05. November 2026, Tägliche Marktsicht
Blaue Welle beflügelt die Börsen
Nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen legten die Aktienmärkte gestern kräftig zu. Der SMI erreichte erstmals mehr als 15'000 Punkte. Heute stehen in der Schweiz unter anderem die Zahlen von Swiss Re, Swisscom und Tecan im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +1.90%, SPI: +1.73%, SMIM: +1.40%
Der Schweizer Aktienmarkt setzte gestern zu einer kräftigen Erholungsbewegung an. Nach einem zunächst verhaltenen Handelsstart gewann die Aufwärtsbewegung im Tagesverlauf zunehmend an Dynamik. Für Rückenwind sorgte der klare Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen, der zwar die Aussicht auf eine stärker geteilte Regierung in Washington erhöht aber auch die Wahrscheinlichkeit eines politischen Richtungswechsels unter Präsident Trump reduziert. Zusätzlich sorgte der deutliche Rückgang des Ölpreises für Entlastung bei den Inflations- und Zinsängsten. Der SMI stieg um 1.9% und überwand damit erstmals die Marke von 15'000 Punkten. 18 der 20 SMI-Werte beendeten den Handel im Plus. Angeführt wurde das Tableau von Logitech (+8.7%). Neue Unternehmensnachrichten lagen nicht vor, vielmehr erholte sich die Aktie kräftig von den deutlichen Verlusten der vorangegangenen Handelstage. Ebenfalls stark gefragt waren Alcon (+5.8%), UBS (+4.6%) und Partners Group (+4.2%). Richemont (+3.6%), Givaudan (+3.1%) und Holcim (+3.0%) gehörten ebenfalls zu den stärkeren Titeln. Auch die defensiven Indexschwergewichte unterstützten den Markt. Novartis gewannen 2.1%, Nestlé 1.8% und Roche 1.3% dazu. Auf der Verliererseite standen lediglich ABB (-2.8%) und Sandoz (-0.8%). ABB konnten sich damit dem Verkaufsdruck bei verschiedenen KI- und Halbleiterinfrastrukturwerten nicht entziehen. Gerade Zulieferer des Rechenzentrumsausbaus standen nach den US-Wahlen unter Druck, da die Demokraten eine stärkere Regulierung des KI- und Datacenter-Ausbaus verfolgen könnten.
Im breiten Markt sorgte ein Übernahmeangebot für Meier Tobler (+19.0%) für den grössten Ausschlag. Der schwedische Industriegrosshändler Ahlsell legte ein Barangebot über CHF 45.50 je Aktie vor. Einen starken Handelstag verzeichneten auch Barry Callebaut (+8.6%). Der Schokoladehersteller meldete zwar für das Gesamtjahr einen Rückgang beim Umsatz und operativen Gewinn, überzeugte aber mit einer deutlichen Verbesserung gegen Ende des Geschäftsjahres. Straumann (+6.3%) und Avolta (+5.0%) gehörten ebenfalls zu den grössten Gewinnern. Unter Druck standen dagegen mehrere Titel mit Halbleiter- und KI-Infrastrukturbezug. AMS-Osram verloren 6.8%, Comet 6.4%, Inficon 5.5% und VAT 5.0%. Die Kursbewegungen spiegelten damit die schwache Entwicklung der Halbleiterzulieferer in den USA wider.
Aktienmärkte Europa
Euro Stoxx 50: +1.97%, DAX: +2.22%
Die europäischen Aktienmärkte legten gestern auf breiter Front zu. Der Euro Stoxx 50 gewann 2.0%, der deutsche DAX 2.2% und der britische FTSE 100 1.8%. Neben dem Ausgang der US-Zwischenwahlen stützte insbesondere der starke Rückgang der Ölpreise. Banken, Einzelhandels- und Automobilwerte führten die Gewinnerliste an. Besonders gefragt waren Deutsche Bank (+6.9%), BMW (+5.5%), Intesa Sanpaolo (+5.1%) und Adidas (+4.9%). Auch Luxus- und Konsumwerte konnten von der verbesserten Risikostimmung profitieren. Deutlich schwächer entwickelten sich dagegen KI-, Halbleiter- und Energiewerte. Siemens Energy verloren 7.9%, ASML 3.4% und Infineon 3.5%.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +3.03%, S&P 500: +1.58%, Nasdaq: +1.44%
Die US-Aktienmärkte reagierten mit kräftigen Kursgewinnen auf den Ausgang der Zwischenwahlen. Anleger setzten darauf, dass die neue politische Konstellation extreme politische Veränderungen erschwert. Der Dow Jones sprang um 3.0% nach oben, der S&P 500 gewann 1.6%. Der Nasdaq verzeichnete ein Plus von 1.4%. Die Halbleiterwerte standen erneut deutlich unter Druck. Gefragt waren vor allem die grossen Plattformkonzerne. Microsoft (+6.7%), Amazon (+6.1%), Apple (+5.3%), Alphabet (+3.2%) und Meta (+1.4%) legten deutlich zu. Die zunächst überraschend positive Reaktion auf mögliche schärfere Regeln für neue Rechenzentren wurde damit erklärt, dass bestehende Hyperscaler von höheren Eintrittsbarrieren profitieren und gleichzeitig der Druck zu immer höheren Investitionsausgaben nachlassen könnte. Ganz anders entwickelte sich der Halbleiter- und Datacenter-Bereich. Nvidia gaben 3.2% nach, Micron rund 7.0% und Broadcom 2.0%. Noch stärker traf es verschiedene Rechenzentrumsbetreiber wie IREN (-11.2%) und CoreWeave (-9.9%).
