23. Juli 2026, Tägliche Marktsicht
Berichtssaison erreicht ihren Höhepunkt
Heute stehen in der Schweiz die Geschäftszahlen von Roche, Nestlé, Givaudan, Galderma, Kühne + Nagel, Temenos, SFS, Cembra und Meier Tobler im Fokus. In den USA rapportierte Alphabet.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.12%, SPI: +0.02%, SMIM: -0.84%
Der Schweizer Aktienmarkt zeigte sich zur Wochenmitte trotz anhaltender Spannungen im Nahen Osten widerstandsfähig. Der SMI schloss 0.1% höher, wobei insbesondere das Schwergewicht Nestlé den Leitindex stützte. In der Schweiz richtet sich der Fokus der Anleger auf die laufende Berichtssaison, die heute mit den Quartalszahlen zahlreicher Unternehmen ihren Höhepunkt erreicht. Zusätzlich dürfte der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) für Impulse sorgen. Starke Kursentwicklungen zeigten sich gestern für die Titel Nestlé (+2.2%), Amrize (+1.5%) und Logitech (+1.0%), während Alcon (-1.7%) und Lonza (-4.9%) Kursrücksetzer zu verzeichnen hatten. Beim Auftragsfertiger für die Pharma- und Biotech-Industrie enttäuschten trotz überzeugender Margen die ausbleibende Anhebung der Umsatzprognose und die schwache Entwicklung im Biologics-Geschäft.
Am breiten Markt schossen die Werte von Sonova (+5.5%), Adecco (+9.1%) und Cicor (+17.3%) in die Höhe. Sonova profitierte von einer Kaufempfehlung eines Brokers, während die anderen beiden Unternehmen durch ihre präsentierten Geschäftszahlen überzeugen konnten. In die andere Richtung ging es für Swatch (-5.2%), EFG (-5.6%), Also (-6.2%) und VAT (-8.2%). Nach starken Quartalszahlen konsolidierte gestern der Aktienkurs von VAT. Der Halbleiterzulieferer meldete Rekordaufträge im zweiten Quartal, getragen von der starken Nachfrage nach Advanced Logic- und DRAM-Anlagen.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: +0.50%, DAX: +0.58%
Die europäischen Aktienmärkte knüpften zur Wochenmitte an die Vortagesgewinne an und legten trotz der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten sowie steigender Ölpreise weiter zu. Anleger konzentrierten sich vor allem auf die laufende Berichtssaison und setzten darauf, dass starke Unternehmenszahlen die geopolitischen Risiken in den Hintergrund drängen. Der EuroStoxx 50 gewann 0.5%. Auch die wichtigsten Börsen in Frankreich, Spanien und Italien schlossen im Plus. Der britische FTSE 100 stieg dank kräftiger Kursgewinne bei Ölwerten um 1.2%. Auf Sektorenebene verzeichneten die Bereiche Energie, Versorger und Grundstoffe die höchsten Gewinne, während Gesundheit, Technologie und Zyklischer Konsum leicht rückläufig waren.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.01%, S&P 500: -0.14%, Nasdaq: -0.57%
Die amerikanischen Aktienmärkte haben sich vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen mehrerer Technologie-Schwergewichte zurückhaltend gezeigt. Im Fokus standen insbesondere die nachbörslichen Ergebnisse von Alphabet und Tesla, von denen sich Anleger wichtige Impulse für den Technologiesektor und die weitere Marktstimmung erhofften. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten blieben aufgrund weiter steigender Ölpreise ein Thema, belasteten die Stimmung an den US-Börsen jedoch nur begrenzt. Der Nasdaq gab nach dem kräftigen Vortagesanstieg um 0.5% nach. Der S&P 500 verlor 0.1%, während sich der Dow Jones nahezu unverändert zeigte. Bei den Sektoren stiegen die Kurse der Bereiche Versorger, Grundstoffe und Energie deutlich an, während Gesundheit, Zyklischer Konsum und Kommunikationsdienste abfielen.
