aus dem US-Technologiesektor und sinkende US-Inflationszahlen heizten die Risikobereitschaft an. Nicht gefragt waren in diesem Umfeld die defensiven Schwergewichte aus dem Gesundheits- und Nahrungsmittelbereich. Dies zog den SMI nach unten. In der Tagesbilanz blieb beim Leitindex ein Minus von knapp 0.9%. Am Ende des Tableaus litt Alcon (-3.0%) einen Tag nach der positiv aufgenommenen Halbjahreszahlen unter Gewinnmitnahmen. Daneben reihten sich mit Geberit (-1.9%), Logitech (-3.0%) und Richemont (-3.2%) vor allem Zykliker unter den Tagesverlierern ein. Nicht gefragt waren zudem die defensiven Schwergewichte Nestlé (-1.4%), Novartis (-1.3%) und Roche (-0.9%), welche die Indexentwicklung ausbremsten. Gewinner waren gestern rar gesät. Angetrieben von positiven Zahlen aus dem US-Halbleitersektor kletterte ABB um 1.0% nach oben. Unangefochtener Spitzenreiter bei den grosskapitalisierten Werten war Kühne + Nagel (+3.0%). Die Aktien des Frachtlogistikkonzerns erhielten Rückenwind von einem Analystenkommentar im Zusammenhang mit den gestiegenen Gebühren im Panamakanal. Erhöhte Komplexität und steigende Frachtkosten gelten als positive Faktoren für die Profitabilität von Frachtlogistikern.

Im breiten Markt gehörten Technologieaktien mit Bezug zum KI-Thema zu den Tagesgewinnern: Die Halbleiterzulieferer VAT, Comet, Huber + Suhner und Inficon gewannen zwischen 1.8% und 2.8% dazu. Temenos (+1.2%) waren nach der Ankündigung eines neuen Aktienrückkaufprogramms über CHF 100 Mio. gefragt. Der Chemiekonzern Clariant (+3.9%) wurde von verschiedenen Broker-Hochstufungen unterstützt. Unter Abgabedruck standen dagegen konjunktursensitiven Aktien aus dem Industriesektor wie z.B. Georg Fischer (-1.5%), Bucher (-1.6%) und SGS (-1.8%).

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.26%, DAX: -0.23%

Die europäischen Aktienmärkte konsolidierten gestern ihre jüngsten Kursgewinne und verloren gestern leicht an Terrain. Fehlende Impulse aus dem Unternehmens- und Konjunkturbereich und belasteten die Kurse europaweit. Der EuroStoxx50 entfernte sich zunächst nicht weit vom Eröffnungskurs, verlor aber im späteren Handelsverlauf noch an Terrain und schloss 0.3% tiefer. Im Fokus standen die Aktien von Vestas, die nach einem besser als erwarteten Halbjahresbericht um 19.7% nach oben sprangen. Der Windturbinenhersteller erhöhte nach der starken Jahreshälfte die Prognose für den Jahresausblick und kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm an. Deutlich besser als erwartet fielen auch die Zahlen von ABN Amro (+5.0%) aus. Die Grossbank reihte sich damit in die starken Ergebnisse der europäischen Bankenbranche ein. Ebenfalls gefragt waren Unternehmen mit Bezug zum Rüstungssektor wie Rheinmetall (+2.3%) und BAE-Systems (+1.8%).

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.04%, S&P 500: +0.26%, Nasdaq: +0.54%

Die amerikanischen Aktienmärkte erhielten gestern Rückenwind von positiven Meldungen aus dem KI-Bereich und den erwartungsgemäss gesunkenen Juli-Inflationszahlen. Am meisten davon profitierte der technologielastige Nasdaq (+0.5%), gefolgt vom S&P 500 (+0.3%). Praktisch unverändert schloss dagegen der auf Standardwerte ausgerichtete Dow Jones. Im Fokus standen unter anderem die KI-Unternehmen CoreWeave und Super Micro Computer, die nach besser als erwarten Zahlen jeweils um mehr als 19% nach oben sprangen. Keine Unterstützung kam dagegen von den Magnificient 7, die abgesehen von Nvidia (+3.0%) allesamt mit Kursverlusten schlossen.

Unternehmensberichte

Swissquote senkt Jahresziele wegen schwachem Krypto-Umfeld 
Swissquote steigerte die Kundenvermögen im 1. Halbjahr 2026 um 19.8% auf CHF 96.3 Mrd. Neben der positiven Entwicklung an den Aktienmärkten zog die Onlinebank Nettoneugelder von CHF 5.1 Mrd. (-2.1%) an. Der Nettoertrag stieg in den ersten 6 Monaten um 1.7% auf CHF 364.2 Mio., blieb damit aber unter den Analystenerwartungen. Ein bremsender Faktor stellte dabei die schwächer als erwartetet Ertragsentwicklung bei den Krypto-Währungen dar. Der Nettoertrag mit Kryptoassets sank um 66.2% auf CHF 16.6 Mio. Der Vorsteuergewinn sank im Vorjahresvergleich um 1.2% auf CHF 182.9 Mio. und verfehlte die Erwartungen ebenfalls. Die Zielsetzung für das Gesamtjahr wird wegen der schwachen Entwicklung im Krypto-Bereich leicht reduziert. Neu rechnet das Management mit einem Nettoertrag von CHF 730 Mio. (zuvor: CHF 760 Mio.) und einen Vorsteuergewinn von CHF 365 Mio. (zuvor: CHF 385 Mio.). Abgesehen von der Neugeldentwicklung bleibt das Halbjahresergebnis unter den Erwartungen.