Unternehmensberichte
Swiss Re steigert Gewinn trotz rückläufiger Versicherungserträge
Swiss Re verzeichnete in den ersten neun Monaten einen Rückgang der Versicherungserträge um 2.5% auf USD 31.2 Mrd., was vor allem auf tiefere Einnahmen im P&C-Rückversicherungsgeschäft (Sach- und Schadenversicherung) zurückzuführen war. Der Reingewinn stieg dennoch um 3% auf USD 4.2 Mrd., entsprechend einer Eigenkapitalrendite von 22.5% (stabil zum Vorjahr). Im P&C-Geschäft sank der Gewinn aufgrund des zunehmenden Preisdrucks um 6% auf USD 2.2 Mrd. Corporate Solutions steigerte den Gewinn um 3% auf USD 714 Mio. Besonders stark entwickelte sich das Lebens- und Krankenrückversicherungsgeschäft mit einem Gewinnanstieg von 43% auf USD 1.5 Mrd., unterstützt durch eine günstige Sterblichkeitsentwicklung in den USA. Das Anlageergebnis blieb mit einer Rendite von 4.0% solide. Swiss Re sieht sich weiterhin klar auf Kurs für das Jahresziel eines Reingewinns von USD 4.5 Mrd. und hält am Kostenabbauziel von USD 500 Mio. bis 2028 fest. Die ausgewiesenen Zahlen liegen am oberen Ende der Analystenschätzungen.
Swisscom steigert Profitabilität trotz rückläufigem Umsatz
Swisscom verzeichnete in den ersten neun Monaten einen Umsatzrückgang von 2.1% auf CHF 10.9 Mrd. Der EBITDA nach Leasingaufwand (EBITDAaL) stieg dagegen um 1.5% auf CHF 3.8 Mrd. Der Free Cashflow erhöhte sich um 14.5% auf CHF 1.8 Mrd., während der Reingewinn um 2.4% auf CHF 1.0 Mrd. zulegte. Im Schweizer Geschäft sank der Umsatz um 0.6%, wobei insbesondere die Telekommunikationsumsätze rückläufig waren. Dank Kosteneinsparungen und eines höheren Ergebnisbeitrags aus dem IT-Geschäft konnte der EBITDAaL in der Schweiz dennoch um 1.2% gesteigert werden. Für das Gesamtjahr bestätigt Swisscom die Umsatz- und EBITDAaL-Ziele von CHF 14.7 bis 14.9 Mrd. beziehungsweise CHF 5.0 bis 5.1 Mrd. Gleichzeitig wurde der Ausblick für den Free Cashflow leicht auf über CHF 2.0 Mrd. angehoben und für den Verschuldungsgrad wird neu ein Wert von unter 2.3x erwartet. Bei Erreichen der Ziele soll die Dividende für 2026 von CHF 26 auf CHF 27 je Aktie erhöht werden. Die Quartalszahlen übertrafen die Analystenerwartungen beim Umsatz und erfüllten sie bei den Gewinnangaben.