Unternehmensberichte
Währungseffekte belasten Roche
Roche steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr 2026 währungsbereinigt um 6% auf CHF 30.4 Mrd. In Schweizer Franken gerechnet führte der starke Franken jedoch zu einem Rückgang von 2%. Stark entwickelte sich vor allem die Pharmasparte (+6%), aber auch die Diagnostiksparte entwickelte sich solide (+3%). Der Kernbetriebsgewinn stieg währungsbereinigt um 10%, der Kerngewinn je Aktie um 9%. Roche erzielte zudem Fortschritte bei der Produktepipeline mit positiven Studiendaten, mehreren Zulassungsanträgen und der Einführung neuer Diagnostiklösungen. Zudem vereinbarte der Konzern die Übernahme des KI-Diagnostikspezialisten PathAI. Den Ausblick für 2026 bestätigte Roche und erwartet weiterhin ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich sowie ein hohes einstelliges Wachstum des Kerngewinns je Aktie (jeweils zu konstanten Wechselkursen). Roche schneidet mit den Halbjahreszahlen im Rahmen der Analystenerwartungen ab.
Nestlé mit solidem Zahlenset
Nestlé steigerte den organischen Umsatz im 1. Halbjahr 2026 um 3.6%, wobei sich das interne Realwachstum (RIG) auf 1.5% verbesserte und im 2. Quartal 1.8% erreichte. Besonders stark entwickelten sich die Schwellenländer, aber auch die Industrieländer verzeichneten solides Wachstum. In China stabilisierte sich das Geschäft nach dem Abbau der Lagerbestände. Die operative Marge lag mit 16.4% leicht unter dem Vorjahr (16.5%), verbesserte sich jedoch gegenüber dem 2. Halbjahr 2025. Der Reingewinn belief sich auf CHF 3.5 Mrd. (-31%), der Free Cashflow auf CHF 3.4 Mrd. (+46.3%). Für 2026 bestätigte Nestlé den Ausblick mit einem organischen Umsatzwachstum von 3% bis 4%, einer verbesserten operativen Marge und einem Free Cashflow von über CHF 9 Mrd. Die ausgewiesenen Zahlen erfüllen die Analystenerwartungen.
Givaudan mit starkem organischem Wachstum
Givaudan steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr 2026 organisch um 3.6% auf CHF 3.8 Mrd., während der ausgewiesene Umsatz aufgrund negativer Währungseffekte um 1.7% zurückging. Wachstumstreiber war insbesondere die Sparte Fragrance & Beauty (+6.5%), während sich Taste & Wellbeing (+0.5%) weiter erholte. Die bereinigte EBITDA-Marge sank leicht von 25.2% auf 24.3%, belastet durch einmalige Kosten von CHF 103 Mio. im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten. Der Reingewinn belief sich auf CHF 475 Mio. (Vorjahr: CHF 592 Mio.), während der bereinigte Free Cashflow mit CHF -119 Mio. aufgrund höherer Investitionen und eines vorübergehend höheren Working Capitals klar negativ ausfiel. An den Mittelfristzielen bis 2030 hält Givaudan fest und strebt weiterhin ein durchschnittliches organisches Umsatzwachstum von 4% bis 6% sowie einen bereinigten Free Cashflow von über 12% an. Die ausgewiesenen Zahlen liegen in den Analystenerwartungen.
Galderma hebt Umsatzprognose an
Galderma steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 24.6% auf den Rekordwert von USD 3.13 Mrd. und überschritt damit erstmals in einem 1. Halbjahr die Marke von USD 3 Mrd. Das Wachstum war breit abgestützt und wurde von allen Regionen sowie sämtlichen Produktkategorien getragen. Besonders stark entwickelte sich die Sparte Therapeutic Dermatology (+67.9%), unterstützt durch den Erfolg von Nemluvio, das bereits einen Umsatz von USD 433 Mio. erzielte. Die Core-EBITDA-Marge verbesserte sich auf 25.6%, während der Core-Gewinn je Aktie um 68.5% auf USD 2.34 zulegte. Aufgrund der starken Geschäftsentwicklung hob Galderma den Umsatzausblick für 2026 auf ein Wachstum von 19% bis 21% (zuvor 17% bis 20%) an und bestätigte eine Core-EBITDA-Marge von rund 26%. Zudem wird die Aktie per 21. September in den SMI aufgenommen. Die Halbjahreszahlen erfüllen die Analystenerwartungen, der Umsatzausblick übertrifft diese.
