22. Juli 2026, Tägliche Marktsicht

Antrieb von Aktien aus Halbleiter-Branche sorgt für positive Börsen

Nach Meldungen um künftige Preiserhöhungen des grössten Auftragsfertigers TSMC zogen weltweit Aktien mit Exponierung zum Chipsegment an. Heute stehen in der Schweiz die Halbjahreszahlen von Lonza, EFG und VAT im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.31%, SPI: +0.31%, SMIM: +0.13%

Der Schweizer Aktienmarkt war gestern von einer Vielzahl von Halbjahresabschlüssen geprägt. Gegen Handelsende halfen zudem positive Vorgaben der US-Börsen, sodass der SMI (+0.3%) leicht höher schliessen konnte. Am stärksten wurde der Leitindex vom Halbjahresabschluss des Index-Schwergewichtes Novartis beeinflusst. Nach einem verhaltenen Start ging die Aktie schlussendlich 2.0% höher aus dem Handel. Die Gewinnzahlen lagen leicht über den Markterwartungen. Ebenfalls gefragt waren gestern die Aktien von Logitech (+2.3%), ABB (+2.0%) und UBS (+1.3%). ABB profitierte dabei von der wieder freundlicheren Stimmung bei den Halbleiteraktien in Asien und den USA. Für Rückenwind sorgten Medienberichte, wonach der weltgrösste Auftragsfertiger TSMC mit Kunden über Preiserhöhungen von bis zu 10% ab dem kommenden Jahr verhandelt. Ebenfalls von diesem Trend profitierten aus der zweiten Reihe Aktien, die mit dem Halbleiter-Narrativ in Verbindung gebracht werden: Centiel (+15.9%), Belimo (+6.2%), Inficon (+5.7%), Comet (+5.2%), VAT (+5.1%), Huber+Suhner (+4.7%) und Accelleron (+1.5%). Der Spezialist für unterbrechungsfreie Stromversorgung Centiel profitierte dabei auch von einer Brokeraufstufung. Unter Abgabedruck standen neben dem Index-Schwergewicht Nestlé (-1.7%) vor allem SwissRe (-2.8%), Alcon (-1.6%) sowie Givaudan (-1.1%).

Im breiten Markt standen Swatch (Inhaber -8.2%), Schindler (PS -5.4%), Julius Bär (-4.0%) und Lindt&Sprüngli (-2.0%) nach den Halbjahreszahlen unter Abgabedruck. Beim Uhrenkonzern sorgte der trotz steigendem Umsatz weiter rückläufige Gewinn für Ernüchterung. Bei Julius Bär enttäuschten die Aussagen des Managements zum Nettoneugeld-Wachstum. Die Erwartungen klar übertreffen konnte hingegen Bossard (+9.4%).

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.94%, DAX: +0.66%

Die europäischen Aktienmärkte konnten trotz dem wieder eskalierten Konflikt im Nahen Osten leicht zulegen. Der länderübergreifende EuroStoxx50 ging 0.9% höher aus dem Handel. Der deutsche DAX legte um 0.7% und der französische CAC40 um 0.3% zu. Auf Sektorenstufe war auch in Europa dank den Chipwerten der Technologiesektor gefragt: Infineon (+5.5%), ASML (+4.8%) und STMicroelectronics (+4.3%) führten das Feld an. Ebenfalls gefragt waren die Bereiche Energie und Industrie. Unter Abgabedruck standen Kommunikationsdienste, Basiskonsum und Immobilien.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.74%, S&P 500: +0.89%, Nasdaq: +1.29%

Nach drei Handelstagen mit Abgaben zeigten sich die amerikanischen Aktienmärkte gestern von der freundlichen Seite. Die Chip-Aktien AMD, Applied Materials, Intel und Micron führten mit Gewinnen von 7.4% bis 12.2% das Feld an und sorgten für einen 1.3% höheren Nasdaq. Auch der breiter gefasste S&P500 konnte um 0.9% zulegen. Der Leitindex DowJones gewann 0.7% hinzu. Bei den Einzelwerten sorgte die laufende Berichtssaison für teils grössere Ausschläge. So brach die Aktie des Biotechunternehmens Danaher um 10.8% ein, nachdem die Diagnostiksparte hinter den Erwartungen zurückblieb. Für die Aktien des Mischkonzerns 3M (+7.6%) und des Autobauers General Motors (+5.2%) ging es dafür nach überzeugenden Quartalszahlen nach oben.