Montana Aerospace mit solidem Halbjahresergebnis
Montana Aerospace steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr 2026 um 11.7% auf EUR 518.4 Mio. Der operative Gewinn auf Stufe EBITDA stieg um 12.2% auf EUR 87.1 Mio. Unter dem Strich verblieb dem Luftfahrtzulieferer ein 12.9% höherer Reingewinn von EUR 29.7 Mio. Im letzten Jahr hatte das Unternehmen einen Verlust von EUR 2.4 Mio. vorgelegt. An der Zielsetzung für das Gesamtjahr 2026, die einen Umsatz von mindestens EUR 1.0 Mrd. und einen EBITDA von mindestens EUR 185 Mio. anstrebt, hält das Management fest. Die Zielsetzung für 2027 (Umsatz von mindestens EUR 1.1 Mrd. und EBITDA von mindestens EUR 210 Mio.) bleibt ebenfalls unverändert. Der Halbjahresbericht fällt etwas besser aus als die Analystenerwartungen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.69%; DE: 3.16%; CH: 0.39%

Die Kapitalmarktzinsen bewegten sich gestern auf beiden Seiten des Atlantiks mehr oder weniger seitwärts. Für die US-Notenbank reduzieren die publizierten Inflationsdaten den unmittelbaren Handlungsdruck. Die zugrunde liegende Inflation bleibt zwar oberhalb des Inflationsziels von 2%, aber es gibt keine Anzeichen für eine breit abgestützte Beschleunigung des Preisauftriebs. Gleichzeitig bestehen mit den erhöhten Energiepreisen, den Auswirkungen der US-Zölle sowie steigenden Preisen für Infrastruktur und Hardware im Zuge des KI-Booms weiterhin Aufwärtsrisiken. Vor der Fed-Sitzung im September folgt noch ein weiterer Inflationsbericht, der für die geldpolitische Beurteilung entsprechend hohe Bedeutung haben wird. Die Marktteilnehmer erwarten von der amerikanischen Notenbank noch eine Leitzinserhöhung bis Ende Jahr.

Währungen

Euro in Franken: 0.938
US-Dollar in Franken: 0.814
Euro in US-Dollar: 1.153

An den Devisenmärkten sorgten gestern die mit Spannung erwarteten US-Inflationszahlen für einen leichten Rückgang des US-Dollars. Insgesamt lagen die Daten jedoch im Rahmen der Erwartungen und lieferten entsprechend wenig neue Impulse.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 88.98 pro Fass
Goldpreis: USD 4'408.29 pro Unze

Der Ölpreis bewegte sich gestern im Tagesverlauf um die Marke von 89 US-Dollar pro Fass. Die Hoffnung auf eine baldige Entspannung rund um die Strasse von Hormus hat weiter nachgelassen, da die Gespräche zwischen den USA und Iran festgefahren bleiben. Beide Seiten beanspruchen die Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge. Zwar haben die Kampfhandlungen zuletzt etwas nachgelassen, eine dauerhafte Einigung ist jedoch weiterhin nicht absehbar.

Der Goldpreis legte gestern nach dem kräftigen Anstieg von rund 10% seit Ende Juli eine Verschnaufpause ein und notierte knapp oberhalb der Marke von 4'400 US-Dollar pro Unze.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Inflation CPI (YoY, Juli) 
aktuell: 3.4% (erwartet: 3.4%, Vormonat: 3.5%)

Die Inflationsrate in den USA ist im Juli leicht auf 3.4% gesunken. Damit setzte sich die Entspannung gegenüber dem Vormonat fort. Auch die um Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kerninflation ging weiter zurück und lag bei 2.5% nach 2.6% im Juni. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Kernpreise lediglich um 0.2%. Zur Entspannung trugen insbesondere tiefere Energiepreise bei. Fortschritte bei den Friedensverhandlungen im Nahen Osten sorgten im Juli zeitweise für rückläufige Benzinpreise. Diese lagen 2.9% unter dem Niveau des Vormonats, blieben jedoch rund 25% höher als vor einem Jahr. Gleichzeitig zeigt die moderate Entwicklung der Kerninflation, dass sich die höheren Energiepreise bislang nicht breit auf andere Güter- und Dienstleistungskategorien übertragen haben. Entscheidend bleibt, ob sich der jüngste Rückgang der Inflation in den kommenden Monaten bestätigt.

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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