Tecan hebt nach starkem 3. Quartal den Ausblick an
Tecan steigerte den Umsatz im 3. Quartal in Lokalwährungen um 6.9%, während der Auftragseingang trotz einer hohen Vergleichsbasis um 3.1% zunahm. Im Life Sciences-Bereich erhöhte sich der Umsatz um 5.6%, getragen von einer starken Nachfrage bei Biopharma-Kunden. Aufgrund der starken Geschäftsentwicklung hebt Tecan den Ausblick für 2026 an und erwartet neu ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich in Lokalwährungen (zuvor: niedrig einstellig) sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 16.5% bis 16.8% (zuvor: 15.5% bis 16.5%). Das Transformationsprogramm «Rewired» verläuft gemäss Management planmässig, während der mittelfristige Ausblick zur Erreichung eines Umsatzes von CHF 1 Mrd. bis 2028 bestätigt wurde.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.89%; DE: 3.27%; CH: 0.47%
Nach dem klaren Ausgang der US-Zwischenwahlen gaben die Renditen an den Obligationenmärkten auf beiden Seiten des Atlantiks gestern nach. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen sank um rund sieben Basispunkte. Die Aussicht auf eine politische Blockade in Washington sorgt für Entlastung am US-Anleihemarkt. Die eingeschränkte Handlungsfähigkeit der Regierung dürfte den Spielraum für zusätzliche Staatsausgaben begrenzen und damit den Aufwärtsdruck auf die Renditen dämpfen.
Währungen
Euro in Franken: 0.918
US-Dollar in Franken: 0.817
Euro in US-Dollar: 1.123
Der US-Dollar geriet nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen gegenüber dem Franken und dem Euro unter Druck. Die Aussicht auf eine politische Blockade in Washington und eine mögliche strengere Regulierung des Technologiesektors belasten die Attraktivität von US-Anlagen. Kurzfristig rücken nun die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag und die Inflationszahlen der kommenden Woche in den Fokus. Sie dürften die Erwartungen an den weiteren Zinspfad der Fed und damit die Entwicklung des Dollars massgeblich beeinflussen.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 94.62 pro Fass
Goldpreis: USD 4'060.70 pro Unze
Die Ölpreise gerieten gestern nach den US-Zwischenwahlen massiv unter Druck. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent fiel um fast 9% auf rund 95 US-Dollar und damit erstmals seit Anfang Oktober wieder unter die Marke von 100 US-Dollar. Der klare Wahlsieg der Demokraten schürt Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt. Die eingeschränkte Handlungsfähigkeit der US-Regierung könnte das Risiko weiterer militärischer Eskalationen verringern und den Druck für eine Einigung in der Hormus-Frage erhöhen. Eine nachhaltige Entspannung am Ölmarkt hängt jedoch davon ab, ob die diplomatischen Bemühungen Fortschritte bringen und sich die Transportbedingungen in der Strasse von Hormus tatsächlich verbessern.
Der Goldpreis profitierte gestern vom schwächeren US-Dollar und den rückläufigen US-Renditen. Nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen legte das Edelmetall um rund 3.3% zu und überschritt wieder die Marke von 4’000 US-Dollar je Unze. Die Aussicht auf einen geringeren Inflations- und Zinsdruck erhöht die Attraktivität des unverzinsten Edelmetalls zusätzlich.
Wirtschaft und Konjunktur
USA: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor (Oktober gemäss ISM)
aktuell: 54.5 (erwartet: 54.8, Vormonat: 54.9)
Der US-Dienstleistungssektor setzte sein Wachstum im Oktober fort, verlor jedoch etwas an Dynamik. Der ISM-Einkaufsmanagerindex sank von 54.9 auf 54.5 Punkte. Sowohl die Geschäftstätigkeit als auch die Neuaufträge schwächten sich ab, während sich die Beschäftigung leicht verbesserte. Der Preisdruck bleibt trotz eines geringfügigen Rückgangs des Preisindex ausgesprochen hoch und spricht gegen eine baldige Lockerung der Geldpolitik.
Eurozone: Inflationsrate (Oktober)
aktuell: 4.0% (erwartet: 4.0%, Vormonat: 3.8%)
Die Inflation im Euroraum ist im Oktober von 3.8% auf 4.0% gestiegen und liegt damit doppelt so hoch wie das Inflationsziel der EZB. Haupttreiber bleiben die hohen Energiepreise, während die Kerninflation mit 2.5% unverändert blieb. Bislang gibt es damit nur begrenzte Anzeichen für eine breite Übertragung des Energiepreisschocks auf andere Güter und Dienstleistungen. Dennoch wächst der Druck auf die EZB, ihre Geldpolitik weiter zu straffen. Eine erneute Zinserhöhung im Dezember gilt als wahrscheinlich. Entscheidend bleibt, ob sich der Preisdruck über steigende Löhne und höhere Verkaufspreise in der Wirtschaft verfestigt.
Dominik Schmidlin
8021 Zürich
Florian Hiltpold
8021 Zürich
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