Kühne + Nagel übertrifft Erwartungen deutlich und hebt Ausblick an
Kühne + Nagel konnte sich im 2. Quartal operativ verbessern. Der Umsatz erhöhte sich um 8% auf CHF 6.6 Mrd. Währungsbereinigt lag das Plus bei 11%. Nach Segmenten stach vor allem das Luftfrachtgeschäft positiv hervor, wo die Umsätze um 20% auf CHF 2.24 Mrd. gesteigert werden konnten und der EBIT um 35% auf CHF 154 Mio. zunahm. Dazu trugen die Verbesserung der Kundenportfolios sowie Marktanteilsgewinne im Technologiesektor bei. Der Rohertrag nahm indes um 3% auf CHF 2.25 Mrd. zu. Der EBIT konnte sogar um 11% auf CHF 381 Mio. gesteigert werden. Die wichtige Konversionsmarge, die EBIT zu Rohertrag gegenüberstellt, betrug 17%. Kühne + Nagel erwartet den beschleunigten Einsatz von künstlicher Intelligenz im Konzern, was unter anderem zu Effizienzsteigerungen führen dürfte. Insgesamt blieb ein um 10% höherer Reingewinn von CHF 276 Mio. Mit dem Zahlenset erhöht der Frachtlogistiker den EBIT-Ausblick auf CHF 1.35 bis 1.55 Mrd. (zuvor: CHF 1.25 bis 1.40 Mrd.). Mit dem Zahlenset übertrifft Kühne + Nagel auf allen Stufen die Markterwartungen.
Temenos übertrifft mit Gewinnzahlen, bleibt beim Umsatz aber zurück
Der Bankensoftwarespezialist Temenos steigerte den Umsatz im 2. Quartal 2026 um 1% auf USD 281.5 Mio. Die Einnahmen aus Software-Abos und Software-as-a-Service (SaaS) sanken dabei um 13% auf USD 109 Mio. Die Unterhaltssparte legte hingegen um 12% auf USD 134.4 Mio. und der Dienstleistungsumsatz um 16% auf USD 38.1 Mio. zu. Der operative Gewinn auf Stufe EBIT stieg um 4% auf USD 116.1 Mio. Die entsprechende Marge legte um 110 Basispunkte auf 41.3% zu. Unter dem Strich stieg der bereinigte Gewinn je Aktie um 7.3% auf USD 1.31. Mit dem Zahlenkranz wurden die Analystenerwartungen beim Umsatz verfehlt und bei den Gewinnzahlen klar übertroffen. Für das laufende 3. Quartal 2026 wird im Bereich Software-Abos und SaaS mit einem starken Wachstum von 30% gerechnet. Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde zudem bestätigt.
SFS übertrifft auf allen Ebenen
SFS steigerte im 1. Halbjahr 2026 den Umsatz um 1.3% auf CHF 1.56 Mrd. Organisch lag das Wachstum bei 4%. Der normalisierte operative Gewinn EBIT legte um 22.5% auf CHF 206 Mio. zu. Die entsprechende Marge stieg von 11% auf 13.3%. Unter dem Strich resultierte ein um 7.3% höherer Reingewinn von CHF 149.1 Mio. Auf Spartenstufe konnten Engineered Components (+2.6%) und Distribution & Logistics (+1.3%) überzeugen, während Fastening Systems (-1.1%) leicht schrumpfte. Mit dem Ergebnis wurden die Analystenerwartungen auf allen Ebenen übertroffen. Der Ausblick für das Gesamtjahr mit 3% bis 6% Umsatzwachstum in Lokalwährung sowie einer normalisierten EBIT-Marge von 12% bis 15% wurde bestätigt.
Cembra erhöht Gewinn je Aktie ab 2027
Cembra steigerte den Reingewinn im 1. Halbjahr 2026 um 6% auf CHF 92.3 Mio., getragen von einer Senkung des Geschäftsaufwands um 9%. Der Nettoertrag blieb trotz tieferer Maximalzinssätze stabil, während die Nettoforderungen gegenüber Kunden um 2% zunahmen. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis verbesserte sich auf 43.5% und die Eigenkapitalrendite erreichte 14.1%. Die Tier-1-Kapitalquote betrug 17.7% (Vorjahr: 17.6%). Cembra übernimmt den wesentlichen Teil des Schweizer Fahrzeugfinanzierungsgeschäfts von Santander. Die Akquisition stärkt die Marktposition im Neuwagensegment, erweitert das Partnernetzwerk und soll den Gewinn je Aktie ab 2027 erhöhen. Für 2026 bestätigte Cembra den bisherigen Ausblick und hält an einer Dividende von mindestens CHF 4.60 je Aktie fest. Die Halbjahreszahlen erfüllen die Analystenerwartungen.