Unternehmensberichte

Lonza übertrifft Erwartungen und hebt Ausblick an

Der Pharma-Auftragsfertiger Lonza erzielt im 1. Halbjahr 2026 einen in Lokalwährung um 16% bzw. in CHF um 11.2% höheren Umsatz von CHF 3.4 Mrd. Der operative Gewinn auf Stufe Core-EBITDA stieg um 27% auf CHF 1.2 Mrd. Die entsprechende Marge legte um 440 Basispunkte auf 34.8% zu. Für das Gesamtjahr 2026 wird die Prognose für den Core-EBITDA von bisher über 32% auf 33% bis 34% angehoben. Das erwartete Umsatzwachstum wird weiterhin bei 11% bis 12% gesehen. Nach Abschluss des Verkaufs der Kapseln- und Gesundheitszutaten-Sparte, also vor Ende 2026, soll zudem ein Aktienrückkaufprogramm über CHF 500 Mio. gestartet werden. Mit dem Core-EBITDA wurden die Analystenerwartungen übertroffen und beim Umsatz erfüllt.

VAT verdoppelt den Auftragseingang und übertrifft damit die Erwartungen

Der Vakuumventil-Hersteller VAT profitiert erwartungsgemäss vom Halbleiterboom und verdoppelt im 2. Quartal 2026 den Auftragseingang auf CHF 500 Mio. Der Umsatz stieg verglichen mit der Vorjahresperiode um 2.9% auf CHF 291 Mio., was innerhalb der eigenen Vorgabe von CHF 265 bis 295 Mio. lag. Zu konstanten Währungen lag das Umsatzwachstum bei 8.1%. Auch die Gewinnzahlen hinken dem raschen Anstieg des Auftragseingangs noch hinterher und blieben unter den Analystenerwartungen. Der operative Gewinn auf Stufe EBITDA sank im 1. Halbjahr 2026 um 10.2% auf CHF 148.2 Mio. Die entsprechende Marge sank um 60 Basispunkte auf 29.0%. Unter dem Strich resultierte ein 6.4% tieferer Reingewinn von CHF 98.8 Mio. Für das 3. Quartal 2026 wird ein Umsatz von CHF 355 bis 385 Mio. erwartet. Das Unternehmen gab zudem bekannt, für CHF 110 Mio. die japanischen Sensorik Spezialisten Atonarp zu übernehmen. Mit dem Auftragseingang wurden die Analystenerwartungen übertroffen und mit dem Umsatz erfüllt.

EFG steigert AuM um 21%

Die Privatbank EFG steigerte im 1. Halbjahr 2026 den Reingewinn um 5% auf CHF 184.6 Mio. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital lag damit bei 22.4%. Das Nettoneugeld lag bei CHF 5.7 Mrd., was einem annualisierten Wachstum von 6.2% entspricht. In der Periode wurden 39 neue Kundenberater eingestellt, zusätzlich wurden 33 weiteren Ende Juni ein Job offeriert. Die verwalteten Vermögen (AuM) stiegen um 21% gegenüber der Vorjahresperiode bzw. um 6.2% seit Jahresanfang auf CHF 196.3 Mrd. Die Kosten-/Ertragsquote verbesserte sich gegenüber Ende 2025 von 73.1% auf 71.5%. Die Kernkapitalquote (CET1) stieg um 100 Basispunkte auf 15.0%. Während der Reingewinn unter den Analystenerwartungen lag, übertrafen die Nettoneugelder und die AuM die Prognosen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.63%; DE: 3.16%; CH: 0.47%

Mit dem steigenden Ölpreis nehmen auch die weltweiten Inflationssorgen wieder zu. Folglich sind auch die Markterwartungen für Leitzinserhöhungen der wichtigsten Notenbanken wieder deutlich angestiegen, was sich in höheren Kapitalmarktzinsen niederschlägt. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg gestern wieder über die Marke von 4.6%, was einem Anstieg von rund 40 Basispunkten gegenüber dem Jahresanfang entspricht.

Währungen

Euro in Franken: 0.927
US-Dollar in Franken: 0.813
Euro in US-Dollar: 1.141

Das Bild der letzten Tage wurde auch gestern weitergezeichnet. Während der US-Dollar vom steigenden Ölpreis profitiert, verliert der Schweizer Franken tendenziell an Boden. Mit gut 81 Rappen kostet ein US-Dollar rund 2.5% mehr als noch Anfang Jahr und gar über 5% mehr als Ende Januar.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 92.11 pro Fass
Goldpreis: USD 4'132.27 pro Unze

Der Ölpreis ist gestern erneut angestiegen und notiert nun wieder deutlich über 90 US-Dollar das Fass. Neben der erneuten Eskalation um die Strasse von Hormus droht nun auch die jemenitische Huthi-Miliz saudischen Schiffen mit einer Blockade der Ausfahrt aus dem Roten Meer. Neben der Strasse von Hormus ist die Route vom Roten Meer durch die Meerenge von Bab al-Mandab an der Küste Jemens eine weitere wichtige Schifffahrtsstrasse für Öltanker. Diese hat in den letzten Monaten als alternative Export-Route für saudisches Erdöl nochmals zusätzlich an Bedeutung gewonnen. 

Wirtschaft und Konjunktur

Es wurden gestern keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.

Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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