Meier Tobler profitiert von ersten Erholungstendenzen
Meier Tobler konnte im 1. Halbjahr 2026 den Umsatz um 3.4% auf CHF 242.7 Mio. steigern. Der Schweizer Heizungsmarkt zeigte in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres erste Erholungstendenzen. Der Haustechnik-Anbieter verzeichnete im Handelsgeschäft sowie im Bereich der Wärmepumpen und Klimasystemen ein Wachstum. Das Servicegeschäft entwickelte sich hingegen aufgrund des Fachkräftemangels rückläufig. Der operative Gewinn (EBIT) betrug CHF 8.8 Mio. und lag aufgrund höherer Abschreibungen infolge der in den vergangenen Jahren getätigten IT-Investitionen rund 10% unter dem Vorjahreswert. Unter dem Strich erzielte Meier Tobler einen Reingewinn von CHF 6.8 Mio., nach CHF 7.3 Mio. in der Vorjahresperiode. Meier Tobler rechnet im 2. Halbjahr 2026 mit einer anhaltenden Markterholung und mit einer steigenden Profitabilität. Der operative Gewinn (EBITDA) soll höher ausfallen als im Geschäftsjahr 2025, während der Umsatz weiter zulegen soll. Zudem kündigte das Unternehmen an, das Aktienrückkaufprogramm im 2. Halbjahr 2026 wieder aufzunehmen.
Alphabet übertrifft in der Cloud-Sparte
Alphabet steigerte den Umsatz im 2. Quartal 2026 um 24% auf USD 119.8 Mrd. und erzielte damit das 12. Quartal in Folge mit zweistelligem Umsatzwachstum. Wachstumstreiber war insbesondere die Google-Cloud-Sparte, deren Umsatz dank der hohen Nachfrage nach KI-Infrastruktur und KI-Lösungen um 82% auf USD 24.8 Mrd. zulegte. Auch Google Search (+17%), YouTube-Werbung (+13%) und das Abo- und Gerätegeschäft entwickelten sich robust. Der operative Gewinn stieg um 30%, die operative Marge verbesserte sich auf 34%. Der Reingewinn erhöhte sich, begünstigt durch hohe Bewertungsgewinne auf Beteiligungen, um 298%, während der Gewinn je Aktie auf USD 9.11 (+294%) kletterte. Alphabet erhöhte die Prognose für die Kapitalausgaben im laufenden Jahr auf USD 195 bis 205 Mrd. (vorher USD 180 bis 190 Mrd.) Die Aktie verlor in der Nachbörse 3%.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.66%; DE: 3.17%; CH: 0.48%
Gestern bewegten sich die Zinsen an den Kapitalmärkten leicht nach oben. Der erneute Anstieg des Ölpreises hat die Inflationssorgen zuletzt wieder verstärkt. Entsprechend sind die Erwartungen an Leitzinserhöhungen der wichtigsten Notenbanken und damit auch die Kapitalmarktzinsen gestiegen. Seit Ende Juni legten die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in den USA und Deutschland um mehr als 30 Basispunkte zu. In der Schweiz fiel der Anstieg mit rund 20 Basispunkten etwas geringer aus.
Währungen
Euro in Franken: 0.928
US-Dollar in Franken: 0.815
Euro in US-Dollar: 1.141
Mangels neuer Konjunkturdaten fehlten dem Devisenmarkt gestern klare Impulse. Im Fokus steht der heutige Zinsentscheid der EZB. Eine Zinserhöhung gilt als unwahrscheinlich, der Fokus der Anlegerinnen und Anleger liegt jedoch auf den möglichen Aussagen der EZB-Vorsitzenden Christine Lagarde zur Inflation und zum weiteren Zins-Pfad.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 94.25 pro Fass
Goldpreis: USD 4'134.50 pro Unze
Die USA haben ihre Luftangriffe auf Iran ausgeweitet, während eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche zunehmend unwahrscheinlich erscheint. Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain und Jordanien. Beide Seiten verschärften zudem ihre Drohungen, insbesondere mit Blick auf die Strasse von Hormus und die iranischen Nuklearanlagen. Die Eskalation liess den Ölpreis auch gestern deutlich steigen. Die Sorte Brent notiert mehr als 3% höher als am Vortag, gleichzeitig verteuerten sich auch raffinierte Produkte wie Diesel.
Der Goldpreis konnte gestern leicht zulegen und notiert 4% über dem Jahrestiefstand von Mitte Juli. Das Minus gegenüber Jahresbeginn liegt damit bei knapp 4%.
Wirtschaft und Konjunktur
Es wurden gestern keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Dominik Schmidlin
8021 Zürich
Florian Hiltpold
8021 Zürich
Tobias Kistler
8021 Zürich
Anja Felder
8021 Zürich
Angela Truniger
8021 Zürich
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